Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst

Bauverbände: Entsorgung von Erdaushub wird schwieriger

# 07.03.2017

Hessische Bauwirtschaft fordert Politik zum Handeln auf. Akute Warnung nach Kostensteigerungen von 300 Prozent für Beseitigung von Erdaushub. Positionspapier benennt weitere Problemlagen

Deponiemangel bereitet Bauwirtschaft Sorgen

Die Entsorgung von Erdaushub wird in Deutschland zunehmend zum Problem. Bauverbände fordern daher die Politik zum Handeln auf. Foto: Rudolpho Duba / Pixelio Die Entsorgung von Erdaushub wird in Deutschland zunehmend zum Problem. Bauverbände fordern daher die Politik zum Handeln auf. Foto: Rudolpho Duba / Pixelio

Wohin mit baubedingtem Erdaushub? Und wie weit steigen die Kosten dafür? Diese drängenden Fragen beschäftigen derzeit die Vertreter der Bauwirtschaft in Hessen.

Angesichts eines Kostenanstiegs um satte 300 Prozent innerhalb der letzten fünf Jahre, schlagen die Verbände und Organisationen zum wiederholten Male Alarm. Es komme zu einer akuten Verknappung der Kapazitäten und der Verlängerung der Wege, so der aktuelle Tenor.

"Wir stellen fest, dass durch das Schließen lokaler Erddeponien und der gestiegenen Anforderungen der Verfüllbetriebe selbst unbelastete Erdmassen kaum noch zu verwerten sind", beschreibt Rainer von Borstel, Hauptgeschäftsführer des Verbandes baugewerblicher Unternehmer Hessen, die Lage.

Eine ausführliche Darstellung und konkrete Lösungsvorschläge wurden von Verbandsseite zuletzt in einem Positionspapier "Recycling und Verwertung am Bau verbessern – teure Entsorgung vermeiden!" veröffentlicht.

Deponieraum in ganz Deutschland immer knapper

Angesichts der anhaltend starken Bautätigkeit in Deutschland entstehen nach wie vor enorme Abfälle, welche entweder einer Verwertung zugeführt oder beseitigt werden müssen.

In der Vergangenheit gab es genug Möglichkeiten für eine umweltgerechte Entsorgung mineralischer Bauabfälle (Erdaushub und Böden), vor allem auf entsprechenden Deponien. Der Deponieraum für Beseitigung und Verwertung von Erdaushub und Böden ist jedoch bundesweit zu knapp.

Baukostenanteil für Entsorgung bereits bei 20 Prozent

Die Folgen für die Baukosten sind deutlich spürbar. Lagen die Entsorgungskosten im Jahr 2009 noch etwa bei zehn Prozent der Baukosten, so haben sie sich bis 2014 bereits auf 20 Prozent verdoppelt. Grundsätzlich trägt der Bauherr als Abfallerzeuger die Verantwortung und die Kosten für die anfallenden Erdmassen.

Die starken Kostensteigerungen schmälern nach Einschätzung des Verbände-Bündnisses den Investitionsraum privater und öffentlicher Bauherren, teilweise sogar bis zur Verhinderung von dringend erforderlichen Infrastruktur- und Baumaßnahmen. Die fehlenden regionalen Verwertungs- und Entsorgungsmöglichkeiten führten zudem zu unnötigen LKW-Kolonnen und damit verbundenen ökologischen Nachteilen.

Unterstützung für Recycling-Baustoffe gefordert

Für die Bauverbände stellt die Förderung von Recycling und Wiederverwertung einen Ansatzpunkt dar, um die Blockaden im Markt zu lösen. Güteüberwachte Recycling-Baustoffe stünden Primärbaustoffen weder in ihren technischen Eigenschaften noch in ihrer Umweltverträglichkeit nach, heißt es diesbezüglich. Zudem verkürze die regionale Aufbereitung von mineralischen Bauabfällen zu hochwertigen Recycling-Baustoffen die Transportwege.

"Was wir brauchen, ist ein einheitliches und praxisgerechtes Analyseverfahren für mineralische Abfälle, eine stärkere abfallrechtliche Verantwortung der Bauherren und Planer und ortsnahe Verwertungsmöglichkeiten für nicht oder gering belastete Böden," fasst Rainer von Borstel die Forderungen an die hessische Landes- und Kommunalpolitik zusammen.

Verbände: Deponien für Kreislaufwirtschaft unverzichtbar

Darüber hinaus seien ausreichende Verfüll- und Deponiekapazitäten sicherzustellen. Diese sind laut Hessischer Bauwirtschaft unverzichtbarer Bestandteil einer optimierten Kreislaufwirtschaft. Überdies müsse die öffentliche Hand die Verwertung von Erdaushub und Böden zum Beispiel im Straßen- und Wegebau aktiv unterstützen.

"Die derzeitigen Gesetzesvorhaben zur Gewerbeabfallverordnung und zur Mantelverordnung auf Bundesebene müssen so umgestaltet werden, dass mineralische Bau- und Abbruchabfälle von der Planung des Vorhabens über den Abfallanfall bis hin zur Entsorgung und den Einbau praxisgerecht geregelt werden", so die Verbände.

Unterzeichner des Positionspapiers

  • Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen e.V.
  • Bauindustrieverband Hessen‐Thüringen e.V.
  • BDB Bund Deutscher Baumeister Architekten und Ingenieure e.V. Hessen
  • Fachverband Garten‐, Landschafts‐ und Sportplatzbau Hessen‐Thüringen e.V.
  • Hessischer Bauernverband e.V.
  • Hessischer Handwerkstag
  • Industrieverband Steine und Erden e.V., Neustadt/Weinstraße, Fachabteilung Recycling‐ Baustoffe, Hessen ‐ Rheinland-Pfalz
  • Ingenieurkammer Hessen
  • IHK Arbeitsgemeinschaft Hessen
  • Verband der Chemischen Industrie e.V.
  • Verband der Rohr- und Kanal-Technik-Unternehmen e.V. (VDRK)
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