Fachbeiträge & Interviews
Montag, 09. Dezember 2019
Ausgabe 6685 | Nr. 343 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Nachgefragt bei: Dipl.-Ing. Marcel Westphal

# 26.04.2019

Dipl.-Ing. Marcel Westphal von der C + P Ingenieur- und Baugesellschaft - Jeder Bauingenieur tickt anders. Arbeitsabläufe und Planungen gestalten sich, je nachdem, worauf der Einzelne Wert legt, unterschiedlich. Um den individuellen Eigenschaften erfolgreicher Ingenieure auf die Spur zu kommen und ihre Tipps und Hinweise für den Beruf für alle nutzbar zu machen, heißt es bei bauingenieur24 einmal im Monat "Nachgefragt bei ...". Bauingenieure und Experten ihres Faches liefern dabei im Interview aufschlussreiche Antworten zu unseren Fragen.

Dipl.-Ing. Marcel Westphal ...

Dipl.-Ing. Marcel Westphal ist Geschäftsführer der C + P Ingenieur- und Baugesellschaft aus Leipzig. Foto: C+P Dipl.-Ing. Marcel Westphal ist Geschäftsführer der C + P Ingenieur- und Baugesellschaft aus Leipzig. Foto: C+P

...ist Geschäftsführer der C + P Ingenieur- und Baugesellschaft, einer eigenständigen Gesellschaft innerhalb der Christmann + Pfeifer Gruppe, mit Sitz in Leipzig.

Er realisiert mit seinem Team schlüsselfertige Projekte verschiedenster Größenordnung im Industriebau und im Gewerbebau.

Die Servicepalette reicht von der Grundlagenermittlung, Konzeptionierung und Visualisierung über alle Planungsstufen bis hin zur Realisierung der Bauaufgabe inklusive der Projektsteuerung.

Herr Westphal, was fordert Sie aktuell besonders in Ihrem Job?

Wie viele andere Branchen auch beschäftigen wir uns derzeit intensiv mit den Themen Industrie 4.0 und Digitalisierung. Das Stichwort bei uns heißt ganz klar "BIM". Neben den allgemeinen technischen Lösungen sind entsprechende Prozesse anzupassen und nicht zuletzt die sich ändernde Arbeitsweise im Unternehmen und bei den Mitarbeitern zu implementieren.

Die Unternehmen der Christmann + Pfeifer Gruppe repräsentieren ein großes Spezialistennetzwerk mit fast hundertjähriger Erfahrung. Diese Struktur bietet viel Flexibilität und ermöglicht die Realisierung unterschiedlicher Projektgrößen. Bei Bedarf ist genügend Leistungsstärke für die ganz großen Bauwerke vorhanden, wir sind aber auch in der Lage, kleine Projekte wirtschaftlich abzuwickeln.

Unabhängig vom Projekt, kann einen das Tagesgeschäft sehr leicht vereinnahmen. Die permanente Beschäftigung damit hat durchaus ihren Reiz, sonst wäre man nicht in dieser Branche tätig. Um aber letztlich immer wieder auf Flughöhe zu kommen, ist es notwendig, regelmäßig über den Tellerrand zu schauen. Sich dafür Zeit aktiv und bewusst zu nehmen, erlebe ich als eine echte Herausforderung.

Wie lange sind Sie schon in der Branche tätig und warum?

Mittlerweile sind es um die 20 Jahre. Ich habe allerdings schon lange vor und dann auch während des Studiums häufig auf Baustellen gejobbt, bin also ziemlich frühzeitig mit der Baubranche in Berührung gekommen.

Außergewöhnliche Bauwerke, egal ob nun besonders groß oder gestalterisch interessant, faszinieren mich seit jeher. Ich denke, der Wunsch hinter die Dinge zu blicken und auch fähig zu sein, solche Bauwerke errichten zu können, haben mich bewogen, das Studium des Bauingenieurwesens aufzunehmen.

Im Laufe meines Berufslebens habe ich dann unterschiedlichste Projekte im In- und Ausland betreut und bin dabei immer wieder neuen spannenden Bauaufgaben und vor allem Menschen begegnet. Es bereitet besondere Freude, wenn aus diesen Bekanntschaften langjährige Wegbegleiter werden.

Als Geschäftsführer setze ich im Sinne meines Arbeitgebers auf Kontinuität und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe, denn nur im intensiven Gespräch lassen sich Lösungen entwickeln, die beide Seiten überzeugen. Dadurch, so meine ich, sind viele unserer Kunden über die Jahre hinweg zu Stammkunden geworden. Eine schönere Bestätigung, dass man in seinem Beruf alles richtig macht, gibt es nicht.

Welche Wege geht Ihr Unternehmen in punkto Personal?

Für uns geht es zunächst darum, Fachkräfte durch ein attraktives Arbeitsumfeld langfristig an das Unternehmen zu binden. Nach meiner Ansicht gelingt uns das sehr gut, denn wir haben kaum Fluktuation.

Neben den individuellen Möglichkeiten der Arbeitszeitgestaltung und persönlich zugeschnittener Förderung können wir mit einem hohen Maß an Eigenverantwortung in interessanten Projekten punkten. Das stiftet Sinn und sorgt dafür, dass die Mitarbeiter sich mit dem Projekt und in weiterer Folge mit dem Unternehmen identifizieren.

