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Donnerstag, 20. September 2018
Ausgabe 6240 | Nr. 263 | 18. Jahrgang
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Urlaubsregelung im Baugewerbe

# 26.03.2007

Im Baugewerbe würden gewerbliche Arbeitnehmer, angesichts der häufig anzutreffenden kurzfristigen Beschäftigungen im einzelnen Betrieb, nach der gesetzlichen Regelung vielfach nur einen Urlaubsanspruch von wenigen Tagen oder auch gar keinen Anspruch auf Urlaub erwerben.

Befristungen im Baugewerbe lösen Fragen bei Urlaubsanspruch aus

Seit 1997 gilt die Urlaubsregelung auch für Betriebe mit Sitz im Ausland, deren Arbeitnehmer auf Baustellen in Deutschland arbeiten, Foto: Redaktion Seit 1997 gilt die Urlaubsregelung auch für Betriebe mit Sitz im Ausland, deren Arbeitnehmer auf Baustellen in Deutschland arbeiten, Foto: Redaktion

Der Arbeitgeber müsste in diesen Fällen eine Urlaubsabgeltung zahlen und wäre vermutlich ebenso wenig zufrieden wie sein Arbeitnehmer, der den Urlaub gern in Anspruch genommen hätte. Wenn ein Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate bestand, müsste der Arbeitgeber sogar den vollen Jahresurlaub abgelten.

Diesen Folgen soll die tarifliche Regelung über den Urlaub in § 8 des Bundesrahmentarifvertrages für das Baugewerbe (BRTV) begegnen. Eine Auswertung der Sozialkasse Bau (Soka-Bau) Ende 2006 ergab, dass rund 44 Prozent aller inländischen Beschäftigungsverhältnisse weniger als ein halbes Jahr andauerten. Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer hatte ein Arbeitsverhältnis von weniger als zwölf Monaten.

Urlaubsanspruch nach zwölf Tagen Beschäftigung im Baugewerbe

Nach dem Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe ist für den Urlaubsanspruch die Dauer der Beschäftigung in allen Betrieben des Baugewerbes während des Urlaubsjahres maßgebend. Die einzelnen Beschäftigungsverhältnisse im Baugewerbe werden so zusammengefasst, als hätte der Arbeitnehmer nur in einem Arbeitsverhältnis gestanden.

Mit einer bestimmten Zahl von Beschäftigungstagen im Baugewerbe – zurzeit zwölf Beschäftigungstage – erwirbt der Arbeitnehmer einen Anspruch auf einen Urlaubstag. Bei einer ganzjährigen Beschäftigung ergibt dies einen Urlaubsanspruch von 30 Tagen. Die Urlaubsvergütung hierfür wird mit einem Prozentsatz aus dem Bruttolohn errechnet. So entsteht im Baugewerbe der Anspruch auf Urlaub stets nach der zurückgelegten Beschäftigungszeit und dem erzielten Bruttolohn, also nach einem optimal zugeschnittenen Ansparprinzip. Im Urlaubsjahr erworbene, aber nicht gewährte Urlaubstage werden auf das ganze nächste Jahr übertragen.

Bundesurlaubsgesetz bestätigt besondere Urlaubsregelung im Baugewerbe

Der Gesetzgeber hat die Zulässigkeit und damit auch die Sinnhaftigkeit der besonderen tarifvertraglichen Urlaubsregelung für das Baugewerbe im Bundesurlaubsgesetz ausdrücklich bestätigt. Dort ist festgelegt, dass insbesondere im Baugewerbe durch Tarifvertrag von den gesetzlichen Regelungen abgewichen werden kann, wenn dies zur Sicherung eines zusammenhängenden Jahresurlaubs für die Arbeitnehmer erforderlich ist.

Der BRTV wird wegen seiner branchenspezifischen Vorteile für alle Beteiligten regelmäßig für allgemeinverbindlich erklärt, d.h. er gilt auch in nicht verbandsgebundenen Betrieben. Die Allgemeinverbindlichkeit bewirkt einheitliche Urlaubskosten für alle Baubetriebe und verhindert damit Wettbewerbsverzerrungen.

Wettbewerbsverzerrungen werden auch dadurch vermieden, dass diese Urlaubsregelung auch für ausländische Betriebe verbindlich ist, die Arbeitnehmer zur vorübergehenden Arbeitsleistung nach Deutschland entsenden.

Soka-Bau erstattet Urlaubsvergütung Arbeitgeber übergreifend

Die Soka-Bau erstattet dem Arbeitgeber die an den Arbeitnehmer ausgezahlte Urlaubsvergütung, auch wenn der Urlaubsanspruch in vorherigen Beschäftigungsverhältnissen erworben wurde.

So kann der Arbeitgeber seinen Beschäftigten jederzeit Urlaub gewähren – unabhängig von der Dauer der aktuellen Beschäftigung und auch unabhängig davon, wann und bei welchem Arbeitgeber die Urlaubsansprüche entstanden sind. Das tarifliche Urlaubssystem bietet damit die passende Lösung für die Erfordernisse und Besonderheiten der Bauwirtschaft.

Anspruch auf Entschädigung für verfallenen Urlaub

Scheidet ein Arbeitnehmer aus einem Baubetrieb und aus dem Baugewerbe aus, kann er unter bestimmten Voraussetzungen eine Urlaubsabgeltung erhalten. Sind der Urlaubsanspruch und der Urlaubsabgeltungsanspruch verfallen, hat der Arbeitnehmer ein weiteres Jahr die Möglichkeit, eine Entschädigung für den verfallenen Urlaubsanspruch von der Soka-Bau zu erhalten.

Auch mit dieser Regelung haben die Tarifvertragsparteien der Bauwirtschaft einen Bonus geschaffen, den es außerhalb der Branche nicht gibt.

Finanzierung der Urlaubsleistungen durch Sozialkassenbeiträge

Mit einem Anteil des Sozialkassenbeitrags von derzeit 14,7 Prozent vom Bruttolohn, werden die Leistungen der Soka-Bau im Urlaubsverfahren finanziert. Für den Arbeitgeber bedeutet dies nach Mitteilung der Soka-Bau eine gleichmäßige und sichere Kalkulationsbasis der Urlaubskosten.

2018-03-23 Urlaubsregelung, Baugewerbe, Bauunternehmer, Baufirma, Sozialkasse Bau, Soka-Bau Tarifvertrag Bundesrahmentarifvertrag Urlaubsanspruch Urlaubsvergütung Bundesurlaubsgesetz Bauunternehmen Baubranche Bauindustrie Beschäftigung Arbeitnehmerüberlassung Unternehmen Baugewerbe https://www.bauingenieur24.de/fachbeitraege/unternehmen/urlaubsregelung-im-baugewerbe/1812.htm 593 de-DE
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