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Freitag, 19. April 2019
Ausgabe 6451 | Nr. 109 | 18. Jahrgang
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Bauingenieure 40+

37 Kommentare | 9051 Aufrufe Kommentar hinzufügen
| Thema eröffnet vor 11 Jahren

Hallo Kollegen in Nah und Fern,



habe mir ausführlich einige Beiträge durchgelesen und stelle denselben Tenor fest, den ich persönlich auch aus über 20 Jahren Berufserfahrung kenne. Trotz angeblichem Aufschwung viele Stellensucher und schlechte Bezahlung. Ich bin seit fünf Jahren Freiberufler (Einzelkämpfer) im Hochbau und der Sanierung. Mindestsatzabrechnung nach HOAI - no way. Abgebote von 30 - 40 % oder mehr sind die Regel. Zudem weiß offensichtlich jeder Laie mehr vom Bau als die studierten Profis!? Wo sind die schönen Aufträge und Stellen auch für langjährige erfahrene Leute? Wer kann sich leisten, diesen Erfahrungsschatz zu ignorieren? Müssen sich alle ab 40 oder 45 die "Kugel geben"? Freue mich über Antworten aus allen Altersgruppen.



Gruß Steve

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Mathias | 14. Juni 2007 - 20:00 2007-06-14

Hallo Steffen,



Du hast es auf den Punkt gebracht. Der propagierte Aufschwung auf dem Bau ist einfach nicht da, bzw. nicht stark genug. Was die Branche braucht, damit wieder angemessene Gehaelter erwirtschaftet werden, ist ein Boom. Den wird es aber nicht geben. Was bleibt ist eine Erholung auf niedrigstem Niveau, die kaum spuerbar auf die Einkommen durchschlagen wird.



Die naechste Generation frustrierter Bauings wird ja auch schon kraeftig ins Bauing-Studium gelockt (mit den ueblichen Versprechungen, die wir alle seit 10 Jahren kennen)...



Die Kollegen mit 5-10 Jahren im Geschaeft, die in Deutschland familaer gebunden sind und daher nicht ins Ausland koennen, werden meiner Meinung nach nie ein vernuenftiges Einkommen als Bauingenieur sehen. (Ich hoffe, dass ich mich da taeusche)



Gruss

Bauigel | 14. Juni 2007 - 23:18 2007-06-14

Hallo Steffen,



die Firmen stellen gerne junge Bauingenieure ein, weil diese mit einem geringeren Gehalt "zufrieden" sind und noch nicht "verheizt" sind. Zudem sind sie mobil, unverheiratet und bereit, 500 km fern der Heimat zu arbeiten, in der Pension zu hausen und am Wochenende zu arbeiten. Auf Qualität kommt es schon lange nicht mehr im Bauwesen an, hauptsache billig.



Es gibt eben keinen wirklichen Aufschwung im Bauwesen, im Firmenprospekt von Wolff & Müller ist die Rede von 500.000 Beschäftigten am Bau um ein auskömmliches Einkommen für alle zu gewähren, momentan sind es 700.000. Der Bauingenieurmangel wird nur von der Bauindustrie propagiert, um viele BI´s zu haben, die bereit sind, zu schlechten Bedingungen zu arbeiten. Anstatt die Arbeitsbedingungen zu verbessern, wird lieber gelogen und ein Bauingenieurmangel vorgegaukelt (den es nicht gibt).



Viele der Bauingenieurabsolventen arbeiten in angrenzenden Wirtschaftszweigen, wie dem Maschinenbau. Dieser Einstieg ist für ältere Bauingenieure meistens verbaut.



Einige Firmen können durch ihre "wenn du etwas werden willst, musst Du 70 Stunden in der Woche arbeiten, dann kannst du schnell Karriere machen" auch gar keine älteren, erfahrenen Bauingenieure einstellen, wenn der Niederlassungsleiter selber erst 35 ist.



Man brauch sich doch nur die Lebensläufe von Bauingenieuren mal bei der Bundesagentur für Arbeit ansehen, da habe ich keinen Bauingenieur gefunden, der nur für eine oder 2 Firmen gearbeitet hat (von Berufsanfängern abgesehen).



