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Mittwoch, 23. September 2020
Ausgabe 6974 | Nr. 267 | 20. Jahrgang
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Als Bauingenieur in die freie Wirtschaft oder Öffentlicher Dienst?

25 Kommentare | 32436 Aufrufe Kommentar hinzufügen
B.Eng.-Absolvent | Thema eröffnet vor 9 Jahren

Ich (29) habe jetzt mein Bauingenieurstudium erfolgreich als Bachelor of Engineering abgeschlossen und stehe nun vor der schwierigen Entscheidung, welchen beruflichen Weg ich denn einschlagen soll. Mittlerweile habe ich mich auf zwei konkrete Stellenangebote beschränkt, beide beziehen sich auf den Straßen- und Tiefbau und ich könnte mir als spätere Tätigkeit auch beides gut vorstellen. Zum einen könnte ich als Bauleiter in einem mittelständischen Bauunternehmen beginnen, zum anderem hätte ich auch die Möglichkeit, Beamter im gehobenen Dienst zu werden.

Nachfolgend möchte ich kurz die wichtigsten Details zu den beiden konkreten Stellenangeboten beschreiben:

1. Bauleiter bei einem mittelständischen Bauunternehmen
Im Vorstellungsgespräch wurde mir damals schon mitgeteilt, dass es so etwas wie feste Arbeitszeiten nicht gäbe. Als Bauleiter müsse mir klar sein, dass Arbeitsende = open end bedeute. Von der Bezahlung würde man mir 2700,- brutto (ca. 1700,- netto) anbieten + 13. Monatsgehalt + Firmenauto.

2. Beamter im gehobenen Dienst
Hier müsste ich zuerst für 15 Monate den Vorbereitungsdienst absolvieren. Während dieser Zeit würden mir Anwärterbezüge in Höhe von ca. 950,- bezahlt werden. Nach bestandener Staatsprüfung würde ich dann auf ca. 2000,- netto kommen. Allerdings müssten hiervon noch die Kosten für die Privatversicherung abgezogen werden.

Soweit die puren Zahlen. Nun, mir ist klar, dass in der freien Wirtschaft gehaltsmäßig mehr möglich ist, wie als Beamter. Allerdings sehe ich Vorteile bzgl. Arbeitszeit, Elternzeit, usw eher im öffentlichen Dienst.

Nun würde mich mal interessieren, da es hier bestimmt genügend berufserfahrene Bauingenieure sowohl in der freien Wirtschaft als auch im öffentlichen Dienst gibt, welche Erfahrungen Ihr denn so gemacht habt und zu welcher Stelle auch im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung des Bauwesens in Deutschland Ihr mir empfehlen würdet.

Die Entscheidungs selbst, muss letztendlich ich tragen, jedoch könnten mir einige Erfahrungsberichte mit Sicherheit bei der Entscheidung helfen.

geologen-hammer | 13. August 2020 - 21:55

Es ist schon möglich, im Öffentlichen Dienst nach dem Studium oder nach ein paar Jahen in der freien Wirtschaft "quereinzusteigen" und nach 2-3 Jahren als Angestellter dann in die Verbeamtung zu wechseln. Bei Bundesbehörden deutlich wahrscheinlicher als auf der kommunalen Ebene. Es ist in der technischen Laufbahn wegen Fachkräftemangel tatsächlich so, dass Quereinsteiger aus der Wirtschaft gern gesehen sind und eine Verbeamtung ohne die Beamtenausbildung ermöglicht wird.

Michael | 12. August 2020 - 23:19

Ich war sowohl in der freien Wirtschaft als auch im öffentlichen Dienst, allerdings als Angestellter. Im öffentlichen Dienst gibt es eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Beamte versus Angestellte. Aber ganz klar, auf keinen Fall als Angestellter! Da bist du in allen Bereichen benachteiligt. Vor allem aber beim Gehalt. Dies kannst du gerne auf der Seite oeffentlicher-dienst.info nachschauen. Das Nettogehalt eines Beamten liegt rund 20 % über dem eines Angestellten. Dazu die höhere Pension im Alter.

Als Ingenieur geht's im gehobenen Dienst bei A9/E10 los und geht bis A13/E13. Der höhere Dienst startet bei A13. Hier ist allerdings ein Master oder Uniabschluss erforderlich. Beim öffentlichen Dienst wird man nicht dafür bezahlt was man leistet, sondern wie die Stelle bewertet ist und was man gelernt hat. Dazu kommt die sinnlose Bürokratie und Hierarchiestrukturen. Um verbeamtet zu werden, musst du dich auf eine Beamtenstelle bewerben und nochmal die zweijährige Beamtenausbildung zum technischen Beamten machen. Danach geht es so seinen Gang. Als Angestellter kannst Du dich direkt auf eine Stelle bewerben und loslegen.

