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17. Jahrgang | Ausgabe 5903 | Nr. 291
Fachbeiträge für Bauingenieure » Nachgefragt bei
 
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Herausgeber:  bauingenieur24 Informationsdienst
 

Nachgefragt bei: Norbert Gebbeken

03.03.2017
 

Professor Dr.-Ing. Norbert Gebbeken von der Universität der Bundeswehr München - Jeder Bauingenieur tickt in seiner beruflichen Praxis anders. Arbeitsabläufe und Planungen gestalten sich, je nachdem, worauf der Einzelne Wert legt, unterschiedlich. Um den individuellen Eigenschaften erfolgreicher Ingenieure auf die Spur zu kommen und ihre Tipps und Hinweise für den Beruf für alle nutzbar zu machen, heißt es bei bauingenieur24 einmal im Monat "Nachgefragt bei ...". Bauingenieure und Experten ihres Faches liefern dabei im Interview aufschlussreiche Antworten zu unseren Fragen.

 

Professor Dr.-Ing. Norbert Gebbeken ...

Dr.-Ing. Norbert Gebbeken ist u.a. als Universitätsprofessor, Beratender Ingenieur und Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau tätig. Foto: Birgit Gleixner Dr.-Ing. Norbert Gebbeken ist u.a. als Universitätsprofessor, Beratender Ingenieur und Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau tätig. Foto: Birgit Gleixner

...ist Universitätsprofessor an der Universität der Bundeswehr München (UniBwM), Direktor des dortigen Institutes für Mechanik und Statik sowie Leiter des Labors für Ingenieurinformatik. Zudem ist er Gründer des Forschungszentrums RISK (Risiko, Infrastruktur, Sicherheit und Konflikt) an der UniBwM, welches sich mit der Sicherheit "kritischer Infrastrukturen" in technischer, politischer und sozialer Hinsicht befasst. Diesbezüglich berät Gebbeken Bauherren, Institutionen, Ämter, Ministerien.

Als Unternehmenspartner ist Norbert Gebbeken mit den Ingenieurgesellschaften AJG und MJG weltweit tätig. Hier sind etwa 30 Ingenieure unter anderem mit der Bewertung bestehender Infrastruktur bezüglich des Katastrophenschutzes sowie der Planung, dem Entwurf und der Bauüberwachung vor Ort betraut.

Darüber hinaus ist Gebbeken Präsident der International Association of Protective Structures (IAPS) und Vorsitzender des Vorstandes der Forschungsvereinigung Baustatik-Baupraxis.

Seit November 2016 hat er das Ehrenamt des Präsidenten der Bayerischen Ingenieurekammer Bau inne.

 

Herr Gebbeken, was fordert Sie gerade besonders in Ihrem Job?

Die größte Herausforderung ist im Moment, geeignetes Personal zu finden. Das gilt sowohl für die Universität als auch die Planungsbüros und die Kammer. Es gibt viele Bewerbungen, auch aus dem Ausland, aber häufig passt die gewählte Vertiefungsrichtung nicht, die formalen Qualitätskriterien für eine Promotion werden nicht erfüllt oder es gibt sprachliche Probleme.

Es mangelt hierbei eigentlich immer an normalen Kulturtechniken, wie z.B. dem Schreiben. Woran das liegt, vermag ich nicht zu sagen. Aber die Fähigkeit, einen Sachverhalt in einem Aufsatz oder einem Beitrag in verständlichem Deutsch darzustellen, hat sich im vergangenen Jahrzehnt dramatisch verschlechtert. Wir versuchen in der Kammer darauf zu reagieren und bieten ein entsprechendes Trainee-Programm an.

Eine weitere Herausforderung ist der digitale Wandel. Diesbezüglich werden sich Planungs- und Kommunikationsabläufe ändern. Hierfür müssen die Büros sowohl ihre Hardware als auch ihre Software umstellen. Zudem besteht ein erheblicher Aufklärungs- und Weiterbildungsbedarf.

