Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst

Was Planungssoftware und mobile Hardware auf der Baustelle nützen

# 20.06.2017

Angebot an digitalen Möglichkeiten immer größer. Bauunternehmen teilt Erfahrungen mit neuen Kommunikationsformen. Mitarbeiter und Auftraggeber zunehmend an virtueller Dokumentation interessiert

Vielfalt des digitalisierten Bauens wächst

Mit der richtigen Software und mobilen Endgeräten sind u.a. 3D-Modelle und Leistungsverzeichnisse direkt auf der Baustelle verfügbar. Foto: Paschal Mit der richtigen Software und mobilen Endgeräten sind u.a. 3D-Modelle und Leistungsverzeichnisse direkt auf der Baustelle verfügbar. Foto: Paschal

In der Baubranche gibt es inzwischen zahlreiche digitale Anwendungsmöglichkeiten und Softwarelösungen, beispielsweise im Bereich Beschaffung und Baustellenlogistik. Auch immer mehr mittelständische Bauunternehmen finden zur Planung und Ausführung mittels dieser neuen Techniken.

Die 1980 gegründete Haas & Haas GmbH aus dem baden-württembergischen Lichtenau am Oberrhein liefert ein Beispiel dafür, wie die Integration moderner Software und entsprechender Hardware am Bau gelingen kann.

"Wir sehen uns als dienstleistungsorientiertes Bauunternehmen, das neben gut ausgebildeten Fachkräften und moderner technischer Ausrüstung auch auf digitaler Ebene auf Innovation setzt", beschreibt Geschäftsführer Jan Haas seine Philosophie. Er ist überzeugt davon, dass er die 50 guten Mitarbeiter in Zukunft nur halten kann, wenn das Unternehmen konkurrenzfähig bleibt und Arbeitsabläufe mithilfe von digitalen Lösungen rationalisiert werden.

Planungssoftware liefert 3D-Modelle und Materiallisten

Während die Baubranche dem digitalen Wandel oft noch kritisch gegenübersteht, beeinflusst die Digitalisierung mittlerweile bereits alle Wirtschaftsbereiche und einen großen Teil der Wertschöpfungskette. Vor diesem Hintergrund will Haas den Anschluss nicht verpassen und setzt somit beispielsweise seit 2015 bei der Arbeitsvorbereitung auf eine Software für Schalungsplanung der Paschal-Tochter planitec.

Das Programm erstellt aus zuvor eingegebenen Grundrissen bzw. eingelesenen Zeichnungen automatisch eine Schalungslösung als 3D-Modell. Daraus können Schnitte und Ansichten aller Wandflächen in der gewünschten Darstellungstiefe erzeugt werden. Zudem wird die dazugehörige Materialliste automatisch generiert. Mit einer Modulerweiterung ist die dynamische Abfrage des im Lager vorhandenen Materials möglich.

Kosten für Materialvorhaltung und Transport werden minimiert

Für Jan Haas, Geschäftsführer des Bauunternehmens Haas & Haas in Lichtenau, liegen die Vorteile des digitalisierten Bauens bezüglich Kosten und Kommunikation auf der Hand. Foto: Paschal Für Jan Haas, Geschäftsführer des Bauunternehmens Haas & Haas in Lichtenau, liegen die Vorteile des digitalisierten Bauens bezüglich Kosten und Kommunikation auf der Hand. Foto: Paschal

"Wir greifen auf die digitalen Schalpläne zurück, um wichtige Details wie beispielsweise die Taktung noch im Büro mit dem Polier abzusprechen", beschreibt Jan Haas die Nutzung. Unklarheiten könnten so bereits geklärt werden, bevor sich das Material auf der Baustelle befindet.

Nach Einschätzung des Bauunternehmers hat die Software folgende Vorteile:

  • die Arbeitsvorbereitung wird rationalisiert,
  • die Effizienz der einzelnen Arbeitsprozesse wird gesteigert und
  • die Kosten für unnötige Materialvorhaltung auf der Baustelle sowie die Transportkosten werden minimiert.

