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Donnerstag, 20. Februar 2020
Ausgabe 6758 | Nr. 51 | 19. Jahrgang
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Auslagern von Statikaufgaben

10 Kommentare | 3145 Aufrufe Kommentar hinzufügen
SR | Thema eröffnet vor 8 Jahren

Ich wollte mal wissen, ob es heute noch Sinn macht sich mit Statik auseinander zusetzten im Studium. Wird da nicht viel outgesourced ins Osteuropäische Ausland?

Ingenieur_aus_Polen | 11. Februar 2020 - 11:23

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Ich bin Statik-Ingenieur und komme aus Polen. Ich habe umfangreiche Berufserfahrung, auch auf dem deutschen Markt. Derzeit beschäftige ich mich mit Statikrechnungen (FEM) und Zeichnungen sowie dem Anfertigen von 3D-Modellen und Berechnungen. Ich bereite Zeichnungen in Allplan und AutoCAD vor.

Wenn Sie an meinem Angebot interessiert sind, schreiben Sie mir, um weitere Details zu einer eventuellen Zusammenarbeit mit Ihnen zu besprechen. Es gibt keine Probleme mit der Zahlung, da ich normale Rechnungen versende.

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Magnus | 30. August 2011 - 20:34

@Gleichgewicht
Den ingenieurmäßigen Anspuch meiner Projekte kleinzureden, nur weil ich diese wirtschaftlich abwickle, finde ich ja schon fast ehrenrührig. Vielleicht solltest du dir klar werden was an erster Stelle bei dir steht (Schotter nachhausebringen oder interessante statische Probleme lösen - und an Nummer 1 kann nur eines stehen). In der Sache - was die Möglichkeit betrifft, statische Probleme mit Standardstatiken zu lösen hast du recht.

Hätte nach meinem Studium bei einem Kranbauer arbeiten können und dort locker 12 tsd mehr bekommen. Habe es gelassen, weil ich die Vorstellung immer wieder dassselbe System zu rechnen, doch etwas abschreckend fand. Würde mich mal interssieren, wie das bei den hier so hochgelobten Jobs in der Automobil- oder Flugzeugindustrie ist.

Equilibrium | 29. August 2011 - 21:34

@Realist: Ich möchte hier ganz sicher keine falschen Hoffnungen wecken – im Gegenteil. Im Normalfall rate ich allen, die mich fragen, gänzlich vom Bauingenieurstudium ab und auch in meinem vorigen Beitrag habe ich die "suboptimalen" Gehälter von Statikern ja erwähnt und auf Alternativen hingewiesen.

@Magnus: Wenn Deine Projekte auf Zuruf von einem Computer erledigt werden und meine nicht, dann spricht das nicht unbedingt gegen meine Software (die ich ja Deiner Meinung nach updaten soll) aber ganz sicher gegen den ingenieurmäßigen Anspruch Deiner Projekte. Natürlich gibt es inzwischen für manche Dinge völlig zurecht Standardstatiken. Das mag es z. B. für Windenergieanlagen geben, die ja auch eher eine Serienproduktion darstellen und somit untypisch für das Bauwesen sind. Auch für Bauwerke, die wenig standort- oder nutzungsspezifisch sind (kleinere Wohn- oder Bürogebäude, Lagerhalle etc.), gibt es sicherlich Standardstatiken. Dies alles mag dazu führen, dass langweilige Routinearbeit dann eher von Computern erledigt wird und die erforderliche Zahl an Statikern in Deutschland sinkt. Aber ich hätte ehrlich gesagt auch keine Lust mein Leben lang die gleiche Statik von Hand zu erstellen. Und für die wirklich interessanten Projekte ist der Statiker aus Fleisch und Blut durch den Computer derzeit beim besten Willen nicht zu ersetzen. Im Gegenteil: Durch die immer aufwändigeren Berechnungsmöglichkeiten der heutigen FE-Software, die immer ambitionierteren Architektenentwürfe und die stetig komplexer werdenden Bauzustände durch beschleunigte Bauabläufe bei großen Projekten steigt hier sogar der Bedarf an Ingenieurleistungen.

Ole | 29. August 2011 - 11:12

Hallo,
zur Zeit ist Indien genau 3,5 Stunden vorweg. Dafuer faengt aber hier auch niemand vor 9 Uhr an zu arbeiten. Morgens gibt es den Vorteil der Zeitunterschiede schon mal nicht, da viele Bueros in Deutschland bereits ab 7 Uhr besetzt sind. Abends machen die Inder um ziemlich genau 6 Uhr Feierabend und darauf wartet man auch schon mal gerne ne Stunde oder auch zwei. Der Zeitunterschied ist auf keinen Fall ein Vorteil.

