Autor: Christian Wieg
Herausgeber: bauingenieur24® Informationsdienst

Das neue Züricher Stadion Letzigrund ist eines der vier Austragungsorte für die EM

# 03.06.2008

Das neue Züricher Stadion Letzigrund ist universell nutzbar und vereint konstruktive Perfektion mit architektonischer Eleganz. Schlanke Stützen aus Stahl tragen das weit auskragende Dach und lassen die Konstruktion über den Rängen schweben.

Das neue Stadion Letzigrund mit der weit auskragenden Dachkonstruktion wurde im August 2007 eröffnet, Foto: SIZ/Yves André Das neue Stadion Letzigrund mit der weit auskragenden Dachkonstruktion wurde im August 2007 eröffnet, Foto: SIZ/Yves André

Als eines der vier Schweizer EM-Stadien bietet Letzigrund eine eindrucksvolle architektonische Kulisse für das europäische Sportereignis des Jahres. Die Schweizer Architekturzeitschrift Hochparterre bezeichnete es schon vor der Fertigstellung als das "schönste Stahldach der Welt". Das Stadion hat 125 Mio. Franken (rund 79 Millionen Euro) gekostet und ist als kombiniertes Leichtathletik- und Fußballstadion konzipiert.

Wie auch sein Vorgängerbau konnte das Stadion in die Senke einer einstigen Kiesgrube eingefügt werden. Was sich hingegen markant zur Stadtumgebung zeigt, ist das breite und weit geschwungene Band des Tribünendachs, welches das gesamte Stadionoval krönt.

Seine Eleganz rührt nicht zuletzt aus den stählernen Stützenpaaren, die im Verhältnis zum 20.500 m² großen Tribünendach äußerst filigran ausfallen. Ebenso imponierend ist der Dachüberstand zum Stadioninneren: Mit bis zu 33 m freier Spannweite ist dies die bisher größte Auskragung eines Bauwerks in der Schweiz. Eine stählerne Zugstütze an der Außenseite und eine in Richtung des Stadioninneren versetzte Druckstütze bilden die statische Voraussetzung für die Konstruktion. Die Hohlprofilbinder sind bis zu 40 m lang. Jeder der 31 Binder liegt auf einem Stützenpaar auf.

Die korrodierte Oberfläche der Stützen gehört mit zur Gestaltung des Stadions, Foto: SIZ/Helmut Wachter Die korrodierte Oberfläche der Stützen gehört mit zur Gestaltung des Stadions, Foto: SIZ/Helmut Wachter

Das Dach wird durch die feingliedrige Lattung aus Robinienholz an seiner Unterseite ergänzt. Das Beispiel zeigt, wie wirkungsvoll sich Stahl und Holz im modernen Bauen kombinieren lassen.

Die Stützen bestehen aus kastenförmig geschweißten, tragenden Stahlblechen mit einem inneren Vollstahlkern. Nach der Bewehrung goss man sie mit Beton aus. Im sichtbaren Bereich verwendete man wetterfesten Baustahl, dessen kontrollierte Oberflächenkorrosion Teil des gestalterischen Konzeptes ist: Die dünne Rostschicht korrespondiert farblich mit den Robinienholzlatten an der Dachunterseite.

Die Auskragung der Dachkonstruktion verringert sich im Verlauf des Stadionovals von maximal 33 Meter bis auf knapp über zwanzig Meter. Im November 2007 erhielt das Projekt den Schweizer Stahlbaupreis "Prix Acier".

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