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Ausgabe 6481 | Nr. 139 | 18. Jahrgang
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Berufseinstieg/Konjunktur im Bauingenieurwesen » Seite 10

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Tom | 12. Juli 2007 - 09:08 2007-07-12

Hallo Mathias,



ich behaupte schon, daß die meisten, die Arbeit suchen, auch welche finden. Nur gibt es nicht für jeden die Traumstelle im namhaften Planungsbüro oder einem großen Baukonzern. Wer flexbil ist und auch als Ing. die Arbeit in einem kleinen mittelständischen Unternehemen (incl. Schmutz und mal einer zerrissenen Jeans) nicht scheut, findet in der sehr weitläufigen Baubranche seinen Platz.



Bei uns im ländlichen Raum kennt man sich, so daß man relativ schnell Kontakt zu potentiellen Arbeitgebern aus Wirtschaft und Öffentlichen Dienst bekommt, wenn man sich erst einmal dazu hergibt, für etwas weniger Geld zu arbeiten.



Tom

Werner | 19. Juli 2007 - 17:31 2007-07-19

Hallo zusammen,



ich kann vielleicht etwas Licht ins Dunkel bringen bezüglich der Frage, warum die großen Bauunternehmen vom mangelnden Nachwuchs reden, obwohl offenkundig viele Bewerber Schwierigkeiten haben, einen Job zufinden. Ich arbeite in der Konzern-Zentrale eines sehr großen deutschen Bauunternehmens und bekomme mit, wie sich derzeit einige Führungskräfte (der mittleren Ebene) Sorgen über den mangelnden Nachwuchs machen. Dazu muss man folgendes sagen:



1.) In der Abteilung, in der ich arbeite, werden praktisch ausschließlich Berufsanfänger unmittelbar nach ihrem Diplom oder der Promotion eingestellt. Dies hängt damit zusammen, dass die großen Baunternehmen - im Unterschied zu fast allen anderen am Bau Beteiligten - ihren Nachwuchs gerne selbst ausbilden, weil sie ihn dann noch "formen" können. D. h. die großen Firmen klagen bereits, wenn die Absolventenzahlen sinken und unabhängig davon, ob es nicht insgesamt doch noch genügend Bauingenieure gibt. Quereinsteiger in die großen Firmen gibt es zwar auch, allerdings sind dann oftmals Spezialisten oder Führungskräfte gesucht.



2.) In den letzten 10 bis 15 Jahren hat sich bei den großen Firmen eine gewisse Arroganz breit gemacht: Unsere Abteilung schreibt z. B. keine Stellenangebote aus. Die Anzahl der Initiativbewerbungen war in den letzten Jahren so hoch, dass dies einfach nicht notwendig war. Auf meine Frage gegenüber einem älteren Kollegen, warum wir denn jetzt nicht damit anfangen, hieß es nur: "Die Bewerber sollen sich von allein bei uns bewerben. Das zeichnet einen guten Bewerber aus." Dazu muss ich anmerken, dass in diesem Fall Initiativbewerbungen DIREKT an unsere Abteilung gemeint sind und NICHT die standardmäßigen Initiativbewerbungen an die Firmenzentrale/Personalabteilung. Jetzt muss man sich nur noch vor Augen halten, dass die Baubranche bereits jammert, weil sich nicht mehr hunderte von Ingenieuren die Mühe machen, zunächst nach unserer Abteilung zu recherchieren (wir sind auf der Homepage übrigens nach außen überhaupt nicht sichtbar), während es in anderen Branchen üblich ist, dass selbst Topfirmen wie Audi oder Siemens sogar noch die Mensa-Tabletts mit Hochglanz-Werbesprüchen im DIN-A3-Format bedrucken, um die Studenten von einer Karriere in ihrem Unternehmen zu überzeugen.



Die Baubranche jammert auf allerhöchstem Niveau. Man ist es in keinster Weise mehr gewohnt, sich aktiv um Nachwuchs zu kümmern. Und man darf bei der Diskussion auch nicht vergessen, dass viele große Firmen den Anspruch besitzen, weit überdurchschnittliche Absolventen einzustellen (ich rede hier nicht unbedingt von der Note und der Studiendauer, sondern vom Gesamtbild des Bewerbers inkl. Praktika, der besuchten Uni, außeruniversitären Leistungen, Sprachen u.ä.).