Softwarenutzung als Einstieg in das Bauen mit BIM

Die Haas & Haas GmbH verfolgt mit der Verwendung von interaktiver und dynamischer Planungssoftware noch ein weiteres Ziel: "Die Arbeit mittels Software und der damit verbundene Austausch zwischen uns und dem Hersteller ist ein wichtiger Schritt des Unternehmens in Richtung Building Information Modeling (BIM)."

Haas ist überzeugter Anhänger der Vision, mit BIM einen durchgängigen Datenaustausch von Bauwerksdatenmodellen mittels Softwareschnittstellen (IFC) zwischen allen am Projekt beteiligten Gewerken und über den kompletten Lebenszyklus eines Gebäudes zu schaffen.

Bauunternehmer: Mobile Endgeräte auf Baustelle zum Standard machen

Als Konsequenz aus dieser Sichtweise hält der Jungunternehmer mobile Endgeräte auf der Baustelle in Zukunft für unabdingbar: "Das muss zum Standard werden." Wichtiger Faktor sei dabei allerdings die ausreichende Netzabdeckung bzw. schnelles Internet. "Das klappt zum Glück immer besser", zeigt sich Jan Haas optimistisch.

Sein Unternehmen plant bereits die Einführung von robusten Tablets und weiterer BIM-fähiger Software. Schon jetzt seien seine Mitarbeiter aktiv mit Smartphones auf allen Baustellen im Einsatz, erfolge die Kommunikation mit Bauleitern und Polieren immer mehr digital.

Spontane Volltextsuche im Leistungsverzeichnis kein Problem mehr

"Die Leute sind ohnehin immer unterwegs, da hilft die mobile Kommunikation enorm", so Haas im Gespräch mit bauingenieur24. Vor Ort könnten beispielsweise Leistungsverzeichnisse mit Volltextsuche schnell durchforstet werden, auftretende Fragen seien damit schnell beantwortet.

In einer ersten Baukolonne werde derzeit die Tablettnutzung getestet. "Die Führung der Bautagebücher und Lohnberichte sowie die Zeiterfassung sollen bis Ende 2018 komplett digital erfolgen", blickt Haas voraus.

Belegschaft und Kunden tragen digitalen Wandel mit

Die Belegschaft seiner Firma weiß Haas in Sachen Digitalisierung hinter sich, vor allem auch, weil diese sehr jung ist: "20 Prozent unserer Mitarbeiter sind unter 20, nur jeder Zehnte über 55. Alle sind sehr offen für technische Neuerungen." Konkret wurde anhand eines Fragebogens erhoben, wie und wo sich die Mitarbeiter digitale Arbeitsabläufe vorstellen können. "Die Resonanz war hier sehr positiv."

Letztlich erkennen und schätzen auch immer mehr Kunden den digitalen Mehrwert: "Neulich wurde ich von einem Bauherrn gefragt, ob er sämtliche intern übermittelten Fotos von der Baustelle auch bekommen könnte. Das sei kein Problem, sagte ich ihm, und er war begeistert."

Transparenz durch digitale Dokumentation gegenüber Bauherren positiv sehen

Ob er nicht auch unangenehme oder einfach nur störende Zwischenfragen der Kunden befürchte, wenn der Bauprozess durch die Digitalisierung derart transparent werde, wollte bauingenieur24 wissen. Dazu Haas: "Wir haben nichts zu verbergen, arbeiten möglichst sauber und mängelfrei und können so stets sachlich und überzeugend argumentieren."

Und nicht ohne Humor fügt er hinzu: "Schwierige und anspruchsvolle Bauherren hat es übrigens schon vor der Digitalisierung gegeben." Diese würden auch weiterhin - und dank der Zeitersparnis durch digitale Abläufe noch vermehrt - die nötige Aufmerksamkeit bekommen.

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