Fachbeiträge & Interviews
Montag, 16. September 2019
Ausgabe 6601 | Nr. 259 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Dezentrale Abwasserentsorgung als Zukunftskonzept

# 20.08.2014

Europäische Wasserrahmenrichtlinie schreibt Anschluss an Kläranlage bis 2015 vor. Innovatives Konzept soll Umsetzung der Vorgabe im ländlichen Raum ermöglichen. Preis für Modellprojekt zur Kopplung von Abwasserentsorgung und Wärmeversorgung verliehen

Bundesweite Initiative fördert Projektentwicklung

Eine dezentrale Abwasserentsorgung kann dünn besiedelten Landstrichen helfen, die ab 2015 geltenden EU-Vorgaben zu erfüllen. Foto: Guenter Hamich / Pixelio Eine dezentrale Abwasserentsorgung kann dünn besiedelten Landstrichen helfen, die ab 2015 geltenden EU-Vorgaben zu erfüllen. Foto: Guenter Hamich / Pixelio

Eine zukunftsfähige Infrastruktur muss neben einem flächendeckend gut ausgebauten Informations- und Verkehrsnetzwerk auch die Versorgung der Haushalte mit Energie und die Entsorgung der anfallenden Abfallprodukte sicherstellen. Da dies in entlegenen und bei einer fortwährenden Verstädterung zunehmend isolierten Landesteilen ein Problem darstellt, freuen sich die verantwortlichen Versorger stets über neue Ideen, die eine nachhaltige Lösung versprechen.

Diese zutage zu fördern, ist Ziel der von Politik und Wirtschaft gemeinsam geführten Initiative "Deutschland – Land der Ideen", welche mit verschiedenen Wettbewerben zum innovativen Denken und Handeln anregen will.

Auf der Suche nach den "Ausgezeichneten Orten 2014/15: Innovationen querfeldein" wurde sie nun in Nordsachsen fündig. Der dort ansässige "Verein zum ökologischen Gewässerschutz Treptitz e.V." ist mit seiner Kopplung einer dezentralen Abwasserentsorgung und Wärmeversorgung einer der Preisträger dieses Wettbewerbs. Das zugrunde liegende Konzept wurde am Institut für Wasserbau und Siedlungswasserwirtschaft (IWS) der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in Leipzig entwickelt. Es soll den Anschluss an eine Kläranlage auch in dünner besiedelten Regionen kostengünstiger machen.

Enorme Einsparungen durch Gruppenkläranlagen

"Um den ländlichen Raum attraktiv zu gestalten, brauchen wir solche kreativen und passgenauen Ideen.", so Hubertus Milke, Leiter des IWS an der HTWK Leipzig. Grundlage für die Entwicklung solcher Konzepte sei die fachliche Expertise, eine wissenschaftliche Begleitung sowie die "Empathie der Stakeholder". Das Konzept sieht effiziente Gruppenkläranlagen statt teurerer Einzelkläranlagen sowie zusätzlich den Anschluss an ein durch Biogas gespeistes Fernwärmenetz vor. Dadurch würden die Kosten für den Anschluss an eine Kläranlage in Treptitz (140 Einwohner) von 6.000 auf 3.000 Euro pro Haushalt sinken. Zudem könnten zusätzlich 130.000 Liter Heizöl jährlich eingespart werden.

Hintergrund der Bemühungen ist die Europäische Wasserrahmenrichtlinie, welche den vollständigen Anschluss aller Haushalte an eine Kläranlage bis 2015 vorsieht. Im ländlichen Raum in Sachsen ist dies derzeit noch für circa 80.000 Haushalte nicht erfolgt.

"Durch unsere Lösung spart man nicht nur Geld und erreicht Umweltschutzziele. Die Tatsache, dass alle Einwohner mit an einem Strang gezogen haben, hat auch das Gemeinschaftsgefühl deutlich gestärkt", erklärt Tilo Sahlbach, Vorsitzender des Vereins zum ökologischen Gewässerschutz Treptitz e.V. und geschäftsführender Direktor am IWS. Momentan gäbe es Anfragen aus weiteren Gemeinden, die das Modell ebenfalls umsetzen wollen, sagt er.

100 ausgezeichnete Entwicklungen für den ländlichen Raum

Im Wettbewerb "Innovationen querfeldein – Ländliche Räume neu gedacht" der Initiative "Deutschland – Land der Ideen" wurden 100 Innovationen ausgezeichnet, die die Zukunftsperspektiven ländlicher Regionen stärken, nationalen und internationalen Vorbildcharakter haben und als Inspiration für andere dienen können.

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