Fachbeiträge & Interviews
Mittwoch, 25. November 2020
Ausgabe 7037 | Nr. 330 | 20. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Geothermie statt Erdöl: Bauer AG mit neuer USA-Strategie

# 13.11.2020

Unternehmen für Spezialtiefbau richtet Fokus auf nachhaltigere Energieträger. Individuallösungen laut Konzernleitung besser als standardisierte Verfahren. Einstieg in Brunnenbohrgeschäft durch Übernahme von lokalem Hersteller

Kooperation mit Erdöldienstleister nach fünf Jahren beendet

In Florida war Bauer bereits bei der Sanierung des Herbert-Hoover-Deichs (im Bild) tätig. Nun erweitert der Konzern seine Aktivitäten in den USA um das Brunnenbohrgeschäft. Foto: Bauer AG In Florida war Bauer bereits bei der Sanierung des Herbert-Hoover-Deichs (im Bild) tätig. Nun erweitert der Konzern seine Aktivitäten in den USA um das Brunnenbohrgeschäft. Foto: Bauer AG

Die weltweit tätige Bauer Unternehmensgruppe, zu der auch die Bauer Spezialtiefbau GmbH gehört, hat seine Zusammenarbeit mit dem weltweit größten Anbieter im Bereich Erdölexploration und Ölfeldservice beendet.

Mit der Beendigung des Joint Ventures zwischen Bauer und dem auf der niederländischen Karibikinsel Curaçao beheimateten Unternehmen Schlumberger hat Bauer nach eigenen Angaben wieder alle Anteile an der Bauer Manufacturing LLC in den USA sowie der Bauer Deep Drilling GmbH in Deutschland übernommen.

2015 hatte man die Kooperation mit Schlumberger begonnen und damit verstärkt auf das Geschäft mit fossilen Brennstoffen gesetzt. Konkret ging es hierbei um den Bau von größeren, standardisierten landbasierten Tiefbohranlagen für den Öl- und Gasbereich in Nordamerika. Bauer hatte seinerzeit die Automatisierungstechnik für Tiefbohrgeräte in das Joint Venture eingebracht.

Konzernvorstand: Individuelle Tiefbohrlösungen besser als Standardverfahren

Die Konzernstrategie ist nun eine völlig andere. So will man laut Michael Stomberg, Vorstandsvorsitzender der Bauer AG, zum einen weg von Standardprodukten hin zu "passgenauen Anwendungen" bzw. "individuellen Kundenlösungen" im Bereich Tiefbohrtechnik.

Zum anderen soll der Fokus verstärkt auf die Geothermie gerichtet werden, was im Maschinen-Segment der Bauer Gruppe ursprünglich bereits der Fall gewesen sei. In der nun wiederentdeckten Geothermie sehen die Konzernlenker ein blühendes Zukunftsgeschäft. Dafür verantwortlich sei der ökologisch notwendige Wandel von fossilen Rohstoffen hin zu nachhaltigen Energieträgern, so Stomberg.

Neue Unternehmensstrategie zielt auf Märkte in Europa, Asien und Nordamerika

Investiert mit seinem Konzern vermehrt in Tiefbohrlösungen im Bereich Geothermie: Vorstandsvorsitzender Dipl.-Phys. Michael Stomberg. Foto: Bauer AG Investiert mit seinem Konzern vermehrt in Tiefbohrlösungen im Bereich Geothermie: Vorstandsvorsitzender Dipl.-Phys. Michael Stomberg. Foto: Bauer AG

Zur Umsetzung der neuen Strategie wurden sämtliche Aktivitäten in der Tiefbohrtechnik im Geschäftsbereich Water, Energy & Mining der Bauer Maschinen GmbH gebündelt. Die eigenen Geschäftsziele will man nunmehr vorrangig auf den Märkten in Europa und Asien realisieren.

Nordamerika und speziell den USA soll damit keinesfalls der Rücken gekehrt werden. Vielmehr will Bauer hier sein weltweites Brunnenbohrgeschäft ausbauen.

Um einen Einstieg in den Markt zu erhalten, wurde über eine amerikanische Tochterfirma der Bauer Maschinen GmbH im Oktober 2020 per Asset-Deal ein in den USA etablierter Hersteller von Brunnenbohrgeräten übernommen.

Bauer übernimmt Brunnenbohr-Spezialisten aus Texas

Es handelt sich dabei um die Marke "Gefco" des amerikanischen Unternehmens Astec Industries, welche zuletzt einen Jahresumsatz von etwa 30 Millionen US-Dollar erzielte. Bauer gab an, die Produktion und den Vertrieb der Geräte im texanischen Conroe weiterzuführen.

Neben der Marke "Prakla", auf welche Bauer weiterhin für besonders tiefe Brunnenbohrungen außerhalb Nordamerikas setzt, sei man mit der Gerätepalette von "Gefco" nun auch auf die Bedürfnisse des nordamerikanischen Marktes eingestellt.

Die Bauer Gruppe

mit Stammsitz im oberbayerischen Schrobenhausen wurde 1790 gegründet und verzeichnete im Jahr 2019 mit etwa 12.000 Mitarbeitern in rund 70 Ländern eine Gesamtkonzernleistung von 1,6 Milliarden Euro. Die Aktiengesellschaft bietet mit über 110 Tochterfirmen weltweit Dienstleistungen, Maschinen und Produkte in den Bereichen Boden und Grundwasser an.

Die Geschäftstätigkeit des Konzerns teilt sich in die drei Segmente Bau, Maschinen und Resources:

  • Das Segment Bau bietet Spezialtiefbauverfahren an und führt Gründungen, Baugruben, Dichtwände und Baugrundverbesserungen aus.
  • Das Segment Maschinen bietet die gesamte Palette an Geräten für den Spezialtiefbau sowie für die Erkundung, Erschließung und Gewinnung natürlicher Ressourcen.
  • Das Segment Resources konzentriert sich auf Produkte und Services für die Bereiche Wasser, Umwelt und Bodenschätze.
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