Fachbeiträge & Interviews
Samstag, 24. August 2019
Ausgabe 6578 | Nr. 236 | 19. Jahrgang
Autor: Gerhard Butke
Herausgeber: bauingenieur24® Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Eisenbahnbrücke Torgau komplett saniert

# 18.09.2007

Die Sanierung der 80 Meter langen Eisenbahnbrücke im sächsischen Torgau ist abgeschlossen. Als Generalunternehmer hat die Gelsenkirchener Firma Thyssen Krupp Xervon das über hundert Jahre alte Stahlbauwerk komplett saniert, einschließlich Stahlbau und Korrosionsschutz sowie aller erforderlichen Gerüstbau-, Gleisbau- und Mauerwerksarbeiten.

Oberflächenvorbereitungsgrad SA 2

Stahlbauteile sollen durch eine Oberflächenvorbereitung von Stoffen befreit werden, die sich nachteilig auf die Haftung und die Schutzdauer von Korrosionsschutzsystemen auswirken, Foto: ThyssenKrupp Xervon Stahlbauteile sollen durch eine Oberflächenvorbereitung von Stoffen befreit werden, die sich nachteilig auf die Haftung und die Schutzdauer von Korrosionsschutzsystemen auswirken, Foto: ThyssenKrupp Xervon

Als die Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH im vergangenen Oktober den umfangreichen Sanierungsauftrag an Xervon erteilte, waren die tatsächlichen Schäden an der Torgauer Brücke noch nicht absehbar. Lediglich in den neunziger Jahren war eine kleinere Teilsanierung an der filigranen Stahlkonstruktion über den "Schwarzen Graben", den ehemaligen Wehrgraben der 19.000-Einwohner-Kreisstadt, durchgeführt worden. Um möglichst schnell Klarheit über den Umfang der erforderlichen Arbeiten zu bekommen, schlug das Gelsenkirchener Unternehmen vor, die rund zehn Meter hohe Stahlkonstruktion nicht abschnittweise zu strahlen, sondern gleich auf ganzer Länge von ihrer Altbeschichtung im Reinheitsgrad SA 2 zu befreien.

Die meisten Schäden wurden so vor dem Sanierungsbeginn sichtbar und konnten detailliert beurteilt werden. Der Vorbereitungsgrad SA 2 bedeutet, dass nahezu aller Rost, Beschichtungen und artfremde Verunreinigungen entfernt sind. Alle verbleibenden Rückstände müssen fest haften.

Orkanfeste Einhausung

Vor Beginn der Sanierungsarbeiten musste zunächst der Gleiskörper entfernt und die komplette Brücke eingerüstet, staubdicht eingehaust und klimatisiert werden. "Auf diese Weise hätten wir selbst bei einem harten Winter die Sanierung zügig durchführen können", begründet Bauleiter Lutz Fischer die aufwändige Baustelleneinrichtung. Zwar sind tiefe Temperaturen und Schnee ausgeblieben, dafür ist im Januar Orkan Kyrill über die Baustelle hinweggefegt ohne Schäden an Gerüst und Einhausung zu hinterlassen.

Geschädigte Stahlelemente

Ohne Verzögerung durch widrige Wetterverhältnisse konnten die Stahlbauer ihre Arbeiten durchführen. Sie trennten jedes dauerhaft geschädigte Element der genieteten Brückenkonstruktion heraus, ersetzen es und verstärkten zahlreiche Stahlteile.

Optimierter Bauablauf

Parallel zum Stahlbau hatten bereits die Sanierungsarbeiten am Mauerwerk der beiden Widerlager und des Mittelpfeilers begonnen. Das Konzept sah vor, so viele Arbeiten wie möglich gleichzeitig laufen zu lassen. "So konnten wir terminlich flexibler reagieren", erklärt Lutz Fischer. Da die Stahlbauer deutlich mehr Schäden beseitigen mussten, als der Auftraggeber erwartet hatte, zahlte es sich aus, dass im Vorfeld bereits Maßnahmen zur Gegensteuerung eingeplant worden waren.

Aufwändiger Korrosionsschutz

Bevor abschnittweise mit dem Auftragen des mehrschichtigen Korrosionsschutzes begonnen werden konnte, musste der zu behandelnde Brückenbereich noch einmal metallisch blank (Reinheitsgrad SA 2,5) gestrahlt werden. Anschließend wurde eine 80 µm starke Grundbeschichtung aus Zinkphosphat aufgetragen. Dann ging es an den aufwändigen Kantenschutz, der grundsätzlich von Hand per Pinsel appliziert wird, damit sämtliche Kanten, Nieten und schwer erreichbare Stellen, langfristig sicher vor Korrosion geschützt sind.

Zwei jeweils 80 µm dicke Zwischenbeschichtungen aus Epoxidharz, das Verschließen sämtlicher Spalten und Fugen mit einem Dichtstoff sowie eine abschließende 80 µm starke Deckbeschichtung vervollständigten das neue Korrosionsschutzsystem der Torgauer Brücke. Ein Mikrometer (nach dem griechischen Buchstaben µ), abgekürzt µm, entspricht dem Millionstel eines Meters: 1 µm = 10 hoch -6 m = 0,000001 m oder 1 µm = 10 hoch -3 mm, also ein Tausendstel Millimeter.

Kurz-Link  Kurz-Link zu diesem Beitrag:
https://www.bauingenieur24.de/url/700/1880