Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst

Investoren entdecken Bau-Startups

# 13.03.2020

Finanzierungsrunden bringen jungen PropTech-Unternehmen Millionen ein. Innovative Anwendungen zur Baumängeldokumentation und Akquise setzen auf globale Märkte und KI. Potenzial für digitale Arbeitsmethoden im Bauwesen weiter groß

Innovationen in der Baubranche oft mit Startschwierigkeiten

Digitale Anwendungen im Bauwesen werden aktuell durch Millioneninvestitionen befördert. Foto: Freepik Digitale Anwendungen im Bauwesen werden aktuell durch Millioneninvestitionen befördert. Foto: Freepik

Die Bauwirtschaft ist mitunter ein "schwerfälliger Riese". Neue Firmen, wenn sie sich denn überhaupt noch gründen, haben es schwer, sich zu etablieren und gegen Traditionsunternehmen und Schwergewichte der Branche zu behaupten.

Nochmals schwerer haben es junge Unternehmen oder Startups mit einem gänzlich neuen Geschäftsmodell jenseits von Planung, Ausführung oder Baustoffproduktion.

In Zeiten der digitalen Wende kommt es jedoch immer häufiger vor, dass eine innovative Idee den Weg in die Bauwelt findet und sich dort erfolgreich platziert. Neulinge dieser Art entstehen in der Regel erst aufgrund einer neuen Technologie und den damit geschaffenen Möglichkeiten.

Junge Unternehmen treiben digitalen Wandel im Bauwesen voran

Software-Anbieter und Startups rund um die so genannten Property Technologies (PropTechs), welche der digitalen Transformation der Immobilienwirtschaft und damit auch im Bauwesen dienen sollen, stehen beispielhaft für diese Art von Unternehmensgründungen. PropTech-Unternehmen gibt es etwa seit der Mitte der 2010er Jahre.

Obwohl in höchstem Maße innovativ, brauchen auch sie ganz traditionell ein Startkapital. Für moderne Startups hat sich hier die Entwicklung über mehrere Finanzierungsrunden herausgebildet, bei welchen man versucht, möglichst viele bzw. leistungsstarke Investoren für sich zu gewinnen.

PropTech-Startups überzeugen Großanleger

Steht ein Produkt oder eine Dienstleistung bereits als geschäftstauglich fest und haben sich auch schon erste Beteiligungen ergeben, steht die so genannte Serie-A-Finanzierungsrunde an, durch welche im Erfolgsfall aus einer noch eher kleinen Unternehmung ein relevanter Mitbewerber werden soll.

Zuletzt machten gleich mehrere PropTech-Startups durch den Erfolg ihrer jeweiligen Serie-A-Finanzierungsrunde von sich reden. So hat die Firma Building Radar, eine Anwendung zur weltweiten Identifizierung neuer Bauvorhaben mittels künstlicher Intelligenz, Zusagen für fünf Millionen Euro von Investoren einsammeln können.

Frisches Geld soll KI-Anwendung weiter optimieren

Die fünf Millionen Euro will Building Radar einsetzen, um in neue Märkte zu expandieren, den Suchalgorithmus weiter zu verfeinern und mithilfe von Machine Learning bzw. künstlicher Intelligenz (KI) die Suchergebnisse zu optimieren.

Dienstleister und Lieferanten der Bauwirtschaft sollen durch Building Radar wertvolle Zeit sparen, da sie bei der Auftragsakquise nicht länger auf manuelle Werkzeuge angewiesen sind. Zudem hätten die Nutzer die neuesten Bauvorhaben immer im Blick und würden dadurch die Abschlussrate von Projekten erhöhen, heißt es von Seiten der Unterstützer.

Fünf Millionen Bauprojekte in Datenbank erfasst

Die Software von Building Radar identifiziert nach eigenen Angaben täglich um die 5.000 neue Bauprojekte aus über 100.000 verschiedenen Quellen. Insgesamt umfasst die Datenbank über fünf Millionen Baustellen.

Der Nutzer kann nach Standort, Bauphase oder Baugröße suchen. Wenn die Sucheinstellungen gespeichert werden, können Push-Benachrichtigungen bestellt werden, um kein potentielles Projekt mehr zu verpassen.

120 Unternehmen aus der Baubranche nutzen laut dem Unternehmen die Technologie von Building Radar. Insgesamt hat das Münchner KI-Startup bislang 100 Millionen Euro Umsatz für seine Kunden initiiert.

Investoren stecken 30 Millionen Euro in Wiener Bau-Startup

Ein anderes Beispiel für ein derzeit von Investoren verstärkt gefördertes PropTech-Unternehmen mit internationalen Ambitionen ist Planradar aus Wien, dass seit 2014 eine Software zur Erfassung von Baumängeln anbietet.

Zu den namhaften Kunden, welche die Dienstleistung bereits für sich entdeckt haben, zählen Größen wie Strabag, Siemens und Vonovia. Die weltweite Expansion der Anwendung dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, da zuletzt ganze 30 Millionen Euro in der Serie-A-Finanzierungsrunde erschlossen wurden.

Mit Planradar können Bauleiter und Bausachverständige sowie Projektentwickler Baumängel vor Ort digital dokumentieren, ausstehende Arbeiten festhalten und mit anderen Beteiligten teilen.

Digitales Planen und Bauen gehört die Zukunft

Die Gründer der neuen smarten und digitalen Anwendungen für die Baubranche berichten häufig von einem schwierigen Anfang. Viel Überzeugungsarbeit ist nach wie vor auch und vor allem in Deutschland nötig, um die hiesige Baubranche, den "schwerfälligen Riesen", an neue Arbeitsmethoden heranzuführen.

Doch schon allein anhand der enormen Investitionen in neue Technologien wie die oben vorgestellten ist abzulesen, dass dem digitalen Planen und Bauen die Zukunft gehört.

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