Fachbeiträge & Interviews
Freitag, 20. September 2019
Ausgabe 6605 | Nr. 263 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Bauabfälle nehmen zu

# 15.03.2019

Kreislaufwirtschaft Bau verzeichnet kontinuierlichen Anstieg seit 2010. Aktuellste Zahlen weisen 215 Million Tonnen für 2016 aus. Bauunternehmer in Hessen weiter in Sorge um Erdaushub

Mineralische Bauabfälle: Anstieg um sechs Prozent binnen zwei Jahren

Die Menge an Bauabfällen nimmt seit 2010 stetig zu. Grafik: Kreislaufwirtschaft Bau Die Menge an Bauabfällen nimmt seit 2010 stetig zu. Grafik: Kreislaufwirtschaft Bau

Alle zwei Jahre präsentiert die Initiative Kreislaufwirtschaft Bau ihren "Monitoring-Bericht zum Aufkommen und zum Verbleib mineralischer Bauabfälle" in Deutschland. Anfang des Jahres wurden die aktuellsten Zahlen vorgestellt.

Demnach betrug die Gesamtmenge der mineralischen Bauabfälle 2016 deutschlandweit knapp 215 Millionen Tonnen, was einen Anstieg gegenüber 2014 um rund 12,7 Millionen Tonnen (ca. 6 %) bedeutet.

Seit 2010 (186,5 Mio. t) ist damit die Menge der Bauabfälle kontinuierlich gestiegen. Der Wert aus 2016 entspricht zudem dem dritthöchsten seit Beginn des Monitorings (vgl. Grafik).

Boden und Steine mit über 50 Prozent stärkste Abfall-Fraktion

Innerhalb der Gesamtmenge entfielen 125,2 Millionen Tonnen (58,3 %) auf Boden und Steine, 58,5 Millionen Tonnen (27,3 %) auf Bauschutt, 16,0 Millionen Tonnen (7,4 %) auf Straßenaufbruch, 0,6 Millionen Tonnen (0,3 %) auf Bauabfälle auf Gipsbasis und 14,3 Millionen Tonnen (6,7 %) auf Baustellenabfälle.

Von den angefallenen 125,2 Millionen Tonnen Bodenaushub, Baggergut und Gleisschotter wurden 96,4 Millionen (77,0 %) im übertägigen Bergbau und in anderen Maßnahmen, überwiegend im Deponiebau, verwertet. Darüber hinaus wurden 11,3 Millionen Tonnen (9,1 %) Recycling-Baustoffe hergestellt. Auf Deponien und in anderen Maßnahmen wurden 17,5 Millionen Tonnen (13,9 %) beseitigt.

Hessische Bauunternehmer mahnen hochwertigere Nutzung an

Der Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen (VbU) sieht den kontinuierlichen Anstieg von Bauabfällen sehr kritisch. Hauptgeschäftsführer Rainer von Borstel bereitet vor allem die Tatsache Sorgen, dass etwa die Hälfte der Bauabfälle in Hessen nicht hochwertig genutzt sondern in übertägigen Tagebauen verfüllt werde.

Der Verband stellt zudem fest, dass zwischen 2003 und 2016 eine Verschiebung der Verfüllung von Süd- nach Mittelhessen stattgefunden habe, was Tag für Tag festzustellen sei, wenn man die A5 von Frankfurt nach Norden fährt.

Bauverband: Tagebauverfüllung umweltbelastend und teuer

"Die 3,3 Millionen Tonnen Erdaushub, die im Regierungspräsidium Gießen landeten, können nicht alle hier angefallen sein, denn etwa 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Hessen werden in Südhessen erwirtschaftet", erklärt Hartmut Schwieger, Abteilungsleiter Bautechnik beim VbU. Dennoch nehme das Regierungspräsidium Gießen seit zehn Jahren den ersten Platz in der hessischen Verfüll-Statistik ein.

Alternative Verwertungsmöglichkeiten wie der Bau von Sichtschutzwällen aus dem anfallenden ungefährlichen Erdaushub würden laut VbU von Auftraggebern und Planern zu selten genutzt. Die Folge seien weite Transportwege zur Verwertung im Tagebau. Das führe zu steigenden Kosten und Umweltbelastungen aufgrund der LKW-Fahrten, so der Verband.

50 Kilometer weiter Transport von Bauabfällen

Eine nicht repräsentative Umfrage des Verbandes baugewerblicher Unternehmer Hessen unter seinen Mitgliedsbetrieben zeigte im Sommer 2018, dass die mittlere Transportentfernung von Bauabfällen bei rund 50 Kilometern liegt. In Einzelfällen betrage die Transportentfernung sogar 150 Kilometer, was sich direkt auf die Projektkosten auswirke.

Erdaushub wird nach Einschätzung der Verbandsexperten immer dann zum Problem, wenn er das Baufeld verlässt, denn ohne Analyse und Planung des Verwertungsweges bleibe nur die Entsorgung. Diese habe für die Menge von 3,3 Millionen Tonnen Erdaushub, welche im Jahr 2016 im Regierungspräsidium Gießen in Tagebaulöcher entsorgt wurde, umgerechnet circa 130.000 Sattelzugfahrten verursacht.

Der Bauunternehmer-Verband sieht besonders die öffentlichen Auftraggeber in der Pflicht zu handeln und Alternativen zur Verwertung im Tagebau einzuplanen (siehe dazu Quellen und Verweise).

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