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Freitag, 26. April 2019
Ausgabe 6458 | Nr. 116 | 18. Jahrgang
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Bauingenieure: Sorry, aber selber Schuld

40 Kommentare | 45017 Aufrufe Kommentar hinzufügen
| Thema eröffnet vor 7 Jahren

Hallo zusammen,
ich verfolge das Forum schon sehr lange (6 Jahre). Bin selbst Bauingenieur und bereue die Entscheidung dieses Fach studiert zu haben seit dem Ende meines Studium. Das Studium an sich war schön, aber die Realität des Arbeitsmarktes danach hat mich beinahe verzweifeln lassen, Studienkollegen hatten es da schlechter... . Wenn ich mir heute die Studienanfängerzahlen in Kombination mit der Bauquote und der Altersentwicklung in Deutschland anschaue, bin ich froh, nie als Bauingenieur gearbeitet zu haben, sondern ganz wo anders untergekommen bin (ICT Beratung). Denn es wird sich auf absehbare Zeit nichts verbessern an den (relativ) schlechten Arbeitsbedingungen für die BIs (ja es gibt Schlimmeres, habe aber nicht studiert, um im Callcenter zu arbeiten). Wiese sollte es also plötzlich einen Boom in diesem Bereich geben? Einzig ein Krieg könnte Abhilfe schaffen und den kann ernsthaft keiner wollen.

Und hier nun die Probleme mal lose aneinander gereiht. Zahlen stimmen, Quellen hab ich keinen Bock auch noch rein zu schreiben, wens stört einfach selber recherchieren: Es strömen immer noch genügend Frischlinge auf den Markt (fast 10.000 Anfänger 2009!), die die Welt erobern möchten und denken, das mit dem Gehalt und den Überstunden wird sich schon geben, wenn sie überhaupt an so etwas denken, was ich bezweifele. Sinkende Bevölkerungszahlen: Wir werden in D bis 2030 +/- 78 Mio und 2060 +/- 67 Mio Menschen sein. Ja wer soll denn die ganzen Häuser bauen für die Leute, die bis dahin nicht mehr leben? Ironiemodus off. Sollte es hier nicht einen Politikwechsel zu einer massiven Einwanderungspolitik geben, hat BLÖD recht: "Deutschland stirbt aus!"

Bauquote in Deutschland:Ganz schwieriges Thema, Wohnungsneubauquote mit 2,0/1000 EW ist mies. Infrastrukturinvestitionen: Für jedes Schlagloch, das gestopft wird entstehen höhere Kosten für das Foto in der Presse, auf dem der Bürgermeister mit dem Spaten in die Kamera lächelt, als für das Stopfen selber. Noch mal Ironiemodus off. Aber: Beobachtet mal, wie Investitionskosten, die früher als Wartung mitliefen, heute als "Projekt Zukunft 2020" angepriesen werden und das über Monate im voraus.

Bauindustrie erwartet Umsatzplus 2011 von 1,6% (dass das bei einer Inflationsrate von 2,7% einem realen Schrumpfen entspricht, erwartet sie auch, sagt sie aber nicht).
Nicht alles ist negativ , es gibt auch Lichtblicke: Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person in D steigt seit Jahren von heute 43 qm auf 55 qm 2030 (tendenziell ältere Leute in großen Häusern, junge Familien in kleinen Wohnungen, das ist dann schon wieder nicht so positiv).
Fachkräftemangel: Ist noch nicht da, wird aber this-time-for-real kommen, wer flexibel genug ist wird auch als Bauingenieur gute Chancen haben auf einen guten Job. Hier sei mal die Frage gestellt, wieso die Arbeitslosenzahlen so klein gerechnet werden (ABM, 1-Euro, Umschulung, Schwangere, Mütter - alle nicht drin), möchte sich da jemand (Wirtschaftsverbände) einen Puffer aufbauen für Arbeitnehmer die jetzt glauben: "hmm, sinkende Arbeitslosenzahlen, gleich mal zum Chef eine Lohnerhöhung rausholen." Und der Chef kann sich entspannt zurücklegen, weil er weiß, dass draußen noch eine Menge Leute auf der Straße sitzen und die realen Arbeitslosen-Zahlen viel höher sind? - keine Ahnung.

