Forum & Erfahrungen
Freitag, 22. Januar 2021
Ausgabe 7095 | Nr. 22 | 20. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
email-weiterempfehlendruckansicht

Bauingenieure: Sorry, aber selber Schuld

40 Kommentare | 51751 Aufrufe Kommentar hinzufügen
Thema eröffnet von Bauigel (TU hoho) | letzter Kommentar vom 19. Juli 2011 - 07:13

Hallo zusammen,
ich verfolge das Forum schon sehr lange (6 Jahre). Bin selbst Bauingenieur und bereue die Entscheidung dieses Fach studiert zu haben seit dem Ende meines Studium. Das Studium an sich war schön, aber die Realität des Arbeitsmarktes danach hat mich beinahe verzweifeln lassen, Studienkollegen hatten es da schlechter... . Wenn ich mir heute die Studienanfängerzahlen in Kombination mit der Bauquote und der Altersentwicklung in Deutschland anschaue, bin ich froh, nie als Bauingenieur gearbeitet zu haben, sondern ganz wo anders untergekommen bin (ICT Beratung). Denn es wird sich auf absehbare Zeit nichts verbessern an den (relativ) schlechten Arbeitsbedingungen für die BIs (ja es gibt Schlimmeres, habe aber nicht studiert, um im Callcenter zu arbeiten). Wiese sollte es also plötzlich einen Boom in diesem Bereich geben? Einzig ein Krieg könnte Abhilfe schaffen und den kann ernsthaft keiner wollen.

Und hier nun die Probleme mal lose aneinander gereiht. Zahlen stimmen, Quellen hab ich keinen Bock auch noch rein zu schreiben, wens stört einfach selber recherchieren: Es strömen immer noch genügend Frischlinge auf den Markt (fast 10.000 Anfänger 2009!), die die Welt erobern möchten und denken, das mit dem Gehalt und den Überstunden wird sich schon geben, wenn sie überhaupt an so etwas denken, was ich bezweifele. Sinkende Bevölkerungszahlen: Wir werden in D bis 2030 +/- 78 Mio und 2060 +/- 67 Mio Menschen sein. Ja wer soll denn die ganzen Häuser bauen für die Leute, die bis dahin nicht mehr leben? Ironiemodus off. Sollte es hier nicht einen Politikwechsel zu einer massiven Einwanderungspolitik geben, hat BLÖD recht: "Deutschland stirbt aus!"

Bauquote in Deutschland:Ganz schwieriges Thema, Wohnungsneubauquote mit 2,0/1000 EW ist mies. Infrastrukturinvestitionen: Für jedes Schlagloch, das gestopft wird entstehen höhere Kosten für das Foto in der Presse, auf dem der Bürgermeister mit dem Spaten in die Kamera lächelt, als für das Stopfen selber. Noch mal Ironiemodus off. Aber: Beobachtet mal, wie Investitionskosten, die früher als Wartung mitliefen, heute als "Projekt Zukunft 2020" angepriesen werden und das über Monate im voraus.

Bauindustrie erwartet Umsatzplus 2011 von 1,6% (dass das bei einer Inflationsrate von 2,7% einem realen Schrumpfen entspricht, erwartet sie auch, sagt sie aber nicht).
Nicht alles ist negativ , es gibt auch Lichtblicke: Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person in D steigt seit Jahren von heute 43 qm auf 55 qm 2030 (tendenziell ältere Leute in großen Häusern, junge Familien in kleinen Wohnungen, das ist dann schon wieder nicht so positiv).
Fachkräftemangel: Ist noch nicht da, wird aber this-time-for-real kommen, wer flexibel genug ist wird auch als Bauingenieur gute Chancen haben auf einen guten Job. Hier sei mal die Frage gestellt, wieso die Arbeitslosenzahlen so klein gerechnet werden (ABM, 1-Euro, Umschulung, Schwangere, Mütter - alle nicht drin), möchte sich da jemand (Wirtschaftsverbände) einen Puffer aufbauen für Arbeitnehmer die jetzt glauben: "hmm, sinkende Arbeitslosenzahlen, gleich mal zum Chef eine Lohnerhöhung rausholen." Und der Chef kann sich entspannt zurücklegen, weil er weiß, dass draußen noch eine Menge Leute auf der Straße sitzen und die realen Arbeitslosen-Zahlen viel höher sind? - keine Ahnung.

Positiv auch: man kann ins Ausland gehen. Stimmt, man kann ins Ausland gehen. Das dies bei manchen super klappt, bezweifle ich nicht. Ich kenne aber auch die, die in China sitzen und langsam das Kotzen kriegen, weil einem das ewige Dauergrinsen der Menschen irgendwann gehörig auf den Wecker geht. Entschuldigung liebe Chinesen, ich habe auch Verständnis, wenn ihr mal so richtig über uns komische Deutsche (laut, grinsen so selten und rülpsen nicht beim Essen) lästert. Einfach mal in den Biergarten, richtiges Brot oder ein Radiohead Lifekonzert is in manchen Ländern einfach nicht drin. Oder Dubai, hammergeil Dubai. Für mich persönlich gerne mal eine Woche, alles darüber halt ich nicht aus. In so einem Land, wo sich ein paar Familien den größten Batzen einverleiben und dafür die Ameisen irgendwo aus Asien schlecht behandeln, will ich nicht jeden Tag sein. Auch Indien wurde in diesem Forum mal erwähnt, man Leute da werden schlafende Arbeiter beim Betonieren eingegossen (wahlweise, aber nicht so reißerisch: fallen vom Gerüst) und keine Sau schert sich drum, nee Danke will ich nicht täglich.

Eigentlich müsste dieses Forum vor Warnungen an junge Menschen nur so strotzen, bloß nicht dieses Fach zu studieren. Leider treiben sich die Anfänger nicht hier rum, sondern erst wenn sie schon lange studiert haben und dann "Augen zu und durch, mir wird schon nichts passieren, ich pack es irgendwie, bin ja super flexibel, hab ja keine Frau/Kinder blablabla" ... ich kenne die Sprüche.

So das war meine lange aber natürlich nicht vollständige Aufzählung von ein paar Dingen, die mir so durch den Kopf gingen und immer weniger gehen. Zum Schluss möchte ich sagen: Der Beruf ist prinzipiell schön, es gibt sicherlich glückliche Bauingenieure auch in Deutschland. Aber: die gegenwärtigen Randbedingungen sind so schlecht, dass ich fairerweise niemandem raten würde, Bauingenieurwesen zu studieren. Nach meiner nicht ganz aus der Luft gegriffenen Abschätzung wird eine Entspannung der Situation in frühestens zehn! Jahren einsetzen.

Verzeiht mir die endlosen Schachtelsätze. Machts gut und an die lieben Studenten: noch mal im Betreff/Forenthema nachlesen.

hoho

Ole | 19. Juli 2011 - 07:13

Also, das der Bauingenieur als Betaetigungsfeld nicht das Gelbe vom Ei ist, wenn man es denn auf einen 4000 Euro Scheck am Ende des Monats abgesehen hat, kann doch eigentlich jeder wissen. Jeder kann natuerlich seine Meinung schreiben aber, bei allen die nach 2002 fertig geworden sind, gehe ich mal davon aus, dass sie so ab 1997 oder so studiert haben. Jeder dieser Menschen haette wissen koennen, wie sich die Bauwirtschaft entwickelt. Das war offensichtlich und wurde auch nicht verheimlicht.

Sich jetzt zu beschweren, das alles so schlecht ist, halte ich fuer ziemlich schwach. Wer verantwortlich fuer sein eigenes Leben sein will und so intelligent ist, das er das Bauingenieurstudium geschafft hat, sollte auch in der Lage gewesen sein, sich rechtzeitig zu informieren. Ich muss dann allerdings auch immer wieder feststellen, das wir immer noch keine eigene Gewerkschaft haben. Wer sich nicht selber hilft ist eigentlich immer verloren.

Ole

Selbständiger75 | 18. Juli 2011 - 15:20

Hallo Kollegen,

wenn ich Eure Beiträge lese, wird mir schlecht. Jeder jammert dass er zu wenig verdient. Aber keiner tut was dagegen. Ich habe ein 1-Mann Büro und weiss wie hart es ist an Aufträge zu kommen. Ich habe immer versucht die Preise oben zu halten, und bevor ich mich in einen Preiskampf gestürzt habe, versuchte ich immer mit mehr oder weniger Erfolg, mich auf etwas Neues zu spezialisieren um die Nachfrage meiner Leistung zu steigern. Wenn es nicht so viele (entschuldigt die Äußerung) Jammerlappen gebe, die sich von ihren Chefs ausbeuten lassen, dann würde es uns allen viel besser gehen.

