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Freitag, 26. April 2019
Ausgabe 6458 | Nr. 116 | 18. Jahrgang
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Diplomingenieur wird wieder verliehen

# 05.01.2011

Seit Monaten fordern Interessensverbände wie der Verband Beratender Ingenieure (VBI) oder die TU9 als Zusammenschluss der neun führenden Technischen Universitäten den Fortbestand des Titels Diplomingenieur. Jetzt kann der Verband einen ersten Erfolg vermelden: In Mecklenburg-Vorpommern wird der Titel wieder eingeführt, er besteht neben dem Bachelor und dem Master. Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften, aber auch der VDI laufen Sturm gegen diesen Sonderweg.

Mecklenburg-Vorpommern: Bekannt für die Flüsse und Seen und bald auch für den Diplomingenieur?, Foto: Jens Bredehorn / Pixelio Mecklenburg-Vorpommern: Bekannt für die Flüsse und Seen und bald auch für den Diplomingenieur?, Foto: Jens Bredehorn / Pixelio

"Der Verband Beratender Ingenieure begrüßt ausdrücklich die Wiedereinführung des akademischen Grades Diplomingenieur. Das Landesparlament Mecklenburg-Vorpommern hat damit als erstes Bundesland seinen Universitäten und Hochschulen ermöglicht, den Studierenden wieder den Dipl.-Ing. zu verleihen", erklärt VBI-Hauptgeschäftsführer Dipl.-Ing. Klaus Rollenhagen. Master, achtsemestrige Bachelor und Diplomingenieure könnten somit gleichberechtigt existieren. Eine Verwirrung des späteren Arbeit- oder Auftraggebers, wie von Kritikern ins Feld geführt, könne er nicht erkennen. "Das ist der erste wichtige Schritt, die ohne Not herbeigeführte faktische Abschaffung des Diplomingenieurs wieder rückgängig zu machen", sagt Klaus Rollenhagen.

Hintergrund für die Gesetzesinitiative ist vor allem die Nachfrage von Studierenden, die verstärkt wieder den akademischen Grad Diplomingenieur verlangten. Im nordöstlichsten Bundesland ist dafür eine vernünftige Lösung gefunden worden. Denn weder an den Ausbildungsinhalten noch an den dem Bologna-Prozess angepassten Strukturen solle etwas verändert oder gar die Internationalisierung von Abschlüssen angetastet werden.

"Mecklenburg-Vorpommerns Akademikerschmieden erhalten ihre Handlungsfreiheit zurück: Studierende, die auch die international anerkannte Marke Dipl.-Ing. für ihr eigenes berufliches Fortkommen nutzen wollen, können künftig den Grad Diplomingenieur für ihr Zeugnis beantragen", erläutert der VBI-Hauptgeschäftsführer. Dies sei eine intelligente Lösung, die auch in anderen Bundesländern Schule machen solle. Die akademische Abschlussbezeichnung sei zwar ein wichtiges Signal, aber letztlich zweitrangig: "Bedeutend ist für den VBI, dass die berufliche Qualifikation in Deutschland so hochwertig wie bisher bleibt und wir mehr junge Leute für ein technisches Studium, beispielsweise im Bauingenieurwesen, begeistern können", sagt Klaus Rollenhagen.

"Mecklenburg-Vorpommern nimmt im Ringen um den Erhalt dieser Marke mit seinem neuen Gesetzesentwurf eine Vorreiterrolle gegen die Nivellierung von Hochschulabschlüssen ein. Daher ist der vom Bildungsausschuss am 25.11.2010 beschlossene Gesetzesentwurf und die darin enthaltene Regelung zur Nutzung des akademischen Grades Diplom-Ingenieur sehr zu begrüßen", ergänzt TU9-Präsident Prof. Dr.-Ing. Schmachtenberg. Mecklenburg-Vorpommern verschaffe sich damit einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Bundesländern.

Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften, aber auch der VDI warnen vor der Umsetzung: "Ein solcher Schritt würde erheblichen hochschulpolitischen Schaden in Mecklenburg-Vorpommern anrichten, könnte aber Auswirkungen auch über die Landesgrenzen hinaus haben", heißt es in einer Stellungnahme von BDA (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände), BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.), Gesamtmetall (Die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie), IG Metall, NORDMETALL (Verband der Metall- und Elektroindustrie), Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, VDI (Verein Deutscher Ingenieure) und Vereinigung der Unternehmensverbände für Mecklenburg-Vorpommern (VUMV).

"Die Weiterentwicklung der Bologna-Reform würde durch die vorgeschlagene erneute Umbenennung der Abschlüsse Schaden erleiden. Auch die vorgesehene Ungleichbehandlung der Bachelor-Abschlüsse je nach Semesterzahl steht im völligen Widerspruch zur Studienstruktur des Europäischen Hochschulraums, ist unsachgemäß und führt zudem zu einer ungerechtfertigten Diskriminierung der meisten Bachelor-Absolventen. Die negativen Konsequenzen für die Akzeptanz der neuen Hochschulabschlüsse Bachelor und Master liegen auf der Hand - zum Schaden der Studierenden, der Hochschulen und der Wirtschaft", heißt es in der Stellungnahme.

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