Fachbeiträge & Interviews
Samstag, 29. Januar 2022
Ausgabe 7467 | Nr. 29 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Dr. Elisabeth Hoffmann, Christian Wieg
Herausgeber: bauingenieur24® Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

TU Braunschweig erforscht Methoden zur Sicherung von Stahlkonstruktionen

# 23.02.2006

Weil bestehende Bausubstanz und Infrastrukturanlagen instand gehalten bzw. erneuert werden müssen, entstehen der deutschen Volkswirtschaft regelmäßig außerordentlich hohe Kosten - mit steigender Tendenz

Die geschweißte Stabbogenkanalbrücke bei Haldensleben ist ein potenzielles Anwendungsbeispiel für die Verfahren des Projektes Refresh, Foto: TU Braunschweig / IBT Die geschweißte Stabbogenkanalbrücke bei Haldensleben ist ein potenzielles Anwendungsbeispiel für die Verfahren des Projektes Refresh, Foto: TU Braunschweig / IBT

Mit zwei Millionen Euro fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung ab sofort das Projekt "Refresh - Lebensdauerverlängerung bestehender und neuer geschweißter Stahlkonstruktionen" am Institut für Bauwerkserhaltung und Tragwerk (IBT) unter Leitung von Prof. Thomas Ummenhofer. Die Industrie beteiligt sich mit weiteren zwei Millionen Euro an dem auf dreieinhalb Jahre befristeten Forschungsvorhaben. Neun weitere deutsche sowie vier europäische Partner aus Industrie und Forschung sind in das Projekt mit eingebunden.

Ein wesentlicher Anteil des allgemeinen Bauvolumens umfasst Stahlkonstruktionen. Diese werden häufig durch dynamische oder wechselnde Belastungen beansprucht, wie sie durch Zug-Überfahrten auf Eisenbahnbrücken, Windböen auf Windenergieanlagen oder auch Fahrten auf einer Achterbahn entstehen. Stahlkonstruktionen sind insbesondere an den Schweißnähten anfällig für Risse. Zunächst kaum sichtbare Haarrisse können sich ausweiten und schließlich ganze Brücken zum Einsturz bringen. Dem wollen die Wissenschaftler jetzt durch Ihre Forschungsarbeit vorbeugen.

Das Projekt ist von immenser wirtschaftlicher Relevanz: Allein bei der Deutschen Bahn besteht in den kommenden 10 Jahren ein Investitionsbedarf von bis zu fünfeinhalb Milliarden Euro, weil dann siebzig Prozent aller Stahl- und Eisenbrücken am Ende ihrer rechnerischen Lebensdauer angelangt sind. Die ersten großen Windenergieanlagen werden in diesem Jahr 20 Jahre alt und müssen auf ihre Restlebensdauer hin überprüft werden – sonst können die Betriebsgenehmigungen erlöschen.

"Eine Herausforderung für die Forscher ist die Nachbehandlung von Schweißnähten am bestehenden Bauwerk," erläutert die Projektkoordinatorin Imke Weich vom IBT. "Wenn wir zum Beispiel Schweißnähte einer bestehenden Windkraftanlage in schwindelnder Höhe nachbehandeln wollen, ist eine mobile und leicht handhabbare Methode erforderlich." Refresh soll Verfahren untersuchen und hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit am Bauwerk optimieren. Das von der Braunschweiger Dynatec GmbH entwickelte hochfrequente Hämmerverfahren HiFIT bietet hier viel versprechende Ansätze. Es soll nun auf seine Praxistauglichkeit für die Anwendung vor Ort überprüft und angepasst werden.

Ziel des Projektes Refresh ist die Entwicklung eines ganzheitlichen Konzepts durch die Einbeziehung von Ausrüstern und Anwendern sowie anerkannten Institutionen. Auf Basis fundierter Untersuchungen und umfassender Vorarbeiten soll die Akzeptanz der zu entwickelnden Methoden und Verfahren durch die entsprechenden Normungs- und Zertifizierungsgremien sichergestellt werden, um diese dann umgehend in die Regelwerke aufnehmen zu können.

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Quellen-und-Verweise  QUELLEN UND VERWEISE:
Forschungsprojekt "Refresh"
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