Fachbeiträge & Interviews
Sonntag, 20. September 2020
Ausgabe 6971 | Nr. 264 | 20. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Standort Deutschland: Bauindustrie schlägt Alarm

# 18.10.2013

Nettoinvestitionsquote drastisch gesunken. HDB warnt vor Verteilungsdebatte zulasten von Investitionen. Geschäftsführer fordert Fokus auf Infrastruktur

Verteilungsdebatten schaden Privatwirtschaft

Ein Grund für die Sorge um den Standort Deutschland: Schadhafte Brücken blockieren bzw. belasten zusehens die Privatwirtschaft und den öffentlichen Sektor. Foto: Paul Golla  / Pixelio Ein Grund für die Sorge um den Standort Deutschland: Schadhafte Brücken blockieren bzw. belasten zusehens die Privatwirtschaft und den öffentlichen Sektor. Foto: Paul Golla / Pixelio

Wie gut steht es um die deutsche Wirtschaft wirklich? Welche Debatten sind nötig und welche wenig sachdienlich? Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) schlägt Alarm in Sachen Vortäuschen falscher Tatsachen: "Unter dem Deckmantel der sozialen Gerechtigkeit werden munter Umverteilungsdebatten zulasten der privaten Wirtschaft geführt", so der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Michael Knipper, in einem Statement vom letzten Monat.

Tatsächlich sei Deutschlands wirtschaftliche Basis brüchiger als es scheint. Seit zwei Jahrzehnten gingen die Investitionen zurück, die Nettoinvestitionsquote liege derzeit nur noch bei 2,5 Prozent. Für Knipper Gründe genug um mehr Investitionen zu fordern, "um Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken". Denn wer nicht wachse, könne auch nichts verteilen, so die klare Logik nach Meinung des Rechtsanwalts.

Investitionen in Infrastruktur dringend erforderlich

Konkret kritisierte Knipper in diesem Zusammenhang die Pläne zur Vermögens- und Erbschaftssteuer als kontraproduktiv. "Bei erneuten Rekordsteuereinnahmen in Höhe von 585 Milliarden Euro stellt sich aus unserer Sicht nicht die Frage, wie man noch mehr einnehmen kann." Vielmehr müssten die Ausgaben auf den Prüfstand. "Wir müssen entscheiden, ob wir noch mehr für den Konsum ausgeben wollen oder durch Investitionen in die Infrastruktur Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit befördern und den Unternehmen dadurch langfristige Perspektiven bieten", argumentierte Knipper weiter.

Schon jetzt investierten die Unternehmen nach Aussage des HDB-Chefs kaum noch am Standort Deutschland, allenfalls Abschreibungen würden ersetzt. Dies zeige sich im alarmierenden Rückgang der Nettoinvestitionsquote im Unternehmenssektor in den vergangenen 20 Jahren auf unter einem Prozent im Jahr 2012. Das Kapital suche sich offenbar andere Wege, so die Einschätzung des HDB, und ginge nach Asien, Australien oder Nordamerika. "Davon profitiert das Ausland. Deutschland geht leer aus", erklärte Knipper.

Öffentlicher Sektor: Quote negativ

Dem Urteil des HDB nach, ist die Lage im öffentlichen Sektor noch dramatischer. Hier sei die Nettoinvestitionsquote bereits seit 2003 negativ. "Die Auswirkungen bekommen wir alle tagtäglich zu spüren. Sowohl der Bereich der Verkehrs- als auch der sozialen Infrastruktur wird auf Verschleiß betrieben. Viele Brücken sind schon jetzt nicht mehr für den Schwerlastverkehr befahrbar. Güterverkehre müssen sich Ausweichstrecken suchen, weil Schienen, Straßen und Wasserstraßen nicht mehr befahrbar sind, der tägliche Weg zur Arbeit gleicht einer Holperstrecke. Das ist für eine exportorientierte Nation wie Deutschland nicht hinnehmbar."

In der Pflicht sieht Knipper die Politik: "Sie muss die Voraussetzungen schaffen, damit deutsche Produkte und Dienstleistungen international wettbewerbsfähig bleiben". Es bleibt zu hoffen, dass eine neue Regierung, wenn sie erst einmal gebildet ist, diesen Forderungen zügig nachkommt.

Ihre Bewertung für diesen Fachbeitrag
0 von 5 Sternen | 0 Abstimmungen
Kurz-Link  Kurz-Link zu diesem Beitrag:
https://www.bauingenieur24.de/url/700/2590