Positiv auch: man kann ins Ausland gehen. Stimmt, man kann ins Ausland gehen. Das dies bei manchen super klappt, bezweifle ich nicht. Ich kenne aber auch die, die in China sitzen und langsam das Kotzen kriegen, weil einem das ewige Dauergrinsen der Menschen irgendwann gehörig auf den Wecker geht. Entschuldigung liebe Chinesen, ich habe auch Verständnis, wenn ihr mal so richtig über uns komische Deutsche (laut, grinsen so selten und rülpsen nicht beim Essen) lästert. Einfach mal in den Biergarten, richtiges Brot oder ein Radiohead Lifekonzert is in manchen Ländern einfach nicht drin. Oder Dubai, hammergeil Dubai. Für mich persönlich gerne mal eine Woche, alles darüber halt ich nicht aus. In so einem Land, wo sich ein paar Familien den größten Batzen einverleiben und dafür die Ameisen irgendwo aus Asien schlecht behandeln, will ich nicht jeden Tag sein. Auch Indien wurde in diesem Forum mal erwähnt, man Leute da werden schlafende Arbeiter beim Betonieren eingegossen (wahlweise, aber nicht so reißerisch: fallen vom Gerüst) und keine Sau schert sich drum, nee Danke will ich nicht täglich.

Eigentlich müsste dieses Forum vor Warnungen an junge Menschen nur so strotzen, bloß nicht dieses Fach zu studieren. Leider treiben sich die Anfänger nicht hier rum, sondern erst wenn sie schon lange studiert haben und dann "Augen zu und durch, mir wird schon nichts passieren, ich pack es irgendwie, bin ja super flexibel, hab ja keine Frau/Kinder blablabla" ... ich kenne die Sprüche.

So das war meine lange aber natürlich nicht vollständige Aufzählung von ein paar Dingen, die mir so durch den Kopf gingen und immer weniger gehen. Zum Schluss möchte ich sagen: Der Beruf ist prinzipiell schön, es gibt sicherlich glückliche Bauingenieure auch in Deutschland. Aber: die gegenwärtigen Randbedingungen sind so schlecht, dass ich fairerweise niemandem raten würde, Bauingenieurwesen zu studieren. Nach meiner nicht ganz aus der Luft gegriffenen Abschätzung wird eine Entspannung der Situation in frühestens zehn! Jahren einsetzen.

Verzeiht mir die endlosen Schachtelsätze. Machts gut und an die lieben Studenten: noch mal im Betreff/Forenthema nachlesen.

hoho

forum-thread-1531
Ole | 19. Juli 2011 - 07:13 2011-07-19

Also, das der Bauingenieur als Betaetigungsfeld nicht das Gelbe vom Ei ist, wenn man es denn auf einen 4000 Euro Scheck am Ende des Monats abgesehen hat, kann doch eigentlich jeder wissen. Jeder kann natuerlich seine Meinung schreiben aber, bei allen die nach 2002 fertig geworden sind, gehe ich mal davon aus, dass sie so ab 1997 oder so studiert haben. Jeder dieser Menschen haette wissen koennen, wie sich die Bauwirtschaft entwickelt. Das war offensichtlich und wurde auch nicht verheimlicht.

Sich jetzt zu beschweren, das alles so schlecht ist, halte ich fuer ziemlich schwach. Wer verantwortlich fuer sein eigenes Leben sein will und so intelligent ist, das er das Bauingenieurstudium geschafft hat, sollte auch in der Lage gewesen sein, sich rechtzeitig zu informieren. Ich muss dann allerdings auch immer wieder feststellen, das wir immer noch keine eigene Gewerkschaft haben. Wer sich nicht selber hilft ist eigentlich immer verloren.

Ole

Selbständiger75 | 18. Juli 2011 - 15:20 2011-07-18

Hallo Kollegen,

wenn ich Eure Beiträge lese, wird mir schlecht. Jeder jammert dass er zu wenig verdient. Aber keiner tut was dagegen. Ich habe ein 1-Mann Büro und weiss wie hart es ist an Aufträge zu kommen. Ich habe immer versucht die Preise oben zu halten, und bevor ich mich in einen Preiskampf gestürzt habe, versuchte ich immer mit mehr oder weniger Erfolg, mich auf etwas Neues zu spezialisieren um die Nachfrage meiner Leistung zu steigern. Wenn es nicht so viele (entschuldigt die Äußerung) Jammerlappen gebe, die sich von ihren Chefs ausbeuten lassen, dann würde es uns allen viel besser gehen.

