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Nachgefragt bei: Martin Hakvoort

Verfasst von: Fabian Hesse
Veröffentlicht am: 15. Feb. 2017

Dipl.-Ing. Martin Hakvoort von der HOCHTIEF Infrastructure GmbH - Jeder Bauingenieur tickt in seiner beruflichen Praxis anders. Arbeitsabläufe und Planungen gestalten sich, je nachdem, worauf der Einzelne Wert legt, unterschiedlich. Um den individuellen Eigenschaften erfolgreicher Ingenieure auf die Spur zu kommen und ihre Tipps und Hinweise für den Beruf für alle nutzbar zu machen, heißt es bei bauingenieur24 einmal im Monat "Nachgefragt bei ...". Bauingenieure und Experten ihres Faches liefern dabei im Interview aufschlussreiche Antworten zu unseren Fragen.

Dipl.-Ing. Martin Hakvoort ...

Dipl.-Ing. Martin Hakvoort ist Bauleiter im Bereich Schlüsselfertigbau bei der HOCHTIEF Infrastructure GmbH. Foto: Hochtief
Dipl.-Ing. Martin Hakvoort ist Bauleiter im Bereich Schlüsselfertigbau bei der HOCHTIEF Infrastructure GmbH. Foto: Hochtief
...ist Bauleiter im Bereich Schlüsselfertigbau bei der HOCHTIEF Infrastructure GmbH mit Hauptsitz in Essen. Die Gesellschaft realisiert Verkehrs-, Energie- und Hochbauprojekte in Europa und ausgesuchten Regionen weltweit. Sie bietet Leistungen für alle Realisierungsphasen von Gebäuden, Brücken, Straßen, Tunneln, Häfen, Schienenwegen, Flughäfen oder Anlagen zur Erzeugung konventioneller und erneuerbarer Energie an.

Hakvoort ist Mitglied eines zehnköpfigen Bauleitungsteams. Als verantwortlicher Bauleiter für den Tief- und Rohbau besteht seine Aufgabe in der Ausschreibung, der Vergabe, der Koordination sowie der Abrechnung von Nachunternehmerleistungen.

 

 

Was fordert Sie aktuell besonders in Ihrem Job?

 

Aktuell bin ich für das Projekt "House of Elements" in Essen als Bauleiter tätig. Unser Team errichtet als Generalübernehmer für die Hochtief Projektentwicklung ein Bürogebäude mit ca. 30.000 Quadratmetern Brutto-Grundfläche. Wir befinden uns derzeit in der Ausbauphase.

Bei schlüsselfertigen Projekten ist es stets die größte Herausforderung, das Projekt innerhalb des Budgets termingerecht fertigzustellen. Dabei gilt es die Wünsche des Mieters zu beachten, die Vorgaben des Auftraggebers einzuhalten und zusammen mit den beauftragten Planern und den eingesetzten Nachunternehmern das Projekt in der vertraglich verabredeten Qualität zu realisieren.

Aktuell liegt mein Schwerpunkt als verantwortlicher Bauleiter im Bereich Abrechnung der einzelnen Rohbaugewerke und parallel in der Ausschreibung und Vergabe noch auszuführender Ausbaugewerke, wie zum Beispiel Stahlbau, Tiefgaragenbeschichtung und Außenanlagen.

Dabei stellt uns die derzeit allgemein gute bis sehr gute Auftragssituation in der hiesigen Baubranche vor die besondere Herausforderung, kompetente und leistungsstarke Partner zu finden. Wir profitieren davon, dass wir in der Vergangenheit mit unseren Nachunternehmern ein partnerschaftliches Verhältnis aufgebaut haben. So konnten wir uns für das aktuelle Projekt gerade in den Schlüsselgewerken wieder auf unsere vertrauten Partner verlassen.

 

Wie lange sind Sie schon in der Branche tätig und warum?

