Fachbeiträge & Interviews
Dienstag, 20. Oktober 2020
Ausgabe 7001 | Nr. 294 | 20. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Weiterbildung und Corona: Wie Seminaranbieter auf die Kontaktsperre reagieren

# 01.04.2020

Präsenztermine an Akademien und Schulen bis auf Weiteres unmöglich. Veranstalter bauen Online-Angebot stark aus. Versäumte Pflichtkurse gefährden Gültigkeit von Zusatzqualifikationen

Weiterbildung: Für Bauingenieure immer ein Thema

Selbst in kleineren Gruppen sind aufgrund der bundesweiten Kontaktsperre im Zuge der Coronavirus-Bekämpfung keine Weiterbildungen möglich. Foto: Rainer Sturm / Pixelio Selbst in kleineren Gruppen sind aufgrund der bundesweiten Kontaktsperre im Zuge der Coronavirus-Bekämpfung keine Weiterbildungen möglich. Foto: Rainer Sturm / Pixelio

Den beruflichen Werdegang erfolgreich zu gestalten ist für Bauingenieure ohne regelmäßige Fortbildungen nicht möglich.

Zum einen gibt es Pflichtveranstaltungen, zum anderen immer wieder neue Themenbereiche sowie Änderungen bei Normen und Gesetzen, die zu einer Erweiterung des eigenen Wissenstandes zwingen.

Darüber hinaus sind die eigene Neugier sowie das Streben nach höheren Aufgaben und Verantwortlichkeiten Triebfedern für die persönliche Weiterbildung im Rahmen gezielter Fachveranstaltungen.

Diese können sowohl in klassischer (Schul-)Form vor Ort oder aber in Form von Webinaren, E-Learnings und Online-Kursen oder Trainings virtuell stattfinden.

Onlineseminare im virtuellen "Klassenraum" nehmen zu

Die letztere Möglichkeit hat durch die allgemeine Kontaktsperre im Zuge der Coronavirus-Bekämpfung einen unerwarteten Popularitätszuwachs erfahren, da keine Präsenzveranstaltungen mehr durchgeführt werden dürfen.

Viele Veranstalter haben bereits ihr laufendes Programm umgestellt. So bietet der TÜV Rheinland in seiner hauseigenen Akademie beispielsweise an, ursprüngliche Präsenzveranstaltungen ab sofort im virtual classroom, also im virtuellen "Klassenzimmer", durchzuführen.

Ähnlich verfährt die BWI-Bau GmbH. Einen gewissen Vorteil in der derzeitigen Situation zieht das eigenständige Weiterbildungsunternehmen des Bauindustrieverbandes Nordrhein-Westfalen aus der jahrzehntelangen Erfahrung mit Schulungen in Form von Fernunterricht. In jüngerer Zeit wurde das Angebot um Webinare und andere Online-Kurse, zum Beispiel zum individuellen Coaching, erweitert.

Audiokanäle und Live-Chats sollen Interaktion erhalten

"Aufgrund dieses Erfahrungsschatzes haben wir uns in der aktuellen Krise entschlossen, so viele Veranstaltungen wie möglich digital durchzuführen", sagt Petra Vaut, Ressortleiterin Baurecht bei BWI-Bau.

Durch die Nutzung von Audiokanälen und Live-Chats soll dabei die interaktive Kommunikation mit den Teilnehmern bisheriger Vor-Ort-Veranstaltungen erhalten bleiben.

Thema Technik: Wer Homeoffice kann, kann auch Webinar

Für Beschäftigte, die bereits im Homeoffice arbeiten, stellt die Teilnahme an einer Online-Weiterbildung keine Hürde dar. Foto: Petra Bork / Pixelio Für Beschäftigte, die bereits im Homeoffice arbeiten, stellt die Teilnahme an einer Online-Weiterbildung keine Hürde dar. Foto: Petra Bork / Pixelio

So wie die Arbeit im Homeoffice für manchen derzeit so neu wie unausweichlich ist, kann die notwendige Teilnahme an einer Weiterbildung, die jetzt eben nur als Online-Kurs möglich ist, auch eine Chance bedeuten. In jedem Fall entfallen Anreise- und Übernachtungskosten.