Aber viele Kollegen jammern lieber, arbeiten für zwei, verdienen für eine halbe Stelle, und ändern nichts an ihrer Situation. Solange werden die Büroinhaber billig die Leistung solcher Angestellten verkaufen, und verdienen noch daran. Ich habe in ganz Deutschland verteilt Kommilitonen, die über zu viel Arbeiten klagen, da keine neuen Leute gefunden werden. Hört auf zu jammern und ändert was an eurer Situation. Und hört bitte auf für 3500 EUR brutto 60 h die Woche zu arbeiten. Das dankt euch keiner.

Polle | 18. Juli 2011 - 12:11 2011-07-18

@Equilibrium:
Sehr schön! Du bringst es auf den Punkt. Wahrscheinlich ist perry in der Bauverwaltung gelandet - die haben auch ein sekundenscharf messendes Zeiterfassungsgerät. Nur passt dann die angegebene Gehaltsspanne nicht dazu.

JD73 | 18. Juli 2011 - 11:17 2011-07-18

@Equilibrium: LOL...;-), sehr ordentlicher "Argumentationsstrang"!

Equilibrium | 18. Juli 2011 - 07:00 2011-07-18

@Perry:
Also wenn ich Deinen Beitrag mal kurz zusammenfassen darf: Bei Dir und Deinen Bekannten ist alles gut gelaufen und im Forum melden sich nun mal die Unzufriedenen häufiger als die Zufriedenen, weshalb hier Deiner Auffassung nach wohl eine Schieflage im Forum entsteht. So weit so gut. Man soll also nach dem Lesen Deines Beitrages wohl zu dem Schluss kommen, dass bei den Bauingenieuren alles in bester Ordnung ist und hier einfach nur ein paar Leute ein bisschen zu viel jammern.

1. Frage: Was sind die häufigsten Betätigungsfelder für Bauingenieure? Richtig: Planung und Bauleitung. Die beiden absoluten "Klassiker" die das Berufsbild des Bauingenieurs nun einmal prägen - auch wenn es natürlich noch einige weitere Möglichkeiten gibt.

2. Frage: Welche Betätigungsfelder hast Du für Dich und Deine Bekannten als (ich zitiere wörtlich!) "selbstverständlich" ausgeschlossen? Genau: "Statikbüro" und "klassische Bauleitung".

Also hast Du all denjenigen, die in diesem Bereich arbeiten und zahlenmäßig wohl den größten Anteil an den Bauingenieuren haben, am Ende Recht gegeben, wenn sie sich über ihre Arbeitsbedingungen beschweren. Schließlich willst Du ja "selbstverständlich" auch nicht unter solchen Bedingungen arbeiten. Sollen jetzt Deiner Meinung nach eigentlich zehntausende Bauingenieure, die bisher im Statikbüro oder der Bauleitung gearbeitet haben, auch in Dein Betätigungsfeld wechseln?

Wenn man die Kernaussagen Deines Beitrages mal auf das Medizinstudium übertragen würde, dann käme dabei z. B. Folgendes raus: "Arzt ist ein toller Beruf, solange man "selbstverständlich" weder eine eigene Praxis gründen will noch im Krankenhaus arbeiten möchte."

Kalksandstein | 16. Juli 2011 - 14:54 2011-07-16

Bin auch Tragwerksplaner. Habe vor meinem Studium immer gehört das man dort unglaublich viel verdient. Zu meiner Verteildigung muss ich sagen das es anno 1998 auch noch nicht so weitreichende technische Möglichkeiten gab sich zu informieren. Tja und nun das, am Ende des Monats bleibt eigendlich nichts mehr nach :( Ich muss für zwei arbeiten und kriege nur für eine halbe Person bezahlt. Wie lange ich das noch durchziehen werde habe ich keinen Plan, manchmal fahre ich aber sehr schnell mit dem Auto.

Ungläubiger | 15. Juli 2011 - 17:15 2011-07-15

@perry
Es freut mich immer wieder zu lesen, dass es Kollegen gibt die im Baubereich gut verdienen - aber 75.000 € (brutto) im Jahr klingt doch eher unwahrscheinlich und schon gar nicht mit lediglich 3 Jahren Berufserfahrung. Es sei denn, es handelt sich um jemanden der z.B. in das elterliche Bauunternehmen oder Ingenieurbüro eingestiegen ist, aber für den überwiegenden Teil aus den typischen Bereichen wie Bauleitung, Tragwerksplanung, etc. bleibt diese Gehaltsgruppe nur ein Wunschgedanke wie man aus vielen anderen Beiträgen in diesem Forum entnehmen kann.

