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Mittwoch, 23. Mai 2018
Ausgabe 6120 | Nr. 143 | 17. Jahrgang
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Meine Fragen an die Bauleiter bei großen Firmen

6 Kommentare | 2399 Aufrufe Kommentar hinzufügen
| 02. Dezember 2017 - 13:06

Ich habe gerade mein Bachelorstudium abgeschlossen und überlege, wie es mit mir weitergehen soll. Ich habe 2 Jobangebote zur Auswahl:

* unbefristet im öffentlichen Dienst bei Bundesbehörde mit Gehalt A11
* Bauleiter bei einer großen Baufirma mit >1500 Mitarbeitern im Bereich Infrastruktur (Auto + 11.000 Euro mehr (als im öffentlichen Dienst) + Essenszulagen + Mitarbeiterbeteiligung.

Ich tendiere wegen dem Geld natürlich eher zur Bauleitung, aber die ganzen Berichte über die zu erwartenden Arbeitszeiten verunsichern mich. Ich habe mich im Vorstellungsgespräch auch nicht getraut, das Thema anzusprechen.

Daher meine Fragen an die alten Hasen in den großen Baufirmen:
1. Sind Überstunden bei den großen Baufirmen mit dem Gehalt abgedeckt?
2. Werden Überstunden wie beim gewerblichen Personal erfasst und im Winter abgebummelt?
3. Wie viele Wochenstunden arbeiten Bauleiter im bauausführenden Gewerbe wirklich? (bitte ehrlich)
4. Wie schätzt ihr die Zukunftsaussichten als Bauleiter (Infrastruktur) ein? Stehen den Bauingenieuren in Deutschland goldene Zeiten bevor oder ist der momentane Bauboom nur eine kurzfristige Erscheinung?

Würde mich über ein paar Hinweise freuen, bevor ich mich ins Unglück stürze. Danke vorab!

forum-thread-2610
Baul. | 28. Januar 2018 - 13:05 2018-01-28

@Dominik:
Ich habe bisher zwei Jobs als Bauingenieur gemacht: Kleines Ingengieurbüro und anschließend große Baufirma als Bauleiter.

Zum Job des Bauleiters: Die einzige Motivation, warum du diesen Job ausüben solltest, sind meiner Meinung nach folgende 2: Entweder deine ganz große Leidenschaft ist der Bau, oder aber du willst (bestenfalls) zu Beginn deiner Karriere praktische Erfahrung sammeln. Das Verhältnis von Gehalt-Arbeitszeit-Verantwortung ist hier miserabel (ich arbeite bei einem der ganz großén Baufirmen mit sehr gutem Ruf! Und nein, ich habe mich nicht unter Wert verkauft: ca. 60.000 EUR Brutto Jahresgehalt + Auto + Handy etc..). Die Arbeitszeiten entsprechen tatsächlich dem eher schlechten Ruf. Schlimm ist, dass die Autofahrten nicht zur Arbeitszeit gezählt werden und deine Baustellen meist nicht direkt vor der Tür liegen. Das heißt inkl. Autofahrten kommst du auf jeden Fall auf 50-60 h Arbeitswoche.

Wenn dir dein Privatleben viel Wert ist, kann ich dir diesen Job defintiv nicht weiterempfehlen. Oder du gehst den Kompromiss ein, dass du die ersten 2-3 Jahre praktische Erfahrung sammelst und dann wechselst. Das ist zumindest mein PLan. Viel Erfolg!

Bau12 | 16. Januar 2018 - 15:30 2018-01-16

@Dominik:
Einen Weg den man ebenfalls gehen kann und den ich aus eigener Erfahrung empfehlen kann ist: Zunächst in die Bauleitung. Dort lernt man, üblicherweise, sehr schnell und sehr viel. Das ist anstrengend, bedeuetet auch Überstunden, allerdings ist dies eine sehr gute Basis für nachfolgende andere Bereiche in der Baubranche, in die man auch dann noch wechseln kann. Meiner Erfahrung nach ist man anschließend - je nach Bereich - sehr gefragt, da man das Geschäft sozusagen "an der Front" kennengelernt hat und einen gewissen Überblick und Organsiation intus hat.

Ich will damit sagen: Wenn man sich einmal für die Bauleitung entschieden hat, heisst das nicht zwingend, dass man dort auch bleiben muss. Gerade aus diesem Job kann man gut in andere Bereiche wechseln, da ansich eine gute Referenz.

Das alles hängt natürlich von den individuellen Fähigkeiten ab und auch der Job als Bauleiter kann sehr unterschiedlich aussehen (z. B. einerseits Mitarbeit an Großprojekten mit der Zuständigkeit für einen sehr speziellen Bereich oder bei kleineren Projekten, bei denen man alle Bereiche betreut etc.).