Ausserdem werden Berechnungen in Deutschland und deren Ergebnisse sowie Zeichnungen in Deutscher Sprache erwartet. Die Inder koennen entweder rechnen oder Sprachen, beides zusammen ist sehr selten. Auch koennen sie ansonsten sehr wenig. Ein guter Bauingenieur bekommt in Bangalore so um die 60,000 Rupies (1000 €) brutto. Ein Deutscher Bauingenieur bekommt vielleicht 3000 Euro brutto (bitte jetzt keine Posts, die mir sagen, das irgendwer nur 2800 bekommt und irgendwer anders 3500). Das Schoene ist, das ein Deutscher Bauingenieur zirka 15 mal so viel schafft, wie ein Inder und zudem noch in der Lage ist, Probleme zu loesen und nicht welche zu erschaffen.

Im Moment zeichnet sich eigentlich ein ganz anderer Trend ab. Viele Bueros aus Europa lassen sich hier nieder um ihre Leistungen zu verkaufen. Indien boom nicht etwa wegen der irren Exporte, sondern wegen der gewaltigen Innlandsnachfrage. Was die IT Branche angeht hoert man sehr sehr gegensaetzliche Aussagen.

Ole

Realist | 27. August 2011 - 12:23

Fakt ist, dass Bauherren von Einfamilienhäusern und sonstigen Standardprojekten keine dreidimensionale Darstellung etc. von statischen Ergebnissen erwarten. Hier gibt es nur eine Devise: Low Costs beginnend mit den Ingenieur-Leistungen. Und genau dieser Sektor macht den Grossteil der Auftragsvolumina aus und ist amit auch der Grund, dass die Gehälter in Relation zu anderen Ingenieur-Bereichen wirklich "unterirdisch" sind. Es wäre fair gegenüber jungen Menschen, die sich in der beruflichen Orientierungsphase befinden, dass Sie hier keine falschen Illusionen erzeugen.

Magnus | 27. August 2011 - 00:55

Vielleicht solltet ihr mal eure "Software updaten" und die Abläufe etwas straffen. Bei uns funktioniert das inzwischen alles mit Sprachsteuerung. Das typische Projekt bei uns läuft so ab, dass man nach dem Kick-Off-Meeting zu seinem Computer geht, dort z.B. "Standardstatik 23b" per Sprachsteuerung eingibt, von dem Computer die Sache über Nacht durchrechnen läßt und anschließend einfach auf CAD-Übernahme klickt. Hier werden dann automatisch Schal- und Bewehrungspläne erstellt. Falls dann irgendwann unangenehme Rückfragen kommen, wie man den Klumpen Stahl denn jetzt einbauen soll, verweist man einfach an das indische Call Center, dessen Mitarbeiter nur Hindi sprechen, aber sehr günstig sind (44 Cent/Stunde). Fnord!

Danger | 26. August 2011 - 13:36

@Magnus
Die Aussage, daß in Indien der Tag losgeht, wenn es bei uns kurz nach vier ist, kann nicht stimmen. Indien ist uns 5,5 Stunden in der Winterzeit voraus, d.h. die legen erst los, wenn es bei uns 00:30 Uhr ist.

Ich kann mich der Meinung von Equilibrium nur anschliessen. Irgendeinen Einfeldträger in einen Computer hacken kann jeder. Für das Erfassen und Entwerfen des Tragsystems eines komplexen Gebäudes braucht es doch etwas mehr. Falls man aber überlegt in andere Bereiche außerhalb des Bauwesens zu gehen, erscheint mir die intensive Beschäftigung mit der Statik unerläßlich. Sie bildet die Grundlage für das Verständnis und die richtige Anwendung der FEM. Meine Bekannten, die sich intensiv mit Statik/Mechanik/Computational Mechanics beschäftigt haben, sind alle in sehr guten Positionen bei namhaften Maschinenbaufirmen und Fahrzeugherstellern gelandet. Ich selber bin in einer sehr lukrativen Nische, in der die Kenntnisse von nichtlinearen FE-Methoden essentiell sind. Bauingenieure mit Mechanik-/Statikkenntnissen für Festigkeitsberechnungen/Schwingungsanalysen etc. sind im Maschinenbau und der Luft- und Raumfahrttechnik sehr gefragt. Bei den Maschinenbauern wird der Fokus während des Studiums meist auf andere Bereiche gelegt und deshalb haben diese meist Schwächen hier.

Frage @SR
Kann es sein, daß dir Statik nicht liegt und du deshalb Argumente suchst, warum man sie nicht braucht? Falls die Antwort ja ist, lass es bleiben und mach lieber etwas anderes wie Projektsteuerung etc. Du wirst nie ein guter Statiker werden oder den Weg in den Maschinenbau finden. Es gibt schon genug unfähige Statiker, die die Prüfingenieure mit unbrauchbaren Statiken ärgern.