D.h., selbst wenn es zahlenmäßig noch genügend Bauingenieurabsolventen gibt, sind die Firmen sehr unzufrieden, weil sie von ihrem Anspruchsniveau etwas herunter kommen müssten.

Mathias | 23. August 2007 - 14:50 2007-08-23

Juni 2007:



"In einer Vielzahl unserer Mitgliedsbetriebe ist die Auftragssituation weiterhin nicht befriedigend, so dass dort auch kurz gearbeitet werden muss. Darüber können die veröffentlichten positiven Branchendaten nicht hinweg täuschen," erklärte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, Dr.-Ing. Hans-Hartwig Loewenstein.



Marc. | 24. August 2007 - 09:28 2007-08-24

... suchet und die Pessimisten werden immer etwas Negatives finden, egal wie die allgemeine Lage tatsächlich ist. Und jegliche Anstrengung wird überfüssig, da ja eh alles hoffnungslos schlecht ist.



Aber gut, dass es genügend Menschen gibt, die etwas optimistischer und mit mehr Leidenschaft durch das Leben gehen.

Ole | 29. August 2007 - 15:03 2007-08-29

Hallo zusammen,



ich habe diese Diskussion nun schon seit einiger Zeit verfolgt. An anderer Stelle im Forum habe ich auch schon mal auf meine Anfangszeit hingewiesen. Diese war in finanzieller Hinsicht alles andere als bezaubernd.



Was mir hier jedoch zu kurz kommt, ist die Leidenschaft für den Beruf. Natürlich gehört eine anständige Entlohnung auch dazu, aber aus meiner Sicht eben noch viel mehr. Wenn ich morgens auf die Baustellen komme und der Geruch von abbindendem Zement so durch die Räume weht, ich meine bevor es laut wird, finde ich meinen Beruf echt toll.



Meine Eltern haben ein Bauunternehmen und ich bin schon als Kind gerne mit auf Baustellen gewesen, ich kann mir nichts schöneres vorstellen. Jeden Tag gibt es etwas neues, es gibt kaum kreativere Berufe als die von Ingenieuren. Sicherlich wird es viele wenn´s und aber´s geben.



Der Hauptgrund Bauingenieurwesen zu studieren, hatte bei mir mit einer Gehaltsvorstellung nichts zu tun. Mir wird der Beruf in vielen Artikeln viel zu sehr auf das finanzielle Sicht reduziert. Man soll doch das machen, was einem Spaß macht. Ich arbeite jedenfalls gerne in diesem Beruf, auch wenn der nicht so toll bezahlt wird wie Maschbau oder E-technik. Und ganz am Ende kann es denn so schlimm mit der Entrüstung nicht sein. Ich habe vor einiger Zeit in einem anderen Komentar aufgerufen, eine deutschlandweite- noch besser wäre europaweite -Interessenvertretung für Bauings zu gründen. Eine art Gewerkschaft eben. Fedback = 0. Falls einer tatsächlich der Meinung ist, er könnte seine Rechte alleine duchsetzen, erinnere ich an die Arbeitskämpfe des späten 19 und frühen 20 Jahrhunderts. Glaubt wirklich jemand irgendein Arbeitgeber rückt freiwillig mehr Geld raus?



Wenn ich mir dann noch den normalen Umgang auf Baustellen, vor allem in Deutschland, anschaue, wo Handwerker auf Preise gedrückt werden, die sicherlich nicht auskömmlich sind, was jedoch keinen davon abhält, in der Schlußrechnung nochmal 20% mit relativ konstruierten Begründungen abzuziehen, dann muss ich mich doch nicht wundern, wenn ich als Teil des Ganzen genauso doof aussehe.



Na ja, ich bemühe mich jedenfalls so fair wie möglich mit allen umzugehen und fahre eigentlich auch ganz gut damit, und mir macht der Beruf nach wie vor Spaß. Wer generell mit den Gehältern in Deutschland unzufrieden ist, aber den Beruf mag, sollte mal über die Grenzen schauen. Die Briten und Iren zahlen irre gut. Auch Skandinavien ist nicht schlecht aber die Sprachen... .



