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Dienstag, 18. Juni 2019
Ausgabe 6511 | Nr. 169 | 18. Jahrgang
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Nachträge rechtssicher prüfen und bewerten

# 24.03.2009

Um Nachtragsforderungen bei Bauprojekten objektiv und sachgerecht bewerten zu können, ein Angebot auf Angemessenheit zu prüfen oder auch um Kostenanschläge erstellen zu können, setzen Ingenieurbüros verstärkt auf Online-Nachschlagewerke zu Preisen für Bauleistungen. Ein Beispiel ist das auf den Dynamischen Baudaten basierende Baupreislexikon der Weimarer f:data GmbH. Wie das Online-Baupreislexikon in der Praxis eingesetzt werden kann, erklärt Dipl.-Ing. Michael Hofmann vom Ingenieurbüro Krebs & Kiefer aus Karlsruhe.

Enormer Zeitaufwand: Recherche von Baupreisen aus älteren Ausschreibungsunterlagen oder telefonische Befragung von ausführenden Firmen, Foto: Rene Wechsler / fotolia.com Enormer Zeitaufwand: Recherche von Baupreisen aus älteren Ausschreibungsunterlagen oder telefonische Befragung von ausführenden Firmen, Foto: Rene Wechsler / fotolia.com

Das Baupreislexikon wird mehrmals jährlich aktualisiert und bietet Preisinformationen - deutschlandweite Mittelwerte - für mehrere Millionen Bauleistungen aus derzeit 51 Gewerken. Alle Bauleistungen sind nach dem Standardleistungsbuch Bau gegliedert. Eine Suchfunktion sowie ein Stichwortverzeichnis mit 8.000 Suchwörtern erleichtern das Auffinden.

"Krebs und Kiefer setzt bundesweit die Variante Architekten und Planer ein", erklärt Dipl.-Ing. Michael Hofmann. Diese sei speziell für Architekten, Bauingenieure, Statiker, Bauverwaltungen, Kommunen und Bauabteilungen von Unternehmen entwickelt worden und enthalte mehrere Millionen strukturierte Baupreise mit zugehörigen Preisanteilen, Zeitwerten und Kostengruppen nach DIN 276. "Neben den Orientierungswerten entsprechend den individuellen Preisniveau-Einstellungen werden auch von-mittel-bis-Werte zur besseren Beurteilung angeboten", erläutert der Diplom-Ingenieur. Insgesamt arbeiten bei Krebs & Kiefer rund 25 Ingenieure mit dem über jeden herkömmlichen Browser und PC abrufbaren Nachschlagewerk.

Im Bereich der Nachtragsforderungen setzt man bei Krebs & Kiefer häufig das Baupreislexikon ein: "Um den angemessenen Preis für die Nachtragsleistung zu finden, erhält man hier schnell und detailliert aktuelle und auf deutschlandweiten Mittelwerten basierende Kosten für die unterschiedlichsten Bauleistungen einschließlich zugehöriger Detailaufwandswerte. Ohne das Online-Lexikon wären diese Informationen mühsam aus den verschiedensten Fachbüchern herauszusuchen, im eigenen Erfahrungsfundus zu recherchieren oder telefonisch bei Firmen zu erfragen, was einen enormen Zeitaufwand bedeutet", erläutert Michael Hofmann.

An dem Beispiel einer Stahltür lässt sich der Einsatz des Nachschlagewerks nachvollziehen. Vertraglich ist für eine Tür aus nichtrostendem Stahl ein Preis von 1.350 € vereinbart. Im Zuge der Bauausführung soll aber nur eine Tür aus Normalstahl in den gleichen Abmessungen eingebaut werden. Der Unternehmer verlangt für diese Tür 1.250 € und belegt den Preis mit Materialrechnungen und nachvollziehbaren Lohneinbau- und Frachtkosten. Darauf schlägt er die hohen Stundenlohn- und Zuschlagsätze, was auf den ersten Blick vertragskonform erscheint, da ja entsprechend belegt. Gemäß VOB/B § 2 muss der neue Preis aber den Preisermittlungsgrundlagen des Vertragspreises entsprechen.

Anhand des Baupreislexikons können für beide Türen schnell Vergleichspreise erfragt werden, die auf gleichem Preisniveau ermittelt wurden. Als Ergebnis stellt sich heraus, dass eine Tür aus nichtrostendem Stahl den ca. 1,5 - fachen Gesamtpreis einer normalen Stahltür hat. Insofern können hier im Regelfall nur ca. 900 € (1.350 € / 1,5) anstelle der geforderten 1.250 € anerkannt werden. Nicht der marktgerechte Preis ist relevant, der gemäß Baupreislexikon im Übrigen bei ca. 1.150 € lag, sondern nur der Preis, der dem Preisniveau der vertraglich vereinbarten Leistung entspricht. Und dieser lag deutlich unter einem marktgerechten Preis.

Da in dem Nachschlagewerk neben dem marktgerechten Gesamtpreis zudem noch die einzelnen Kostenelemente Lohn, Material, Gerät und Sonstiges sowie die Zeiteinheiten je Stunde angegeben sind, können auf Basis dieser Fakten auch geänderte Teilleistungen schnell und rechtssicher bewertet werden. Michael Hofmann hebt die Praxisrelevanz des Lexikons hervor: "Durch entsprechend objektive und sachliche Aufbereitung der Nachtragsprüfungen unter Nutzung des Baupreislexikons konnten in vielen Fällen überhöhte Forderungen reduziert werden, was letztlich die Bauherren von unseren Leistungen und uns vom Nutzen des Baupreislexikons überzeugte."

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