Fachbeiträge & Interviews
Samstag, 23. Oktober 2021
Ausgabe 7369 | Nr. 296 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Mirco Beutelspacher: "Modularisierte Bauwerke sind die Zukunft."

# 25.08.2021

Dipl.-Ing. Mirco Beutelspacher von der Drees & Sommer SE | Prozesslandkarte und Lean Management optimieren Abläufe. Interdisziplinäre Führung als berufliche Triebfeder. Zu viele Zielkonflikte durch widersprüchliche Behördenauflagen

Dipl.-Ing. Mirco Beutelspacher

Mirco Beutelspacher ist Partner sowie Bereichsleiter Projektmanagement Deutschland bei der Drees & Sommer SE in Stuttgart. Foto: Dreso Mirco Beutelspacher ist Partner sowie Bereichsleiter Projektmanagement Deutschland bei der Drees & Sommer SE in Stuttgart. Foto: Dreso

Mirco Beutelspacher ist Partner sowie Bereichsleiter Projektmanagement Deutschland bei der Drees & Sommer SE aus Stuttgart.

Das generalistische Beratungsunternehmen übernimmt die Bauherrenvertretung in Bau- und Immobilienprojekten unterschiedlichster Art unter Berücksichtigung agiler Methoden und eines Lean-Managements.

Im Bereich Projektmanagement werden Leistungen in den Feldern Hochbau, Infrastruktur, BIM sowie Nutzerberatung angeboten.

An 46 Standorten weltweit arbeiten circa 4.000 Menschen für Drees & Sommer.

Herr Beutelspacher, was fordert Sie aktuell besonders in Ihrem Job?

Mich beschäftigt aktuell vor allem die zunehmende Komplexität beim Planungs- und Bauprozess. Im Fokus stehen die immer weiter zunehmenden Anforderungen an die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten sowie die Digitalisierung des Planungs- und Bauprozesses.

Um diese Herausforderung zu meistern, beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, wie wir unser Kerngeschäft digitalisieren. Beispielsweise erstellen wir aktuell digitale Prozesslandkarten, welche alle Abläufe – von der Projektinitiierung bis zur Inbetriebnahme – modellieren und für alle Beteiligten transparent und interaktiv abbilden. Die Prozesse werden den spezifischen Projektanforderungen angepasst und im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses ständig optimiert.

Da wir bei Drees & Sommer seit über 15 Jahren Lean-Methoden in Planungs- und Bauprozessen etablieren und anwenden, können wir hierbei auf viel internes Know-how zurückgreifen.

Wie lange sind Sie schon in der Branche tätig und warum?

Ich habe an der Universität Stuttgart studiert und 1997 mein Diplom als Bauingenieur erhalten. Seither bin ich bei Drees & Sommer, hatte das Unternehmen aber bereits als Werksstudent vorab kennengelernt. Damals waren wir etwa 400 Mitarbeiter, heute liegen wir bei über 4.000.

Ich habe in den letzten 24 Jahren zahlreiche Veränderungen miterlebt und konnte vieles selbst mitgestalten. So habe ich unter anderem dabei mitgewirkt, dass wir unseren Fokus vom Projektmanagement auf alle Management-, Planungs- und Bauleitungsprozesse erweitert haben. Als einer von 40 Partnern bin ich seit sechs Jahren Mitgesellschafter des Unternehmens.

Am Bauen fasziniert mich seit jeher, dass am Ende ein Produkt entsteht, das man anfassen und erleben kann. Mein persönliches Highlight war die Gesamtprojektleitung für die Erweiterung des Science Centers experimenta in Heilbronn.

Allgemein liegt für mich die treibende Kraft meines Berufs weniger in den rein technischen Aspekten des Bauingenieurwesens, sondern viel mehr in der Herausforderung, ein Bauprojekt aus einem 360-Grad-Blickwinkel zu betrachten. Ich bringe gerne Menschen zusammen und führe Teams zu gemeinsamen Ergebnissen.

