Fachbeiträge & Interviews
Dienstag, 21. Mai 2019
Ausgabe 6483 | Nr. 141 | 18. Jahrgang
Autor: 
Herausgeber: bauingenieur24® Informationsdienst bauingenieur24® Informationsdienst Jobs Stellenangebote Stellen Stellenanzeigen email-weiterempfehlendruckansicht

Hochwasserschutz an der Oberen Iller

# 06.02.2008

Der Fluss Iller speist sich aus den alpinen Quellbächen Stillach, Breitach und Trettach und mündet südlich von Neu-Ulm in die Donau – nach ca. 150 Kilometern Länge und 355 Höhenmetern. Seit September 2007 steht an der Oberen Iller im Bereich Sonthofen der erste Flutpolder Bayerns als Zwischenspeicher für den Hochwasserfall zur Verfügung. Selbst extreme Hochwasser wie 1999 und 2005 seien nun ohne größere Schäden zu bewältigen.

Pfingsthochwasser 1999

Als Polder bezeichnet man Gebiete, die in der Höhe nur wenig höher als der mittlere Pegelstand des Gewässers liegen und als Staubecken fungieren, Abb.: Arcadis Deutschland Als Polder bezeichnet man Gebiete, die in der Höhe nur wenig höher als der mittlere Pegelstand des Gewässers liegen und als Staubecken fungieren, Abb.: Arcadis Deutschland

Das Pfingsthochwasser 1999 führte im Illertal von Sonthofen bis Neu-Ulm zu Schäden von rund 60 Millionen Euro. Etwa 500 Hektar besiedelte Flächen wurden überstaut. Starke Niederschläge von 250 Millimeter in 24 Stunden verursachten in der oberen Iller ein Hochwasser, das statistisch etwa alle 300 Jahre auftritt.

Verschiedene Projekt-Leitsätze
Bei der Realisierung des Hochwasserschutzes wurden verschiedene Leitsätze berücksichtigt. Zum einen sollten der Hochwasserschutz für die Städte und Gemeinden im oberen Illertal und der Wasserrückhalt in der Fläche verbessert werden, zum anderen sollte die ökologische Gewässer- und Naherholungsfunktion ausgebaut werden. Hinzu kamen der Aufbau eines Managements der Hochwasservorhersage und die Bewusstmachung des Hochwasserrestrisikos.

Reduzierung der Hochwassergefahr
Die in den Jahren 2003 bis 2007 im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland, des Staatlichen Bauamts Kempten, des Freistaates Bayern und des Wasserwirtschaftsamtes Kempten durchgeführten natürlichen und technischen Maßnahmen führten zu einer deutlichen Reduzierung der Hochwassergefahr. Das Flussbett wurde erheblich verbreitert, die Umgebung ermöglicht natürliche Überflutungsräume, vorhandene Deiche wurden verstärkt und neue gebaut, sowie ein Wirtschaftsbetrieb umgesiedelt. Alle Maßnahmen wurden auf den Natur- und Kulturraum abgestimmt und bieten den anliegenden Gemeinden einen nachhaltigen Hochwasserschutz.

Neues Flussbett auf 1,3 Kilometer Länge

Um das Rückhaltevolumen des Flutpolders um ein Drittel zu vergrößern erhielt, die Iller auf einer Gesamtstrecke von 1,3 Kilometern Länge ein neues Flussbett mit einer Breite von 150 bis 200 Metern. Als Sohlsicherung bekam der Unterbau eine Schüttung aus Felsgestein. Das neue Flussbett wurde am 8. September 2005 vom bayerischen Umweltminister freigegeben. Anfang 2006 wurde das 62 Meter lange Einlassbauwerk mit sieben Wehrfeldern und getrennt steuerbaren Falltoren ausgestattet, damit die in den Flutpolder geleitete Hochwassermenge exakt gesteuert werden kann. Mit dem Auslassbauwerk kann der Flutpolder innerhalb von 24 Stunden geleert werden. Für die Herstellung des bis zu sieben Meter hohen Absperrdammes Ost wurden etwa 500.000 Kubikmeter Dammmaterial geschüttet. Gemeinsam investierten der Freistaat Bayern, die Kommunen, der Landkreis und die EU rund 100 Millionen Euro.

Die örtliche Bauleitung der Maßnahmen lag bei der Darmstädter Firma Arcadis, die verantwortlich war für die Verfüllung von zwei Baggerseen (rund 450.000 Kubikmeter), die Herstellung des neuen Iller-Flussbettes, die Verlegung des Hauptsammlers (Durchmesser 1,80 Meter) des Abwasserverbandes Obere Iller auf 1,3 km Länge und die Herstellung des Schutzdeiches West (ca. 150.000 m³).

Obere Iller, Sonthofen, Hochwasserschutz, Katastrophenschutz, Deichbau, Stauräume, Absperrdamm, Überschwemmungsflächen, Flutpolder, Flußbett, ökologisches Gewässer, Naherholung, Grundwasser, Uferschutz, natürliche Flußlandschaft Tiefbau https://www.bauingenieur24.de/fachbeitraege/tiefbau/hochwasserschutz-an-der-oberen-iller/1924.htm 442 de-DE
Kurz-Link  Kurz-Link zu diesem Beitrag:
https://www.bauingenieur24.de/url/700/1924