Aber viele Kollegen jammern lieber, arbeiten für zwei, verdienen für eine halbe Stelle, und ändern nichts an ihrer Situation. Solange werden die Büroinhaber billig die Leistung solcher Angestellten verkaufen, und verdienen noch daran. Ich habe in ganz Deutschland verteilt Kommilitonen, die über zu viel Arbeiten klagen, da keine neuen Leute gefunden werden. Hört auf zu jammern und ändert was an eurer Situation. Und hört bitte auf für 3500 EUR brutto 60 h die Woche zu arbeiten. Das dankt euch keiner.

Polle | 18. Juli 2011 - 12:11

@Equilibrium:
Sehr schön! Du bringst es auf den Punkt. Wahrscheinlich ist perry in der Bauverwaltung gelandet - die haben auch ein sekundenscharf messendes Zeiterfassungsgerät. Nur passt dann die angegebene Gehaltsspanne nicht dazu.

JD73 | 18. Juli 2011 - 11:17

@Equilibrium: LOL...;-), sehr ordentlicher "Argumentationsstrang"!

Equilibrium | 18. Juli 2011 - 07:00

@Perry:
Also wenn ich Deinen Beitrag mal kurz zusammenfassen darf: Bei Dir und Deinen Bekannten ist alles gut gelaufen und im Forum melden sich nun mal die Unzufriedenen häufiger als die Zufriedenen, weshalb hier Deiner Auffassung nach wohl eine Schieflage im Forum entsteht. So weit so gut. Man soll also nach dem Lesen Deines Beitrages wohl zu dem Schluss kommen, dass bei den Bauingenieuren alles in bester Ordnung ist und hier einfach nur ein paar Leute ein bisschen zu viel jammern.

1. Frage: Was sind die häufigsten Betätigungsfelder für Bauingenieure? Richtig: Planung und Bauleitung. Die beiden absoluten "Klassiker" die das Berufsbild des Bauingenieurs nun einmal prägen - auch wenn es natürlich noch einige weitere Möglichkeiten gibt.

2. Frage: Welche Betätigungsfelder hast Du für Dich und Deine Bekannten als (ich zitiere wörtlich!) "selbstverständlich" ausgeschlossen? Genau: "Statikbüro" und "klassische Bauleitung".

Also hast Du all denjenigen, die in diesem Bereich arbeiten und zahlenmäßig wohl den größten Anteil an den Bauingenieuren haben, am Ende Recht gegeben, wenn sie sich über ihre Arbeitsbedingungen beschweren. Schließlich willst Du ja "selbstverständlich" auch nicht unter solchen Bedingungen arbeiten. Sollen jetzt Deiner Meinung nach eigentlich zehntausende Bauingenieure, die bisher im Statikbüro oder der Bauleitung gearbeitet haben, auch in Dein Betätigungsfeld wechseln?

Wenn man die Kernaussagen Deines Beitrages mal auf das Medizinstudium übertragen würde, dann käme dabei z. B. Folgendes raus: "Arzt ist ein toller Beruf, solange man "selbstverständlich" weder eine eigene Praxis gründen will noch im Krankenhaus arbeiten möchte."

Kalksandstein | 16. Juli 2011 - 14:54

Bin auch Tragwerksplaner. Habe vor meinem Studium immer gehört das man dort unglaublich viel verdient. Zu meiner Verteildigung muss ich sagen das es anno 1998 auch noch nicht so weitreichende technische Möglichkeiten gab sich zu informieren. Tja und nun das, am Ende des Monats bleibt eigendlich nichts mehr nach :( Ich muss für zwei arbeiten und kriege nur für eine halbe Person bezahlt. Wie lange ich das noch durchziehen werde habe ich keinen Plan, manchmal fahre ich aber sehr schnell mit dem Auto.

Ungläubiger | 15. Juli 2011 - 17:15

@perry
Es freut mich immer wieder zu lesen, dass es Kollegen gibt die im Baubereich gut verdienen - aber 75.000 € (brutto) im Jahr klingt doch eher unwahrscheinlich und schon gar nicht mit lediglich 3 Jahren Berufserfahrung. Es sei denn, es handelt sich um jemanden der z.B. in das elterliche Bauunternehmen oder Ingenieurbüro eingestiegen ist, aber für den überwiegenden Teil aus den typischen Bereichen wie Bauleitung, Tragwerksplanung, etc. bleibt diese Gehaltsgruppe nur ein Wunschgedanke wie man aus vielen anderen Beiträgen in diesem Forum entnehmen kann.

perry | 14. Juli 2011 - 10:27

@BG
..ich stimme dir zu; ich bin seit 2007 fertig und hatte nie größere probleme. ich wohne und arbeite im rhein-main-gebiet. habe "nur" einen fh-abschluß und kann berichten, dass alle, die mit mir den abschluß gemacht haben keinerlei probleme mit der jobfindung hatten. auch gehaltstechnisch kann ich mich nicht beklagen. wir liegen alle mit etwa 3 jahren berufserfahrung zwischen 40.000 und 75.000 euro pro jahr (brutto, einschl aller zulagen) selbstverständlich ist fast keiner in ein statikbüro oder in die klassische bauleitung gegangen. zudem habe ich ein zeiterfassungsgerät und da wird sekundenscharf die zeit gemessen.

fazit: ich bereue es nicht diesen weg eingeschlagen zu haben, was die zukunft bringt kann man nur schwer sagen, dennoch bin ich guter dinge in meinem job. letztlich ist jeder selbst für sein glück verantwortlich! leider ist es auch so, dass die zufriedenen weniger einträge verfassen, als die unzufriedenen, das kann man im internet immer wieder sehen.

Tiefbauer | 13. Juli 2011 - 21:05

Hallo zusammen,

ich verfolge die Meinungen, Beiträge und Diskussionen hier nun auch schon ein ganze Weile und kann mich als erstes Equilibrium nur anschließen, dass dies hier eine sehr gute Plattform ist um sich zu informieren und Erfahrungen schon länger gedienter Kollegen zu hören. Denn wo sonst wenn nicht in solch einem Forum soll bzw. kann man sich einen tieferen Einblick holen. Daher finde ich es auch gut, dass zum Teil auch mal etwas provokantere Thesen oder Fragen in den Raum gestellt werden.

Ich kann sagen (und hier spreche ich jetzt ausschließlich von mir) zum Beruf des Bauingenieurs gibt es für mich zur Zeit keine Alternative, da ich sagen wir mal Überzeugungstäter aus Leidenschaft bin. Ich bin über den zweiten Bildungsweg zum Bauingenieur gekommen. Allerdings nicht ohne schon vorher im Bauwesen tätig gewesen zu sein. Ich bin gelernter Bauzeichner. Den Beruf des Bauingenieurs würde ich auch bei weitem nicht gar so negativ darstellen wie es hier teileweise schon geschehen ist. Denn ich sehe den Beruf durchaus als sehr facetten- und abwechslungsreich. Man siehe hierzu nur mal die verschiedenen Bereiche und Betätigungsfelder wie z.B. Hochbau, Tiefbau, Ingenieurbau -> Planung, Bauleitung, Projektmangement, Projektsteuereung. Ich finde wenn jemand eine Affinität zum Bau hat und sich überlegt in diesen Bereich zu gehen, gehört allerdings auch ein bisschen mehr dazu als nur zu lesen was alles negativ und schlecht ist. Hier sollte sich jeder an die eigene Nase fassen und seinen Neigungen entsprechend versuchen sich zu orientieren.

Ich möchte hier auch nicht versuchen alles zu beschönigen. Auch ich habe meine Erfahrungen gesammelt die nicht alle durchweg positiv waren, doch ich habe versucht daraus zu lernen und die Fehler oder auch Erfahrungen aus der Vergangenheit für die Zukunft zu nutzen. Vielleicht sollte der ein oder andere mal über solche Schritte nachdenken, bevor er sich komplett der Resignation hingibt.

Es gibt durchaus auch noch Branchen und Bereiche in denen Bauingenieure gesucht und auch gut bezahlt werden. Ich bin z.B. nun seit einiger Zeit als Projektleiter für Tiefbaumaßnahmen bei einem großen Standortbetreiber in der chemischen Industrie und werde hier auch nach Tarif der chemischen Industrie bezahlt und kann sagen, dass dies kein Vergleich zu meinen früheren Tätigkeiten bei kleineren und mittleren Ingenieurbüros und auch dem öffentl. Dienst ist. Kurz gesagt es gibt noch Möglichkeiten seinen Beruf auszuüben und dabei auch noch Geld zu verdienen und das alles ohne 50-60+ Stundenwoche.