MFG Ole

Michael | 29. August 2007 - 15:43 2007-08-29

Hallo,



vieles ist über die Konjunktur am Bau und über die Bezahlung geschrieben worden. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Sicht unserer unmittelbaren Nachbarn auf Deutschland, seine Konjunktur und über das Gehaltsniveau.



Aus einem Artikel einer Schweizer Sonntagszeitung aus dem April 2007: (Armenhaus...na ja)



Der Ansturm der deutschen Arbeitskräfte in die Schweiz hat vor allem einen Grund: Deutschland hat sich innerhalb weniger Jahre mutwillig zum Billiglohnland und zum Armenhaus gemacht. Selbst im "Boomjahr" 2006 gingen die Löhne weiter zurück.



Deutschland erlebt zurzeit einen Boom: Das Statistische Bundesamt meldet für 2006 ein Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent. Doch man muss genauer hinsehen: Gestiegen sind auch 2006 nur die Gewinne, nämlich um rund 30 Milliarden Euro. Die Summe aller Löhne hingegen ist trotz leicht zunehmender Beschäftigung erneut gesunken – und das mitten im Aufschwung!



Das geht schon lange so. Seit inzwischen zehn Jahren tut sich in Deutschland punkto Reallohn gar nichts mehr. Die Kaufkraft der Löhne ist in dieser Zeit um 5,1 Prozent gesunken. Das ist einmalig in der Nachkriegsgeschichte. In den Jahren zuvor waren auch in Deutschland jährliche Reallohnsteigerungen von 1 bis 3 Prozent üblich.



Dieser Lohnzerfall ist nicht die zwingende Folge der Konkurrenz aus den Billiglohnländern – sonst wären in Deutschland die Gewinne gesunken und hätten auch andere Industrieländer ihre Reallöhne nicht erhöhen können. Deutschlands Misere ist das Ergebnis einer bewussten Politik. Das Stichwort heisst "Lohnzurückhaltung". Deutschland war Mitte der Neunzigerjahre mit einem hohen DM-Kurs in den Euro eingestiegen und hat versucht, seine Konkurrenzfähigkeit zu verbessern.



Das ist geglückt: Deutschlands Lohnkosten sind im Vergleich zur Konkurrenz um 15 bis 30 Prozent gesunken. 2006 wurde ein Exportüberschuss von 162 Milliarden Euro erzielt. China, das andere grosse Billiglohnland, brachte es bloss auf 135 Milliarden Euro Überschuss.



Symbol und Kernstück der Politik der Lohnzurückhaltung ist die drastische Kürzung des Arbeitslosengeldes: Nach einem Jahr Arbeitslosigkeit sinkt es für Alleinstehende auf 345 Euro plus 318 Euro Wohngeld. Doch auch diese Mini-Leistungen (rund 1100 Franken monatlich) werden erst gewährt, wenn das eigene Vermögen (falls vorhanden) aufgebraucht ist. Dieser "Stachel der Armut" macht auch Hungerlöhne von weniger als 6 Euro attraktiv.



Das eigentliche Drama spielt sich deshalb am unteren Ende der Lohnskala ab. Dort sind die Löhne regelrecht eingebrochen. Das betrifft nicht nur die Krisenbranchen, sondern generell die Leute, die aus der Ausbildung oder aus der Arbeitslosigkeit in das Berufsleben einsteigen. Für diese rund 10 Millionen Arbeitssuchenden sind die Lohnaussichten inzwischen so mies, dass die Schweiz geradezu als Paradies erscheint. (Siehe Lohnvergleich).



Wie "abartig" sich Deutschland in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hat, zeigt der Vergleich mit anderen Ländern: Überall sonst sind die Löhne gestiegen. Ausserhalb der Euro-Zone waren jährliche Reallohnzuwächse von 2 Prozent und mehr an der Tagesordnung – genau so wie einst auch in Deutschland. Die relativ bescheidenen Lohnzuwächse in Frankreich und in der Schweiz zeigen aber auch, dass Deutschlands Lohndumping (via Auswanderung und durch die billigen Exporte) auch das Lohnniveau der direkten Nachbarn und Konkurrenten gedrückt hat.