perry | 14. Juli 2011 - 10:27 2011-07-14

@BG
..ich stimme dir zu; ich bin seit 2007 fertig und hatte nie größere probleme. ich wohne und arbeite im rhein-main-gebiet. habe "nur" einen fh-abschluß und kann berichten, dass alle, die mit mir den abschluß gemacht haben keinerlei probleme mit der jobfindung hatten. auch gehaltstechnisch kann ich mich nicht beklagen. wir liegen alle mit etwa 3 jahren berufserfahrung zwischen 40.000 und 75.000 euro pro jahr (brutto, einschl aller zulagen) selbstverständlich ist fast keiner in ein statikbüro oder in die klassische bauleitung gegangen. zudem habe ich ein zeiterfassungsgerät und da wird sekundenscharf die zeit gemessen.

fazit: ich bereue es nicht diesen weg eingeschlagen zu haben, was die zukunft bringt kann man nur schwer sagen, dennoch bin ich guter dinge in meinem job. letztlich ist jeder selbst für sein glück verantwortlich! leider ist es auch so, dass die zufriedenen weniger einträge verfassen, als die unzufriedenen, das kann man im internet immer wieder sehen.

Tiefbauer | 13. Juli 2011 - 21:05 2011-07-13

Hallo zusammen,

ich verfolge die Meinungen, Beiträge und Diskussionen hier nun auch schon ein ganze Weile und kann mich als erstes Equilibrium nur anschließen, dass dies hier eine sehr gute Plattform ist um sich zu informieren und Erfahrungen schon länger gedienter Kollegen zu hören. Denn wo sonst wenn nicht in solch einem Forum soll bzw. kann man sich einen tieferen Einblick holen. Daher finde ich es auch gut, dass zum Teil auch mal etwas provokantere Thesen oder Fragen in den Raum gestellt werden.

Ich kann sagen (und hier spreche ich jetzt ausschließlich von mir) zum Beruf des Bauingenieurs gibt es für mich zur Zeit keine Alternative, da ich sagen wir mal Überzeugungstäter aus Leidenschaft bin. Ich bin über den zweiten Bildungsweg zum Bauingenieur gekommen. Allerdings nicht ohne schon vorher im Bauwesen tätig gewesen zu sein. Ich bin gelernter Bauzeichner. Den Beruf des Bauingenieurs würde ich auch bei weitem nicht gar so negativ darstellen wie es hier teileweise schon geschehen ist. Denn ich sehe den Beruf durchaus als sehr facetten- und abwechslungsreich. Man siehe hierzu nur mal die verschiedenen Bereiche und Betätigungsfelder wie z.B. Hochbau, Tiefbau, Ingenieurbau -> Planung, Bauleitung, Projektmangement, Projektsteuereung. Ich finde wenn jemand eine Affinität zum Bau hat und sich überlegt in diesen Bereich zu gehen, gehört allerdings auch ein bisschen mehr dazu als nur zu lesen was alles negativ und schlecht ist. Hier sollte sich jeder an die eigene Nase fassen und seinen Neigungen entsprechend versuchen sich zu orientieren.

Ich möchte hier auch nicht versuchen alles zu beschönigen. Auch ich habe meine Erfahrungen gesammelt die nicht alle durchweg positiv waren, doch ich habe versucht daraus zu lernen und die Fehler oder auch Erfahrungen aus der Vergangenheit für die Zukunft zu nutzen. Vielleicht sollte der ein oder andere mal über solche Schritte nachdenken, bevor er sich komplett der Resignation hingibt.

Es gibt durchaus auch noch Branchen und Bereiche in denen Bauingenieure gesucht und auch gut bezahlt werden. Ich bin z.B. nun seit einiger Zeit als Projektleiter für Tiefbaumaßnahmen bei einem großen Standortbetreiber in der chemischen Industrie und werde hier auch nach Tarif der chemischen Industrie bezahlt und kann sagen, dass dies kein Vergleich zu meinen früheren Tätigkeiten bei kleineren und mittleren Ingenieurbüros und auch dem öffentl. Dienst ist. Kurz gesagt es gibt noch Möglichkeiten seinen Beruf auszuüben und dabei auch noch Geld zu verdienen und das alles ohne 50-60+ Stundenwoche.