Equilibrium | 12. Juli 2011 - 07:28

@Ole:
Ich finde es absolut in Ordnung, wenn Bauingenieure in diesem Forum ihre zum Teil negativen Erfahrungen im Bauwesen schildern. Warum qualifizierst Du das als Jammern ab? Du schreibst ja selbst, dass sich die Abiturienten vor der Studienwahl über die Perspektiven im späteren Beruf informieren sollen. Ja wo denn, wenn nicht auch insbesondere hier? Die Aussagen der Bauwirtschaft zu den Berufsaussichten künftiger Absolventen dürfen sehr wohl angezweifelt werden. Selbst im tiefsten Tal der Baurezession wurde um neue Studienanfänger geworben. Je mehr Leute Bauingenieurwesen studieren, desto größer ist am Ende die Auswahl für die Unternehmen und die schlechten Absolventen werden dann halt Taxifahrer oder schulen um auf Berufsschullehrer.

Die Informationen, die von bestimmten Magazinen jährlich für die Abiturienten zusammengetragen werden, bestehen auch oft nur auf der unreflektierten Wiedergabe vom zusammengesuchten Zahlen – ohne jegliches Insiderwissen über die Branche. Woher sollen Journalisten denn auch wissen, ob Bauingenieur denn nun gerade ein guter Beruf ist? Also fragt man doch am besten die Bauingenieure selbst und genau diese Möglichkeit bietet doch dieses Forum. Dass dabei die Antworten der Forumsteilnehmer je nach persönlicher Einschätzung unterschiedlich ausfallen, ist dabei natürlich klar. Aber wer sich hier im Forum als frisch gebackener oder künftiger Abiturient ein paar Stunden umschaut, wird schnell merken, dass die Baubranche – vorsichtig ausgedrückt – ein schwieriges Umfeld ist.

Ole | 11. Juli 2011 - 07:05

Langsam aber sicher geht mir das ganze Gejammer hier echt auf die Nerven. Soweit ich informiert bin wurde Niemand zum Bauwesen gezwungen, jeder der in den letzten 10 Jahren fertig geworden ist, haette wissen koennen, wie es auf dem Bau aussieht. Das war doch kein gut behuetetes Geheimnis. Dieses permanente Gejaul ueber absolut daemliche Zunkunftsplanung ist eigentlich fast nicht mehr zu ertragen. Wenn ich schon im Studium merke, das mich der Stoff nicht reizt, warum macht man dann weiter? Das Bauingenieure nicht gut bezahlt werden ist seit Mitte der 90ger klar und das Deutschland eigentlich aufgebaut ist auch.

1992 habe ich Zimmermann gelernt und es gab 1.6 Mio Beschaeftigte im Bauhauptgewerbe, heute gibt es so um 680.000. Das der Bedarf an Bauingenieuren dann nicht steigt ist doch wohl offensichtlich. Wenn man sich auch nur 30 Min im Internet informiert haette wuesste man, das seit 1996 eigentlich die Luft raus ist und es auch nicht zu erwarten ist, das es besser wird. Jedenfalls nicht so gravierend wie sich das viele wuenschen. Ole

kakadou | 10. Juli 2011 - 22:18

@thx - so wird das nix! Es ist eines, zu wissen, was man NICHT will. Damit ist aber nicht automatisch klar, wohin die Reise gehen soll. Dazu muss man wissen, wohin man möchte. Irgendwie Maschinenbau, vielleicht Behörde, besser Aldi, was macht Dir denn Spaß? Wo bekommst Du leuchtende Augen? ein heissgeliebtes Hobby? Quereinstieg ist möglich - ich bin auch Quereinsteiger (Tiefbau) und zwar bereue ich, nicht zusätzlich zu meinem Fach Bauingenieurwesen studiert zu haben, Doppelabschluss hätte ich sicher gepackt. Ich bin von Baustellen völlig fasziniert und ich baue auch selber jede freie Minute an irgendwas. Baumaschinen erfreuen mich aber ebenso, und konsequenterweise habe ich mich inzwischen an den (Bau)-Maschinenbau angepirscht.

Zahlreiche Menschen in meinem Bekanntenkreis sind beruflich unglücklich. Ein Arzt, der besser Musiker geworden wäre und ein Elektroniker, der als Tauchlehrer seine Bestimmung gefunden hätte (beide waren nicht mutig genug und würden jammerfaktormäßig perfekt in dieses Forum passen). Aber auch ein glücklicher Architekt, ein zufriedener Beamter und und und. Du musst Deinen eigenen Weg gehen!

Bewirb Dich da, wo Du hin willst, nicht dahin, wo ein Forum was von tollen Aussichten und gutem Gehalt brabbelt. Hast Du Sonderinteressen? Sprache (Fachübersetzer?), Kunst, Sport, Modellbau. Analysiere, welche Arbeitsbedingungen Du brauchst: Kontakt zu vielen, auch fremden Leuten: Handel, Vertrieb, Beratung, Organisation.

Tür zu und Ruhe: Konstruktion, Statik, Planung, Kalkulation, einen Teil der kaufmännischen Tätigkeiten, Maler, Schriftsteller

Teamwork in bestehendem Team: Bauleitung, Planung, Forschung+Entwicklung, Musik, Sport, kreative Teamberufe, Konstruktion.

Eigener Chef sein: Selbstständig machen oder als angestellter GF/Abteilungsleiter.

Sorgfältig aber nicht verantwortlich arbeiten: Wissenschaftler, Sachbearbeiter, Planung, Konstruktion, Qualitätskontrolle.

Dazu dann eben das, was leuchtende Augen verursacht. Also ob Du Stützen bemisst oder Wellenlager hängt von Deinem Interesse ab, aber beides findet "im stillen Kämmerlein" statt. Ob Du Baumaschinen, Fahrräder, ... vertreibst oder Events organisierst: Beides braucht den Kontaktfreudigen, ist aber inhaltlich völlig unterschiedlich.

Vergiss die Gehaltsfrage. Was Du gern machst, machst Du gut, was Du gut machst, wird man Dir über kurz oder lang auch entlohnen. Viel Glück bei der Suche!

PS: Unterschätze andere Berufe nicht: "jetzt Lehrer locker packen"....ein Lehrer hat auf einem normalen Schulausflug bereits mehr Verantwortung für Menschenleben als ein Statiker in seiner Laufbahn.

Equilibrium | 10. Juli 2011 - 16:40

@serc: Wenn jemand unbedingt Bauingenieurwesen studieren will, weil er vom Bauen bzw. den Bauwerken fasziniert ist, dann kann das Studium unter Umständen sinnvoll sein - vorausgesetzt man hat keine allzu hohen Ansprüche an den künftigen Lebensstandard. Wenn jemand aber einfach nur technisch und mathematisch begabt ist und daher ganz allgemein den Wunsch nach einem Ingenieurstudiengang hat, dann sollte das Bauingenieurwesen wohl eher die letzte Wahl sein.

Ich habe in den 90er Jahren (auch mit einem Einser-Abitur) an einer renommierten Hochschule Bauingenieurwesen studiert und anschließend noch mit Auszeichnung promoviert. Mein Arbeitgeber ist sicherlich einer der besten in Deutschland und zahlt ein (vergleichsweise!) hohes Gehalt. Meine Karriere dort verläuft sehr gut und die Chefs sind zufrieden mit mir. Unterm Strich bin ich aber in einer maroden Branche gelandet, was man leider permanent im Alltag merkt. Man merkt es am Fuhrpark des Unternehmens (dort stehen Autos, bei denen man manchmal schon Sicherheitsbedenken hat, diese noch zu benutzen), man merkt es an den Bürogebäuden (wo der verblichene und abgenutzte Teppich von vor über 20 Jahren immer noch seinen Dienst tut), man merkt es am Anspruchsdenken der Chefs (zahllose Überstunden sind vorausgesetzt und wer - wie ein ehemaliger Kollege - nicht voll mitzieht bekommt Sprüche wie "dann haben Sie sich den falschen Beruf ausgesucht"), man merkt es an den Hotels, die für einen bei Außenterminen gebucht werden und in denen man privat eher nicht absteigen würde. Im Bauwesen muss immer alles billig sein. Das gilt nicht nur für die Baustelle, sondern für alle am Bau Beteiligten inklusive (und vor allem) für deren Gehälter.

Diese Denkweise, dass alles billig sein muss und Bauingenieure auch billig zu haben sind, wird in dieser Branche noch Jahrzehnte anhalten - selbst dann, wenn man sich schon lange über mangelnden Nachwuchs ärgert. Baufirmen finden es jetzt schon schlimm, dass man inzwischen aktiv eigene Stellenanzeigen schalten muss, da man mittlerweile nicht mehr jede Woche Dutzende von Initiativbewerbungen auf dem Tisch liegen hat.

rwrw | 09. Juli 2011 - 01:27

Man muss als Bauingenieur kein Statiker werden, aber siehe Nachbarthread was dort verdient wird nach ca. 3 Jahren verdient da einer bei ner 40 h Woche weit über 3000. Bin auch fertiger Bauingenieur. Statik interessiert mich aber nicht sonderlich.