Was das tatsächliche Planen und Bauen betrifft, sind die vielen tollen Projekte, die wir bearbeiten dürfen, Freude und Herausforderung zugleich. Es gilt, die Rahmenbedingungen für unser Arbeiten, welches partnerschaftlich und im Vertrauen erfolgen soll, so zu gestalten, dass gute technische Lösungen und Innovationen im Vordergrund stehen und nicht unnötige Regelungen und juristische Feinheiten.

Mehr und mehr müssen wir dabei unsere baulichen Projekte in einen ganzheitlichen Zusammenhang stellen. Früher plante und rechnete man seine bauliche Anlage und hatte damit seinen Auftrag erfüllt. Heute ist zunehmend ein systemischer Ansatz gefragt. Ein Beispiel: Jede Kommune benötigt sowohl soziale als auch technische Infrastrukturen. Diese sind voneinander abhängig. Ohne Schulgebäude kein Unterricht etc..

Im Zuge der Digitalisierung und dem Internet der Dinge hängt diese gesamte Infrastruktur nun unmittelbar zusammen. Dieses digitale Netzwerk ist sehr verletzlich. Ein winziger Fehler kann einen großen Schaden bis hin zum Blackout verursachen.

Somit führt die Digitalisierung dazu, dass wir einerseits mit Schwachstellenanalysen beschäftigt sind und andererseits Resilienzkonzepte zur Kompensation möglicher Störungen entwickeln. Das ist komplett neu und wird, soweit ich weiß, an den Hochschulen noch gar nicht gelehrt.

 

Wie lange sind Sie schon in der Branche tätig und warum?

Mein erstes Studium habe ich 1972 an der Ingenieurschule in Münster begonnen, also vor 45 Jahren. Eigentlich wollte ich der Tradition meiner väterlichen Verwandtschaft folgen und im Emsland Landwirt werden. Doch unsere Höfe waren zu klein, um langfristig eine Familie ernähren zu können.

Auf den Bauernhöfen wurde zu der Zeit sehr viel in Eigenleistung gebaut. Holz gab es im eigenen Wald, Baustoffe wurden getauscht, man half sich in der Verwandtschaft und im Dorf. Mütterlicherseits waren sämtliche Handwerksberufe vertreten. So war der Bauingenieurberuf relativ nahe liegend.

Wie viele junge Menschen zu der Zeit, entschied ich mich für meinen Beruf eher aufgrund praktischer Erwägungen. Begriffe wie "Selbstverwirklichung", "work-life-balance" und "burn out" gab es damals noch nicht. Nach drei Jahren und einem Monat machte ich 1975 mein passables Examen. Ich bin also seit 42 Jahren Bauingenieur. Und das mit Freude.

Nach ersten beruflichen Erfahrungen entschied ich mich, an der Universität in Hannover weiterzustudieren. Ich wollte die praktischen Probleme, die es zu lösen galt, besser theoretisch verstehen. In Hannover hatte ich tolle akademische Lehrer und ein förderndes Umfeld, z.B. im Studentenwohnheim "Clemensburse" und im HiWi-Kreis.

Besonders einer meiner Professoren erkannte meine Talente und förderte mich. So eröffnete sich mir, ungeplant, eine akademische Karriere. Nach meiner Promotion 1988, Auslandsaufenthalten und der Habilitation 1995 erhielt ich einen Ruf an die Universität der Bundeswehr München auf den Lehrstuhl für Baustatik, wo ich bis heute geblieben bin.

1999 besann ich mich auch wieder meiner praktischen Begabungen und wurde Partner in einem Ingenieurbüro, Beratender Ingenieur, Prüfingenieur und Prüfsachverständiger.

Im Laufe der Zeit habe ich das Spezialgebiet des baulichen Schutzes vor außergewöhnlichen Einwirkungen für mich entdeckt und eine eigene Forschergruppe "BauProtect" aufgebaut. Am Institut für Mechanik und Statik befasst sich das etwa 20-köpfige Team mit dem baulichen Schutz vor außergewöhnlichen Einwirkungen durch Naturgefahren wie Erdbeben, Hochwasser, Extremstürme oder Steinschlag, Havarien wie Fahrzeuganprall oder Explosionen und Terroranschläge.

