Fachbeiträge & Interviews
Mittwoch, 07. Dezember 2022
Ausgabe 7779 | Nr. 341 | 22. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Bauen für die Bahn: Neues Konzept für Großprojekte eingeführt

# 08.07.2022

Partnerschaftsmodell Schiene soll Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz sichern. Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn als Pilotprojekt gestartet. Fertigstellung der ersten Werkshalle für 2024 geplant

Verkehrswende: Neben Bahnstrecken auch mehr Werkshallen nötig

Eine Werkshalle, in der 400 Meter lange ICE-Züge gewartet werden können, entsteht derzeit auf der Grundlage des "Partnerschaftsmodells Schiene" in Cottbus. Grafik: DB AG / Vec­tor­vi­si­on Eine Werkshalle, in der 400 Meter lange ICE-Züge gewartet werden können, entsteht derzeit auf der Grundlage des "Partnerschaftsmodells Schiene" in Cottbus. Grafik: DB AG / Vec­tor­vi­si­on

Mehr Schiene, weniger Straße. Diese Losung für den Personen- und Güterverkehr von morgen findet ihren Niederschlag in einer angepassten Finanzplanung des Bundes (). Infolge dessen hat die Bautätigkeit bereits enorm zugenommen.

Insgesamt will die Deutsche Bahn in diesem Jahr 13,6 Milliarden Euro in die Modernisierung ihrer Infrastruktur investieren. 1.800 Kilometer Gleise, 2.000 Weichen, 140 Brücken und 800 Bahnhöfe sollen dabei erneuert werden. Hinzu kommt der Bau und Ausbau von Werkshallen für die Instandhaltung der Zugflotten. Ganze 4.800 zusätzliche Ingenieur:innen und Fachkräfte für Ausbau und Instandhaltung sollen dafür angeworben werden.

Um die teils komplexen Bauvorhaben möglichst termin- und kostensicher umzusetzen, haben Forschende im Fachgebiet Bauwirtschaft und Baubetrieb der Technischen Universität Berlin zusammen mit der Deutschen Bahn und dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie das "Partnerschaftsmodell Schiene" entwickelt. Bundesweit erstmalig angewendet wurde dieses Modell im Pilotprojekt der Deutschen Bahn "Neues Werk Cottbus" (NWC), ein mehrjähriges Großprojekt, zu dem am 10. Mai 2022 der erste Spatenstich einen wichtigen Meilenstein markierte.

Neues Werk Cottbus dient Instandhaltung von 400 Meter langen ICE-Zügen

Von der nationalen Wichtigkeit dieses Vorhabens zeugte die Gästeliste des Events, allen voran Bundeskanzler Olaf Scholz und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke. 500 rote Luftballons kennzeichneten den Grundriss auf der Baustelle in Cottbus, wo 2024 bereits eine von zwei großen Werkshallen stehen soll, in denen künftig die 400 Meter langen ICE 4-Züge instandgehalten werden.

Bei dem "Neuen Werk Cottbus" (NWC) handelt es sich laut TU um das modernste Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn. Mit der Anwendung des "Partnerschaftsmodells Schiene" auf dieses Bauprojekt werde ein Paradigmenwechsel in der Realisierung komplexer Großbauvorhaben eingeleitet, so Matthias Sundermeier, Leiter des TU-Fachgebiets Bauwirtschaft und Baubetrieb.

Partnerschaftsmodell erlaubt individuelle Bauvertragsgestaltung

"Bauherrin, Planer und Bauunternehmen arbeiten als Wertschöpfungspartner auf Augenhöhe in einer Projektallianz zusammen und errichten das 'Neue Werk Cottbus' in gemeinschaftlicher Verantwortung", erklärt Sundermeier. "Alle Projektentscheidungen werden auf Basis gemeinsamer Zielsetzungen nach dem Grundsatz 'Best for Project' getroffen. Am wirtschaftlichen Erfolg des Projekts partizipieren alle Partner."

Konkret werden im "Partnerschaftsmodell Schiene" verschiedene Varianten für die Gestaltung von Bau- und Planungsverträgen ermöglicht. Dabei wird auf Aspekte der Auftragsvergabe, des Projektmanagements sowie des allgemeinen Ablaufs von Planungs- und Bauprozessen von Schieneninfrastruktur eingegangen. Durch eine ganzheitliche Betrachtung sämtlicher Prozesse im jeweiligen Projekt sollen fortlaufende Optimierungen des gesamten Ablaufs erreicht werden.

Nachhaltiger und digitalisierter Werkebetrieb vorgesehen

"Das Modell sichert nicht allein eine kostenstabile und qualitätsgerechte Fertigstellung von Großbauvorhaben wie das NWC im Rekordtempo, sondern ist auch ein Motor ingenieurtechnischer Innovationen für einen nachhaltigen und digitalisierten Werkebetrieb", sagt Matthias Sundermeier. Das NWC habe Pilotcharakter für ein wirklich "neues Bauen" und eröffne neue Wege für die Schaffung einer umwelt- und klimaschonenden Verkehrsinfrastruktur.

Dass das Partnerschaftsmodell bei Wirtschaft und Industrie gut angenommen werden wird, dafür besteht für Matthias Sundermeier kein Zweifel: "Die Deutsche Bahn hat beispielsweise bereits ein weiteres Pilotprojekt in Köln gestartet, das die Grundinstandsetzung zweier Eisenbahnüberführungen am Bahnhof Süd umfasst."

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