Ständig wechselnde Firmen mit Lücken von Arbeitslosigkeit, Hartz IV usw. Der Zeitarbeitsbereich für Bauingenieure wird das noch verstärken.



Man kann daher jeden Abiturienten nur abraten, Bauingenieurwesen zu studieren, bis 67 wird man in diesem Beruf seine Brötchen nicht verdienen.

Tiefbau | 15. Juni 2007 - 08:51 2007-06-15

Hallo Steffen,



natürlich hast du und die anderen Beitragsschreiber recht, aber solang wir Bauingenieure für diese Mindest- oder Hungerlöhne diese überstundenreichen Stellen annehmen, sind wir selbst schuld.



Jammer nutzt aber bekanntlich nichts!



Wie wäre es denn, wenn wir uns, wie es auch unser Ruf ist, mit dem Problem beschäftigen und Lösungen finden?!? Wir sollten nicht seitenweise Beschwerdemails sammeln. Für mich stellt sich eher die Frage, was tut man dagegen? Wir sind Bauingenieure und darauf sollten wir stolz sein!

Also, ich bin gespannt auf Mails von zufriedenen Bauingenieuren (und was sie so zufrieden macht) oder eben diesen, die Lösungen für die in Steffen´s Mail genannten Probleme hat.



Gruß Tiefbau

Mathias | 15. Juni 2007 - 14:12 2007-06-15

Hallo Tiefbau,



Dein Vorschlag ist im Grunde der richtige Ansatz. Aber zu Rezessionszeiten wirst Du damit keinen Erfolg haben - es gelten die Marktgesetze (Angebot und Nachfrage). Solange es genug Bauings gibt, die zu solchen Konditionen arbeiten muessen, sind Versuche zwecklos, einen Mindeststandard fuer Honorare (und damit Gehaelter) durchzudruecken. In Zeiten der globalen Wirtschaft wird das auch unter besseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwerlich funktionieren - in Osteuropa, Indien, China ... gibt es schliesslich genug "Ingenieursmaterial", welches zu Konditionen arbeitet, zu denen Du Dir in Deutschland nicht mal genug zu essen kaufen kannst (geschweige denn Miete zahlen).



Grusz

Baumann | 15. Juni 2007 - 18:19 2007-06-15

Muss leider meinen Vorrednern Recht geben!



Qualität ist nicht gefragt - der Preis ist heiss - das ist die Devise!



Ich habe es selber am eigenen Leib erfahren: Mein langjähriger Kunde - ein Generalübernehmer im wahrsten Sinne des Wortes - bemerktee meine Annäherung an eine HOAI Bezahlung. Trotz Bauzeiten- und Kostenoptimierung in nenneswerter Höhe liess er mich fallen wie eine heiße Kartoffel und plagt sich jetzt seit einem Jahr mit Billigstatikern herum, die weder eine schnelle noch einen gute und kostengünstige Lösung schaffen - egal ......... es geht um Prinzipien und den längeren Hebel, an dem die Generäle sitzen.



Ich glaube nur eine Meldestelle - wie bei den Prüf.-Ing. - wird hier im Ländle helfen. Traurig nicht wahr?

Klaus | 18. Juni 2007 - 15:10 2007-06-18

Moin,



den fullminanten Aufwärtstrend in der Bauwirtschaft habe ich auch noch nicht bemerkt, aber auch wenn dieser einsetzen würde - die GEIZ IST GEIL - Geilheit, auch und gerade der öffentlichen Hand, würde deren Früchte versauern lassen.



Der Anteil der deutschen Arbeitnehmer auf Großbaustellen ist veschwindend gering, dieser Trend muss vor den Ingenieuren nicht halt machen - die deutsche Seeschifffahrt hat es vor 10 Jahren vorgemacht und wurde ausgeflaggt und nun macht man Kopfstände, dies wieder rückgängig zu machen.



Aber nicht schwarzsehen, und mit 2.200 € ist man "noch" eine Weile konkurrenzfähig.



Ingenieure über 40 haben dann noch das "Manko", dass sie nicht mehr so formbar und Gottergeben sind.



Trotz allem: Ich bin gern Bauingenieur und würde es wieder werden - abwechslungsreicher und fordernder kann ich mir das Berufsleben nicht vorstellen.