Der Schweizerische Gewerkschaftsbund und das Staatssekretariat für Wirtschaft, Seco, wollen zwar von einem Lohndruck nichts wissen. Doch das sind politische Stellungnahmen. Andere sind weniger befangen. So hat etwa Nationalbankpräsident Jean-Pierre Roth neulich in der "Finanz und Wirtschaft" die Frage, ob die Freizügigkeit die Löhne nach unten drücke, wie folgt beantwortet: "Man kann vermuten, dass angesichts der grösseren Flexibilität das Salärniveau weniger steigt als in ähnlichen konjunkturellen Situationen in der Vergangenheit".



Vor diesem Hintergrund stellt sich die bange Frage, ob Deutschland seine Billiglohnpolitik weiterführen wird. Die Hoffnungen sind leider gering: Erstens gibt es kaum Anzeichen dafür, dass sich der exportgetriebene Aufschwung in Deutschland zu einem selbst tragenden Boom ausweitet. Dazu sind die privaten Konsumausgaben viel zu schwach. Daran dürfte sich auch in Zukunft nicht viel ändern.



So hat etwa das in Deutschland angesehene Institut für Weltwirtschaft in Kiel dringend für eine erneute Nullrunde bei den Löhnen – somit also für einen Rückgang der Reallöhne um rund 2 Prozent – plädiert. Dass die Renten nicht erhöht – also real um 2 Prozent gesenkt werden – ist bereits beschlossene Sache. Und schliesslich bremst auch die Europäische Zentralbank. Ihr Präsident Jean-Claude Trichet hat kürzlich offen mit einer Zinserhöhung gedroht, falls Deutschlands Löhne zu stark steigen sollten.



Deutschland wird wohl noch lange Zeit ein Auswanderungsland bleiben.



Gruß aus dem hohen Norden

Michael

Tiefbau | 30. August 2007 - 14:38 2007-08-30

Hallo Michael,



ist ja wirklich schon fast beschämend, dass sich unsere Nachbarn in einer Sonntagszeitung so für unser Land interessieren. Aber wenn man die Zahlen sieht und sich alles noch mal vor Augen hält, vergeht einem fast das Lachen. (Wenn man es noch kann)



Wenn man dann noch den Aussagen der Zeitung im Bezug auf das angesehene "Institut für Weltwirtschaft" in Kiel glauben schenkt und noch die fast schon erpresserische Drohung des Präsidenten der "Europäischen Zentralbank" nimmt, fühlt man sich doch von unseren Politikern nicht nur auf den Arm genommen sondern, schon eher im Stich gelassen.



Sind wir in Deutschland so erpressbar oder ist es unseren Politikern so egal, was mit den Bürgern passiert, Hauptsache die Zahlen nach außen stimmen? (Zitat: Das ist geglückt: Deutschlands Lohnkosten sind im Vergleich zur Konkurrenz um 15 bis 30 Prozent gesunken. 2006 wurde ein Exportüberschuss von 162 Milliarden Euro erzielt. China, das andere grosse Billiglohnland, brachte es bloss auf 135 Milliarden Euro Überschuss.)



Denken die also wirklich nur an ihren eigenen Geldbeutel? Gibt es überhaupt Überlegungen zur Steuererleichterung der Bürger oder werden Überschriften wie "Wie machen wir unser Land attraktiver für ALLE?" gleich der Ablage P (Ablage Papierkorb) zugeordnet?



Da fällt einem der nächste Gang zur Wahlurne schon schwer. Nicht aus dem Grund, dass einem so langsam alles egal ist, sondern viel eher aus dem Grund, dass man heute nicht mehr weis, wo man sein Kreuzchen platzieren soll.



Das uns die "Große Koalition" nicht wirklich weiter bringen würde, war so manchem ja schon nach den ersten Hochrechnungen klar. Aber sieht man nicht aus einem solchen Wahlergebnis die Verzweiflung aller?