In der freien Wirtschaft ist das natürlich alles anders. Mehr Gehalt, die zufriedenstellendere Arbeit und ein höheres Ansehen in der Gesellschaft. Allerdings sind hier die Wochenstunden wesentlich mehr. Aber insgesamt ganz klar freie Wirtschaft. Wenn man die Möglichkeit hat, noch etwas ganz anderes zu machen, dann auf jeden Fall raus aus der Baubranche!

TeMWok | 12. August 2020 - 15:42

Ich stehe momentan kurz vor dem Ende meines Master und auch somit gerade an einem Scheideweg. Denn die Frage, welche ich mir stelle, ist ob ich in die freie Wirtschaft gehen soll oder in den öffentlichen Beruf.

Meine Frage: Wie läuft die Verbeamtung als Absolvent ab? Viele Stellen sind immer für die Entgeltgruppe ausgeschrieben oder "Bei einem bestehenden Beamtenverhältnis".

Also wie wird man als Bauingenieur überhaupt verbeamtet ? Kann jemand seine Erfahrungen teilen und in welche Stufe wird man eingestuft?

Jackson | 10. Juli 2015 - 10:34

Arbeitet von euch jemand im Öffentlichen Dienst und könnte mir von seinem Alltag berichten? Ich habe vor kurzem mein Studium beendet, bin 23 Jahre alt und arbeite seit einigen Monaten im öD. Ich finde den Job wirklich sehr langweilig und bin total unterfordert. Ingenieurswissen wird hier nicht gefordert sondern nur Verwaltungsarbeit.

In die Bauleitung bin ich nach dem Studium auch nicht gegangen, da mir zu viele Verwandte und Freunde von 50 h+ Wochen sowie unbezahlten Überstunden berichtet haben. Nun ja, so langsam habe ich den Gedanken meine Branche komplett zu wechseln. Bezahlung plus Karrierechancen sind leider sehr mies im Bauwesen. Den Master in irgendeine andere Richtung ausser Bau geht ebenfalls mit dem Bachelor Bauwesen nicht. Kann ich sonst irgendwie vom Bauwesen wegkommen, hat da jemand Tipps? Vielen Dank!

Pro21 | 01. August 2012 - 14:58

Servus BauIngStud,
grundsätzlich kann ich nur jedem davon abraten in den öffentlichen Dienst zu gehen, da die Karriere-Entwicklungen sehr bescheiden sind. Weiterhin handelt es sich dabei immer um ein politisches Geschäft und nicht um ein fachlich richtiges. Was mich damals in meiner Zeit im öffentlichen Dienst aber am meisten gestört hat, ist die fehlende Motivation der Kollegen. Eine Kaffeepause nach der anderen wurde gemacht. Ist aber auch ein hausgemachtes Problem. Denn, wer wenig zahlt muss nicht damit rechnen, motivierte Mitarbeiter zu erhalten.

Solltest Du trotzdem den Wunsch verspüren in den öffentlichen Dienst zu gehen, solltest Du auf jeden Fall deinen Master machen. Dieser befähigt Dich zum höheren Dienst und somit zu einer höheren Gehaltsklasse. Als Bachelor in den Dienst zu gehen ist totale Dummheit, da man bis zu 900 € Brutto weniger im Monat bekommt, aber die gleiche Arbeit leistet wie jemand als Master. Versuche auch eine Beamtenlaufbahn zu machen und nicht als Angestellter einzusteigen. Hier bekommst Du dann wieder mehr Geld für die gleiche Arbeit. Dazu musst Du aber in der Regel ein 18 monatiges Referendariat machen.

Als Arbeitgeber empfiehlt es sich beim Bund oder beim Land anzufangen. Bei einer Stadt oder Kommune anzufangen würde ich vermeiden, da die Arbeit immer von oben nach unten weiter gegeben wird. Und hier wieder der Hinweis, alle bekommen das gleiche Gehalt, unabhängig von der Leistung. Hier zählt lediglich der Titel und nicht die Leistung oder ob man Ingenieur oder Geograf ist.

