Fachbeiträge & Interviews
Sonntag, 17. November 2019
Ausgabe 6663 | Nr. 321 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Nachgefragt bei: Marc Hoffmann

# 26.11.2014

Marc Hoffmann von der Kisters AG - Jeder Bauingenieur tickt in seiner beruflichen Praxis anders. Arbeitsabläufe und Planungen gestalten sich, je nachdem, worauf der Einzelne Wert legt, unterschiedlich. Um den individuellen Eigenschaften erfolgreicher Ingenieure auf die Spur zu kommen und ihre Tipps und Hinweise für den Beruf für alle nutzbar zu machen, heißt es bei bauingenieur24 einmal im Monat Nachgefragt bei ...

Dipl.-Ing. Marc Hoffmann berät als Leiter der Abteilung Umweltconsulting der Kisters AG Kunden aus der Wasserwirtschaft in IT-Fragen. Foto: Kisters AG Dipl.-Ing. Marc Hoffmann berät als Leiter der Abteilung Umweltconsulting der Kisters AG Kunden aus der Wasserwirtschaft in IT-Fragen. Foto: Kisters AG

Dipl.-Ing. Marc Hoffmann (51) ist Leiter der Geschäftsabteilung Umweltconsulting der Kisters AG, einem europaweit agierenden Anbieter von Umweltinformatik und Ingenieurleistungen mit Stammsitz in Aachen. In einem Team von zwölf Mitarbeitern analysiert Hoffmann Umweltdaten für Kunden aus dem kommunalen Bereich, darunter Wasser- und Stadtwerke, sowie für größere Industriebetriebe. Hoffmanns Abteilung realisiert zudem Projekte in allen Leistungsphasen, schwerpunktmäßig in der Wasserwirtschaft. Mit Marc Hoffmann sprach bauingenieur24-Redakteur Fabian Hesse.

Herr Hoffmann, was fordert Sie gerade besonders in Ihrem Job?

Wir haben zuletzt innerhalb von zwei Wochen mehrere Workshops veranstaltet, die zum Ziel hatten, die Teilnehmer im Umgang mit ihren EDV-Programmen, darunter bestimmte Kanalinformationssysteme, zu schulen. Als Consulting-Unternehmen verstehen wir uns als "Dolmetscher" zwischen dem Hersteller solcher Software und ihren Anwendern.

In den Workshops geht es darum, wie beispielsweise ein Kanalnetzbetreiber aus der Menge seiner erhobenen Daten die Informationen filtert, welche er braucht, um ein sinnvolles Vorgehen bei stets notwendigen Sanierungsmaßnahmen abzuleiten. Eine genaue Datenanalyse ermöglicht zudem den zielorientierten Einsatz eines vorgegebenen Haushaltsbudgets.

Die Unternehmen können mittels eigener Daten theoretisch feststellen, wie groß die Umweltbelastung durch das von ihnen betriebene Netz ist. Idealerweise entsteht dazu, bei richtiger Anwendung der digitalen Systeme, ein Jahresbericht auf Knopfdruck. Manche Betreiber sind davon jedoch weit entfernt. Mit uns können sie dieses Ziel in zwei bis drei Jahren erreichen.

Neben der Konzipierung von den beschriebenen Beratungsveranstaltungen beschäftigt mich unter anderem gerade die Messdatenauswertung für einen konkreten Kanalnetzbetreiber. Durch Änderungen und Anpassungen der Wasserschutzgesetze sehen sich unsere Kunden regelmäßig mit neuen Vorgaben zur Auswertung ihrer Daten konfrontiert. Für diese wechselnden Ansprüche bieten wir Lösungen an.

Wie lange sind Sie schon in der Branche tätig und warum?

Ich bin seit 25 Jahren Bauingenieur und habe diesen Beruf sozusagen von meinem Vater ererbt. In dieser Zeit habe ich mich stets in der Wechselzone zwischen den ausführenden Bauunternehmen und den Herstellern von Werkzeugen für die Branche, speziell jene des IT-Bereichs, bewegt. Seit 1999 bin ich für meinen jetzigen Arbeitgeber tätig.

Ich mache meine Affinität zu digitalisierten Werkzeugen deshalb für die Baubranche nutzbar, weil hier Grundbedürfnisse der menschlichen Existenz, wie natürliche Lebensgrundlagen, Wohnen oder Mobilität, erfüllt werden.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei Ihren Mitarbeitern am meisten?

Die zentrale Qualifikation ist ein Gefühl dafür, wie viel Aufwand sinnvoller Weise für eine Aufgabe betrieben werden muss. Wichtig ist, dass sich ein Mitarbeiter nicht in Nebensächlichkeiten verliert. Worauf es ankommt, ist die Zahl vor dem Komma, nicht die vielen dahinter. Gleichzeitig muss in der vorbereitenden Betrachtung eines Problems genau erkannt werden, welche Werkzeuge zur Lösung benötigt werden. Diese Fähigkeit hat man oder man hat sie eben nicht. Teamfähigkeit und Kollegialität sind ebenfalls unabdingbar.