Equilibrium | 12. Juli 2011 - 07:28 2011-07-12

@Ole:
Ich finde es absolut in Ordnung, wenn Bauingenieure in diesem Forum ihre zum Teil negativen Erfahrungen im Bauwesen schildern. Warum qualifizierst Du das als Jammern ab? Du schreibst ja selbst, dass sich die Abiturienten vor der Studienwahl über die Perspektiven im späteren Beruf informieren sollen. Ja wo denn, wenn nicht auch insbesondere hier? Die Aussagen der Bauwirtschaft zu den Berufsaussichten künftiger Absolventen dürfen sehr wohl angezweifelt werden. Selbst im tiefsten Tal der Baurezession wurde um neue Studienanfänger geworben. Je mehr Leute Bauingenieurwesen studieren, desto größer ist am Ende die Auswahl für die Unternehmen und die schlechten Absolventen werden dann halt Taxifahrer oder schulen um auf Berufsschullehrer.

Die Informationen, die von bestimmten Magazinen jährlich für die Abiturienten zusammengetragen werden, bestehen auch oft nur auf der unreflektierten Wiedergabe vom zusammengesuchten Zahlen – ohne jegliches Insiderwissen über die Branche. Woher sollen Journalisten denn auch wissen, ob Bauingenieur denn nun gerade ein guter Beruf ist? Also fragt man doch am besten die Bauingenieure selbst und genau diese Möglichkeit bietet doch dieses Forum. Dass dabei die Antworten der Forumsteilnehmer je nach persönlicher Einschätzung unterschiedlich ausfallen, ist dabei natürlich klar. Aber wer sich hier im Forum als frisch gebackener oder künftiger Abiturient ein paar Stunden umschaut, wird schnell merken, dass die Baubranche – vorsichtig ausgedrückt – ein schwieriges Umfeld ist.

Ole | 11. Juli 2011 - 07:05 2011-07-11

Langsam aber sicher geht mir das ganze Gejammer hier echt auf die Nerven. Soweit ich informiert bin wurde Niemand zum Bauwesen gezwungen, jeder der in den letzten 10 Jahren fertig geworden ist, haette wissen koennen, wie es auf dem Bau aussieht. Das war doch kein gut behuetetes Geheimnis. Dieses permanente Gejaul ueber absolut daemliche Zunkunftsplanung ist eigentlich fast nicht mehr zu ertragen. Wenn ich schon im Studium merke, das mich der Stoff nicht reizt, warum macht man dann weiter? Das Bauingenieure nicht gut bezahlt werden ist seit Mitte der 90ger klar und das Deutschland eigentlich aufgebaut ist auch.

1992 habe ich Zimmermann gelernt und es gab 1.6 Mio Beschaeftigte im Bauhauptgewerbe, heute gibt es so um 680.000. Das der Bedarf an Bauingenieuren dann nicht steigt ist doch wohl offensichtlich. Wenn man sich auch nur 30 Min im Internet informiert haette wuesste man, das seit 1996 eigentlich die Luft raus ist und es auch nicht zu erwarten ist, das es besser wird. Jedenfalls nicht so gravierend wie sich das viele wuenschen. Ole

kakadou | 10. Juli 2011 - 22:18 2011-07-10

@thx - so wird das nix! Es ist eines, zu wissen, was man NICHT will. Damit ist aber nicht automatisch klar, wohin die Reise gehen soll. Dazu muss man wissen, wohin man möchte. Irgendwie Maschinenbau, vielleicht Behörde, besser Aldi, was macht Dir denn Spaß? Wo bekommst Du leuchtende Augen? ein heissgeliebtes Hobby? Quereinstieg ist möglich - ich bin auch Quereinsteiger (Tiefbau) und zwar bereue ich, nicht zusätzlich zu meinem Fach Bauingenieurwesen studiert zu haben, Doppelabschluss hätte ich sicher gepackt. Ich bin von Baustellen völlig fasziniert und ich baue auch selber jede freie Minute an irgendwas. Baumaschinen erfreuen mich aber ebenso, und konsequenterweise habe ich mich inzwischen an den (Bau)-Maschinenbau angepirscht.

Zahlreiche Menschen in meinem Bekanntenkreis sind beruflich unglücklich. Ein Arzt, der besser Musiker geworden wäre und ein Elektroniker, der als Tauchlehrer seine Bestimmung gefunden hätte (beide waren nicht mutig genug und würden jammerfaktormäßig perfekt in dieses Forum passen). Aber auch ein glücklicher Architekt, ein zufriedener Beamter und und und. Du musst Deinen eigenen Weg gehen!