Gehaltsentwicklungen findest Du hier:
http://oeffentlicher-dienst.info/einstieg

Kleiner Tipp noch: Personalverantwortung im Dienst zu übernehmen ist dringlichst zu vermeiden. Wer will schon die Verantwortung für demotiviertes Personal haben, bei 200 € Brutto mehr in Monat? Die Arbeit bleibt häufig bei dem Personalverantwortlichen liegen. Wenn die Mitarbeiter keine Lust mehr haben, sind die ca. alle 2 Wochen krank und man muss sie durchfüttern. Im öffentlichen Dienst herrscht ein fetter Kündigungsschutz.
Gruß

GT | 01. August 2012 - 03:51

BauIngStudent, du willst Praktika gemacht haben oder mit Ingenieuren gesprochen haben? Das klingt eher so als wenn du nicht mal gegoogelt hast! Jede deiner Fragen ist blanker Hohn, ich könnte keine als "die lächerlichste" bezeichnen. Ich müsste mich über alle auslassen. Tvöd Tabellen, Bachelor, Master, Unterschied, Studienrichtung.

Also mal ehrlich, beschäftige dich doch wenigstens ETWAS mit der Materie, das solltest du in deinem Studium doch gelernt haben. Das war wirklich seit langem der schlechteste und unqualifizierteste Beitrag in diesem Forum.

biene | 31. Juli 2012 - 20:05

Mit der Vertiefung Statik gibts auch oft stellen im öffentlichen Dienst. Ja TvöD 10-11 ist die Regel. Das heisst du verdienst weniger als ein Grundschullehrer mit seinem Popelstudium. Also Master machen und ab in die Forschung oder Selbstständigkeit. Ich wurde als Bachelor nach TV-V 9 bezahlt. Mache deswegen einen Master, kam damit psychisch nicht klar.

BauIngStud | 31. Juli 2012 - 14:58

Zitat von B.Eng.-Absolvent : "Bezüglich der Diskussion um den Master, kann es schon sein, dass dieser mir vielleicht für die freie Wirtschaft was gebracht hätte. Für den öffentlichen Dienst hätte er mir nichts, aber auch gar nichts gebracht."

Hey, bin selber angehender B.Eng und wollte ebenfalls gerne in den öffentlichen Dienst oder ein Planungsbüro.

Meine Fragen zum Öffentlichen Dienst: Brauch man wirklich keinen Master? Ist das Zeitverschwendung? Gibt es keinen Gehaltspush für den akademischen Grad (master of engineering o. master of science)? Ich kann an meiner FH folgende Vertieferrichtungen wählen:

* Konstruktiver Ingenieurbau
* Verkehrswesen
* Baubetrieb
* Wasser- und Abfallwirtschaft

Welche Vertiefung wäre für den Öffentlichen Bereich sinnvoll? Alle ausser Konstruktiver Ingenieurbau oder?

Fragen zum Planungsbüro: Welche Vorteile hätte man im Vergleich zur Baufirma? Ich habe schon etliche Praktikas gemacht und bin immer noch nicht so sicher, sowohl im Büro als auch in der Baufirma werden Überstunden* gemacht, jedoch nicht so viele wie in der Baufirma oder?

*(ich habe nichts gegen Überstunden, ich arbeite gerne und wenns sein muss auch über der regulären Arbeitszeit, aber eine 60 h Woche verkrafte ich nicht, da ich ein Familienmensch bin und meine private Zeit mir sehr wichtig ist.)

Gehaltsmäßig verdient man ja angeblich als Bauleiter am besten. Das Gehalt spielt keine große Rolle in meinem Leben, aber ganz ohne Geld will ich nicht dastehen. Verdient man wirklich so "schlecht" (ganz vorsichtig gesagt) im Öffentlichen Dienst, gibt es keine "Aufstiegschancen"? Man liest überall man wird z.B. nach 11 TVöD bezahlt, aber man findet keine Tabellen dazu, kann man nicht aufsteigen in der Besoldungsgruppe/-Klasse?

Während meiner Praktika lerne ich viele verschiedene Bauingenieure kennen, jedoch redet niemand so gern über sein Geld und über seine Arbeitszeiten, was wird da alles verschwiegen?

Noch eine kruze Frage: Gehört StraßenNRW zum Öffentlichen Dienst?