 

Aus aktuellem Anlass: Wie schätzen Sie als Experte für baulichen Schutz die Situation in Deutschland ein?

Das Thema "Öffentliche Sicherheit" beschäftigt derzeit recht stark die Bevölkerung, die Politik und zwangsläufig jeden, der beruflich bzw. wissenschaftlich damit zu tun hat.

Im Forschungszentrum RISK untersuchen wir die Gefahr von Terroranschlägen z.B. im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit des Eintritts und vergleichen diese Daten mit anderen Risiken. Dadurch können wir oft ein sachliches Bild der Lage geben. Das Risiko, durch einen Terroranschlag in Deutschland zu Schaden zu kommen, ist derzeit geringer, als vom Blitz getroffen zu werden.

Gleichwohl bearbeiten wir aktuell einige konkrete Projekte zum baulichen Bevölkerungsschutz. Unsere Arbeit und Beratung bieten wir immer subsidiär (Anm. d. Red.: unterstützend) an, wenn man uns fragt.

 

Welche Wege gehen Sie in punkto Personalgewinnung?

Das ist eine spannende und vielschichtige Frage. In der Bayerischen Ingenieurekammer haben wir einen Arbeitskreis "HSU - Heimat- und Sachkunde-Unterricht". Dort entwickeln wir gemeinsam mit Lehrkräften Unterrichtshilfen bezüglich technischer Themen. In dem darauf aufbauenden Unterricht gibt es immer einen theoretischen Teil und einen handwerklichen Teil. So haben bereits Grundschulkinder die Möglichkeit, zu entdecken, ob Technik sie interessiert.

Darüber hinaus gehen viele Kollegen in die weiterführenden Schulen, um über den weit gefächerten Beruf des Bauingenieurs bzw. der am Bau tätigen Ingenieure zu informieren. Auf unserer Kammer-Homepage haben wir ganz speziell Informationen für Schüler und Studenten. Wir haben inzwischen auch sehr gute Kontakte zu allen Medien aufgebaut, die über unseren Beruf berichten.

Wenn sich dann junge Menschen für den Beruf des Bauingenieurs entschieden haben und studieren, dann entstehen erste, manchmal entscheidende Kontakte. Gute Studierende werden als studentische wissenschaftliche Mitarbeiter angeworben. Diese unterstützen die Lehrstühle in Lehre und Forschung. Aus ihnen geht meist der wissenschaftliche Nachwuchs hervor.

Viele Unternehmen und die Kammer selbst vermitteln oder bieten Stellen für Werkstudenten an. So haben Studierende die Möglichkeit, erworbenes Wissen praktisch umzusetzen und die Arbeit in einem Unternehmen kennenzulernen. Daraus ergibt sich häufig die erste Anstellung.

Ansonsten werben die Unternehmen auf ihren Webseiten und bei Recruiting-Messen, wie z.B. der IKOM-Bau. Die Kammer hat seit 2015 gemeinsam mit der Bayerischen Staatszeitung eine eigene Studi-Seite entwickelt. Hier können Studierende gemeinsam mit professionellen Journalisten über Projekte, Studienarbeiten, Auslandsaufenthalte, Praktika oder sonst Interessantes schreiben.

Studierende können der Kammer auch über die so genannte Interessentenliste beitreten. Sie erhalten dann alle aktuellen Informationen, genauso wie die Profis, und sie können z.B. an Exkursionen und Weiterbildungsveranstaltungen teilnehmen, meist ohne zusätzliche Eigenkosten.

 

Auf wen hören Sie beruflich?

Ich höre auf meine Kolleginnen und Kollegen. Seit dem Studium hat sich ein Freundeskreis gebildet, mit dem ich privat und beruflich Gemeinsames unternehme. Auch wenn man beruflich konkurriert, hat man zu vielen Kollegen ein gutes Vertrauensverhältnis.

