Fachbeiträge & Interviews
Donnerstag, 23. Mai 2019
Ausgabe 6485 | Nr. 143 | 18. Jahrgang
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Nachgefragt bei: Matthias Krieger

# 27.08.2014

Matthias Krieger von der Krieger + Schramm GmbH & Co. KG - Jeder Bauingenieur tickt in seiner beruflichen Praxis anders. Arbeitsabläufe und Planungen gestalten sich, je nachdem, worauf der Einzelne Wert legt, unterschiedlich. Um den individuellen Eigenschaften erfolgreicher Ingenieure auf die Spur zu kommen und ihre Tipps und Hinweise für den Beruf für alle nutzbar zu machen, heißt es bei bauingenieur24 einmal im Monat Nachgefragt bei ...

Dipl.-Ing. Matthias Krieger...

Dipl.-Ing. Matthias Krieger führt das eigene Bauunternehmen im Hochbau, Krieger + Schramm. Insgesamt 75 Mitarbeiter erwirtschaften an drei Standorten 25 Millionen Euro Jahresumsatz. Foto: F. Hesse Dipl.-Ing. Matthias Krieger führt das eigene Bauunternehmen im Hochbau, Krieger + Schramm. Insgesamt 75 Mitarbeiter erwirtschaften an drei Standorten 25 Millionen Euro Jahresumsatz. Foto: F. Hesse

...ist geschäftsführender Gesellschafter der Bauunternehmung Krieger + Schramm GmbH & Co. KG mit Hauptsitz im thüringischen Dingelstädt. Die Firma beschäftigt derzeit 75 feste Mitarbeiter. Mit Niederlassungen im hessischen Lohfelden sowie Frankfurt a.M. werden ausschließlich Projekte im Hochbau, dabei vor allem im Wohnungsbau, als GU, GÜ und Bauträger realisiert. Über das Tochterunternehmen Dynahaus werden seit 2013 Energie-Speicher-Plus-Häuser entwickelt und vermarktet. Mit Matthias Krieger sprach bauingenieur24-Redakteur Fabian Hesse.

Herr Krieger, was fordert Sie gerade besonders in Ihrem Job?

Neben vielem anderen beschäftigt mich derzeit vor allem die Weiterentwicklung und Franchise-Vermarktung des Konzeptes meiner Firma Dynahaus. In einem internen Workshop haben wir zuletzt mithilfe eines erfahrenen Unternehmenscoachs an einer Engpasskonzentrierten Strategie (EKS) für das Unternehmen gearbeitet. Die Zielgruppenfokussierung spielt hierbei eine zentrale Rolle.

Wir haben bereits zwei Prototypen unserer selbst entwickelten Energie-Speicher-Plus-Häuser in Lohfelden und München stehen, wofür derzeit gerade geeignete Testfamilien gesucht werden. Diese sollen Anfang 2015 einziehen, um ein Jahr lang das Wohnen im Dynahaus zu erproben. Sie zahlen keine Miete und bekommen zudem ein Elektrofahrzeug gestellt, müssen im Gegenzug jedoch für Gespräche und Kundenbesuche im Haus zur Verfügung stehen.

Was mich besonders von unserem Konzept des Dynahauses, welches die Energie der Sonne auch bei Nacht nutzbar macht, überzeugt, ist die Tatsache, dass wir hier ein Haus der Zukunft bauen. Anders als bei Passivhäusern, die in der Herstellung und Entsorgung der benötigten Dämmelemente sehr viel CO2 produzieren, bieten unsere Gebäude wesentlich mehr Komfort, beispielsweise bei der individuellen Regulierung der Luftwärme.

Wie lange sind Sie schon in der Branche tätig?

Ich habe 1989 meinen Abschluss an der Weimarer Hochschule für Architektur und Bauwesen gemacht. Danach war ich zwei Jahre lang in einem Statikbüro angestellt, bevor ich mich 1992 mit meiner eigenen Firma selbstständig gemacht habe.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei Ihren Mitarbeitern am meisten?

Bevor ich Erwartungen an meine Mitarbeiter stelle, sehe ich zu, meine Bringschuld als Arbeitgeber zu erfüllen. Das bedeutet, ich erkläre dem Arbeitnehmer den Sinn seiner Arbeit und vermittle ihm meine Anerkennung und Wertschätzung für das Geleistete. Ohne diesen ersten Schritt lässt sich nicht das Vertrauen aufbauen, welches für ein optimales Arbeitsverhältnis nötig ist.

Innerhalb des Unternehmens genießen meine Mitarbeiter absolute Freiräume. Sie wissen, wie ein Haus gebaut wird, und brauchen daher diesbezüglich keine Vorgaben von mir. Um sie zu motivieren, feuere ich sie an und spreche ihnen Mut zu statt sie zu kritisieren, auch wenn sie Fehler machen. Gegenüber meinen Mitarbeiter verstehe ich mich selbst weniger als Chef denn als Antreiber und Motivator.