Die fast parallel laufende Diskussion und Verabschiedung eines Erlasses zum leichteren Erhalt einer Arbeitserlaubnis für Führungskräfte und Ingenieure aus dem Ausland in Deutschland ist dann ja fast schon paradox.



Ich denke, dass dies aber nur für wenige von Interesse sein wird und auch nur wenige Sparten betrifft. Uns am Bau wird dies gar nicht tangieren. Wer will schon in einem "Billiglohnland" anheuern?



Wenn man das alles etwas ironisch sehen darf, liegt es aber sicher nicht an unseren Politikern sondern wohl eher an der Fußballnationalmannschaft und das wir nicht Weltmeister geworden sind und somit das Wirtschaftswunder Deutschland doch ausbleibt.



Michael, ist es möglich einen Auszug des Berichts aus der Schweizer Sonntagszeitung zu bekommen?



Einen etwas deprimierten Gruß aus dem Saarland.

Tiefbau

Michael | 31. August 2007 - 10:05 2007-08-31

Hallo Tiefbau,



ich hatte den Artikel zufällig in einem Thread über die aktuelle Diskussion über fehlende Fachkräfte in Deutschland gefunden.



Dieser Auszug stellt aber fast den gesamten Artikel dar. Übrigens: Das in meiner Heimatstadt ansässige Institut für Weltwirtschaft wird nicht müde, immer wieder völlig überholte Meinungen gebetsmühlenartig in die Welt zu posaunen; Keine Mindestlöhne, völlige Deregulierung des Arbeitsmarktes, Einschränkungen des Kündigungsschutz, Einführung individueller Regelungen, Beschneidung von Tarifabschlüssen etc., sozusagen die gesamte Munition aus der neoliberalen Mottenkiste.



Wenn das wirklich stimmen würde, würden die wirtschaftlich erfolgreichen und sozial stabilen Staaten wohl alle in Afrika sitzen, denn dort ist fast nichts geregelt und fast alles frei verhandelbar, einschließlich Leibeigenschaft.



Man muß nicht ein Linker sein, wenn man die gesellschaftliche Fehlentwicklung in Deutschland kritisiert! Aber ich habe Hoffnung, das Pendel schlägt langsam um!



Gruß aus dem hohen Norden

Michael

auchBauingenieur | 31. August 2007 - 14:40 2007-08-31

Hallo,



ich will hier mal meine persönlichen Ansichten schildern. Die Lage im Bauwesen in Deutschland hat sich in den letzen beiden Jahren spürbar verbessert, d. h. von "katastrophal" auf "sehr mies" bis "mies".



Speziell Ende des letzten Jahres und dieses Jahr werden verstärkt Bauingenieure gesucht. Das heißt aber nicht, dass die Arbeitgeber/Auftraggeber bereit sind, Ingenieursgehälter für diese zu bezahlen. Am 30.08.07 lief im SWF-Fernsehen ein Bericht über Ingenieurmamgel und dabei wurde eine Baufirma R... aus Baden-Württemberg gezeigt. Bei dieser Firma hatte ich im übrigen auch ein Vorstellungsgespräch vor 3 Jahren, Einstiegsgehalt 2.000 € Brutto. Da wundert es mich nicht, dass diese Firma/Firmen keine Nachwuchsingenieure gewinnen können.



Ich erachte selbst Tarifgehälter, die bei großen Baufirmen gezahlt werden, z. B. für Bauleiter, für viel zu niedrig. 3100 € Brutto bei 12,5 Jahresgehältern für tarifliche Arbeitszeit von 43 Std. im Sommer/ 39 Stunden im Winter. Unbezahlte Überstunden und das Durcharbeiten der Mittagspause werden stillschweigend zusätzlich gefordert, wodurch sich eine tatsächliche Arbeitszeit von 60 Stunden/Woche ergibt.



Zum Vergleich: ein Schulfreund früherer Tage arbeitet in Ostdeutschland und erhält als Maschinenbauingenieur auch 3100 € Brutto bei 13,5 Jahresgehältern für eine 35-Stundenwoche! Überstunden bekommt er für jede Stunde extra bezahlt!



