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Donnerstag, 28. Oktober 2021
Ausgabe 7374 | Nr. 301 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Studie: Frankfurter Fernbahntunnel ist machbar und realistisch

# 08.09.2021

Planungen für Großprojekt haben begonnen. Deutsche Bahn rechnet mit 3,6 Milliarden Euro Kosten und zehn Jahren Bauzeit. Breite Zustimmung durch Politik und Verkehrsverbund

Ziel: Täglich 250 Züge mehr zum Hauptbahnhof Frankfurt

In Frankfurt am Main laufen viele Eisenbahnstrecken zusammen. Oberirdisch gibt es keine Erweiterungsmöglichkeiten, weshalb ein Fernbahntunnel inklusive Tiefbahnhof zur Entlastung und noch mehr Mobilität gebaut werden soll. Foto: DB AG In Frankfurt am Main laufen viele Eisenbahnstrecken zusammen. Oberirdisch gibt es keine Erweiterungsmöglichkeiten, weshalb ein Fernbahntunnel inklusive Tiefbahnhof zur Entlastung und noch mehr Mobilität gebaut werden soll. Foto: DB AG

Mit deutlich mehr Investitionen will der Bund künftig die Schienenverkehrsinfrastruktur verbessern (wir berichteten).

Nötig werden die Mittel sowohl für dringende Instandsetzungsmaßnahmen als auch für den ambitionierten Plan der Deutschen Bahn (DB), künftig im Rahmen des sogenannten "Deutschlandtakts" die Metropolen des Landes in einem 30-Minuten-Rhythmus zu verbinden.

Letzterem Ziel will man unter anderem mit einem neuen Fernbahntunnel in Frankfurt am Main näherkommen. "Der Fernbahntunnel ist ein wichtiges Element für den Deutschlandtakt", sagt DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla. Dank des neuen Tunnels würde die Kapazität im Verkehrsknoten Frankfurt von 1.250 auf 1.500 Züge pro Tag gesteigert.

"Damit stärken wir die Schiene für die dringend notwendige Mobilitäts- und Klimawende in der Messestadt Frankfurt und unserem Land", so Pofalla weiter. Als Durchgangsverbindung soll der Tunnel für eine Entlastung der momentan stark befahrenen überirdischen Gleise des Kopfbahnhofs sorgen.

Zweigleisige Tunnelkonstruktion und neuer Tiefbahnhof vorgesehen

Dass es tatsächlich zum Bau des neuen Tunnels kommt, wurde zuletzt durch eine vorgelegte Machbarkeitsstudie wahrscheinlicher. Die vom Bund 2019 beauftragte Untersuchung geht von einer zweigleisigen Tunnelkonstruktion aus, die aus östlicher bzw. westlicher Richtung auf den Frankfurter Hauptbahnhof zuläuft und dort mit vier unterirdischen Gleisen an einen neuen Tiefbahnhof anschließt.

Die Ergebnisse der Studie zeigten laut Bahn, dass der Fernbahntunnel Frankfurt sowie der unterirdische Durchgangsbahnhof technisch umsetzbar und der vorgegebene Kostenrahmen von rund 3,6 Milliarden Euro "Stand heute" realisierbar sei.

Streckenverlauf unter Hochhäusern als unrealistisch eingestuft

Im Ergebnis einer Machbarkeitsstudie zum neuen Frankfurter Fernbahntunnel wurde ein Korridor als realistisch eingestuft, welcher einen Teil der Strecke unter dem Main vorsieht. Grafik: DB AG Im Ergebnis einer Machbarkeitsstudie zum neuen Frankfurter Fernbahntunnel wurde ein Korridor als realistisch eingestuft, welcher einen Teil der Strecke unter dem Main vorsieht. Grafik: DB AG

Für den möglichen Verlauf des Fernbahntunnels wurde ein nördlicher, ein mittlerer und ein südlicher Korridor zwischen dem Hauptbahnhof und dem Frankfurter Osten untersucht (vgl. Grafik).

Der mittlere Korridor verläuft unter Hochhäusern, deren bis zu 50 Meter tiefe Fundamente einen Tunnel technisch schwer möglich machen. Auch der nördliche Korridor stößt auf zahlreiche bauliche Hindernisse.

Als einzig realistische bzw. wirtschaftlich und technisch machbare Variante ging somit der Südkorridor aus der Untersuchung hervor. Er führt unter der Erde an den Frankfurter Hochhäusern vorbei zum Hauptbahnhof.

Ein weiterer Vorteil der Variante sei die Tatsache, dass der künftige Tunnel sich gleich doppelt an bestehende Bahnstrecken anbinden ließe. Die Züge könnten dann sowohl die nord- als auch die südmainische Strecke nutzen. In westlicher Richtung soll der Tunnel an die neue, dritte Niederräder Brücke angebunden werden.

Bahn startet konkrete Bauplanungen

In der Machbarkeitsstudie hat die Deutsche Bahn auch verschiedene Möglichkeiten für den Bau und die Gestaltung der neuen unterirdischen Station untersuchen lassen. Diese soll in 35 Metern Tiefe unter dem südlichen Teil des Hauptbahnhofs entstehen.

Aufgrund der bescheinigten Machbarkeit des Tunnels startet die Deutsche Bahn jetzt mit der konkreten Planung. Die Bauzeit im Anschluss soll etwa zehn Jahre betragen.

Politik erwartet Verbesserungen für Mobilität

Politiker und Verkehrsexperten messen dem Vorhaben auf mehreren Ebenen große Bedeutung bei. So freut sich Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) über das Ergebnis der Machbarkeitsstudie und den damit wohl beschlossenen Bau des Fernbahntunnels.

Knut Ringat, Geschäftsführer der Rhein-Main-Verkehrsverbund GmbH (RMV), blickt über die Grenzen der Stadt hinaus und bezeichnet den künftigen Tunnel als Puzzlestück, welches die vielen Ausbauvorhaben in der Region miteinander verbinden werde.

BMVI: Fernbahntunnel als Beitrag zur TEE-Wiederbelebung wichtig

Auch der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) betont die mögliche Verbesserung für die regionale Mobilität. Der Fernbahntunnel ist für ihn nichts weniger als "der große Wurf für eine intelligente und umweltgerechte Steuerung und Abwicklung des Bahnverkehrs."

Im CSU-geführten Verkehrsministerium des Bundes (BMVI) weist man schließlich auf die europäische Dimension des Vorhabens hin. "Ob von Berlin nach Barcelona oder von Prag nach Paris – viele Züge des TransEuropExpress 2.0 (TEE) werden durch den Fernbahntunnel fahren", ist sich Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur sicher.

Mit dem Fahrplan- und Grobkonzept TEE 2.0 - Grenzüberschreitender Hochgeschwindigkeits- und Nachtverkehr - welches vor gut einem Jahr vorgestellt wurde, will das BMVI dazu beitragen, eine von 1957 bis 1988 zwischen den Staaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), Österreich und der Schweiz betriebene internationale Zugverbindung wiederzubeleben.

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