Polle | 07. Juli 2011 - 20:16

@Serc: Das was Magnus und BG schreiben kannste aus meiner Sicht mal getrost über Bord werfen. Magnus "verrät" sich ja in seinem letzten Satz, indem er schreibt: "Das Arbeitsumfeld ist nur schlechter als bei anderen Ingenieuren, nicht schlechter als bei anderen Berufen generell!"

Hallo? Wie kann denn ein Job auf Dauer toll sein, wenn Du weißt, alle Ingenieure anderer Branchen haben auch nicht mehr für ihre Ausbildung getan, arbeiten aber unter wesentlich besseren Bedingungen als DU! Mal ehrlich, kann man denn da noch Freude empfinden wenn man als Bauingenieur immer das Schlusslicht ist - und das über ein Arbeitsleben von ca. rund 40 Jahren? Entschuldigung, aber das kann ich nicht glauben - da höre lieber mal auf TWP65, das ist der Grundtenor aller Bauingenieure und entsprechend näher an der Realität!

Und zu BG kann ich nur sagen, was hat denn bitte die Baukrise vor 8 Jahren mit den langweiligen Arbeitsinhalten für Bauingenieure zu tun? Serc hat, wie TWP65 aus meiner Sicht richtig analysiert hat, kein Interesse am Bau im Allgemeinen, da "hilft" ihm auch der Aufschwung am Arbeitsmarkt nix.

Und im Übrigen, ein gebranntes Kind bin ich sicher nicht. Wie auch, habe nie für nen Hungerlohn als Bauleiter oder TWP gearbeitet, habe nämlich ähnlich wie Serc im 2. Semester schon gemerkt dass ich diesen Bereich entkommen muss bevor es zu spät ist. LEIDER war ich damals nicht konsequent genug um das Handtuch zu werfen. Serc hat jetzt (noch) die Chance und soll sie aus meiner Sicht auch nutzen!

TWP65 | 07. Juli 2011 - 16:10

@Serc:
Als Bauingenieur mit 20 Jahren Berufserfahrung kann ich Ihnen nur den Tipp geben das Studienfach schnellstens zu wechseln. Die Aussage "Die Baustelle konkret hat mich nicht so wirklich interesiert..." lässt tief blicken und Sie werden mit dieser Grundeinstellung nie über eine mittelmäßige Leistung in diesem Beruf kommen. Und das trotz Abi 1,40. Ich frage mich ob Sie überhaupt wissen was Sie studieren und für was Sie rechnen? Statik, Tragwerksplanung wird für die Baustelle gemacht und nur dafür. Sie rechnen und bemessen doch nicht für die Galerie und zum Selbstzweck. Um richtig rechnen zu können müssen Sie etwas vom Bauen, von Konstruktion, von der Baustelle verstehen. Das sind die Grundlagen des Rechnens. Zum Beispiel was ausführbar und machbar ist und was nicht. Letztendlich spiegelt diese (Ihre) Haltung oder dieses Verständnis die Entwicklung der letzten Jahre im Bauingenieurwesen wider. Bauingenieure - insbesondere Tragwerksplaner die wirklich in der Praxis zu gebrauchen sind - sind in der Zwischenzeit Mangelware. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an die Aussagen meines Diplom-Professors und die eines Uni-Assistenten, welcher gerade zum Dr.-Ing. nach langer Berufspraxis promoviert: "Es gibt keinen Absolventen welchen ich Dir im Moment für Dein Büro empfehlen könnte".

Das gleiche Muster habe ich bei Bewerbern und Praktikanten, welche sich um eine Anstellung in meinem Büro beworben haben, erkannt. Im Gegenzug wird ein angemessenes Gehalt erwartet, ohne dabei zu wissen, dass der Angestellte mindestens das 2,00 - 2,50 fache seines Jahresgehaltes für das Büro erwirtschaften muss. Sonst ist es ein Verlustgeschäft. Bauingenieurwesen ist mit Sicherheit kein Beruf den man empfehlen kann, wer dennoch den Weg gehen möchte sollte sich sehr gut informieren!

Thx | 06. Juli 2011 - 15:01

Hallo Polle und Hallo an alle anderen,

ich möchte mal kurz meine Situation beschreiben: Ich habe meinen Bauingenieur (B.Eng.) in der Tasche und bin dazu noch gelernter Vermessungstechniker. Damals hatte meine Firma die Hälfte der Belegschaft entlassen (Bereich Vermessung) und ich "musste" mir was überlegen, da ich nicht übenrommen wurde, trotz super Leistungen. So machte ich meine Fachhochschulreife nach und studierte Bauingenieurwesen. Heute wie ich sehe, hätte ich wohl besser was anderes studieren sollen vielleicht, aber der Zug ist nun abgefahren. Ich hatte damals zwischen Architektur, Vermessungswesen und Bauingenieurwesen gewählt und mich für Bauingenieurwesen entschieden (was von denen 3 ja auch das beste ist denke ich.) Naja aber das tut ja alles nichts mehr zur Sache.

Ich brauche Euren Rat und wäre Euch sehr dankbar, wenn ihr mir Tipps geben könnt, wie ich in einer anderen Branche einsteigen kann oder irgendwann nach kurzer Zeit die Baubranche wechseln kann. Ein komplett neues Studium kommt nicht in Frage, da ich bereits eine Ausbildung, Abitur und ein Studium habe und somit doch nicht mehr so jung wie ein Schüler bin. Das beste ist noch, von den Leuten, die mit mir angefangen haben, haben 40 % das Studium nur beendet so ca. (und das an einer FH).

Was würdet Ihr mir raten, wie kann man in eine gute Branche kommen/einsteigen/wechseln, wenn man noch nicht zu sehr vom Bau versaut ist. Dieses Konservative geht mir auch auf den Sack, wenn ich ehrlich sein soll. Damals die Ausbildung zum Vermessungstechniker war echt top! Aber das Praktikum am Bau total ätzend, scheiß Klima, nur rumgescheucht damals als Praktikant im Studium. Das Studium an sich war sehr sehr schwer (Mathe, Statik, Stahlbau super hohe Durchfallquoten >> wahrscheinlich für nix und wieder nix oder nur um Studenten zu reduzieren). Abschlussarbeit im Studium war auch sehr hart und eher langweilig aus meiner Sicht. Obwohl ich mir schon ein Thema ausgesucht habe, was mich interessierte (Entwässerung).

Das was da die Bauleiter machen mussten in diesem Büro, da hab ich echt wenig Lust drauf. Planer evtl., aber da könnt ich mir auch was besseres vorstellen. Fand das auch ziemlich öde und der eine Ingenieur sagte, er würde sogar als FH-Ing. heute in ner Behörde mehr verdienen. Soviel erstmal dazu.

So, als Vermessungstechniker ist mir sehr genaues Arbeiten ja nicht fremd. Und im Studium waren meine Stärken so Sachen wie Wasser/Umwelt/Stahlbau. Ich interessiere mich für Umwelt, Energie, et cetera. Statik und reine Bauleitung auf Dauer eher nicht. Ich muss auch dazu sagen, dass ich ziemlich örtlich gebunden bin, also nicht flexibel.

Wie sieht es aus mit einem Versuch in der Maschinenbaubranche oder so. Bei einer Kläranlage habe ich mich schon beworben, ist nur sehr selten, dass die mal einen Werksleiter suchen. Logisch.

Wie kommt man aus der Branche raus bzw. findet am besten woanders einen Einstieg? Wie verkauft man sich da am besten, Polle du bist doch raus aus der reinen Baubranche oder? Vielleicht kann man auch in den Baustoffhandel, keine Ahnung. Komme mir derzeit schon so vor, als passt nichts richtig auf mich und man sollte die Branche auf Dauer verlassen oder erst gar nicht versuchen dort lange einzusteigen. Sonst sitz ich da irgendwann im Boot des Bauleiters und komme nicht mehr raus aus der Branche. Und mich beängstigt eben auch der demographische Wandel und der Anstieg der Studentenzahlen. Da hat die Baulobby gute Werbung gemacht denke ich. Und das was viele Statiker verdienen ist ja wohl mehr als ein WITZ! Für so eine schwere Materie und so viel Verantwortung - nein danke! Dann kann man so ungefähr direkt ans Fließband bei Audi gehen ohne Verantwortung mit geregelter 35 h Woche. Sollte nur mal ein Beispiel sein, ob es so ist, weiß ich nicht genau. Aber höre sowas immer wieder.

Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll. Bin am verzweifeln. Wäre über Tipps sehr sehr dankbar. Vielleicht kann man ja auch als Vermessungstechniker gut in eine Bewerbung verpacken, dass man sehr genau arbeiten kann etc. Vielleicht hat sowas Vorteile bei einer Bewerbung im Maschinenbau oder sonst wo.

Die einzigeste Option (aus meiner heutigen Sicht auf Dauer) für mich, wäre Behörde als Bauingenieur mit TvöD 10. Und da verdient ja jeder Grundschullehrer mehr. Und da gibts sogar welche, die vorher Bauingenieurwesen nicht gepackt haben und jetzt Lehrer locker packen. Ist das fair? Nein! Und so toll finde ich den Bau nicht, eher im Gegenteil.

Also liebe Forenleser, ich bin über alle, wirklich alle Vorschläge sehr dankbar. Thx

BG | 05. Juli 2011 - 19:30

Anmerken sollte man, dass die meisten, die sich hier beschweren, gebrannte Kinder sind. Polle spricht von vor 8 Jahren, dass war mitten in der großen Baukrise. Die Lage war damals für junge Bauingenieure nicht schön, entweder sich irgendwie über Wasser halten oder ins Ausland gehen. Die Situation hat sich für Absolventen deutlich verändert. Die Einstiegsgehälter sind im Vergleich höher und die Absolventen werden vollständig von den Firmen aufgesaugt. Selbst die Lage bei den Architekten bessert sich langsam, der wohl deutlichste Indiz.

Magnus | 05. Juli 2011 - 17:37

@Serc, habe auch an der TU Harburg Bauingenieurwesen studiert und bereue es ueberhaubt nicht. Arbeite jetzt seit 9-10 Jahren als Tragwerksplaner und die Arbeit macht mir grossen Spass. Sicherlich ist der Computer ein wichtiges Hilfsmittel bei der Arbeit, aber der Entwurf eines Tragwerkes ist doch deutlich mehr, als die Eingabe in ein Computerprogramm. Die Dinger rechnen im Endeffekt nur das was man Ihnen sagt, und das auch nicht immer richtig. Meiner Meinung nach hat der Beruf auch viel mit Kreativitaet zu tun, weil man fuer jede Aufgabe eine individuelle Loesung finden muss.

Beim Bauen im Bestand muss man damit hinkommen was vorhanden ist und sein Tragwerk darauf abstimmen, wenn man mit Achitekten baut soll alles schoen und filigran aussehen und im Industriebau muss es in erster Linie funktional sein. Spannend ist auch das Zusammenspiel zwischen Konstruktion und Statik, da kommt dann sehr stark die Erfahrung zum tragen. Wenn es einem egal ist was man macht, sind andere Ingenieurberufe sicherlich besser, mir war es das nie. Haette nach dem Studium auch Kraene rechnen koennen, waere besser bezahlt und vielleicht weniger Stunden gewesen, wollte ich aber nicht, das man dann dasselbe Produkt immer wieder gerechnet haette. Das schoene an Gebaeuden ist, das sie alle aehnlich ausssehen aber doch immer verschieden sind.

Wenn man so ein Gebaude was man geplant hat, dann irgendwo stehen sieht (oder es einen von einer Werbung aus anlacht), ist das doch ein schones Gefühl. Ausserdem ist die Arbeit als Tragwerksplaner recht vielfaltig, weil Bauen auch immer sehr viel Kommunikation bedeutet (Konstrukteure, Baufirmen, Architekten, TGA, Brandschutz, Bauphysik, Bauherren, Bodengutachter, etc.) Lass dich von den vielen negativen Kommentaren nicht abschrecken! Jeder Beruf hat seine Schattenseiten, (Lehrer leiden unter Burnout, Richter und Staatsanwaelte sind Suizidgefahrdet, Chirurgen gehen ab 50 bei jeder Kleinigkeit an die Decke, als Arzt im Krankenhaus hat man am Wochende Dauerschichten, usw. usf), die sieht man aber immer erst wenn man darin arbeitet.

Die Berufsaussichten im Bereich Tragwerksplanung sind auch recht gut, zumindest zur Zeit. Als ich 2001 fertig wurde war das deutlich schlechter, habe aber trotzdem nie lange nach einer Stelle gesucht. Das Arbeitsumfeld ist nur schlechter als bei anderen Ingenieuren, nicht schlechter als bei anderen Berufen generell!

Polle | 05. Juli 2011 - 14:28

Hallo Serc!

alles was Du hier schreibst, dein Gefühl, dein Desinteresse, deine Aussagen über bisherige Vorlesungsinhalte klingen für mich doch recht eindeutig in welche Richtung das bei Dir tendiert. Im Übrigen kommt mir das Alles auch sehr bekannt vor, da ich selbst in der gleichen Situation wie Du war und bis in etwa Mitte des Studiums auch überlegt habe es abzubrechen und was anderes zu studieren! Ganz klar: Ich fühle mit Dir! Das war damals. Vor etwa 8 Jahren.

Heute kann ich, oder besser muss ich sagen damals hätte ich es abbrechen sollen! Nicht nur, dass das Bauwesen die unspektakulärste, langweiligste und konservativste Branche (wenn man dem andere Technikbereiche wie z.B.: Maschinenbau, Elektrotechnik gegenüberstellt) überhaupt ist. Nein, auch die Arbeitsbedingungen, Entwicklungsmöglichkeiten und Bezahlung sind hier mit Abstand die Schlechtesten. Okay, vielleicht geht es Soziologen oder Geisteswissenschaftlern noch "schlechter", aber das steht hier ja nicht zur Debatte.

MEIN Eindruck in den ersten Semestern hat sich im Nachhinein bestätigt, und auch Du, da Du ein kluger Kopf zu sein scheinst liegst mit deiner Einschätzung in keinem Fall falsch! Lass Dein Bauchgefühl entscheiden! Maschinenbau an der RWTH ist sicher kein Fehler (kannst ja in Richtung FEM gehen) und wenn Du was mathelastiges haben willst studiere Physik - da bist Du breit aufgestellt und kannst Dich später in jedem erdenklichen Bereich der Industrie spezialisieren (sogar BundeskanzlerIn ist möglich. okay, kleiner scherz;-). Im Ernst: Mit Abi 1,4 und einem noch jugendlichen und lernfähigen Alter kannst Du deine Energie sinnvoller einsetzen als in einem Bauingenieurstudium zu verschwenden. Und wie Du schon schreibst, danach nicht mal die Früchte ernten kannst. Sei schlau, Finger weg vom Bau! Das ist meine absulut ehrlich Meinung dazu! Grüße Polle

| 05. Juli 2011 - 08:06

@serc: ja, es sieht so aus wie hier "negativ" beschrieben! lies mal deine mail, die antwort hast du dir doch schon selbst gegeben, nur hast du wohl noch nicht den mut gefunden, einfach mal einen krassen schnitt zu machen und den kram (das bauwesen für das du dich entschieden hattest) hinzuschmeissen.

tu´s!!!

sieh´s als übung für den rest des lebens, das flaue gefühl bei der entscheidung wirst du auch in zukunft haben, ist nun mal so, auch bei richtigen entscheidungen. denn wir sind alle auf konventionen und durchhaltevermögen getrimmt. kurz: als Wirtschaftsingenieur in einem hightechbereich wirst du bestimmt glücklicher. zwei semester sind ja nichts, such dir was anderes. viel glück!

Serc | 04. Juli 2011 - 16:51

Wow, unglaublich, was man hier so alles liest :O Ich selbst studiere jetzt im 2. Semester Bauingenieurwesen / Umweltingenieurwesen an der TU Hamburg-Harburg und ich muss sagen, dass mich all die Kommentare hier zum Nachdenken gebracht haben. Sieht die Zukunft mit diesem Abschluss denn wirklich so schlecht aus? Ich habe letztes Jahr mein Abi mit 1,4 gemacht und mich dämlicherweise direkt an der Uni beworben ohne vorher ein Praktikum zu absolvieren. Eigentlich wollte ich schon immer Bauingenieurwesen studieren. Die Baustelle konkret hat mich nicht so wirklich interessiert, sondern die gesamte Statik hinter Gebäuden, warum sie stehen und wie das alles funktioniert. Hier lese ich nun, dass genau dieser Bereich überfüllt und daher schlecht bezahlt ist. Außerdem merke ich langsam, dass diese Arbeit eigentlich nur das Modellieren von Tragwerken am Computer bedeutet, also im Prinzip stundenlanges am PC sitzen und das war es dann auch schon. Bitte korrigiert mich wenn ich hier falsch liege.

