Fachbeiträge & Interviews
Dienstag, 01. Dezember 2020
Ausgabe 7043 | Nr. 336 | 20. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Brückenbau: Erstes zeichnungsfreies Großprojekt mittels BIM abgeschlossen

# 03.11.2020

Digitale 3D-Planung und Kommunikation zwischen Projektpartnern in vier Ländern. Umsetzung von 3D-Modell vor Ort mithilfe von Augmented Reality. Betreiber erhält Projektdaten mittels IFC-Export

BIM macht gezeichnete Pläne überflüssig

Die Randselva-Brücke in Norwegen wurde als erstes Bauprojekt ihrer Art vollständig zeichnungsfrei geplant und gebaut. Grafik: Trimble Solutions Corporation Die Randselva-Brücke in Norwegen wurde als erstes Bauprojekt ihrer Art vollständig zeichnungsfrei geplant und gebaut. Grafik: Trimble Solutions Corporation

Das Planen und Bauen der Zukunft könnte dank Building Information Modeling (BIM) komplett digital und damit ohne gezeichnete Pläne auskommen. Ein erstes Beispiel dafür liefert das BIM-Projekt Randselva-Brücke.

Die 634 Meter lange Betonbrücke in Norwegen wurde als bisher größte Brücke in einem zeichnungsfreien, modellbasierten Verfahren entworfen und gebaut.

"Die Randselva-Brücke macht deutlich, was mit dem Einsatz parametrischer Modellierung und einer teamübergreifenden Zusammenarbeit erreicht werden kann", sagt Aarni Heiskanen, Berater für Bauinnovationen und Jurymitglied des Tekla Global BIM Awards. Darüber hinaus zeige das Projekt, welche Kreativität und bautechnischen Möglichkeiten eine moderne 3D-Modellierung komplexen und großen Projekten bietet.

Sweco erhält Auszeichnung für BIM-Projekt in Norwegen

Die am Randselva-Projekt beteiligten Firmen, darunter das international tätige Ingenieurunternehmen Sweco, erhielten 2020 die Auszeichnung für das beste BIM-Projekt bzw. beste Infrastrukturprojekt, bei welchem die Software-Lösungen der Produktfamilie Tekla vom Hersteller Trimble Verwendung fanden.

Die Randselva Brücke befindet sich circa 50 Kilometer nordwestlich der norwegischen Hauptstadt Oslo. Sie besitzt eine Hauptspannweite von 200 Metern und sechs Pfeiler mit Höhen von fünf bis 42 Metern. Sie wurde im Freivorbauverfahren errichtet und hat eine Maximalhöhe von 55 Metern.

Teams aus vier Ländern bearbeiten gleichzeitig parametrisches 3D-Modell

Für den Bau der Brücke stützten sich die Projektpartner einzig und allein auf ein parametrisches 3D-Modell als offizielle Dokumentation und Informationsquelle. Die Planungen der Geometrie und der Bewehrung wurden mit der BIM-Software "Tekla Structures" durchgeführt.

Um trotz räumlicher Trennung gleichzeitig am selben Modell arbeiten zu können, nutzten die Sweco-Teams in Norwegen, Finnland, Dänemark und Polen bei ihrer täglichen Arbeit die Tekla-Software "Model Sharing". Für die Projektkommunikation wurde darüber hinaus ein weiteres Tool der Trimble-Familie ("Trimble Connect") eingesetzt.

Augmented Reality überträgt BIM-Modell auf die Baustelle

Vor Ort nutzten die internationalen Mitarbeiter das System "Trimble SiteVision", eine Augmented-Reality-Lösung für die Baustelle, um das 3D-Modell in einem realitätsgetreuen Maßstab zu platzieren und zu betrachten.

Während handschriftliche Zeichnungen und Pläne dabei aufgrund von unterschiedlichen Länderspezifikationen zu Missverständnissen hätten führen können, gab es bei der BIM-basierten Kommunikation einen universellen Standard.

Bauwerksbetreiber erhält umfassende Modelldaten als IFC-Export

Die 3D-Modelldaten zum Bauprojekt Randselva-Brücke inklusive der Bewehrungspläne stehen den Projektbeteiligten auch nach der Fertigstellung zur Verfügung. Grafik: Trimble Solutions Corporation Die 3D-Modelldaten zum Bauprojekt Randselva-Brücke inklusive der Bewehrungspläne stehen den Projektbeteiligten auch nach der Fertigstellung zur Verfügung. Grafik: Trimble Solutions Corporation

Gleichzeitig konnten die einzelnen Modellierungen teilweise mehrfach verwendet werden, was laut Projektbeteiligter vor allem bei der anspruchsvollen Bewehrungsplanung von Vorteil war.

Nach erfolgtem Projektabschluss wurden 95 Prozent aller Informationen des BIM-Modells an den Betreiber der Brücke, die norwegische Straßenverkehrsbehörde, übergeben.

Dazu gehören unter anderem Daten zu über 200.000 Bewehrungsstäben und 250 vorgespannten Kabeln. Die Informationen wurden im Datenaustauschformat IFC bereitgestellt.

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