Und noch ein Trost: Wenn Du gut bist, bist Du auch gefragt - als Bauing.! - mit einem vernünftigen Gehalt! Wobei, ein bischen Glück oder "B" gehören (in dieser Welt) dazu.



Gruß Klaus (42)

Josef | 19. Juni 2007 - 21:44 2007-06-19

Hallo,



ich hab das Gejammer gründlich satt. Seit 11 Jahren bin ich jetzt Bauingenieur und ich hatte immer ein gutes Auskommen. Gut, als gelernter Zimmermann hatte ich es beim Berufseinstieg etwas leichter, weil mein erster Arbeitgeber das als ausschlaggebend für meine Einstellung ansah.



Zitat: "Sie haben Zimmermann gelernt, da kann ich davon ausgehen, dass sie einen Plan lesen können." Aber die Möglichkeit einer Ausbildung hat oder hätte jeder von uns gehabt. Ich bin zudem nie (ich wiederhole: NIE) wegen eines guten Zeugnisses eingestellt worden (würde gar nicht gehen!).



Vielmehr wurde meine Bereitschaft mich auf etwas Neues einzulassen, meine Bemühung Aufgaben selbstständig zu lösen und nicht darauf zu warten, Arbeitsanweisungen zu empfangen, Mitdenken und die Probleme auch mal von einer anderen Seite zu betrachten, sehr geschätzt.



Ich habe nach 9 Jahren meine Selbstständigkeit aus rein privaten Gründen aufgegeben und bin auch als über 40er problemlos in einer Baufirma als Bauleiter untergekommen (obwohl ich das vorher noch nie gemacht hatte) und das ganze noch zu einem (meiner Meinung nach) ganz passablen Gehalt.



Es reicht zumindest, um eine Familie zu ernähren und ein Häuschen abzuzahlen. Mir persönlich genügt das. Ein guter Freund von mir ist als Verkaufsingenieur in einer Maschinenbaufirma tätig. Der verdient locker 50% mehr als ich. Ja und? Bei uns in Schwaben gilt der Spruch: "Hetsch was gscheits glernt". Und so sehe ich das auch. Jeder von uns hätte die Möglichkeit gehabt etwas anderes zu werden als Bauingenieur.



Die andere Seite ist die: Ist Geld wirklich so wichtig? Oder ist es nur der einzige Wert, den wir in Zahlen fassen können?



Grüße vom Bodensee

Josef

Mathias | 20. Juni 2007 - 14:00 2007-06-20

Hallo Joseph,



Du hast das Gejammer gruendlich satt! Andere haben das Nischendenken gruendlich satt. Nur weil es bei Euch im Laendle in einigen Regionen noch etwas laeuft, heisst das noch lange nicht, dass das ueberall der Fall ist! Ein Blick ueber den Tellerrand hat noch nie geschadet.



Nur fuer den Fall, dass Du jetzt sagst "na gut, dann sollen doch die, die in Regionen leben, in denen es nicht so gut laeuft, halt den Wohnort wechseln...". Das haben schon mehr als genug Bauings getan. Und alle finden in Sueddeutschland kein Auskommen!



Grusz

Steffen | 21. Juni 2007 - 14:37 2007-06-21

Hallo Josef,



schön, daß es noch solche zufriedenen Berufskollegen gibt!

Das "Jammern" ist nur ein Spiegel der Realität, kein Selbstzweck. Wenn es in Deiner Ecke so gut aussieht mit Jobs, dann komme ich sofort hin. Du brauchst mir nur Bescheid zu geben.



Im Übrigen ist eine vernünftige Bezahlung schon sehr wichtig, oder willst Du mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung für ein Einsteigergehalt arbeiten?



Ich halte 45.000 Eur p.A. oder mehr für erfahrene Bauings. für durchaus angemessen! Schau Dir mal andere Branchen an, da geht es so los nach dem Studium!?



Freue mich auf Deine Antwort. Und wenn Du einen Job weißt, ich bin bereit!