Was ich in meinem Studium aber bisher gelernt habe sind ein paar Grundlagen in Mechanik, die recht interessant sind, mich aber nicht faszinieren. Dazu kommt das Führen bauphysikalischer Nachweise zur Standsicherheit, Tauwasserausfall, usw. So etwas will ich auf keinen Fall machen. Ich muss sagen ingesamt bin ich vom Studium bisher ein wenig enttäuscht, die verschiedenen Sorten von Estrichen und Mörteln langweilen mich nur, ebenso wo ich wie viele Dehnfugen etc brauche. Einziger Lichtblick war der erste Entwurf eines Gebäudes, den wir in Projektarbeit angefertigt haben. Jedoch ist mir klar, dass das in erster Linie Arbeit eines Architekten ist und nicht des Bauingenieurs. Bewerbungsfristen laufen in Deutschland zum 15.7. aus, d.h. in 11 Tagen und im Moment denke ich ernsthaft darüber nach zu wechseln, denn das Studium ist sehr aufwendig und umfangreich und es zehrt an meinen Nerven: Mehr als doppelt so viele Wochenstunden, wie z.B. Physik- oder Psychologie-Studenten an "normalen" Unis, teils bis zu 10 Klausuren, die auch noch in den Ferien geschrieben werden, also selbst in den Ferien kaum Freizeit. Und nun hör ich, dass sich die ganze Anstrengung und Mühe später im Beruf nicht auszahlen soll?

Wenn das denn stimmt, möchte ich mir das wirklich nicht antun. Optionen wären, auszuweichen auf Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Maschinenbau an der RWTH Aachen oder komplett das Fachgebiet zu wechseln auf BWL in Mannheim. Ein Freund meinerseits hat mir auch VWL empfohlen, da es noch Mathe-lastiger sein soll als BWL, was mir persönlich sehr entgegenkommt.

Die meisten Menschen in meinem Umfeld haben mir jetzt gesagt einfach zu tun, was mir Spaß macht und was mein Bauch mir rät. Genau so habe ich mich auch vor einem Jahr entschieden. Aber später mit 40 oder 50 noch im Büro rum zu sitzen, ständige Überstunden zu machen und dafür einen Magerlohn zu kriegen und zu wissen, dass ich so ziemlich alles andere hätte studieren können, womit ich besser dastehen würde. Das ist nicht das Leben, das ich möchte. Wirklich nicht. Ich wäre sehr dankbar für Ratschläge und eindeutige Aufklärung darüber, ob es wirklich so schlecht aussieht in unserer Branche.

Polle | 04. Juli 2011 - 11:06

@Peter: Das was Du schreibst stimmt mit der Realität wohl kaum überein. Da muss ich montalcino uneingeschränkt Recht geben. Entweder willst Du hier einen auf "dicke Hose" machen und künstlich Diskussionen anheizen oder Du kannst ein Dreirad nicht von einem Motorroller unterscheiden. Da du uns ja die Frage schuldig bleibst in welchem Bereich der Baubranche Du tätig bist, will ich mal davon ausgehen dass Du als Bauleiter angestellt bist. Alle die ich kenne und seit mindestens 5 Jahren in diesem Bereich arbeiten haben als Dienstfahrzeug entweder einen Skoda Octavia oder einen Opel Astra Kombi. Und das sind noch lange keine Oberklasse-Fahrzeuge.

In diesem Land hat kein angestellter Mensch ein Oberklasse-Dienstfahrzeug ohne dass mehr als "nur" Bauleiter auf der Visitenkarte steht und das wird auch bei Dir nach 4 Jahren kaum der Fall sein. Selbst als Oberbauleiter fährt man noch lange keinen 7er BMW oder Audi A8! Also mach uns in diesem Forum hier nichts vor. Gruß Polle

montalcino | 02. Juli 2011 - 22:16

Hallo Peter,

ein Auto der Oberklasse wäre z.B. ein 7er BMW oder eine Mercedes S-Klasse. Ein Auto der Oberen Mittelklasse wäre beispielsweise ein 5er BMW oder eine E-Klasse. Dies alles fährst Du 4 Jahre nach Deinem Diplom wohl kaum! Also kennst Du Dich entweder nicht mit solchen Begriffen aus oder Du wolltest hier mal ein bisschen auf die Sahne hauen. Ich habe in unserem Konzern wirklich schon viele äußerst talentierte und erfolgreiche Bauingenieure erlebt. Diejenigen, die wirklich überaus schnell Karriere machen, sind etwa Mitte 40, wenn Sie eine Mercedes E-Klasse bekommen. Und das trifft vielleicht auf weniger als 1% der Bauingenieure zu. Die meisten bekommen in dieser Branche natürlich nie eine E-Klasse. Also erzähl hier dem Nachwuchs, zu dem Du ja selbst mit 4 Jahren Berufserfahrung noch gehörst, nicht solche Geschichten über Oberklasse-Autos nach 4 Jahren Berufserfahrung. Übrigens fahren selbst Vorstandsmitglieder von Baukonzernen oft nur die obere Mittelklasse und keine Oberklasse.

Für diejenigen, die es interessiert: Übliche Dienstwagen für Bauingenieure sind z. B. VW Golf, Opel Astra oder Ford Focus ("Untere Mittelklasse"). Ab Oberbauleiter oder bei Führungskräften in Ingenieurbüros etc. sind dann ein VW Passat, ein Opel Insignia oder ein Ford Mondeo denkbar ("Mittelklasse"). Obere Mittelklasse fahren z. B. Direktionsleiter, Unternehmensbereichsleiter und Vorstände. Wer im Vertrieb arbeitet, kommt evtl. schneller an repräsentative Autos. Wer als Bauingenieur in der Immobilienbranche arbeitet oder für Versicherungen, hat in Bezug auf den Dienstwagen ebenfalls bessere Aussichten.

TUM-Student | 02. Juli 2011 - 11:05

@Peter:
Darf man fragen in welchem Bereich du tätig bist, an welcher Uni du studiert hast und auf was du dich spezialisiert hast?

Peter | 29. Juni 2011 - 19:07

Habe 2007 mein Diplom gemacht. Habe mich bei 2 Firmen beworben und mir sofort einen unbefristeten Vertrag aussuchen können. Gutes Geld, neuer Mittelkalsse-Firmenwagen ohne Selbstbeteiligung, Handy mit Privatnutzung unendgeltlich, Prämie und 13 Monatsgehalt. Da legt man sich gerne ins Zeug. Und jetzt in 2011 ists noch besseres Geld, ein Oberklasse-Firmenwagen und immer noch das gleiche Handy, mit dem Unterschied, dass es im Wochentakt klingelt und ein Mitbewerber meiner Firma ist dran um mich abzuwerben. Ich finds gut.

| 25. Juni 2011 - 09:52

@d.suchende:
bullshit ist auch, wenn man(n) (oder frau) texte so formuliert, dass man das gefühl hat hegel zu lesen oder an den dialektischen dreisprung erinnert wird...und dies ist nun kein kompliment!

auf deutsch: man versteht kaum wo deine gedankenreise / anregung hingehen soll oder soll man die beiträge wie ein klett-heftchen analysieren...bullshit halt (nochmal sorry!!!)

d.suchende | 22. Juni 2011 - 08:49

@hallo gast vom 18.06.11
Bullshit ist für mich nur, wenn man aufgegeben hat oder auf deutsch: „alles scheiße ist“
Apropos bank, da fällt mir ein: nachdem sie wieder vom H zur P gewechselt hatte, kam unaufgefordert ein brief ihrer hausbank: wir haben ihren d um 50% erhöht. am gehaltszuschuß lags sicher nicht. Allerdings hat sie schon wieder neue jobangebote. Das würde ich dann als gehalts-dreisprung bezeichnen (und nur auf grund der bankreaktion annehemen: Klar, nur um es dir nochmal zu beweisen).

also nachtrag 2:
nicht kleckern u. meckern sondern mindestens 5 jahre (+- 30 %) klotzen und suchen.
Zitat: das nötige Rückgrat haben, um Konflikte aus- und Widerständen standzuhalten sowie bei Bedarf - auch gegen ihre ‚Chefs’[ „und vor allem den archis“] - für ihr Projekt zu kämpfen. Das zeigt: Die Persönlichkeit der [nicht nur] Projektmanager muss einen gewissen Reifegrad haben.