Bewirb Dich da, wo Du hin willst, nicht dahin, wo ein Forum was von tollen Aussichten und gutem Gehalt brabbelt. Hast Du Sonderinteressen? Sprache (Fachübersetzer?), Kunst, Sport, Modellbau. Analysiere, welche Arbeitsbedingungen Du brauchst: Kontakt zu vielen, auch fremden Leuten: Handel, Vertrieb, Beratung, Organisation.

Tür zu und Ruhe: Konstruktion, Statik, Planung, Kalkulation, einen Teil der kaufmännischen Tätigkeiten, Maler, Schriftsteller

Teamwork in bestehendem Team: Bauleitung, Planung, Forschung+Entwicklung, Musik, Sport, kreative Teamberufe, Konstruktion.

Eigener Chef sein: Selbstständig machen oder als angestellter GF/Abteilungsleiter.

Sorgfältig aber nicht verantwortlich arbeiten: Wissenschaftler, Sachbearbeiter, Planung, Konstruktion, Qualitätskontrolle.

Dazu dann eben das, was leuchtende Augen verursacht. Also ob Du Stützen bemisst oder Wellenlager hängt von Deinem Interesse ab, aber beides findet "im stillen Kämmerlein" statt. Ob Du Baumaschinen, Fahrräder, ... vertreibst oder Events organisierst: Beides braucht den Kontaktfreudigen, ist aber inhaltlich völlig unterschiedlich.

Vergiss die Gehaltsfrage. Was Du gern machst, machst Du gut, was Du gut machst, wird man Dir über kurz oder lang auch entlohnen. Viel Glück bei der Suche!

PS: Unterschätze andere Berufe nicht: "jetzt Lehrer locker packen"....ein Lehrer hat auf einem normalen Schulausflug bereits mehr Verantwortung für Menschenleben als ein Statiker in seiner Laufbahn.

Equilibrium | 10. Juli 2011 - 16:40 2011-07-10

@serc: Wenn jemand unbedingt Bauingenieurwesen studieren will, weil er vom Bauen bzw. den Bauwerken fasziniert ist, dann kann das Studium unter Umständen sinnvoll sein - vorausgesetzt man hat keine allzu hohen Ansprüche an den künftigen Lebensstandard. Wenn jemand aber einfach nur technisch und mathematisch begabt ist und daher ganz allgemein den Wunsch nach einem Ingenieurstudiengang hat, dann sollte das Bauingenieurwesen wohl eher die letzte Wahl sein.

Ich habe in den 90er Jahren (auch mit einem Einser-Abitur) an einer renommierten Hochschule Bauingenieurwesen studiert und anschließend noch mit Auszeichnung promoviert. Mein Arbeitgeber ist sicherlich einer der besten in Deutschland und zahlt ein (vergleichsweise!) hohes Gehalt. Meine Karriere dort verläuft sehr gut und die Chefs sind zufrieden mit mir. Unterm Strich bin ich aber in einer maroden Branche gelandet, was man leider permanent im Alltag merkt. Man merkt es am Fuhrpark des Unternehmens (dort stehen Autos, bei denen man manchmal schon Sicherheitsbedenken hat, diese noch zu benutzen), man merkt es an den Bürogebäuden (wo der verblichene und abgenutzte Teppich von vor über 20 Jahren immer noch seinen Dienst tut), man merkt es am Anspruchsdenken der Chefs (zahllose Überstunden sind vorausgesetzt und wer - wie ein ehemaliger Kollege - nicht voll mitzieht bekommt Sprüche wie "dann haben Sie sich den falschen Beruf ausgesucht"), man merkt es an den Hotels, die für einen bei Außenterminen gebucht werden und in denen man privat eher nicht absteigen würde. Im Bauwesen muss immer alles billig sein. Das gilt nicht nur für die Baustelle, sondern für alle am Bau Beteiligten inklusive (und vor allem) für deren Gehälter.

Diese Denkweise, dass alles billig sein muss und Bauingenieure auch billig zu haben sind, wird in dieser Branche noch Jahrzehnte anhalten - selbst dann, wenn man sich schon lange über mangelnden Nachwuchs ärgert. Baufirmen finden es jetzt schon schlimm, dass man inzwischen aktiv eigene Stellenanzeigen schalten muss, da man mittlerweile nicht mehr jede Woche Dutzende von Initiativbewerbungen auf dem Tisch liegen hat.

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