Welche Wege geht Ihr Unternehmen in punkto Personalgewinnung?

Schon unsere Unternehmensgründer, Gerhard Drees und Hans Sommer, pflegten als Professoren an der Universität Stuttgart eine enge Anbindung an die Hochschulen. Diese Tradition nimmt auch weiterhin einen hohen Stellenwert in unserem Unternehmen ein. Aktuell sind zahlreiche meiner Kolleginnen und Kollegen als Dozenten im Hochschulbetrieb aktiv und werben dadurch immer neue Fachkräfte an.

Oft finden diese über Praktika und Abschlussarbeiten den Weg zu uns. Nicht selten entwickelt sich daraus, wie bei mir, eine Festanstellung. Hinzu kommt ein Alumni-Programm, durch das wir wertvolle Kontakte über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten.

Durch unsere sehr diversifizierte Unternehmensstruktur können wir eine große Bandbreite an Karrierewegen anbieten und jedes einzelne Talent bei seiner Entwicklung bis zur passenden Position vollumfänglich fördern und fordern. Dabei werden Mitarbeiter von der eigenen Drees & Sommer Weiterbildungsakademie unterstützt.

Bitte vervollständigen Sie den Satz: "Um erfolgreich zu planen und zu bauen kommt es in Zukunft darauf an, dass..."

...alle Projektbeteiligten maximal kollaborativ agieren und die Baubranche den Sprung von der handwerklichen zur industriellen, modularen Fertigung von Gebäuden meistert. Nur so lassen sich die Neuanforderungen an Immobilien wie Bürogebäude, Objekte für die Industrie oder auch solche für den medizinischen Bereich bewältigen.

Es darf gerne auch weiterhin eine individuelle Architektur geben, es muss aber nicht länger jede Decke oder Wand handwerklich neu erfunden und hergestellt werden.

In welche Technik investiert Ihr Unternehmen?

Unter den Stichworten "Data Science + Analytics" investieren wir in die Sammlung und Auswertung unserer Daten. Bei rund 1.000 Projekten im Jahr kommen da einige Informationen zusammen, wodurch sich wiederum wertvolle Kennzahlen und Parameter für neue Projekte ergeben, die uns bessere Planungs- und Bauprozesse ermöglichen.

Für unsere Teams gehört das mobile Arbeiten mit Tablets und MS Teams inzwischen zum Standard. Dabei werden kaum noch Akten in Papierform verwendet.

Welchen Wunsch haben Sie an die Politik?

Das Bauen muss wieder einfacher werden. Durch die aktuellen, teils widersprüchlichen Auflagen kommt es in jedem Projekt zu Zielkonflikten, da beispielsweise Brandschutzvorgaben nicht mit dem Klima- und Denkmalschutz vereinbar sind.

Die Zusammenarbeit mit den Behörden gestaltet sich durch diesen Umstand oft sehr aufwändig. Zudem sind zu viele regionale Unterschiede vorhanden. Bei manchen Ämtern überwiegt der Pragmatismus, bei anderen die Bürokratie.

Wie sieht Ihre individuelle Weiterbildung aus?

Derzeit beschäftige ich mich mit der Frage, wie die Methoden des Lean Managements durchgängig in den Bau- und Planungsprozess sowie in die Unternehmensorganisation eingebracht werden können.

Neben der Teilnahme an Weiterbildungsveranstaltungen nutze ich Online-Foren und Diskussionsplattformen.

Welchen Ausgleich haben Sie zum Beruf?

Ich genieße die freie Zeit vor allem mit meiner Frau und unseren beiden Kindern. Das Joggen, Radfahren und Golfspielen hilft mir dabei, mich körperlich fit zu halten.

Darüber hinaus haben wir jede Menge Spaß mit unseren Freunden, mit denen wir beispielsweise in der Küche die Kochlöffel schwingen oder versuchen, spannende Rätsel á la Sherlock Holmes zu lösen.

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