Durch diese Erfahrungen bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass es noch zu keinem Mangel an Bauingenieuren in Deutschland gekommen ist. Erst wenn im Bauwesen Überstunden bezahlt werden und die Arbeitszeit unter 37 Stunden sinkt, und der Arbeitsstress nachlässt, glaube ich an einen Bauingenieurmangel in Deutschland.



Ob das jemals der Fall sein wird, wage ich zu bezweifeln, weil scheinbar immer noch zu viele junge Menschen auf die Propaganda von Wirtschafts-, Hochschul- und Gewerkschaftsvertretern hereinfallen, die aus unterschiedlichen Gründen die Baubranche bzw. den Beruf Bauingenieur in den Himmel loben. Bei jeder Gehaltsverhandlung zeigt sich ja dieser Mangel aufs neue.

Tiefbau | 01. Oktober 2007 - 14:34 2007-10-01

Handelsblatt Nr. 154 vom 13.08.07 Seite 5, 13.08.2007



Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst

Beamtenbund fordert Konsequenzen in der Besoldungspolitik



[...]PETER THELEN | BERLIN Der Deutsche Beamtenbund hat vor einem massiven Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst ab 2012 gewarnt.[...][...]"Wenn wir nicht schon heute in der Besoldungspolitik gegensteuern, wird der öffentliche Dienst den in den nächsten Jahren immer härter werdenden Wettbewerb mit der Privatwirtschaft um die besten Köpfe verlieren", warnte der Vorsitzende des Beamtenbunds Peter Heesen im Gespräch mit dem Handelsblatt. [...][...]Bei IT-Fachkräften unterliege die öffentliche Verwaltung wegen der schlechten Besoldung regelmäßig im Wettbewerb mit der privaten Wirtschaft.[...][...]"Mit den heutigen Besoldungsstrukturen, deren Wurzeln im Anfang des vergangenen Jahrhunderts liegen, werden wir den damit drohenden Wettbewerb um Fachkräfte mit der gewerblichen Wirtschaft nicht bestehen können."[...][...]So seien angesichts der damals noch klammen Kassen der öffentlichen Arbeitgeber die Anfangsvergütungen im Tarifbereich noch 2005 sogar um zehn Prozent abgesenkt worden.[...]

buddelflink | 09. Oktober 2007 - 01:46 2007-10-09

Ich habe die Nase voll gehabt von Deutschland, nachdem ich ueber 4 Jahre fuer ein Planungsbuero im Osten gearbeitet hab. Bin dann 2006 ausgewandert und muss sagen, ich bin in England nicht unzufrieden.



Schau manchmal nach Deutschland zurueck und denke mir, wie komisch dass doch waer, wenn ich mich immer noch mit diesen Problemen herumschlagen muesste. Hab nicht vor, innerhalb der naechsten 5 Jahre nach Deutschland zurueckzukehren. Ich beobachte die Entwicklung aber mit einem Laecheln und weiss, dass sich meine Chancen von Jahr zu Jahr verbessern.



Warum sollte ich also nicht auch die Arbeitgeberarroganz, die mir vor Jahren entgegengebracht wurde, in ein paar Jahren zurueckgeben, wenn ich dann ein unverschaemt hohes Gehalt fordere, damit die mich dann als Projektmanager mit 10 Jahren internationaler Beruferfahrung wieder einsteigen lassen?



Ich glaube dass ist es wert. Der deutsche Arbeitsmark ist nicht nur arrogant und sehr engstirnig, die Unternehmenskultur und Umgehensweise miteinander ist echt auf einem Niveau, so dass arbeiten keinen Spass macht.



Ich gehe davon aus, dass sich auch dass langsam aber sicher aendern wird, und zwar in dem selben Masse, indem sich Arbeitgeber aendern muessen, damit sie noch gute Leute bekommen oder halten koennen.



Gruesse von der Insel

Lilith | 21. Oktober 2007 - 14:38 2007-10-21

Persönlichkeit des Bauingenieurs



Seit einiger Zeit habe ich mir die Frage gestellt, ob ich allein in der ungünstigen Lage bin, als Bauingenieurin für wenig Geld (2200 € brutto / 50-60 h/KW; ländliches Norddeutschland) zu arbeiten.