Quelle: http://www.e-commerce-magazin.de/ecm/news/interview-kleine-projekte-kleine-sorgen-grosse-projekte-grosse-sorgen

Info: ich arbeite da nicht und war noch nie da und soll auch keine werbung sein.
mfg


@ass, schau dir das mal an:
http://www.fml.mw.tum.de/fml/images/Publikationen/2010_ForBAU-Abschlussbericht_web.pdf´

mfg

gast | 18. Juni 2011 - 08:28

@ d.suchende: netter Text, klingt ja alles ganz nett.Steht man aber vor dem Bankautomaten, d.h. wenn die Realität zuschlägt, ist das alles (Sorry) "bullshit"!!!

ass | 17. Juni 2011 - 17:40

@POLLE:
Darf man fragen in welchem Bereich der IT-Software du gelandet bist und was du dir dafür nachträglich selbst angeeignet hast?

D.Suchende | 17. Juni 2011 - 04:29

Na ihr habt einen Zeitgeist und seht kein licht am ende des tunnels? frei nach dan gardner: wenn mich meine eigenen kinder heute fragen, was kommen wird, dann sage ich, dass sie sich keine sorgen machen sollten. die zukunft muß man nicht vorhersagen, man muss sie gestalten.

1. nachtrag von mir: sonst machen es die anderen und der zug ist schon wieder vorbeigefahren, schaut doch mal da rein:

http://inn-akten.de/downloads/elbphilharmoniesachstand.pdf

Und nun? ist das nur eine "gute nacht lektüre" oder kann ein bauingenieur nur das schlechte und nicht die ungenutzten möglichkeiten für seinen beruf, besonders in D, erkennen? Ok, wem das zu groß ist, der sollte die mio durch tausend ersetzen, die zeitangaben durch z.b. 6 teilen und das große und...weglassen und landet somit (ja, ja - durch und mit Fantasie aber doch…..) beim ganz gewöhnlichen efh.

bessere lösungen, wege werden in D höher honoriert, als im ausland.

mfg

mel | 16. Juni 2011 - 23:42

Ein Glück hab ich dieses Forum hier gefunden. Wollte nächstes Jahr mein Bauingenieurstudium anfangen, aber das überdenke ich doch lieber noch einmal. Nachdem was ich hier alles gelesen habe bin ich doch verunsichert. Ich hätte auch nicht gedacht, dass es um die Bauingenieure in Deutschland so schlecht steht. Leider weis ich noch nicht was ich alternativ dazu studieren könnte, aber trotzdem danke für diese Infos!

bauinghel | 14. Juni 2011 - 22:01

@Ole
Fairerweise sollte man erwähnen das niemand die Studierenden darauf vorbereitet hat.
Uns wurde vorgegaukelt wir könnten auch im Heimatland ordentlich verdienen. Studentenforderung nach english-sprachigen fakultativen Vorlesungen im Vertiefungsstudium wurden abgelehnt!

Eigentlich müssten einige zentrale Fächer im Grundstudium alternativlos in englisher Sprache durchgezogen werden mit der Begründung das ein Großteil der Absolventen eh im Ausland landet. Unterricht in einer zweiten Fremdsprache obligatorisch. Dann wären viele sehr früh aufgewacht und hätten sich was anderes gesucht. Mechatroniker in einem Industrieunternehmen ist doch auch gut, oder besser?
Gruß - hel

Ole | 13. Juni 2011 - 12:35

Ich bin seit Jahren im Ausland und eigentlich nicht ungluecklich. Das die Arbeitsbedingungen in Asien schlecht sind ist kein Geheimnis, das allerdings als Grund dafuer anzufuehren, das man nicht ins Ausland gehen sollte, halte ich fuer etwas duenn. Es verhaelt sich bei diesem Thema so wie mit Menschen, die gegen Massentierhaltung sind aber trotzdem Fleisch essen. Die meisten unserer Kleidungsstuecke kommen etwa aus China und die Arbeitsbedingungen sind menschenverachtend. Das stoert aber scheinbar niemanden, solange man es nicht sehen muss. Das es in Dubai wenig Superreiche gibt, die die Anderen ausbeuten, weiter oben "Ameisen" genannt, ist in Deutschland auch nicht anders.

Jahrelang Exportweltmeister und viele Menschen muessen sich ihr Gehalt vom Sozialamt aufbessern lassen. Was das mit sozialer Marktwirtschaft zu tun hat erschliesst sich mir nicht. Die Baubranche wird in den naechsten Jahren bis 2020 weltweit ein Umsatzplus von 70% verzeichnen. Gut ausgebildete Bauingenieure gibt es viel zu wenige und die Gehaelter sind extrem gut, nur eben in Deutschland nicht. Was so schlimm daran sein soll seinen Standort zu veraendern verstehe ich immer weniger.

Ole

kakadou | 10. Juni 2011 - 22:48

@Polle: Ganz unrecht hast Du nicht - das Bauwesen prägt enorm. Ich bin als Quereinsteiger ins Bauingenieurwesen gekommen. Ingenieurbüro wie studiert (nicht Ingenieur- sondern Natwissenschaften!), Quereinstieg in Tiefbau (AG-seitig), dann Umstieg (auch fachlich, AN-seitig), jetzt dreigleisig (gleichzeitig) ursprüngliches Fach in der Forschung, dazu Bau (AN) und Maschinenbau. Die eigentliche Bauleitung, die mir Spaß gemacht hat und die Abrechnung, die ich hasse, ist dafür weggefallen. Wenn ich in den neuen Bereichen unterwegs bin, hab ich manchmal das Gefühl, ich komme von einem anderen Stern, so sehr sind 14 Jahre Bau prägend (vor allem die 3 Jahre AN).

Alle drei Bereiche sind spannend und abwechslungsreich. Alles gleichzeitig zu machen übertrifft von der zeitlichen Arbeitsbelastung her die reine Bautätigkeit noch, keine Langeweile. Aber die Arbeitsweise der neuen Bereiche ist eine andere.

Bauleitung (AN) ist "laut", stressig, unvorhersehbar, nicht planbar und etwas "verrückt", das Handy schellt jede Sekunde und Entscheidungen sind sofort zu fällen, aber man weiss gar nicht was man entscheidet und hätte keine Gelegenheit, nachzuforschen. Bauen ist darüberhinaus Teamwork - Polier, Trupp und Bauleiter sind auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen. Eine gewisse Risikofreude und viel Improvisationstalent schadet nicht. Zeitziel: 20:30 Uhr nach Krankmeldung eines Mitarbeiters/Gerätedefekt: Wie bekomme ich jetzt morgen früh 6:30 Uhr einen LKW? (die Chance den potentiellen Nachunternehmer um diese Uhrzeit noch telefonisch zu erreichen ist hoch). Kann sein die Welt dreht sich um ein zerdeppertes Steinzeugrohr. Für "Aussenstehende" sicher einfach nur seltsam zu beobachten. Ich stand mal im Urlaub auf einem Alpengipfel - nur hier Handyempfang - und habe verzweifelt versucht für "daheim" eilig eine unübliche Schachtabdeckung zu bestellen. Andere Bergsteiger waren etwas befremdet.

Entsprechend sind "alte" Bauleiter entweder hochmotivierte Überzeugungstäter, die ihren Job lieben oder völlig ausgebrannt und frustriert. Ich kenne beide Sorten, bei uns im Betrieb zum Glück nur die erste.

Maschinenbau (Entwicklung): Das Handy schweigt, ein Stapel handgekritzelter Skizzen auf dem Tisch, gelegentliche Treffen mit Partnern im ruhigen Rahmen, alles wohlvorbereitet, falls unerwartetes auftaucht: Prüfen, nachrechnen, morgen sehen wir weiter. Konzentriert und nachdenklich. Fachlich komplex und anspruchsvoll. Zeitziel "ein Jahr". Allerdings: Auch die Erfolgserlebnisse dauern lange! Bis so ein Prototyp läuft, ist ein Bauwerk längst abgenommen. Und fast nie draussen, selten unterwegs, das Wetter spielt keine Rolle, nicht das Wechselbad der Gefühle "Hurra Auftrag....aber wie denn zu dem Preis". Eher langfristig: Ob das neue Teil später je verkauft werden kann? Oder alles für die Katz?

Forschung (Uni): Alles kommt anders wie man denkt, aber gleichzeitig alle Muße der Welt, um dicke Wälzer zu lesen oder Experimente zu wiederholen. Zeitziel "zwei Jahre". Alles etwas weltfremd, wenn man aus der Baupraxis kommt. 100 EUR Reisekosten sind unerschwinglich, Kopierer gibt es nicht, aber Gerät für 3 Mio kommt irgendwo her. Lauter sehr junge Leute, die von fast nichts sehr viel verstehen (ausser vom Leben). Ich muss mir gerade auch noch abgewöhnen, zu vermuten, dass ich übers Ohr gehauen werde. Das ist in der Forschung im Gegensatz zum Bau offensichtlich gar nicht üblich - aber mir fehlt das ein bisschen, dieser absoluten Geradlinigkeit fehlt etwas die Bauernschläue. Dabei ist der finanzielle Druck der Lehrstühle sehr sehr hoch und diese Anspannung merkt man. Die Arbeitsituation der "Mittelbauler" ist auf jeden Fall schlechter als in der Bauwirtschaft (z.B. fast nur befristete, nicht verlängerbare Verträge). Und es werden wirklich gute Anträge abgelehnt.

