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Freitag, 24. September 2021
Ausgabe 7340 | Nr. 267 | 21. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Bedeutung entsandter Arbeitnehmer für Bauwirtschaft nimmt wieder zu

# 17.06.2016

Erstmals seit 2009 wieder über 100.000 Entsendungen. Anteil an Gesamtbeschäftigungszahl derzeit bei 20 Prozent. Polen weiter stärkste Gruppe vor Rumänen, Ungarn und Slowenen

Zahl der Entsendungen um neun Prozent gestiegen

Die Zahl der Entsendungen ausländischer Bau-Arbeitnehmer nach Deutschland hat seit 2009 wieder stark zugenommen. Grafik: Soka-Bau Die Zahl der Entsendungen ausländischer Bau-Arbeitnehmer nach Deutschland hat seit 2009 wieder stark zugenommen. Grafik: Soka-Bau

Die gute konjunkturelle Lage in Deutschland schafft immer mehr Arbeitsplätze für ausländische Bau-Arbeitnehmer. Die Zahl der nach Deutschland entsandten Beschäftigten ist im vergangenen Jahr um rund neun Prozent auf 106.964 Arbeitnehmer gestiegen. Dies geht aus den Meldungen der Entsendebetriebe zum Urlaubsverfahren an die Sozialkassen der Bauwirtschaft (Soka-Bau) hervor.

Da die Zahl der gewerblichen inländischen Arbeitnehmer in den vergangenen Jahren geringer gestiegen ist als die Zahl der Entsendungen, hat die Bedeutung der entsandten Arbeitnehmer für die deutsche Bauwirtschaft entsprechend zugenommen.

Im vergangenen Jahr lag das Verhältnis der entsandten Arbeitnehmer zur Zahl der inländischen gewerblichen Arbeitnehmer bei rund 20 Prozent. 2009 lag der Wert noch bei ungefähr elf Prozent. (Hinweis: Die Zahl der entsandten Arbeitnehmer wird anders als die Zahl der gewerblichen Arbeitnehmer kumulativ über das gesamte Jahr erfasst und die Quote damit nach oben verzerrt. Darüber hinaus werden auch Betriebe erfasst, die nach anschließender Prüfung wegen baufremder Tätigkeit nicht unter den Geltungsbereich der Tarifverträge fallen.)

Seit der Wirtschaftskrise vor sieben Jahren ist damit die Zahl der Entsendungen in die deutsche Bauwirtschaft stetig gestiegen. Die Dynamik der Zunahme lässt allerdings nach. 2013 betrug der Anstieg 18 Prozent, 2014 nur noch zehn Prozent. Der Höchststand aus der Zeit um die Jahrtausendwende ist damit noch immer nicht erreicht. 2001 waren rund 121.000 Arbeitnehmer nach Deutschland entsandt worden.

Polen weiter stärkste Gruppe

Betrachtet man die Herkunftsländer der Entsendebetriebe, so stammen mit Abstand die meisten Entsendearbeitnehmer seit mehreren Jahren aus Polen. Im vergangenen Jahr waren 27 Prozent der entsandten Arbeitnehmer polnische Beschäftigte. Allerdings hat Polen seit einigen Jahren relativ an Bedeutung als Herkunftsland eingebüßt (Anteil 2005: 41 %).

Demgegenüber haben andere osteuropäische Länder an Bedeutung gewonnen. Fast zwölf Prozent der entsandten Arbeitnehmer kommen mittlerweile aus Rumänien, rund neun Prozent aus Ungarn und sieben Prozent aus Slowenien.

Soka-Bau: Entsendungen stellen fairen Wettbewerb infrage

Nach Einschätzung der Soka-Bau verdeutlichen die Zahlen, dass sich die Entsendung von Arbeitnehmern in der Bauwirtschaft trotz Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union weiter dynamisch entwickelt. Dies stelle für die Branche, insbesondere mit Blick auf die Wahrung eines fairen Wettbewerbs, eine besondere Herausforderung dar.

Sowohl die tariflichen Mindestlöhne als auch das tarifliche Urlaubsverfahren, welches auch für Entsendebetriebe gilt, trage nach Auffassung von Soka-Bau dazu bei, die Chancengleichheit für alle Marktteilnehmer zu gewährleisten.

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