Vor ca. 2 Monaten habe ich aktiv nach Austauschmöglichkeiten im Medium Internet gesucht und bin hier in diesem Forum schnell fündig geworden. Aufgefallen ist mir vor allem die hohe Frequenz dieser Themen (Gehälter bei Ingenieurbüros: 8186 Views; Berufseinstieg/Konjunktur: 16051 Views), da fachliche Themen in diesem Forum im Vergleich dazu sehr wenig geviewt werden. Dieser Sachverhalt hat mir deutlich gemacht:



1.) Ich bin nicht allein

2.) Der "Leidensdruck" unter den Kollegen ist hoch



Ich weiß aus Gesprächen mit Leuten aus anderen Branchen, dass es woanders auch nicht rosig aussieht, aber was die "freiwillige" Ableistung von Überstunden ohne finanziellen bzw. Freizeitausgleich angeht, sind wir Bauings doch recht anfällig.



Meine Situation:

Ich bin nicht mehr bereit, die nach Aussage meines Chefs ja ach so üblichen Überstunden in der Baubranche für lau zu leisten und habe ihm dieses in einem persönlichen Gespräch deutlich gemacht. Nach einigem hin und her ist er auf meine Forderungen eingegangen, Überstunden werden seitdem gelistet und ausgeglichen. Geht doch!



Das macht mich zwar immer noch nicht wohlhabend, aber das Gefühl, nicht alles mit sich machen zu lassen, tut meinem Ego schon sehr gut. Die Überwindung für das Gespräch war allerdings recht hoch.



Da sich viele hier als Opfer der misslichen Umstände sehen, würde mich interessieren, ob schon ernsthafte Versuche unternommen worden sind, an der persönlichen Situation etwas zu ändern. Mir fiel es lange Zeit leichter, ein unglaubliches Arbeitspensum unter Druck zu leisten, als meine eigenen Belange durchzusetzen bzw. überhaupt anzusprechen. Ach, was kann ich alles leisten, und "das habe ich "geschaffen"", verschafft dem Bauingenieur vielleicht schon die Bestätigung, worüber er hinaus seine eigenen Interessen schon mal vergessen kann – mit Subunternehmern knallhart verhandeln und Termine durchdrücken; kein Problem – aber bei mir selbst? Nicht soo wichtig...



Gerade fällt mir noch ein weiterer Aspekt ein: Als Bauingenieur hat man einen Beruf gewählt, den viele während der Berufsfindungsphase wichtige Autoritätspersonen als "vernünftig" beurteilt und unterstützt haben. Oder: Viele Bauingenieure orientieren sich gerne an Autoritätspersonen, wollen diesen gefallen und sind nicht gerade die Rebellen. Vielleicht glauben wir deswegen so gern unseren Chefs, wenn diese uns sagen, dass unbezahlte Überstunden absolut üblich sind und "es" sonst nicht funktioniert, wenn wir nicht "mitziehen".



Man identifiziert sich dann eben mit dem Geschaffenen (oder dem Geschafften) und nicht mit dem eigenen Wert.



Ich weiß nicht, ob die Leser meinem Beitrag ganz oder teilweise entsprechen werden und natürlich ist auch der wirtschaftliche Druck mit verantwortlich für die derzeit schlechte Situation. Aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass die Persönlichkeitsstruktur des "gemeinen" Bauingenieurs bei der in diesem Forum behandelten Problematik eine Rolle spielt, so wie es bekanntermaßen z.B. das "Helfersyndrom" in den sozialen Berufen gibt.



Schöne Grüße aus Norddeutschland

Lilith

Michael | 24. Oktober 2007 - 14:32 2007-10-24

Hallo Lilith,



So ist es recht, Zivilcourage zu zeigen kann nur von Vorteil sein, schön, das Du den Mumm dafür aufgebracht hast. das Gehalt von 2.200 € brutto ist wirklich bescheiden, das müßte sich ja mittlerweile bei dem "Mangel an Bauingenieuren" drastisch nach oben verändern.



Sollte das mit dem Gehalt zukünftig weiter so mager laufen, kann ich als Empfehlung folgende Web-Seite empfehlen:



www.werde-lokfuehrer.de



mit freundlichen Grüßen aus dem hohen Norden

Michael

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