 

Die Begeisterung fürs Bauen habe ich früh entwickelt. Mein Vater hat ein mittelständisches Bauunternehmen im Münsterland betrieben. Ich habe seit meiner Kindheit mit ständig wachsender Begeisterung viel Zeit im elterlichen Betrieb und auf den Baustellen verbracht. So war für mich eigentlich schon immer klar, dass ich mich auch nach dem Abitur weiter mit dem Bauen beschäftigen werde.

Ich habe an der RWTH Aachen studiert und 2006 bei Hochtief in der Tragwerksplanung angefangen. Hier konnte ich die statischen und konstruktiven Grundlagen meines Studiums vertiefen und mein theoretisches Wissen um wertvolle Praxiserfahrung erweitern.

Nach fünf Jahren im Bereich Tragwerksplanung wollte ich mein Wissen konkret anwenden und in Projekten umsetzen. Ich bin dann unternehmensintern in den Schlüsselfertigbau gewechselt.

 

Welche Wege geht Ihr Unternehmen in punkto Personalgewinnung?

 

Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass Hochtief bereits bei den Studenten und generell an den Universitäten sehr präsent ist. Wenn Interesse an unserem Unternehmen besteht, finden Schüler und Studenten auf den Internetseiten unseres Unternehmens alles, was sie für den ersten Schritt zu uns benötigen.

Aber das alleine wäre sicherlich zu wenig, um Nachwuchs zu gewinnen. Ich weiß noch, wie ich als Student mehrere Großbaustellen von Hochtief während einer Exkursion oder eines Praktikums besichtigt habe. Sowohl für mich als auch für meinen heutigen Arbeitgeber war das eine sehr gute Möglichkeit einander kennen zu lernen.

Heute führe ich auch öfter Studentengruppen über meine Baustellen und freue mich über die interessanten Fragen und Gespräche. Nicht selten ergibt sich nach einer Baustellenbesichtigung eine Tätigkeit als Praktikant oder Werksstudent.

Praktikanten, die sich besonders bewährt haben, versuchen wir über ein Hochtief-weites Praktikantenprogramm an uns zu binden. Über diesen Weg gewinnen wir einen Großteil unserer Nachwuchskräfte als Trainees oder Direkteinsteiger. Aber auch über Jobangebote, die auf unserer Karriereseite veröffentlicht werden, kommen Hochschulabsolventen zu uns.

 

Auf wen hören Sie beruflich?

 

In meinem Team gibt es einige sehr erfahrene Kollegen, auf deren Rat ich mich verlassen kann. Prinzipiell kann ein Projekt nur durch das Zusammenwirken aller am Projekt Beteiligter und das Einbringen der Erfahrungen eines jeden Einzelnen erfolgreich abgewickelt werden.

Es ist in meinem Beruf immens wichtig, ein offenes Ohr für die Meinung und die Erfahrung der Projektbeteiligten zu haben.

 

In welche Informationstechnik investiert Ihr Unternehmen besonders?

 

Aktuell ist das Thema Building Information Modeling, kurz BIM, und die 3D-Planung in aller Munde. Die BIM-Methode wird durch unsere Gesellschaft HOCHTIEF Vicon maßgeblich weiterentwickelt. Alle Aspekte des Planens und Bauens werden bei uns bald miteinander vernetzt sein. Dazu zählen Planung, Gewerke-Kollisionsprüfung, Fertigung, Zugangskontrolle, Terminlogistik, Just-in-Time-Delivery, Lagerflächenmanagement, Materialtracking, Einbaukontrolle, Qualitätssicherung usw.

 

Wie nutzen Sie die BIM-Methode konkret?

 

In dem beschriebenen aktuellen Projekt arbeitet unser Team zum ersten Mal aktiv mit BIM. Die komplette Ausführungsplanung für Tragwerk und Architektur wurde anhand eines 3D-BIM-Modells erstellt.