Danke im voraus für jede produktive Antwort!
VG BauIngStudent

Dipl.-Ing. (FH) | 09. Januar 2012 - 15:21

"Ein Bachelor (FH) ist wohl eher mit einem FH Diplom zu vergleichen"

@Gast: Dem möchte ich gerne widersprechen. Ich nehme an, dass du einen Bachelor-Abschluss hast? ;) Meine alte Hochschule befindet sich gerade im letzten Diplom-Jahr und startet nächstes Jahr mit dem Bachelor in meinem Fachgebiet. Das Diplomstudium war sehr aufwändig und meiner Einschätzung nach für eine FH von vergleichsweise hohem Niveau. Da die Lerninhalte von 9 Semestern incl. 2 Praxissemestern und 1 Semester Diplomarbeit in maximal 6 Monate gepackt werden "müssen" kann hierunter nur die Qualität leiden.

Ich war nicht ohne Grund regelmäßig für Vorlesungen bis 17:00 Uhr und in Ausnahmen auch mal bis 20:00 Uhr in der Hochschule gesessen. Einige mussten sogar Nebenjobs und Hobbies aufgeben. Das hängt wie du schon gesehen hast doch stark von der Hochschule ab. Nichts desto trotz muss vom Master zum Diplom und natürlich auch zum Bachelor ein quantitativer und qualitativer Nachteil entstehen. Schon alleine durch die kürzere Zeit die zur Verfügung steht.

Als FH-Diplomer finde ich es natürlich diskriminierend dass der Bachelor dem Diplom gleichgestellt wird. ;) Ich denke, dass ich mehr gelernt habe, wozu auch Theorie gehört, ohne die ich nicht besser als ein Frisör mit Abi wäre. Was früher Uni-Diplom und FH-Diplom war ist jetzt eben Master und Bachelor. Die Art der Umwandlung finde ich eben nur etwas unverhältnismäßig. So, Senfglas zu!

Zur Originalfrage: Aus dem Amt kommst du nur als Billiglohner wieder zurück. Also gleiche Chancen wie vorher und keinen Cent mehr.

Gruß, Dip.-Ing (FH)

| 06. Juni 2011 - 14:47

Ein Bachelor ist doch kein besserer Bautechniker. Ich bitte euch.:-) Ein Bachelor (FH) ist wohl eher mit einem FH Diplom zu vergleichen. An Unis mag das vlt. anders sein, das kann ich nicht beurteilen. Und das Bachelor in der freien Wirtschaft weniger verdienen als Dipl.-Ing.´s kann man auch nicht sagen, gibt einige Berichte, die das Gegenteil behaupten. An der FH/Uni lernt man doch eh überwiegend Theorie, wovon vieles eh nicht mehr zur Anwendung kommt.

| 24. März 2011 - 21:42

Sorry wenn ich mich falsch ausgedrückt habe bzw. es falsch rüber kam. Ich meinte mit Master ist Master, dass jetzt die Masterabschlüsse meines Wissens nach in einer Behörde oft gleich behandelt werden, unabhängig von der Hochschule (was auch richtig ist). Die Unterschiede zwischen den Hochschulen sind sowieso viel zu gewaltig.

Equilibrium | 24. März 2011 - 07:24

@Gast:

"Master ist Master, egal wo er gemacht wurde."

Ist Auto auch Auto, egal, ob von Porsche oder Dacia? Haben schließlich alle vier Räder und ein Lenkrad und bekommen beide TÜV.

"Grad in der freien Wirtschaft ist es doch oft egal ob Master oder Bachelor, weil es darauf ankommt was man kann und wie viel Verantwortung man trägt."

Du darfst nicht vergessen, dass das Studium für den ersten Job das einzig objektiv messbare Qualitätskriterium für die Beurteilung Deiner Fähigkeiten ist. Wieso sollte ein Unternehmen einen Bachelor mit einem Master gleichstellen? Dazu besteht aus Sicht eines Unternehmens überhaupt keine Veranlassung. Ich denke aber auch später wird es für Bachelor-Absolventen schwieriger, Karriere zu machen.

| 21. März 2011 - 19:14

@B.Eng.Absolvent

Ich bin auch Bachelor. Wieso meinst du, dass man in den höheren Dienst oder E 13 nur als Uni Absolvent kommt? Master ist Master, egal wo er gemacht wurde. Sonst würde das ganze doch gar kein Sinn machen. Grad in der freien Wirtschaft ist es doch oft egal ob Master oder Bachelor, weil es darauf ankommt was man kann und wieviel Verantwortung man trägt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sowieso nur auf die Hochschule ankommt (wie schwer und langwierig ein Studium sein kann). Egal ob Uni oder FH oder TU.

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