Allen Fortbildungsinteressierten, die bislang wenig Erfahrungen mit dem virtuellen "Klassenzimmer" haben, macht Petra Vaut Mut:

"Es muss keine Software installiert werden. Im Grundsatz genügt eine Internetverbindung, ein Laptop mit Lautsprecher und Mikrofon und, falls man mag, eine Kamera."

Verschiebungen und Ausfall von Weiterbildungen teilweise unvermeidlich

Können Veranstaltungen nicht ad hoc auf die "Online-Schiene" gehoben werden, bieten die Veranstalter in vielen Fällen bereits Nachholtermine zu den gleichen Themen und Konditionen an. Diese liegen überwiegend im Herbst 2020.

Für einige Weiterbildungsanbieter ist die Verschiebung von Veranstaltungen allerdings keine Option. Die aktuelle Kontaktsperre ist hier gleichbedeutend mit dem Totalausfall des Kursangebots. Die Bauakademie Hessen-Thüringen gehört zu dieser Gruppe der Veranstalter.

Wegfall von Pflichtterminen zur Zertifikatsverlängerung ein Problem

"Aufgrund der Vorgaben der Ausbildungsbeiräte, welche für unsere Kurse verantwortlich sind, ist eine Online-Durchführung nicht möglich", erklärt Abteilungsleiter Hartmut Schwieger. Bereits bezahlte Teilnahmegebühren würden erstattet.

Viele Veranstaltungen der Bauakademie Hessen-Thüringen sind für die Teilnehmer verpflichtend. Im Zweifel sind darunter Aufbaukurse, die zur Verlängerung der Gültigkeit bestimmter Zertifikate, zum Beispiel im Bereich der Bauwerksprüfung, unabdingbar sind.

Fachkräfte müssten dann auf die Erneuerung ihrer jeweiligen Qualifikation warten und könnten gegebenenfalls solange im fraglichen Bereich nicht weiter tätig sein.

Präsenztermine vor Sommerpause eher unwahrscheinlich

Während auch die Gütestelle Honorar- und Vergaberecht (GHV) alle ihre Seminare, die im ersten Halbjahr 2020 geplant waren, mit dem Verweis auf Nachholtermine absagen musste, haben sich manche Anbieter noch nicht ganz von der Vorstellung, Präsenztermine vor der Sommerpause durchführen zu können, verabschiedet.

Um zögernde Interessenten davon zu überzeugen, solche Kurse zu buchen, räumt die Technische Akademie Esslingen (TAE) bis eine Woche vor Veranstaltungsbeginn eine Umbuchung oder Stornierung ein, was kostenfrei und ohne Angabe von Gründen geschehen kann.

Weiterbildung in Krisenzeit möglich und sinnvoll

Die vorgenannten Beispiele zeigen, dass das Thema Weiterbildung aktuell für Bauingenieure nicht gänzlich unter den Tisch fallen muss bzw. sollte. Die Anbieter sind bemüht, ihre relevanten und für die rechtskonforme Ausübung des Berufs mitunter unverzichtbaren Inhalte in geeigneter Form weiter zu vermitteln.

Mögliche und sinnvolle Fortbildungen sollten trotz bzw. gerade wegen der Ausnahmesituation, nicht zuletzt zum Erhalt der eigenen Kompetenzen sowie auch der wirtschaftlichen Sicherung von etablierten Anbietern, weiter recherchiert und gebucht werden. Ein Blick auf die jeweiligen Seiten der Anbieter oder in allgemeine Seminarkalender ist dabei hilfreich (siehe Quellen und Verweise).

Unternehmen könnten Arbeitsausfall mit Online-Schulungen kompensieren

Für die Beschäftigten der Planungsbüros, Bauunternehmen aber auch für Angestellte in Ämtern und Behörden mag dadurch sogar der schmerzliche Arbeits- bzw. Auftragsrückgang durch eine sinnvolle Schulung (Baurecht, Brandschutz, Datenschutz etc.) kompensiert werden.

Das Motto könnte also lauten: Wenn Bauingenieure gerade nicht arbeiten können, bilden sie sich eben weiter.

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