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Donnerstag, 22. August 2019
Ausgabe 6576 | Nr. 234 | 19. Jahrgang
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Als Bauingenieur Tischlerei übernehmen?

2 Kommentare | 4082 Aufrufe Kommentar hinzufügen
TUGr | Thema eröffnet vor 4 Jahren

Ich werde heuer mein Studium Bauingenieurswesen (vertieft: Konstruktiver Ingenieurbau und Wirtschaftsingenieurswesen) abschließen. Wir haben in der Familie einen 1-Mann Tischler-Betrieb, welchen ich wahrscheinlich übernehmen könnte. Gibt es Möglichkeiten aufgrund meines Studiums diesen in eine gewisse Richtung zu erweitern? (Planungsabteilung in Richtung Holzbau, später vielleicht GU - mit der Möglichkeit den Holzbau als Eigenleistung auszuführen)

Das Problem dabei ist, dass ich selbst kein Tischler bin und somit Mitarbeiter einstellen müsste. Abgesehen davon, ob es die Auftragslage bzw. finanzielle Lage überhaupt zulässt. Ich wäre sehr dankbar über Meinungen und weitere Denkansätze.

Hans R. | 14. März 2015 - 16:16

Ein Geschäftsfreund hatte sich mit einer Tischlerei selbständig gemacht und war über Jahrzehnte sehr erfolgreich, u.a. mit dem Herstellen von Holzspielzeug, Ausbau von Läden, Diskotheken, Gaststätten, Trockenbau (GK), Trockenestriche etc.

Vor dem Start in die Selbständigkeit sollte man sich überlegen, ob es sinnvoll ist, sich zu spezialisieren. Mein erster Großauftrag war, ein großes Neubaugebiet mit Vollholzsockelleisten zu versehen. Dazu ließ ich mir Personal vom Arbeitsamt schicken (wenn 10 angefordert, erscheinen 5, von denen halten 2 mehr als eine Woche durch), vor Festeinstellungen kann ich nur warnen, eher mit Subern arbeiten. Oder Intarsienparkett, hierzulande als neu allerdings schwer zu verkaufen, es müssen aber ständig Elemente in altem Tafelparkett ersetzt werden (z.B. nach Wasserschäden o. zum Schließen von Ofenstandsflächen).

twz | 25. Februar 2015 - 14:05

Interessanter Ansatz. Tischlerei ist ein Handwerk, Bauingenieur ist ein freier Beruf. Insofern ist das formal ohne weiteres kombinierbar. Ansonsten ist es noch mal ein Unterschied, ob das Kerngeschäft der Tischlerei eher im Möbelbereich oder im Bereich Bau zu verorten ist. Bis zu einem Zimmererbetrieb ist das noch mal ein großer Unterschied. Und vom Holzfensterbauer zum GU auch. Beim Planungsingenieur ist noch zu beachten, dass man zunächst eine Weile praktisch gearbeitet haben muss um sich für die üblichen Berechtigungen bei der Ingenieurkammer einschreiben zu können (Bauvorlageberechtigung).

Vielleicht solltest du auch erwägen, die Tischlerei zu verkaufen und das Geld in ein eigenes Büro zu stecken. Denn mit einem Angestellten ist eine Firma nicht leicht zu halten. Bei mehreren kann auch mal einer krank werden, bei einem wäre das der Totalausfall und Auftragshochs und -tiefs sind leichter abzufangen. Andererseits kannst du auch erwägen, selbst noch Tischler zu lernen. Nur haben Tischler mit der Zeit manchmal Schwierigkeiten, mit zehn Fingern PC zu schreiben - das schränkt wiederum die Tätigkeit als Ingenieur ein.

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