Bau-Bob | 14. Januar 2018 - 11:50 2018-01-14

@Dominik:
Dann frage ich mich, warum du dich für diesen Studiengang entschieden hast? Es geht doch nicht immer nur ums Geld. Wichtig ist doch, das dir der Beruf Spaß macht. Schließlich musst du ihn in aller Regel über 40 Jahre lang ausüben. Fang doch erstmal an zu arbeiten und bilde dir deine eigene Meinung. Wenn du mit dieser Einstellung in den Beruf einsteigst, dann kann der Schuss nur nach hinten losgehen.

Dominik | 20. Dezember 2017 - 14:22 2017-12-20

Danke für die Antworten, die meine Befürchtungen nur bestätigen. Im Baugewerbe scheint es wirklich nur die beiden Möglichkeiten zu geben, sich entweder mit Mini-Gehalt im öffentlichen Sektor nieder zu lassen oder sein Leben völlig aufzugeben und sich als "Nomade" aufzuopfern. Eine 55 h/Woche ist eindeutig nichts für mich, bzw. ist mit meiner ausgeprägten Hobby -und Freizeitgestaltung nicht kompatibel. Da beibt für mich dann keine Auswahl.

Bau-Bob | 10. Dezember 2017 - 14:02 2017-12-10

@Dominik:
Ich bin selbst vor kurzem als Bauleiter nach dem Studium in einem großen Unternehmen eingestiegen (>1500 Mitarbeiter).

1. In der Regel sind sämtliche Überstunden mit deinem Gehalt abgedeckt.

2. Überstunden werden daher auch nicht erfasst. Letztlich musst du deine Arbeit erledigen. Ob du dafür 45 h oder 55 h pro Woche brauchst, das hängt meiner Meinung nach auch immer von der einzelnen Person ab. Ganz ohne Überstunden wird es sicher nicht machbar sein.

3. Du solltest mit im Mittel 50 h/Woche rechnen.

4. Die Zukunftsaussichten sind meiner Meinung nach sehr gut. In vielen Firmen gibt es großen Nachwuchsbedarf. Es gibt viele Angestellte im mittleren Alter (45-55 Jahre), die in absehbarer Zeit in Rente gehen werden. Diese Stellen müssen alle besetzt werden. Aber auch hier kommt es viel darauf an, wie du dich als Bauleiter "anstellst".

Was ich noch als Hinweis geben möchte: In größeren Firmen ist eine uneingeschränkte Reisebereitschaft die Regel. Damit muss man auch klarkommen! Bedeutet: Du wirst möglicherweise die ganze Woche unterwegs sein auf Baustellen. Wohnung und Co. wird dir zwar gestellt, aber das ist eben auch nicht jedermanns Sache! Ich für meinen Teil kann dir sagen, dass mir die Arbeit sehr viel Spaß macht. Man ist unmittelbar dabei, wenn große Projekte bearbeitet/abgeschlossen werden und lernt in kürzester Zeit sehr sehr viel. Für den Anfang definitiv der bessere Weg (vorausgesetzt man kommt mit den anderen Faktoren zurecht). Finanziell sicher auch nicht der schlechteste Werdegang! Ich hoffe ich konnte dir ein paar Fragen beantworten!

koala1111 | 09. Dezember 2017 - 21:55 2017-12-09

@Dominik:
Hier ist erst mal die Grundsatzfrage was du machen willst: Bauleiter oder einen Job in einer Behörde? Als zweites vergleichst du gerade vermutlich 2 verschiebende Bruttolöhne, die grundsätzlich anders in den Sozialabgaben behandelt werden. Rechne doch einmal in einem Gehaltsrechner für deine persönliche Situation (ledig/verheiratet, mit/ohne Kinder) durch, wieviel netto dabei herauskommt (die zusätzliche private Krankenversicherung als Ergänzung zur Beihilfe nicht vergessen). Es könnte sein, dass plötzlich die 11.000 Euro weniger Jahresbrutto bei Berücksichtigung von Kinderzuschlägen usw. netto mehr bedeuten.

Und zu den Fragen: Bei Bauleitern sind die Überstunden sehr häufig mit dem Gehalt abgedeckt, was sagt denn dazu der Arbeitsvertrag? Das Überstunden bei Bauleitern erfasst und abgebummelt werden können, ist eher unwahrscheinlich. Die meisten Bauleiter - die mir bekannt sind - arbeiten meist 50-60 Stunden pro Woche, Ausnahmen nach unten und oben gibt's natürlich. Zukunftsaussichten als Bauleiter Infrastruktur: Das hängt sehr von der jeweiligen Regierung und der allgemeinen wirtschaftlichen Gesamtsituation ab. Nötig sind hier viele Investitionen, ob diese jedoch auch durchgeführt werden können, steht auf einem anderen Blatt. Im Moment ist die Situation allerdings sehr gut.

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