Grüße aus dem Augsburger Land

Steffen

Grove | 22. Juni 2007 - 21:12 2007-06-22

Hallo zusammen,



ist schon interessant, wie weit die Meinungen auseinander gehen. Ich muss sagen, dass ich im Frühjahr einen gewissen Aufschwung wahrgenommen habe (mehr offene Stellen usw.), leider ist es jetzt nicht mehr so deutlich spürbar.



Wenn ich einen Bauingenieur einstellen müsste, würde ich zuerst auf das schauen, was er gemacht hat und warum er seinen alten Arbeitsplatz nicht mehr ausübt, das Alter ist völlig nebensächlich.



Wenn man als Bauingenieur arbeiten will und die Arbeit mit Leidenschaft und Hingabe angeht, sehe ich persönlich auch in schlechten Zeiten gute Chancen, sein Auskommen zu erwirtschaften. Eine Frage bleibt allerdings, wo ist meine persönliche untere Grenze für eine Ingenieurleistung? Die kann sich nur jeder selbst beantworten.



Ich denke auch nicht, dass "ausländische Bauingenieure" hier den einheimischen Bauingenieuren die Arbeit wegnehmen. Also den Markt im Auge behalten und sobald sich eine Chance bietet gnadenlos zuschlagen.



F. Grove 41

Sepp | 28. Juni 2007 - 12:58 2007-06-28

Servus Kollegen,



ist schon traurig und schade, daß unser Berufsstand so wenig Ansehen genießt, oder? Und das äußert sich dann in schlechter Bezahlung und Arbeitslosigkeit ab Anfang/Mitte 40?! Möglich, daß es in der Statik anders aussieht, aber in der Planung und Ausführung ist doch der Teufel los.



Früher hat man Alter und Erfahrung zu schätzen gewußt, heute werden die Leute gesund und fit älter (nicht alle) und gelten in der Berufswelt nichts mehr? Wir sollten uns alle der Fähigkeiten bewußt sein, welche aus langjähriger Berufserfahrung und Lebenserfahrung resultieren.



Vielleicht antwortet auch der eine oder andere Arbeitgeber/Personalchef und erklärt uns deren Sicht!?



Wie sind Eure Erfahrungen, Chefs und Bauings. über 40/45/50? Laßt mal hören bzw. lesen. Ist es in Bayern/BW besser als in der Mitte oder im Norden? Oder andersrum?



Gruß aus Bayern

Sepp

Thorsten | 04. Juli 2007 - 09:30 2007-07-04

Schönen guten Tag,



ich als junger Kollege kann mir aufgrund fehlender Erfahrung nur schwer ein Urteil erlauben.



Allerdings kann ich mit Erstaunen aus meinem Bekanntenkreis berichten, daß nicht nur junge Kollegen verheizt werden. Auch ältere Bauingenieure sind vor "Ausbeutung" nicht wirklich sicher.



Und zu den regionalen Unterschieden kann ich sagen, dass es auch in Hessen gut laufende Firmen gibt, die Jungbauleiter mit 2100 € Brutto abspeisen. Man muß sich heute in allen Altersklassen sehr viel bieten lassen, von Niedriglöhnen bishin zu ewigdauernden Praktikas.



Trotz allem ist es ein interessanter Job, den ich nie bereue gewählt zu haben.



Gruß Thorsten

Walter | 04. Juli 2007 - 10:34 2007-07-04

Hallo,



wer glaubt noch von den Betroffenen, an den Weihnachtsmann? Es wird uns so viel vorgegaukelt, Heucheleien und Schönmalereien getätigt, so dass es nicht mehr darauf ankommt, ob es etwas mehr oder weniger ist.



Welche Formen die destruktiven Ansprüche und Ahnungslosigkeiten (die Qualitätskompetenzen in aller Ernsthaftigkeit) der jüngeren Kollegen/ Egotaktiker haben, wissen wir.



Eine Altersdiskriminierung/Altersfeindlichkeit hat schon lange stattgefunden bzw. findet schon lange statt, nur keiner, der Betroffenen will diese wahr haben. Das ist die Form der Sozialethik und die Realitätsverluste, die in unserer Gesellschaft schon lange Einzug gehalten hat, trotz des § 3 BGB und dem aktuellen Jugendwahn sowie New Econemy.



Grüße Walter (56 Jahre mit ca. 25 Jahren Berufserfahrung)

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