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Montag, 24. September 2018
Ausgabe 6244 | Nr. 267 | 18. Jahrgang
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BIM soll Baugenehmigungen beschleunigen

# 21.02.2018

Bundesprojekt analysiert Mehrwert für Verwaltungen durch BIM-basierten Bauantrag. Beteiligte sehen großes Potenzial in Digitalisierung und Automatisierung. Vorbild Singapur seit 2002 mit digitalerem Genehmigungsverfahren

Bauwirtschaft beklagt langwierige Baugenehmigungen

Der traditionelle Antrag für eine Baugenehmigung mit unzähligen Bauakten soll durch BIM effizienter und schneller werden. Foto: I-vista / Pixelio Der traditionelle Antrag für eine Baugenehmigung mit unzähligen Bauakten soll durch BIM effizienter und schneller werden. Foto: I-vista / Pixelio

Die Baugenehmigung wird seitens der ausführenden Bauwirtschaft und Bauindustrie oft als Hemmnis wahrgenommen. Zudem wird ein "Mangel an Planungskapazitäten in den Kommunalverwaltungen" wahrgenommen, welcher zuletzt zu einer Stagnation der Baugenehmigungen geführt habe (siehe dazu Quellen und Verweise).

Die Bundespolitik will nun offensichtlich dem Wunsch der Bauwirtschaft nach einfacheren und vor allem schnelleren Genehmigungsverfahren nachkommen.

Das Bundesamt für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBR) fördert dazu im Rahmen des Programms "ZukunftBau" das Vorhaben "BIM-basierter Bauantrag" mit rund 278.000 Euro für zwei Jahre.

Förderprojekt bringt BIM-Plattform mit Wissenschaft und Verwaltung zusammen

Die nationale Plattformgesellschaft "Planen Bauen 4.0", welche sich die flächendeckende Etablierung des Building Information Modeling (BIM) in Deutschland zum Ziel gesetzt hat, leitet das Projekt.

Partner aus der Wissenschaft ist der Lehrstuhl für Informatik im Bauwesen an der Ruhr-Universität Bochum. Aus der Verwaltung ist der Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung der Stadt Hamburg beteiligt.

Entlastung der Bauämter und leichteren Datenaustausch angestrebt

Markus König, Wissenschaftler der Ruhr-Uni und stellvertretender Leiter des Projekts, sieht in BIM nicht nur die Zukunft des konkreten Planens und Bauens eines Bauwerks. Auch die Verfahren zur Prüfung und Genehmigung von Bauanträgen ließen sich damit automatisieren und beschleunigen.

"Die Praxis, Baugenehmigungen anhand von manuell geprüften Plänen durchzuführen, führt dazu, dass Verzögerungen und individuelle Nachfragen vorprogrammiert sind", gibt König an. Zudem brauche es neue Ansätze zur Entlastung der Verwaltungen, die sich immer mehr Bauanträgen für Wohnungen in Ballungsräumen gegenüber sähen.

"Wir denken, dass digitale Modelle die Bauämter leistungsfähiger machen können", so König. "Sie würden vermeiden, dass Daten von verschiedenen Stellen mehrfach erfasst werden müssen, und der Datenaustausch würde leichter." Die vom Architekten oder Ingenieur erstellten digitalen Informationen könnten dann nach einer Qualitätsprüfung direkt weiterverwendet werden für Bauantrags- und Planfeststellungsverfahren.

BIM-basiertes Antragsverfahren soll bundesweiter Standard werden

Trotz dieser vorweggenommenen Annahmen einer Verbesserung durch BIM, will das Forschungskonsortium zunächst analysieren, wie sich BIM-Modelle in die behördlichen Antragsverfahren einbinden lassen, welche Mehrwerte und Herausforderungen dadurch für die Behörden entstehen und wie hoch der Effizienzgewinn tatsächlich wäre.

In Zusammenarbeit mit allen relevanten Berufsverbänden der Bauantragsteller sollen außerdem Vorgaben für die digitalen Modelle erarbeitet und der Aufwand für das Erstellen bewertet werden. Am Ende könne es nur um die Basis für ein bundesweit einheitliches BIM-basiertes Bauantragsverfahren gehen, so die Projektbeteiligten.

Digitale Baugenehmigung in Singapur bereits 2002 eingeführt

Der boomende Stadtstaat Singapur setzt seit 2002 auf digitalere Baugenehmigungen zur Beschleunigung seines Wachstums. Foto: Dr. Stephan Barth / Pixelio Der boomende Stadtstaat Singapur setzt seit 2002 auf digitalere Baugenehmigungen zur Beschleunigung seines Wachstums. Foto: Dr. Stephan Barth / Pixelio

Als Vorbild für eine maximal digitalisierte Methode der Baugenehmigung wird auf das in wenigen Jahren extrem dicht bebaute Singapur verwiesen. Der Stadt- und Inselstaat ist aus schierem Platzmangel bei gleichzeitig hohem Bedarf auf innovative Lösungen bei der Bebauung angewiesen.

Seit 2002 ist es daher möglich, BIM-basierte Unterlagen einzureichen, um bestimmte Bauvorschriften zu überprüfen. In kürzester Zeit erhielten Antragsteller dort eine Rückmeldung, ob die entsprechenden Vorschriften eingehalten wurden und die Informationen in der richtigen Qualität vorliegen.

2018-02-28 BIM Baugenehmigungen Bauantrag Digitalisierung Automatisierung Kommunalverwaltungen PlanenBauen4.0 Singapur Raumforschung BBR Bundesamt Bauamt Bauverwaltung Geoinformation Ruhr-Universität Bochum Verzögerungen Wohnungsbau Wohnungsnot Planfeststellungsverfahren Politik BIM https://www.bauingenieur24.de/fachbeitraege/politik/bim-soll-baugenehmigungen-beschleunigen/3015.htm 537 de-DE
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