Mein Fazit: Wenn ich nochmals von vorne anfangen würde, ich würde gleich Bauingenieurwesen studieren ;-) und die Option (Bau-) Maschinenbau nicht völlig ausser Acht lassen. Genau genommen habe ich es aber mit meiner cruden Mischung perfekt erwischt.

Polle | 09. Juni 2011 - 22:25

@Bronzki: Vom Ansatz her gut aber hat denn ein deutscher Bauingenieur wirklich so wenige Möglichkeiten? Ich versuche mal eine Antwort darauf zu geben. Zunächst muss mal zwischen einem Berufsanfänger und einem "alten Hasen" mit 12 Jahren im Beruf wie Dir unterschieden werden. Bei letzterem gibt es in der Tat auch wenn ich länger darüber nachdenke wirklich nur die 3 Möglichkeiten. Der Grund: Wer solange schon in der Branche arbeitet (als Tragwerksplaner, Bauleiter) der gilt grundsätzlich für den Arbeitsmarkt oder Nischenbereiche (man will ja wegkommen vom Baubereich) als zu sehr vom Baugewerbe "versaut". Ein Berufsanfänger ist noch irgendwie formbar und schafft leichter einen Quereinstieg in andere Bereiche die wenig oder gar nichts mit dem Bau zu tun haben. Ich selbst habe 5 Jahre Berufserfahrung aber noch nie in der Baubranche gearbeitet.

Bin im Anschluss an mein Bauingenieurstudium in den Maschinenbau gewechselt. Wenn alle meine Ex-Studienkollegen (die Bauleiter sind) über Baustellenprobleme und Bau im allgemeinen fachsimpeln sind das für mich Eindrücke aus einer anderen Welt. Andersrum könnte man mich mit Maschinenbauern zusammensetzen und keinem würde auffallen dass ich Bauingenieur bin. Wäre ich dagegen auch schon 5 Jahre Bauleiter gelte ich wohl als zu sehr durch den Bau geprägt und außerdem würde mir kein Bewerbungsempfänger abnehmen was ich denn nun plötzlich (nach so vielen jahren Bau) im Maschinenbau will. Deshalb meine Empfehlung: Richtungswechsel so früh wie möglich, später schränken sich die Möglichkeiten sehr stark ein und dann bleiben wohl nur noch die 3 Genannten!

bauinghel | 08. Juni 2011 - 21:38

Sollte noch angemerkt werden, das unter den bereits jetzt zuziehenden aus Süd- und Osteuropa auch ausgebildete Bauingenieure sind und auch zukünftig sein werden. D.h. etwaiger Bedarf kann auch aus dem Reservoir der Einwanderer gedeckt werden. Eisenbetonbau ist keine Hochtechnology. FH Bauingenieure werden hier eigentlich nur ausgebildet um irgentwie die Schulabgänger unterzubringen. Ach ja, und weil deutsche Behörden keine Migranten einstellen. Noch nicht.

Polle | 08. Juni 2011 - 21:00

Bauigel nimmt mir das Wort aus dem Mund. Besser hätte man es nicht auf den Punkt bringen können. Bin selbst in einem anderen ähnlichen Bereich (IT, Software) untergekommen. Meine Ex-Studienkollegen pfeifen als Bauleiter, Tragwerksplaner, Projektleiter...dagegen alle aus dem letzten Loch! Die sehnen sich nach ner todlangweiligen Stelle im Amt als Aktenverwalter und würden sich alle zehn Finger danach abschlecken.

Maschinenbauer und Elektrotechniker haben dagegen die nächste Karrierestufe im Blick und verdienen sich dumm und dämlich dabei. Das sagt doch alles. Und ganz ehrlich, ich kenne nur ganz wenige Berufe die schlechter sind als Bauleiter und ich würde auch NIE wieder Bauingenieurwesen studieren!

Bronzki | 08. Juni 2011 - 20:59

@hoho: Ja, der Text ist super. Ein verstärkte Nachfrage nach Bauprodukten wird auf absehbare Zeit wohl nicht kommen. Woher sollte sie auch rühren? Die Bevölkerungspyramide in Deutschland hat seit Jahrzehnten die Form einer Urne. D.h. es gibt immer weniger Junge und im Verhältnis dazu immer mehr Alte. Eine gezielte Einwanderungspolitik wird auch keine Trendwende in der Bauwirtschaft herbeiführen. Familien mit Migrationshintergrund verfügen in aller Regel nicht über genügend Eigenkapital, bzw. Einkommen, um in eine eigene, neue Immobilie zu investieren. Sie mieten lieber eine Altbauwohnung in einer nicht ganz so teuren Gegend. Es sei ihnen vergönnt. Das einzige, was uns Bauingenieuren helfen könnte, wäre ein Krieg oder ein schweres Erdbeben. Das wünscht sich aber natürlich niemand. Ich arbeite jetzt seit 12 Jahren als Tragwerksplaner in Deutschland und komme immer mehr zu der Erkenntnis, dass sich einem deutschen Bauingenieur genau 3 Möglichkeiten bieten:

1) Eine Umschulung zu machen (z.B. Lehrer an der Berufsschule).
2) Ins Ausland zu gehen (es muss ja nicht unbedingt Dubai sein).
3) Sich mit einem Lebensstandard knapp über Hartz IV-Niveau zufrieden zu geben und sich jeden Tag einzureden: "Es könnte schlimmer sein".

FlipB | 07. Juni 2011 - 01:41

Super Text, gefällt mir. Allerdings kann ich nicht ganz dem zustimmen, dass es "bald" zu einer Entspannung in der Baubranche kommen sollte. Ich fürchte, diese Entspannung werden wir nicht mehr lebendig erleben, das meine ich leider ernst. Der Markt bereinigt sich schon seit guten 15 Jahren und ein Ende ist nicht in Sicht, da ja schon alles steht was gebaut werden musste.

Kommentar hinzufügen
Alias oder Vorname
Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
Kurz-Link  Kurz-Link zu diesem Forumthema:
https://www.bauingenieur24.de/url/900/1531
1 - 40 von 40 Kommentaren im Forenthema Nr. 1531
 
Jobangebot als Gruppenleitung der Fachgruppe Straßenaufsicht und- unterhaltung und stellvertretende Fachbereichsleitung im Fachbereich Tiefbau (m/w/d) von Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf Stellenangebot - Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf sucht für Berlin mit der Job Nr. 27842 im Stellenmarkt für Bauingenieure
Jobangebot als Bauzeichner (m/w/d) von KKK Aachen PartG mbB Stellenangebot - KKK Aachen PartG mbB sucht für Aachen, Nordrhein-Westfalen mit der Job Nr. 27997 im Stellenmarkt für Bauingenieure
Jobangebot als Bauingenieur / Bautechniker (m/w/d) Kalkulation / AVA von SCHWEVERS & RAAB Stahl - Hochbau GmbH Stellenangebot - SCHWEVERS & RAAB Stahl - Hochbau GmbH sucht für Kalkar, Kreis Kleve, Nordrhein-Westfalen mit der Job Nr. 27972 im Stellenmarkt für Bauingenieure
Jobangebot als Vermessungstechniker / Geomatiker oder Bauzeichner (m/w/d) für den Kabelleitungstiefbau von IK-T GmbH Stellenangebot - IK-T GmbH sucht für Regensburg bzw. Bayern mit der Job Nr. 27784 im Stellenmarkt für Bauingenieure
Jobangebot als Bauleiter (m/w/d) von WHP Tiefbaugesellschaft mbH & Co. KG Stellenangebot - WHP Tiefbaugesellschaft mbH & Co. KG sucht für Mönchengladbach, Nordrhein-Westfalen mit der Job Nr. 27694 im Stellenmarkt für Bauingenieure
Jobangebot als Bauleiter (m/w/d) Tief- und Rohrleitungsbau von Wiesensee GmbH & Co. KG Bauunternehmen - Betonwerk Stellenangebot - Wiesensee GmbH & Co. KG Bauunternehmen - Betonwerk sucht für Wittingen-Radenbeck (Niedersachsen) mit der Job Nr. 27705 im Stellenmarkt für Bauingenieure