Fachbeiträge & Interviews
Samstag, 04. April 2020
Ausgabe 6802 | Nr. 95 | 19. Jahrgang
Autor: Michael Braun
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Flüssigboden im Kanalbau: Praxisbeispiel aus Pforzheim

# 28.11.2012

Enge Platzverhältnisse auf der Baustelle, schwierige Logistik und die Möglichkeit einer späteren Revision sind nur einige Schlagworte, die Anforderungen an Baustoffe zur Verfüllung von Schächten, Gräben oder anderen Bodenöffnungen beschreiben. Eine Lösung kann ein selbstverdichtender Flüssigboden sein – wie ein Praxisbeispiel aus Pforzheim zeigt.

Der Flüssigbaustoff muss beim Einbau nicht gerüttelt oder nachverdichtet werden und umschließt Rohre und Leitungen ohne die Bildung von Lufteinschlüssen, Abb.: HeidelbergCement Der Flüssigbaustoff muss beim Einbau nicht gerüttelt oder nachverdichtet werden und umschließt Rohre und Leitungen ohne die Bildung von Lufteinschlüssen, Abb.: HeidelbergCement

Alte Rohranlagen bei Abwassersystemen sind in Städten keine Seltenheit. So auch in Pforzheim, wo in der Altstädter Straße, mitten in der Innenstadt, Rohre der Baujahre 1900 bis 1906 erneuert werden mussten. Dort galt es rund 180 Meter Regenwasserkanal sowie 160 Meter Mischwasserkanal zu ersetzen. Für die Erneuerung des Regenwasserkanals wurden Stahlbetonrohre DN 1500-1600 in 4,1 Meter Tiefe verwendet, für den Mischwasserkanal setze die Baufirma Feickert 80 Meter glasfaserverstärkte Kunststoffrohre (UP-GF) sowie 80 Meter DN/OD 315-Kanäle aus PVC-U in einer Grabentiefe von 5,2 und 3,9 Metern ein.

Was sich beim Freilegen der Kanäle und den Arbeiten daran bereits zeigte, stellte bei der abschließenden Verfüllung der Gräben erneut eine besondere Herausforderung dar. Die Bauarbeiten in der dicht bebauten Innenstadt fanden unter beengten Platzverhältnissen statt. Die offenen Gräben lagen sehr dicht, teilweise nur in zwei Meter Abstand, an der bestehenden Bebauung. Um hier eine stabile und leicht wieder zu öffnende Verfüllung zu gewährleisten, entschied sich der städtische Eigenbetrieb Stadtentwässerung Pforzheim als Bauherr für TerraFlow von Heidelberger Beton. Ausschlaggebend für die Auswahl waren die Fließeigenschaften, die Verarbeitbarkeit und die anschließende Standsicherheit auf den verfüllten Bereichen.

TerraFlow wird mit dem Fahrmischer angeliefert. Dies vereinfacht die Baustellenlogistik und verkürzt die Bauphase vor Ort. Der flüssige Verfüllbaustoff umschließt Leitungen und Rohre komplett und hohlraumfrei - das sorgt für eine gute Rohrbettung und eine gleichmäßige Rohrbelastung. In Sachen Standsicherheit konnte TerraFlow überzeugen, weil der selbstverdichtende Baustoff setzungsfrei ist. Im Falle der Baustelle in Pforzheim war dies wichtig, da die nahe Bebauung vor Schäden geschützt werden musste.

Auch die Möglichkeit einer späteren Freilegung der Rohre spielte bei der Entscheidung eine Rolle. Der Flüssigboden kann beim Öffnen der verfüllten Bereiche mit einfachen Handwerkzeugen wie Spaten, Hacke und Schaufel wieder entfernt werden. Um diese Produkteigenschaften, allen voran die Fließfähigkeit, zu sichern, überwachte das baustofftechnische Labor der Betotech GmbH in Eppelheim, eine Beteiligung der Heidelberger Beton GmbH, die Zusammensetzung des angelieferten Verfüllstoffs in Pforzheim.

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