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Montag, 05. Dezember 2022
Ausgabe 7777 | Nr. 339 | 22. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Baugewerbe: Zuwanderungsstrategie des Bundes geht an Realität vorbei

# 13.09.2022

Vorgestelltes Konzept gegen Fachkräftemangel sieht schnellere Anerkennung von Berufsabschlüssen und Ausbildungsgarantie vor. Digitalisierung der Ausbildungszentren noch mangelhaft. Fortsetzung und Ausweitung der Westbalkanregelung für Baubranche wichtig

Bundesregierung mit neuer Fachkräftestrategie

Viele vakante Stellen: Wer wird in Deutschland künftig als Fachkraft im Baugewerbe bzw. der Bauindustrie arbeiten? Foto: Rainer Sturm / Pixelio Viele vakante Stellen: Wer wird in Deutschland künftig als Fachkraft im Baugewerbe bzw. der Bauindustrie arbeiten? Foto: Rainer Sturm / Pixelio

Aus gegebenem Anlass hatte die Bundesregierung unlängst zu einem Fachkräftegipfel geladen. Vertretern aus der Wirtschaft und den Gewerkschaften wurde dabei eine neue "Fachkräftestrategie" vorgestellt.

Gleichzeitig hieß es aus Berlin, bis 2026 würde die Fachkräftelücke aufgrund des demografischen Wandels „nur noch“ rund 240.000 Personen betragen und nicht, wie noch im letzten Jahr angenommen mehr als das Doppelte. Hintergrund sei ein höheres Angebot an Arbeitskräfte durch Geflüchtete aus der Ukraine sowie ein geringeres Wirtschaftswachstum.

Konkret versprechen Bildungs-, Wirtschafts- und Arbeitsministerium gezielte Maßnahmen für mehr Weiterbildung, eine Ausbildungsgarantie und flexiblere Rentenübergänge. Zudem soll ein modernisiertes Einwanderungsgesetz speziell die Zuwanderung von Fachkräften aus Staaten außerhalb der Europäischen Union erleichtern.

Ausländische Berufsabschlüsse sollen in diesem Zusammenhang schneller anerkannt werden. Bezüglich der betrieblichen Weiterbildung ist laut Bundesarbeitsminister Hubertus Heil ein Qualifizierungsgeld von der Bundesagentur für Arbeit geplant.

Bauindustrie begrüßt Regierungsinitiative

Von Seiten der großen Bauverbände wurde der ressortübergreifende Ansatz der Bundesregierung begrüßt. Der Schulterschluss mit den Sozialpartnern erhöhe dabei die Chance, am Ende gemeinsam tragfähige Konzepte zu erarbeiten, sagt Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB).

"Aus Sicht der Bauwirtschaft muss dabei neben der Aktivierung aller in- und ausländischen Potenziale verstärkt daraufgesetzt werden, den bestehenden Personalpool durch Qualifizierung an der technologischen und digitalen Transformation zu beteiligen", so Müller weiter.

Baugewerbe: Ausbildungszentren benötigen besondere Förderung

Zusätzlich plädiert er für den verstärkten Einsatz digitaler Werkzeuge, Methoden und Prozesse sowie den Abbau des Verwaltungsaufwandes durch die Vereinheitlichung von Vorschriften. Wie schon bei anderen Gelegenheiten, bringt Müller auch in diesem Zusammenhang seinen Wunsch einer "Verzahnung von Planen und Bauen" zum Ausdruck. Dies alles könne dazu beitragen, die Wertschöpfung auch bei geringerem Personaleinsatz zu steigern.

Laut HDB würden der Baubranche nach heutigem Stand im Jahr 2030 über 100.000 Bauarbeiter und Bauarbeiterinnen fehlen, besonders wegen der aktuellen Altersstruktur. Um die benötigten Fachkräfte für die mittelständisch geprägte Bauwirtschaft zu gewinnen, fordert der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) insbesondere die Förderung der überbetrieblichen Ausbildungszentren.

Diese bräuchten konkret Unterstützung bei der Digitalisierung der Ausbildungsgänge und der technischen Ausrüstung sowie zur Abfederung der hohen Energiepreise, um den Lehrbetrieb aufrecht erhalten zu können.

Ausländische Fachkräfte: Verlängerung und Ausweitung der Westbalkanregelung gefordert

Die von der Bundesregierung vorgestellten Impulse hinsichtlich einer leichteren Zuwanderung gehen indes für den Zentralverband an der Realität der vielen kleinen und mittelständischen Baubetriebe vorbei.

"Für mittelständische Unternehmen ist es äußerst schwierig, Fachkräfte im Ausland anzuwerben und zudem die juristischen Formalia zu erledigen. Hier brauchen wir deutliche Vereinfachungen", gibt ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa zu Bedenken.

Aus seiner Sicht gelte es kurzfristig die sogenannte "Westbalkanregelung" zu entfristen und das bisher darin festgelegte Kontingent von 25.000 jährlichen Visa auf etwa 100.000 deutlich aufzustocken. Aktuell würde die Regelung 2023 auslaufen.

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