Des Weiteren konnten wir das 3D-Bauwerksinformationssystem für diverse Prozesse einsetzen. So ließ sich zum Beispiel die Massenermittlung und Massenkontrolle wesentlich schneller und effizienter durchführen. Wir haben zudem die Möglichkeit, dem Bauherrn bereits vor der Fertigstellung sein neues Gebäude digital sehr anschaulich vorzuführen oder auch Konfliktpunkte vor der Ausführung zu erkennen. Das heißt, wir erkennen frühzeitig, wann zum Beispiel Wasserleitungen mit geplanten anderen Versorgungskanälen kollidieren würden und können entsprechende Änderungen vornehmen.

Wir nutzen weiterhin die Möglichkeit, Formulare digital zu erstellen und mit dem Modell zu verknüpfen. Mit Hilfe dieser digitalen Formulare dokumentieren wir verdeckte Leistungen oder aber auch Ausführungsmängel. Verdeckte Leistungen können z.B. Fugenbänder sein, welche nach der Betonage nicht mehr sichtbar sind, oder Versorgungsleitungen in TGA-Steigeschächten, welche nach dem Schließen der Schächte nicht mehr zugänglich sind.

Wir versehen die Formulare mit Kommentaren und Fotos und verknüpfen diese anschließend mit dem entsprechenden Raum im Modell. So lässt sich die Leistung bzw. der Mangel exakt zuordnen und kann jederzeit schnell und ohne großen Verwaltungs- und Ablageaufwand wieder zugeordnet werden.

Schließlich besteht die Möglichkeit, die digitalen Formulare für die Qualitätssicherung einzusetzen. Die Formulare werden dazu mit Checklisten verbunden. So können wir die Qualitätskontrollen dokumentieren und an entsprechender Stelle im Modell platzieren.

Generell investiert unser Unternehmen kontinuierlich in neue Technik und Anwendungen. In Form von FuE-Projekten (Forschungs- und Entwicklungsprojekte; Anm. d. Red.) testen wir diese und entwickeln sie weiter.

 

Welchen Wunsch haben Sie an die Politik?

 

Wenn ich mir den Zustand öffentlicher Straßen, Brücken, Schulen und anderer Gebäude ansehe, finde ich generell, dass Deutschland mehr in Erneuerung und Ausbau seiner Infrastruktur investieren sollte.

Ich erkenne auch eine wachsende Bereitschaft, diesen Nachholbedarf anzugehen. Hier sollten die Entscheidungsträger mutig und entschlossen handeln.

 

Wie sieht Ihre individuelle Weiterbildung aus?

 

Das Thema Weiterbildung wird in unserem Unternehmen konsequent verfolgt. Ich nutze das interne Weiterbildungsprogramm regelmäßig, um meine persönlichen, sozialen und methodischen Kompetenzen zu entwickeln. Die hier erlernten Techniken haben mir schon oft in Verhandlungs- und Konfliktsituationen sowohl beruflich als auch privat weitergeholfen. Es ist immer sehr hilfreich, diesbezüglich ein paar Werkzeuge zur Hand zu haben.

In technischen Bereichen erfolgt meine Weiterbildung tagtäglich. Sei es durch einschlägige Literatur, durch Gespräche mit Fachfirmen, durch Abstimmungen mit Fachplanern oder durch Recherchen im Internet.

 

Welchen Ausgleich haben Sie zum Beruf?

 

Es mag sich komisch anhören, aber aktuell ist mein Ausgleich zum Beruf der Umbau meines eigenen Hauses. Abends oder am Wochenende körperlich zu arbeiten, lässt mich die beruflichen Themen vergessen.

Wenn ich mit meiner Familie gemeinsam etwas Sichtbares schaffe, erfüllt mich das mit sehr viel Zufriedenheit. Wenn ich mal keine Lust auf meine private Baustelle habe, setze ich mich auf mein Rennrad oder unternehme etwas anderes mit meiner Familie und mit Freunden.