Darüber hinaus gibt es in den Berufs- und Wissenschaftsverbänden Gremien, in denen ich mich berate. Dieser persönliche Erfahrungsaustausch ist mit das Wertvollste in meinem Berufsleben. Hier werden am Ende generell Mehrheitsentscheidungen getroffen.

Es gibt aber auch berufliche Entscheidungen, die man alleine zu treffen hat. Bei der Entscheidungsfindung können der Partner oder gute Freunde helfen. Es ist dann sogar förderlich, wenn sie einer anderen Profession angehören.

 

In welche Technik investieren Sie bzw. Ihre Arbeitgeber?

Die Digitalisierung verändert derzeit viele Abläufe. Wir haben unlängst unsere Server ergänzt, Elemente der Datensicherung nach neuesten Erkenntnissen ersetzt, in schnelles Internet investiert, neue Software-Lizenzen für Technik und Teamarbeit erworben und die Arbeitsplätze mit zwei parallelen Bildschirmen ausgestattet. Das sind im Grunde jedes Jahr erhebliche Investitionen.

Ein großer Vorteil der Digitalisierung ist der Umstand, dass ich von überall auf der Welt immer in Echtzeit auch parallel in der Uni, im Büro in der Kammer und zu Hause bin. Wenn es sein muss, kann ich sofort agieren oder reagieren.

 

Welchen Wunsch haben Sie an die Politik?

Als Ingenieurekammer arbeiten wir grundsätzlich sehr gut mit der Politik zusammen. Es ist dabei unser Wunsch, nicht zu viel zu regeln. Die Verordnungen und Gesetze müssen kurz und verständlich sein. Im Zuge der Globalisierung müssen wir an unseren deutschen Qualitäts-Standards festhalten und die Qualität eher noch steigern. Das gilt sowohl für die Ingenieurausbildung als auch für Produkte und Dienstleistungen.

Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure muss unbedingt erhalten bleiben. Nur so können wir kleine und mittlere Unternehmen stärken und erhalten, vor allem auch im ländlichen Raum, wo attraktive Arbeitsplätze besonders benötigt werden.

Mein besonderer Wunsch ist auch, dass wir bei Gesetzesvorhaben nicht erst am Ende des Prozesses in der Verbändeanhörung gefragt werden, sondern gleich zu Beginn.

 

Wie sieht Ihre individuelle Weiterbildung aus?

Als Wissenschaftler bin ich ständig auf Konferenzen, Workshops und Projektreffen, bei denen ich Vorträge höre und halte. Wir schreiben Beiträge und Aufsätze und begutachten fast wöchentlich Aufsätze für so genannte peer-reviewed Journals.

In der Ingenieurekammer gebe ich selbst Weiterbildungen und nehme an solchen teil. Das gleiche gilt für die vielen Veranstaltungen der beruflichen Fachverbände. Hinzu kommt die Lektüre unterschiedlichster Fachartikel. Wenn Studierende sagen, dass sie noch lernen müssen, dann antworte ich häufig: "Ich auch".

Während ich für das (Erst-)Studium unbedingt den persönlichen Kontakt face-to-face zwischen Lernenden und Lehrenden favorisiere, ergeben sich in der beruflichen Weiterbildung auch neue digitale Lehr- und Lernformen, wie long-distance, MOOCS (Anm. d. Red.: Massive Open Online Course) oder das blended learning (Anm. d. Red.: Verknüpfung von klassischen und digitalen Lernmethoden). In unserer kammereigenen Ingenieurakademie versuchen wir, ein optimales Angebot zu entwerfen.

 

Welchen Ausgleich haben Sie zum Beruf?

Ich treibe als Ausgleich zur Arbeit Ausdauersport, spiele Gitarre, meditiere, entspanne durch Kontemplation und Yoga und besuche einmal im Jahr für anderthalb Wochen Exerzitien.

 
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