Daß uns die Inder oder Osteuropäer die unliebsame Rechenarbeit abnehmen werden glaube ich nicht. Bezüglich Offshoring stütze ich mich auf die Aussagen einer Freundin, die in der Halbleiterindustrie tätig ist. Jahrelang war der Trend, Programmieraufgaben nach Indien auszulagern. Die Inder sind zwar günstig, doch es wird sehr viel Schrott abgeliefert. Die Bereitschaft zu Nachbesserungen ist gering und die Herren sind schnell pampig. In Deutschland muß mit viel Aufwand nachgebessert werden. Mittlerweile wird vieles wieder in Deutschland gemacht weil es im Nachhinein billiger und fehlerfreier ist.

Equilibrium | 25. August 2011 - 22:02

Ich bin nun wahrlich keiner, der hier im Forum die Berufsperspektiven von Bauingenieuren schönredet und tatsächlich sind die Verdienstmöglichkeiten für reine Statiker sicherlich nicht optimal. Vom Verdienst her lohnt es sich wohl tatsächlich eher, auf andere Tätigkeitsfelder auszuweichen - vielleicht eher Projektmanagement/-steuerung etc. ?

Aber der Beitrag von transformer ist wirklich radikal übertrieben. Ein statischer Nachweis (Biegedrillknicken, Durchstanzen etc.) wird heutzutage tatsächlich vom Computer gemacht; da rechnet kaum noch jemand mit dem Taschenrechner – und das ist mir auch lieber so, da dies ja recht monotone Arbeit wäre, nur die Zahlen in die Formeln einzugeben. Aber die Qualität einer Statik als Gesamtwerk steht und fällt mit der Qualität des Statikers und ist weit mehr als die Summe von Einzelnachweisen. Kein Computer erstellt wirklich eine Statik und kein Computer "versteht" ein Tragwerk.

Durch die immer höhere Leistungsfähigkeit der Computer und der Software gibt es heutzutage außerdem immer faszinierendere Möglichkeiten, statische Berechnungen durchzuführen. Ich berechne häufiger dreidimensionale FE-Modelle von Bauwerken und finde diese Arbeit sehr spannend. Insbesondere die heutigen Möglichkeiten der Ergebnisvisualisierung sind sehr hilfreich bei dem Verständnis des Kraftflusses im Tragwerk und den resultierenden Verformungen. Aber am Ende ist nur der Mensch(!) und kein Computer der Welt in der Lage, zu beurteilen, ob das Modell auf den richtigen Annahmen beruht und die Ergebnisse stimmen. Computer rechnen in sklavenhafter Abhängigkeit des Anwenders auch den größten Blödsinn aller Zeiten aus - und dass ohne mit der Wimper zu zucken. Dem Computer ist es schlichtweg egal, ob sich eine Decke 2 cm durchbiegt oder 2 km. Für ihn ist es einfach nur die logische Lösung einer Rechenaufgabe.

Und der Inder als Alternative zum Statiker vor Ort? Ein Schreckgespenst zum Angst machen - mehr nicht. Es gibt tatsächlich Projekte in Europa, bei denen die Statik in Indien gemacht wird. Genauso gibt es auch Deutsche, die ihre Zähne lieber in Bulgarien reparieren lassen - das sind normale Phänomene in der globalisierten Welt. Aber glaubt irgendwer, dass bald jeder Deutsche seine Zähne ausschließlich in Osteuropa machen lässt und die deutschen Zahnärzte bald keine Patienten mehr haben? Es gibt immer auch gute Gründe für die Dienstleistung vor Ort.

Magnus | 22. August 2011 - 23:42

Ne, macht überhaupt keinen Sinn. Wird inzwischen alles in Indien gemacht, die sind noch billiger, außerdem haben auch nur die die Zeit, sich mit den verschiedenen Landesbauordnungen auseinanderzusetzten. Die können auch viel schneller reagieren, wenn die Baustelle kurz nach vier anruft, weil irgendwas nicht paßt, dann geht bei denen der Tag ja erst los. Für Umbauten im Bestand kann man ja inzwischen auf Google Street View zurückgreifen, da ist in der Regel alles gut zu erkennen. Die meisten Prüfer sprechen auch ganz gut Englisch, so dass da auch keine Probleme auftreten. Mit Architekten und TGA-Fritzen kann man eh nicht sprechen, so dass auch da nichts verloren geht.

transfomer | 20. August 2011 - 12:15

Hallo, das braucht gar nicht outgesourced (offshoring) werden, denn die Standardstatiken (die fast 100 % ausmachen) werden praktisch automatisch durch Computer erstellt. d.h. der Bereich der Statik steht im Wettbewerb zu konkurrenzlos günstigen Maschinen und wird dementsprechend bezahlt.

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