Fachbeiträge & Interviews
Donnerstag, 14. November 2019
Ausgabe 6660 | Nr. 318 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Fritz Stotmeister - Pionier der Baustoffbranche

# 06.06.2017

Gründer des Beschichtungsherstellers Sto blickt auf 90jähriges Leben zurück. Kalkwerk des Vaters als Grundlage für innovative Putzproduktion in der Nachkriegszeit. Erstes Wärmedämm-Verbundsystem bereits 1966 am Markt

Wiederaufbau in Deutschland als Katalysator für Bauinnovationen

Fritz Stotmeister (90) hat 1954 das heute weltweit agierende Unternehmen Sto gegründet. Foto: Martin Baitinger, Böblingen / Sto Fritz Stotmeister (90) hat 1954 das heute weltweit agierende Unternehmen Sto gegründet. Foto: Martin Baitinger, Böblingen / Sto

Im Deutschland der Nachkriegszeit spielten Innovationen und Neuentwicklungen im Bauwesen eine entscheidende Rolle. Die besonderen Herausforderungen des Wiederaufbaus schufen Raum zur Gründung und Entfaltung ebenso besonderer Unternehmen der Branche, welche bis in die Gegenwart erfolgreich und teilweise sogar marktführend sind.

Eine solche Erfolgsgeschichte verbirgt sich hinter dem inzwischen zum Weltkonzern gewachsenen Baustoffhersteller Sto. Die Hauptrolle spielte dabei über Jahrzehnte der heute 90jährige Unternehmensgründer Fritz Stotmeister. Ursprünglich wollte dieser Architekt werden, erfüllte jedoch nicht den erforderlichen Numerus Clausus.

Arbeit im väterlichen Kalkwerk statt Architekturstudium

Durch seinen Vater Wilhelm Stotmeister erhielt er die Möglichkeit im familieneigenen Betrieb, welcher im südbadischen Weizen unweit der schweizerischen Grenze Zement und Kalk produzierte, direkt in die Baupraxis einzusteigen.

Das Unternehmen kämpfte in den 1950er Jahren mit Umsatzeinbußen durch eine sinkende Nachfrage für den Baustoff Kalk. Der Zufall will es, dass ein Mitarbeiter des Unternehmens im Jahr 1954 auf eine Zeitungsanzeige stieß, in welcher Lizenznehmer für einen neuartigen organisch gebundenen Putz gesucht wurden.

Ziegenstall wurde zur experimentellen Produktionsstätte

Bis man die Anlagen und Abläufe der Produktion optimiert hatte, war es ein langer Weg für den Baustoffhersteller Sto. Die ikonischen gelben Eimer gibt es seit 1962. Foto: Sto Bis man die Anlagen und Abläufe der Produktion optimiert hatte, war es ein langer Weg für den Baustoffhersteller Sto. Die ikonischen gelben Eimer gibt es seit 1962. Foto: Sto

Fritz Stotmeister war schnell von der Qualität des neuartigen Produkts überzeugt. Es heißt jedoch, der Sohn habe nur mit viel Mühe die Skepsis des Vaters, der auf traditionelle Erzeugnisse schwor, zerstreuen können. Schließlich sei es ihm gelungen, worauf man unversehens mit der eigenen Herstellung des Kunstharzputzes Ispolit begann.

Es fehlt in der Folge nicht an bildreichen Anekdoten über die anfängliche Kalkputzproduktion im vormaligen Ziegenstall des väterlichen Kalkwerks. So suchte man zunächst noch nach einem sicheren Mischverfahren und passenden Anlagen, behelfsweise kamen zunächst eine Beiztrommel für Saatgut und ein so genannter Drais-Zwangsmischer, der auch größere Chargen farbtongleich herstellen konnte, zum Einsatz.

Kundennaher Vertrieb von neuartigem Putzsystem als Grundstein des Erfolgs

Fritz Stotmeister fungierte in dieser Zeit zum einen als Vorführmeister gegenüber dem verarbeitenden Handwerk. Zum anderen kümmerte er sich frühzeitig um den überregionalen Vertrieb, warb mit Briefen und Informationsbroschüren für das Produkt und reiste viel umher. Bereits im ersten Jahr konnte ein Umsatz von 320.000 DM realisiert werden. Die Einnahmen flossen in die eigens gegründete Ispo-Putz KG.

Mit dem anhaltenden Erfolg des Unternehmens verband sich dessen Expansion. 1961 wurde das erste Zweigwerk gegründet. Bald darauf kam es zur Abspaltung vom schweizerischen Lizenzgeber Ispo.

1962: Beginn der Marke Sto

Den Hintergrund bildete neben der Weiterentwicklung des Hauptprodukts vom zweikomponentigen Ispolit zum gebrauchsfertigen Stolit die wachsende Unzufriedenheit angesichts zahlreicher ungehindert agierender Produktplagiatoren. 1962 firmierte man schließlich zur eigenständigen "Stotmeister & Co. Farben- und Baustoff-KG" um. Die Marke "Sto" war damit geboren, sämtliche Baustoffe aus dem badischen Weizen tragen seither das berühmte Kürzel.

1963 entstand am Stammsitz ein modernes Verwaltungsgebäude inklusive eigener Forschungslabore. Hier wurden unter anderem die firmeneigenen Dispersionsfarben sowie die ersten Wärmedämm-Verbundsysteme entwickelt. Bis 1964 wurde mit Kalk produziert, danach blieben die Brennöfen kalt. 1966 startete mit der Markteinführung von "StoTherm Classic" die Geschichte der Fassadendämmung, die sich zum Kern-Geschäftsfeld von Sto weltweit entwickelt hat.

Über Jahrzehnte Einfluss auf heutigen Weltkonzern und gesamte Branche

2016 wurde das neue Empfangsgebäude der Sto-Firmenzentrale eingeweiht. Foto: Sto 2016 wurde das neue Empfangsgebäude der Sto-Firmenzentrale eingeweiht. Foto: Sto

Fritz Stotmeister führte sein Unternehmen insgesamt 34 Jahre lang. Beinahe genauso lang prägte er die Baustoffbranche aktiv durch die Ausübung zahlreicher Ämter in Verbänden und Fachabteilungen mit.

1988 gab er den Vorstandsvorsitz an seinen Sohn Jochen Stotmeister ab, nachdem ein Jahr zuvor der Börsengang erfolgt war.

Seit 2002 ist der Firmengründer Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates. 2005 wurde die Sto-Stiftung zur Unterstützung des Nachwuchses im Handwerk und in der Architektur gegründet.

Die Sto SE & Co. KGaA

mit Sitz in Weizen, einem Stadtteil von Stühlingen in Baden-Württemberg, ist ein Hersteller von Farben, Putzen, Lacken und Beschichtungssystemen sowie Wärmedämmverbundsystemen. Weitere Schwerpunkte sind die Betoninstandsetzung, Bodenbeschichtungen sowie Akustik- und vorgehängte Fassadensysteme.

Das Unternehmen beschäftigt etwa 5.200 Mitarbeiter. 2016 wurde ein Umsatz von 1,23 Milliarden Euro erwirtschaftet.

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