Manche kennen diese Strategie des Mitziehens nicht und fußen in ihrem beruflichen Leben auf schlechten Erfahrungen, weshalb sie auch bei uns zunächst verunsichert wirken und eine Eingewöhnung brauchen. Andere vermuten aufgrund diverser Auszeichnungen unseres Unternehmens ein Schlaraffenland und fallen damit natürlich früher oder später auf die Nase. Wieder andere stellen sich - und darin erkenne ich ihren Sportsgeist - immer wieder die Frage: Was kann ich besser machen? Wie im Sport, wird jeder Fehler als Chance gesehen, sich und seine Leistung zu steigern. Fachkräfte mit einer solchen Einstellung mag ich und suche ich.

Auf wen hören Sie beruflich?

Als Unternehmer sowie ehemaliger Leistungssportler orientiere ich mich an den Top-Größen aus der Wirtschaft und dem Sport, wie dem Computerpionier Steve Jobs oder der Leichathletiklegende Carl Lewis. Ich lese ihre Bücher und lerne daraus. Dabei stelle ich fest, dass ich, je weiter ich als Unternehmer komme, immer mehr entdecke, was ich noch nicht weiß.

Verschiedene Mitgliedschaften in Netzwerken und Verbänden, wie z.B. dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) oder dem Wirtschaftsclub Kassel (WCK), bringen mich mit erfahrenen Kollegen zusammen, deren Meinungen ich mir gerne anhöre.

In welche Technik investieren Sie in Ihrem Unternehmen?

Auf Empfehlung meiner kompetenten Mitarbeiter entscheide ich, welche Anwendungen oder Geräte für uns nötig und sinnvoll sind. Seit einigen Jahren nutzen wir unter anderem eine Flowfact-Software als Basis unseres Wissensmanagements und zur Verwaltung unserer Kundendatenbank.

Um innovativ zu bleiben und unsere Produktivität zu steigern, setzen wir auch auf unseren Baustellen auf neuste Technik, darunter Laserendgeräte bei der Betonierung und spezielle Schaltechnik. Dies trägt für uns dazu bei, mit gerade einmal 75 Angestellten einen Jahresumsatz von 25 Millionen Euro zu erzielen.

Welchen Wunsch haben Sie an die Politik?

Die Politik sollte in meinen Augen ausschließlich dazu dienen, einen vernünftigen Rahmen für die soziale Marktwirtschaft zu gewährleisten, und ihr dabei möglichst viel Raum lassen. Natürlich gibt es Unternehmen, die ethisch nicht ganz einwandfrei agieren und die daher auch einer gewissen Kontrolle bedürfen. Egoismus und rücksichtloses Wirtschaften sind jedoch nicht meine Sache. Als Mitglieder einer Gesellschaft sitzen wir alle im selben Boot.

Grundsätzlich brauche ich als mittelständischer Unternehmer in Deutschland nicht ganze vier Regierungen, wie es im Moment der Fall ist. Aber auch wenn mir durch diese Situation der Überregulierung manches lästig fällt, lasse ich mich in meinem Streben nach neuen Zielen von der Politik nicht aufhalten. Ich habe Verständnis für die Probleme anderer, die nach Lösungen durch die Politik rufen. Ich löse inzwischen meine Probleme selbst.

Wie sieht Ihre individuelle Weiterbildung aus?

Als überzeugter Fan der bereits erwähnten Engpassorientierten Strategie (EKS) besuche ich regelmäßig Veranstaltungen der einschlägigen Experten, wie z.B. Herrn Dr.-Ing. E. Rüdiger Weng vom Erfahrungsaustausch-Kreis für Planer am Bau (Erfa-Kreis) oder auch Frau Dr. Kerstin Friedrich.

Innerhalb meiner eigenen Unternehmen lasse ich Lehrfilme produzieren, welche die Kenntnisse der Mitarbeiter in den Bereichen Verkauf, der Reklamation oder dem Empfehlungsmanagement weiterentwickeln sollen.

Um generell so viel wie möglich vom Wissen der Welt, welches sich ja bekanntlich alle vier bis fünf Jahre verdoppelt, mitzubekommen, lese ich jeden Monat ein repräsentatives Fachbuch.

Welchen Ausgleich haben Sie zum Beruf?

Ich treibe regelmäßig Sport, pflege Freundschaften und engagiere mich mit meiner eigenen Stiftung für soziale Projekte. Wichtig ist mir eine ganzheitliche Harmonie im Leben, wobei für mich Friede, Familie, Freude, Freunde, Fitness, Finanzen, Fortbildung und die Firma (acht x F) zu beachten sind.

2017-02-11 Bauingenieur Bauingenieurwesen Interview Bauunternehmen Krieger Schramm Engpasskonzentrierte Strategie EKS Zielgruppenfokussierung Dynahaus Leistungssportler Hochbau Wohnungsbau Energie Speicher Plus Häuser bauingenieur24 Nachgefragt bei Bauingenieur https://www.bauingenieur24.de/fachbeitraege/nachgefragt-bei/nachgefragt-bei-matthias-krieger/2664.htm 1068 de-DE
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