Was das Fachliche angeht, erwarte ich keine fertigen Alleskönner. Die gibt es nicht, schon gar nicht in unserem alltagsprägenden Fachgebiet der IT-Lösungen für den Wasserbau. Neue Kollegen erfahren bei uns ein "training on the Job", salopp gesagt ein "betreutes Arbeiten", bis zur Reife ihrer Selbstständigkeit. Ein allgemein ausgebildeter Bachelor of Engineering kann hier wertvoller sein als ein zu spezifisch ausgebildeter, promovierter Kollege.

Auf wen hören Sie beruflich?

Sowohl wörtlich als auch im übertragenen Sinn muss ich für meine Arbeit gut vernetzt sein. Die Kontakte zu den Fachverbänden, wie unter anderem der DWA, und den entsprechenden Fachausschüssen im Bereich der Wasserwirtschaft helfen mir sehr. Auf Messen oder Fachtagungen tausche ich mich regelmäßig mit Kollegen und anderen Branchenvertretern aus. Die Veranstaltungen sind mittlerweile so zahlreich, dass man eine sinnvolle Auswahl treffen muss. Alle zu besuchen ist unmöglich.

In welche (Informations-)Technik investiert Ihr Unternehmen?

Da wir, bildlich gesprochen, für unsere Kunden mittels Beratung "Schneisen in den IT-Dschungel schlagen" und selbst noch Ingenieurleistungen unter Anwendung der Software, über die wir informieren, erbringen, verfügen wir in diesem Bereich natürlich über eine besondere Fachkenntnis und sind entsprechend mit Systemen auf dem neusten Stand ausgestattet.

Die Kisters AG insgesamt entwickelt zudem selbst digitale Lösungen im Bereich Umweltinformatik. Durch eine enge Verbindung zu anderen Herstellern können wir, als praxiserfahrenes Unternehmen, Hinweise zur anwenderfreundlichen Programmierung geben. Hier kooperieren wir seit vielen Jahren unter anderem mit der Barthauer Software GmbH aus Braunschweig, welche in der Weiterentwicklung ihres Produkts BaSYS, einem Standard-Arbeitswerkzeug für die Abwicklung von Projekten in der Stadtentwässerung, von uns unterstützt wird.

Welchen Wunsch haben Sie an die Politik?

Inzwischen sind die meisten Kommunen dazu übergegangen, ihre durch Gebühren erzielten Einnahmen direkt wieder in den Ausbau und Erhalt beispielsweise ihrer Netze zu investieren, was gut ist.

Weniger gut ist die Fördermittelvergabe auf Grundlage der übergeordneten Bundes- oder Landespolitik. Zuwendungen müssen wieder enger an einen wirklichen Bedarf gekoppelt werden. Sie dürfen nicht, wie derzeit, nur für ein bestimmtes Produkt oder Konzept gewährt werden sondern müssen dorthin fließen, wo ein bestimmtes Problem, mit welchen unterschiedlichen Mitteln auch immer, gelöst wird.

Ein Beispiel in Nordrhein-Westfalen ist die Förderung der so genannten Retentionsbodenfilter zur Regenwasserbehandlung. Diese Technik ist mancherorts sinnvoll, aber nicht immer und überall. Förderquoten von 50 Prozent und mehr lassen den Verantwortlichen der Kommunen jedoch momentan keine Wahl: Es muss gebaut werden, will man die enorme Förderung für sich nicht verstreichen lassen.

Als Ingenieur liegt mir instinktiv und in jedem Fall die passgenaue Lösung für ein technisches Problem am Herzen. Verschiedene Varianten müssen betrachtet und grundsätzliche Alternativen der Lösung untersucht werden, damit dann die jeweils sachgerechte Technik ausgewählt und angewandt werden kann. Diese darf dann auch gerne gefördert werden.

Der Grundsatz müsste meiner Meinung nach also lauten: Die Verantwortung für die Errichtung und Unterhaltung von Anlagen kann nicht nur durch externe Zuschüsse übernommen werden. Der Bauherr und Vorhabensträger selbst sollte seine Maßnahme aus eigenen Mitteln finanzieren können und dementsprechend ein vitales Interesse an wirtschaftlichen Lösungen haben.

Wie sieht Ihre individuelle Weiterbildung aus?

Ich besuche zwei bis drei Tagesseminare pro Jahr zu speziellen Themen. Ich bilde mich stetig durch eine Mischung aus gezielten Fortbildungsveranstaltungen und anderen Branchentreffs weiter. Für die Mitarbeiter unseres Hauses bieten wir ebenfalls die ständige Möglichkeit, relevante Seminare zu besuchen. Täten wir es nicht, wären wir selbst schuld am Stillstand unseres Leistungsspektrums.

Welchen Ausgleich haben Sie zum Beruf?

Wenn ich abschalten will, greife ich zur Gitarre und musiziere allein für mich oder mit Freunden zusammen in einer Jazzcombo.

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