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Dienstag, 16. Juli 2019
Ausgabe 6539 | Nr. 197 | 18. Jahrgang
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Klimaschutzplan löst Kritik der Bauindustrie aus

# 09.12.2016

Hauptverband fordert massiven Abbau von geltenden und neuen Auflagen. Neubaubedarf könne so nicht gedeckt werden. Serieller Wohnungsbau soll bezahlbaren Wohnraum schaffen

Bauindustrie: Klimaschutz macht Wohnen teurer

Anstelle individueller Unikate plädiert die Bauindustrie für die Serienproduktion von Wohngebäuden zur Reduzierung der Kosten. Foto: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / Pixelio Anstelle individueller Unikate plädiert die Bauindustrie für die Serienproduktion von Wohngebäuden zur Reduzierung der Kosten. Foto: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / Pixelio

Die deutsche Bauindustrie kommt aus der Deckung. Ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl fordert sie mehr Anreize und weniger Hürden für den Wohnungsneubau. Die mühsam und am Ende mehrheitlich vage formulierten Zielvorgaben des Klimaschutzplanes 2050 der Bundesregierung boten dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) jetzt Anlass, unmissverständlich gegen weitere Auflagen zu protestieren.

So sind die im Klimaschutzplan anvisierten weiteren CO2-Einsparungen im Gebäudebereich in Höhe von acht Millionen Tonnen bis 2050 für HDB-Hauptgeschäftsführer Michael Knipper nicht hinnehmbar. Er begründet dies mit einer hohen Nachfrage an bezahlbaren Wohnungen:

"Uns werden voraussichtlich in diesem – und in den kommenden Jahren – jeweils rund 60.000 Wohneinheiten fehlen. Anstatt jetzt schnell alle Hürden abzuräumen, werden weitere Auflagen obendrauf gesattelt, vor allem im Klimaschutz, mit denen das Wohnen noch teurer wird."

Knipper: Zielkonflikte nicht ehrlich kommuniziert

Im Wohnungsneubau offenbarten sich nach Ansicht Knippers die ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielkonflikte in vielen gesellschaftlichen Bereichen, mit denen nicht ehrlich umgegangen werde:

"Ehrlich wäre es zu sagen, dass Klimaschutz nicht zum Nulltarif zu haben ist und schon heute durch hohe Auflagen der Energieeinsparverordnung (EnEV) den Wohnungsneubau und die Sanierung verteuert. Ehrlich wäre es auch zu sagen, dass wir mit jeder weiteren Erhöhung der Standards, wie wir sie ja bereits im Niedrigenergiehaus- oder Passivhausbereich haben, eine Grenze überschreiten, bei der Kosten und Nutzen nicht mehr im Einklang stehen."

Knipper spricht von "teuer erkauften zehn Prozent" für den, der beim Klimaschutz "bereits 90 Prozent erreicht hat", was sich auf Deutschland bezieht. Wenn sich Investitionen nicht rechneten, entstünden auch keine neuen Wohnungen, so Knipper.

Serieller Wohnungsbau für schnelles und günstiges Bauen favorisiert

Für den HDB gibt es indes eine klare Präferenz für den Neubau von Wohnungen, welche Verbandspräsident Peter Hübner bereits mit Amtsantritt als eine seiner Kernforderungen benannte. Das Stichwort lautet "serieller Wohnungsbau".

Dazu Knipper: "Aus unserer Sicht ist insbesondere der serielle Wohnungsbau in der Lage, die aktuell zusätzlich benötigten 60.000 Wohneinheiten schnell und kostengünstig zu schaffen. Statt Unikate zu fertigen, sollten künftig stärker Prototypen geplant werden, die dann deutschlandweit in Serie umgesetzt werden." Damit ließen sich laut HDB "notwendige Beschleunigungs- und Kostensenkungseffekte erzielen".

Anpassung der Bauordnungen zugunsten des Serienbaus gefordert

Die Bedingungen dafür seien "eine Entschlackung des Bauordnungs- und des Baunebenrechts der Länder wie auch der kommunalen Satzungen, günstiges Bauland und eine bundeseinheitliche Bauordnung."

In seinem Rundumschlag fordert Knipper schließlich den "Abbau weiterer Hürden", wie die Wohnimmobilienkreditrichtlinie, die Mietpreisbremse und die hohen Grund- und Grunderwerbsteuern "im Sinne der Menschen, die kostengünstigen Wohnraum suchen."

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