Fachbeiträge & Interviews
Freitag, 01. Juli 2022
Ausgabe 7620 | Nr. 182 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Sebastian Laier: "Die baurechtlichen Normen müssen an die modellbasierte Bauabwicklung angepasst werden."

# 18.03.2022

Dipl.-Ing. (FH) Sebastian Laier von der Reif Bauunternehmung GmbH & Co. KG | Oberbauleiter beim Bahnhofsumbau vor der Haustür - Fachpersonal mit moderner Arbeitsweise überzeugen - Schnelle Normenanpassung für modellbasierte und kollaborative Bauabwicklung wichtig

Dipl.-Wirt.-Ing. Bau (FH) Sebastian Laier

Dipl.-Wirt.-Ing. Bau (FH) Sebastian Laier ist als Oberbauleiter im Bahnbau für die Reif Bauunternehmung GmbH & Co. KG tätig. Foto: privat Dipl.-Wirt.-Ing. Bau (FH) Sebastian Laier ist als Oberbauleiter im Bahnbau für die Reif Bauunternehmung GmbH & Co. KG tätig. Foto: privat

Sebastian Laier ist Oberbauleiter im Bereich Bahnbau der Reif Bauunternehmung GmbH & Co. KG in Rastatt. Mit über 600 Mitarbeiter erbringt die Firma diverse Bauleistungen im Hoch- und Tiefbau für öffentliche und private Auftraggeber.

Zum Leistungsangebot des Bahnbaus zählen der Neu- und Umbau von Personenbahnhöfen, der Erdbau sowie der Gleisbau. 28 angestellte Mitarbeiter sind dafür in der Projekt- und Bauleitung, im eigenen BIM Planungsbüro sowie in der Abrechnung aktiv.

Neben zahlreichen Nachunternehmern werden circa 60 weitere Bahnbau-Mitarbeiter als gewerbliches Personal auf den verschiedensten Baustellen eingesetzt.

Herr Laier, was fordert Sie aktuell besonders in Ihrem Job?

Aktuell bin ich mit der Maßnahme "Umbau Bahnhof Rastatt" direkt vor der Haustür unseres Firmenhauptsitzes in Rastatt beschäftigt. Der Bahnhof wird von uns gemeinsam mit der Deutschen Bahn als Auftraggeber barrierefrei umgebaut.

Besonders spannend finde ich hierbei die Vielzahl verschiedenster Gewerke, die dort von uns oder unseren Nachunternehmern zu erbringen sind, angefangen vom klassischen Tief- und Betonbau über die denkmalgeschützte Sanierung alter Stahlteile bis hin zum Neubau einer Personenüberführung in Stahlbauweise mit 42 Metern Länge.

Immer wieder erhalte ich dabei auch neue und interessante Einblicke und Eindrücke durch Gewerke und Bauleistungen, welche wir nicht im eigenen Haus herstellen oder erstellen können.

Wie lange sind Sie schon in der Branche tätig und warum? Was war Ihr bisheriger beruflicher Höhepunkt?

Während meiner Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann in einem Baubeschlaghandel konnte ich verschiedenste Einblicke in kleinere und größere Bauprojekte erhalten. Schnell habe ich Gefallen daran gefunden und mich entschieden, nach Beendigung der Ausbildungszeit, ein Studium in dieser Richtung zu beginnen.

2010 habe ich dieses an der Fachhochschule Karlsruhe in der Fachrichtung Baumanagement mit einem Diplom abgeschlossen. Danach war ich zunächst ein Jahr in der Kalkulation einer Hochbaufirma tätig, was mich aber nur mäßig glücklich machte.

2012 wechselte ich dann als Bauleiter zur Firma Reif und wurde somit ein Teil der Reif-Familie. 2019 ernannte man mich zum Projektleiter mit eigener Personalverantwortung und schließlich folgte dann zu Jahresbeginn 2022 die Ernennung zum Oberbauleiter der Niederlassung Bahnbau, was für mich den bisherigen Höhepunkt meiner Karriere darstellt.

Welche Wege geht Ihr Unternehmen in punkto Personalgewinnung und -sicherung?

Diesbezüglich versuchen wir neue und moderne Technologien einzusetzen, ein gutes Arbeitsklima zu schaffen und die Digitalisierung der Bauwirtschaft voranzutreiben.

Bitte vervollständigen Sie den Satz: "Um erfolgreich zu planen und zu bauen kommt es in Zukunft darauf an, dass..."

...sämtliche Ressourcen, ob Mensch oder Material, gezielt und nicht verschwenderisch eingesetzt werden. Durch den gemeinsamen Einsatz von BIM und Lean Construction muss zudem das enorme Potenzial dieser Arbeitsmethoden voll ausgeschöpft und kollaborativ eine wirtschaftlichere und kundenorientiertere Bauabwicklung erreicht werden.

In welche Technik investiert Ihr Unternehmen? Wie digitalisiert sind Sie dabei?

In Sachen Software investiert Reif in die 3D-Modellierung, die modellbasierte Mengenermittlung, die Kosten- und Terminsimulation, CDE (d.h. Common Data Environment, eine Projektplattform oder ein virtueller Projektraum; Anm. d. Red.) sowie die Visualisierung, die Punktwolkenbearbeitung und die Modellkoordination investiert. Hinzu kommt die Software zur Verwirklichung des Last-Planner-Systems (kollaboratives Produktionsmanagementsystem; Anm. d. Red.).

Im Bereich Hardware stehen uns Hochleistungsworkstations, Laserscanner, VR-Brillen, modellfähige Roverstäbe (d.h. Werkzeuge für Vermessungsarbeiten; Anm. d. Red.) sowie eine modellbasierte Maschinensteuerung zur Verfügung.

Welchen Wunsch haben Sie an die Politik?

Mir ist vor allem die Anpassung der Richtlinien und Normen an die modellbasierte und kollaborative Bauabwicklung wichtig.

Wie sieht Ihre individuelle Weiterbildung aus?

Bei uns wurde vor ein paar Jahren erfolgreich die Reif Akademie eingeführt. Hier gibt es ein enormes Angebot sowohl an internen als auch externen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für sämtliche Bereiche und Ebenen bei der Firma Reif.

Welchen Ausgleich haben Sie zum Beruf?

Da ich 2021 erstmals Vater geworden bin, finde ich den nötigen Ausgleich zum Beruf bei meiner Familie. Gemeinsam verbringen wir gerne Zeit in den Bergen beim Skifahren, mit Freunden bei Radtouren oder auf unserer Tennis-Vereinsanlage.

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