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Montag, 17. Dezember 2018
Ausgabe 6328 | Nr. 351 | 18. Jahrgang
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Darmstädter Jugendstilbrücke aus Stahl saniert

# 27.06.2005

Auf einer Länge von fast 163 Metern verbindet die denkmalgeschützte Jugendstilbrücke die Bismarckstraße mit dem Dornheimer Weg über das nördliche Gleisgelände am Darmstädter Hauptbahnhof

Die stählerne Nietkonstruktion der Fachwerkbrücke überspannt drei Felder mit 162,60 Metern (48 + 66,60 + 48) im klassischen Gerbersystem Die stählerne Nietkonstruktion der Fachwerkbrücke überspannt drei Felder mit 162,60 Metern (48 + 66,60 + 48) im klassischen Gerbersystem

Sie wurde in den Jahren 1909 und 1910 von der "Darmstädter Eisenbauanstalt Georg Donges" gefertigt und montiert. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wurde die denkmalgeschützte Stahlbrücke für den Verkehr wieder freigegeben. Die Verantwortlichen legten Wert auf die originalgetreue Erhaltung der Brücke, die Anfang des 20. Jahrhunderts in typischer Jugendstilarchitektur gebaut und jetzt auch stilgerecht erneuert wurde.

Das durch die zunehmende Industrialisierung wachsende Verkehrsaufkommen veranlasste 1908 die großherzogliche hessische Eisenbahndirektion Mainz zum Bau einer Straßenbrücke über die Bahnstrecke Frankfurt-Heidelberg am Darmstädter Hauptbahnhof. Auf einer Länge von fast 163 Metern verbindet sie die Bismarckstraße mit dem Dornheimer Weg über das nördliche Bahnhofs-Gleisgelände und wurde in den Jahren 1909 und 1910 gefertigt und montiert. Als klassisches Zeugnis dieses Industriezeitalters entstand eine genietete Stahlfachwerkkonstruktion aus vorgefertigten und vormontierten Bauteilen.

Die Brücke wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bomben beschädigt, 1957 der gesamte Überbau (wegen der Bahn-Elektrifizierung) angehoben und 1974 die schadhafte Betonfahrbahnplatte erneuert. Belastungen durch stetig steigendes Verkehrsaufkommen und schädliche Umwelteinflüsse blieben jedoch nicht ohne Folgen und führten 2003 zur Erneuerung der außenliegenden Geh- und Radwege. Die Stadt Darmstadt, seit 1975 Eigentümer der Brücke, konnte als Bauherr die erhaltene Stahltragkonstruktion für die Sanierung bestens nutzen und die Vorgaben des Denkmalschutzes dabei voll erfüllen.

Um möglichst unabhängig vom Bahnbetrieb arbeiten zu können, wurde die Brücke für die Dauer der Bauarbeiten angehoben und an der Unterseite mit einem fahrbaren Arbeitsgerüst versehen. Hydraulikpumpen pressten die etwa 1.500 Tonnen schwere und 162,60 Meter (48 + 66,60 + 48 Meter) lange Fachwerkbrücke um 1,60 Meter über Straßenniveau. Für die Dauer der Sanierungsarbeiten wurde die 15,20 Meter breite Brücke auf Hilfsstützen gesetzt. So vorbereitet konnten die vorhandenen Schäden beseitigt, Verstärkungen für höhere Verkehrslasten eingebaut und ein kompletter neuer Korrosionsschutz aufgebracht werden.

Die stählerne Nietkonstruktion der Straßenbrücke mit etwa 10 Meter hohen Hauptfachwerkträgern, 9 Meter breiter orthotroper Fahrbahnplatte zwischen den Pfeilern und beidseitigen ca. 2,80 Meter breiten außenliegenden Gehwegen überspannt die drei Felder (48 + 66,60 + 48) mit 162,60 Meter im klassischen Gerbersystem. Für die Querschnitte der Tragwerksteile standen damals lediglich Winkel, U-Profile und Blechstreifen zur Verfügung, die nur mit Nieten untereinander verbunden werden konnten. Pfeiler, Ober- und Untergurte, Querträger, Gehwege, Brückenlager, Lagersockel sowie Fahrbahn, Widerlager und Entwässerung wurden eingehend geprüft und teilweise erneuert. Auszutauschende oder zu verstärkende Teile wurden präzise nachgebildet und eingebaut. Nach den ausgeführten Stahlbauarbeiten erfolgte der Korrosionsschutz aller Teile mit dem Strahlen der Altbeschichtungen und dem Aufbringen der neuen vierstufigen Beschichtung. Für diese Arbeiten wurde die Brücke abschnittweise eingehaust.

Damit der ästhetische Reiz der filigranen Stahltragkonstruktion noch besser sichtbar wird, wurde diesmal der beidseitig über 23 Gleise führende Berührungsschutz unterhalb der Gehwege aus Verbund-Sicherheit-Glas ausgeführt. Vier dem Jugendstil nachempfundene Hängelampen über den Fußwegen und in den Hohlräumen der Obergurtprofile eingefügte Neonröhren erleuchten die Brücke bei Dunkelheit.

Quellen-und-Verweise  QUELLEN UND VERWEISE:
Donges Stahlbau GmbH
Brückenbau Stahlbau Donges Darmstadt Jugendstil Nieten Konstruktion Stahlsanierung Stahlbau Stahlbau https://www.bauingenieur24.de/fachbeitraege/stahlbau/darmstaedter-jugendstilbruecke-aus-stahl-saniert/1566.htm 469 de-DE
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