Weitere Stichworte sind unter anderem Sicherheit und, wie erwähnt, Kontinuität seitens des Unternehmens sowie ein motivierendes Arbeitsumfeld, in dem spannende Aufgaben mit einer attraktiven Vergütung und einem familienfreundlichen Klima einhergehen. Diese Faktoren ziehen dann natürlich auch bei der Personalgewinnung.

Eine Herausforderung im Recruiting besteht derzeit sicherlich darin, als Unternehmen auf sich aufmerksam zu machen. Neben klassischen Stellenanzeigen auf unserer Website und in Online-Jobportalen spielt die Präsenz in sozialen Netzwerken dabei eine zunehmend wichtigere Rolle.

Im Bereich der Nachwuchskräftesicherung ist darüber hinaus die Präsenz auf Karrieremessen nicht zu unterschätzen. Gleichzeitig setzen wir auf eine enge Zusammenarbeit mit Hochschulen und Universitäten. Absolventen können bei uns entweder direkt im Job durchstarten oder sich durch ein Trainee-Programm einen Eindruck von den verschiedenen Abteilungen, Strukturen und Aufgabenbereichen verschaffen.

Wer seine Bachelor- oder Masterarbeit plant, ist uns ebenfalls willkommen, denn wir betreuen praxisorientierte Arbeiten unterschiedlicher Themenbereiche. Interessierten Schülern und Studierenden bieten wir die Möglichkeit, in Form von Praktika bzw. Nebentätigkeiten in den Berufsalltag von Bauingenieuren hineinzuschnuppern.

Durch diese Vielzahl von Aktivitäten können wir uns gut vernetzen und häufig erfolgt nebenher eine "Mund-zu-Mund-Propaganda". Wir als Unternehmen profitieren auf jeden Fall gleichermaßen von der Erfahrung und dem Know-how langjähriger Mitarbeiter wie auch von dem frischen Wind, den jüngere Arbeitnehmer einbringen.

Auf wen hören Sie beruflich?

Entscheidungen treffen zu dürfen und eigenverantwortlich zu handeln, ist ein Privileg und aus meiner Sicht wesentlicher Bestandteil eines erfüllten Berufslebens. Zu entscheiden und auch dahinter zu stehen gehört zum täglichen Geschäft, macht Spaß und motiviert mich.

Um informiert entscheiden zu können, ist es mir wichtig, andere Meinungen und Feedback abzuholen. Dies kann von Kollegen, Mitarbeitern und Vorgesetzten sein. Differenzierte Ansichten führen in einer offenen und respektvollen Unternehmenskultur in der Regel zu den besten Ergebnissen.

Wenn es darum geht, einmal einen völlig anderen, unvoreingenommenen Blickwinkel einzunehmen, diskutiere ich gerne mit meiner Frau.

In welche (Informations-)Technik investiert Ihr Unternehmen?

Wir haben im Unternehmen hohe Kapazitätseinsätze im IT-Bereich. Die fortschreitende Digitalisierung in der Gesellschaft trifft natürlich auch uns.

Neben allgemeinen Office-Anwendungen und buchhalterischen Programmen haben wir als Ingenieure enorme Datenmengen im Bereich der Planung und Abwicklung zu be- und verarbeiten. Hier die Soft- und Hardware aktuell zu halten ist primäre Aufgabe und Kernkompetenz unserer IT-Abteilung.

Aktuell erarbeiten wir für uns maßgeschneiderte Lösungen zur Implementierung von BIM. Hierbei ergibt sich neben den Erweiterungen der Planungsprogramme auch Modifikationsbedarf bei der Software für Kalkulation und Ausschreibung bis hin zur Terminplanung.

Welchen Wunsch haben Sie an die Politik?

Da gäbe es sicher einige, je nachdem, ob ich als Bürger, Vater oder Unternehmer gefragt werde.

Stand heute würde ich mir wünschen, dass in Europa und auch weltpolitisch einige grundsätzliche Dinge - im besten Falle - positiv geregelt werden. Ungewissheit und Unsicherheit sind Gift für jegliches Unternehmertum.

Vom ungeregelten Brexit oder dessen etwaiger Aussetzung über die diversen Handelskonflikte auf dem Weltmarkt bis hin zur Verunsicherung beim Erwerb von verbrennungsmotorisch betriebenen Fahrzeugen irritieren unsere Unternehmer die nicht geregelten Zustände zusehends und lähmen wiederum die Entscheidungsfähigkeit bzw. den Investitionswillen der Unternehmen.

Wie sieht Ihre individuelle Weiterbildung aus?

Der überwiegende Teil erfolgt aus meiner Sicht nebenher. Es ist der tägliche Mix aus der Anwendung und der sich daraus ergebenden Sammlung von Erfahrung, der Recherche und dem Zuhören.

Daneben besuche ich regelmäßig Vorträge, Tagungen und Messen unterschiedlichster Art.

Welchen Ausgleich haben Sie zum Beruf?

Als zweifacher Familienvater suche und genieße ich die Zeit mit meiner Familie wann und wo immer es möglich ist. Das verändert, ob gewollt oder nicht, den Fokus und gibt einem die Möglichkeit, echten Abstand vom beruflichen Schaffen und Entscheiden zu bekommen.

Ich koche, wenn auch mit mäßigem Erfolg, und esse leidenschaftlich gerne und bin gern Gastgeber guter Freunde. Ich mag es zu reisen und versuche wann immer es geht in die Natur zu kommen und auf meinem Nachttisch befindet sich in der Regel mindestens ein Buch.

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