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Dienstag, 01. Dezember 2020
Ausgabe 7043 | Nr. 336 | 20. Jahrgang
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Junge Bauingenieurin mit Problemen im Berufseinstieg

27 Kommentare | 11874 Aufrufe Kommentar hinzufügen
Thema eröffnet von ElliHH | letzter Kommentar vom 07. November 2020 - 21:26

Hallo Bauingenieure, wie war euer Berufsstart? Welche Tätigkeiten habt ihr ausgeführt? Wurdet ihr vernünftig angelernt? Wie konsequent seid ihr in euren Tätigkeitsfeldern geblieben?

Grund meiner Fragen: Ich bin Berufsanfängerin (14 Monate im Beruf), arbeite in einem Ingenieurbüro für Tragwerksplanung. Seit Beginn meiner Tätigkeit arbeite ich an den verschiedensten Projekten. Zu meinem Aufgabenfeld gehören u.a. Tragwerksplanung (aufstellen und vorprüfen), Wärmeschutznachweise, Ausschreibung, Kostenermittlung, Bauleitung, Gutachten.

Problem ist, dass ich nach wie vor nicht so richtig Fuß fasse. Ich dümpel so vor mich hin und werde nach und nach unzufriedener. Bei konkreten Fragen wird man oftmals mit Floskeln abgespeist. Zu dem gibt es von vielen Ingenieuren Unverständnis über die Vielzahl an Tätigkeiten, die ich ausführe. Dann hört man Sätze wie, "Ausschreibung? Dafür hast du studiert?" oder "mach mal mehr Statik, damit du besser wirst".

Leider werde ich nicht besser, hinzu kommen inzwischen gesundheitliche Probleme: Schlafstörungen (länger als 1-2 Stunden am Stück schlafe ich sehr selten, addiert Nachts zwischen 3-6 h), Angstzustände (wenn ich Nachts aufwache und an die Arbeit denke, bin ich sehr aufgewühlt und kann gar nicht mehr einschlafen) und Depressionen, im Privatleben macht mir rein gar nichts mehr Freude. Im Büro freue ich mich auf zu Hause, und sobald ich zu Hause bin, habe ich Angst, dass ich bald wieder zur Arbeit muss und bin wie gelähmt.
Die Lösung wäre fachlich gut zu werden. Aber aufgrund meiner verminderten Leistungsfähigkeit (Schlafmangel, Angstzustände) ist es unvorstellbar, nach der Arbeit noch Fachwissen anzueignen. Und welches Fachwissen ist das Richtige? (Ausschreibung, Holzbau, Glasbau, Grundbau, Betoninstandsetzung, Zulassungen etc.) Die Auswahl an Fachgebieten ist riesig und was brauche ich als nächstes? Ich weiß es nicht!

Das Studium habe ich mit guten bis sehr guten Noten bestanden. Also die Grundvoraussetzungen für eine solide Arbeit sollte ich zumindest annähernd mitbringen. Ich beiße mich aktuell jeden Tag durch und hoffe wirklich, dass es eines Tages "klick" macht und alles besser wird. Wie lange hat es bei euch gedauert?

Daniel | 07. November 2020 - 21:26

@ARS:
Meine bescheidene Meinung: Man kann von einem Neuling nicht erwarten, dass man zu Beginn an alles weiß - es sollte einem Chef klar sein, dass ein Berufseinsteiger noch nicht dieselbe Leistung erbringen kann wie ein Erfahrener. Wenn du bisher schlechte Erfahrungen gemacht hast, kann ich dir nur sagen, dass es auch anders geht. Ich selbst bin in einem großen Konzern als Bauleiter tätig und wurde damals wesentlich besser empfangen.

Du könntest z.B. als Jungbauleiter durchstarten und erstmal Erfahrungen auf der Baustelle sammeln, so habe ich es gemacht. Du lernst jeden Tag was Neues und Spaß macht es auch zugleich. Aber Achtung: Es kann auch ganz schön stressig werden, mittlerweile habe ich festgestellt dass das quasi Baustellenalltag ist.

Und zu Guter letzt: lass dir NIE von irgendjemanden einreden, dass du etwas nicht kannst oder nicht dafür gemacht bist - Leute, die sowas von sich geben, sind meistens selbst unausgeglichen. Tu das was dir Spaß macht, und gib nicht auf danach zu suchen. Da draussen gibt es einen Job der zu dir passt, auch wenn die Suche mal länger dauert. Beste Grüße und viel Erfolg!

M. | 05. November 2020 - 10:46

@ARS:
Das hört sich nicht gut an. Ich kann dir nur empfehlen, dich nicht entmutigen zu lassen. Viele Firmen haben das mit einer soliden Einarbeitung noch nicht kapiert. Ich kenne viele Berufsanfänger, die das gleiche durchgemacht haben. Wenn du die Baustelle kennen lernen willst, kann Ich dir empfehlen auf der Auftragnehmer Seite als Abrechner (Aufmaß nach VOB/C ist wirklich einfach) oder als Praktikant in der Bauleitung zu beginnen.

Dort wirst du auch nicht unbedingt eine solide Einarbeitung erhalten, jedoch wird dir mehr verziehen und vor allem, du lernst dort richtig viel. Gehe offen ins Gespräch und teile deinem Gegenüber mit, dass du Praxiserfahrung auf der Baustelle sammeln willst und diese im Studium nicht vermittelt bekommen hast. Den meisten Firmen, insbesondere kleineren ist das egal ob du Bauingenieur oder Architekt bist. Die Baufirmen suchen händeringend Personal, so dass du dort mit großer Wahrscheinlichkeit was finden wirst.

ARS | 03. November 2020 - 12:55

Es geht zwar nicht um das Fach Bauingenieurswesen, aber vielleicht hat jemand Rat. Ich habe Architektur studiert und packe den Berufseinstieg irgendwie nicht. Nach dem Bachelor habe ich in einem Büro mit 80 Mitarbeitern angefangen, eingearbeitet wurde ich nicht richtig. Es betraf die Lph. 1-5.

Anfangs hatte ich keinen PC, ich sollte immer über einen Remote-PC zeichnen, was halt sehr anstrengend war. Irgendwann hieß es, ich sei zu langsam und wurde gekündigt. Mein Chef meinte nach 5 Monaten, ich soll was anderes machen, Architektur wäre falsch gewählt. Ich bin in der Uni im guten 2er Bereich gewesen. Die zweite Stelle habe ich nach 2 Monaten verlassen. Dort sollte ich Lph. 6-9 machen, ich bekam am ersten Tag ein paar Rechnungen.

Dann sagte man ich solle bitte zeichnen. Die Software konnte ich aber nicht. Also bekam ich einen Crashkurs von zwei Tagen. Eine Software, die ganz anders als die üblichen arbeitet. Nun bin ich nach 2 Monaten raus. Ich soll sehr langsam damit umgegangen sein. Nun, ist es aber so, dass wir mit meinen Plänen schon ordentlich präsentiert haben.

Was mache ich da falsch? Was kann ich anders machen in der Zukunft, ich will unbedingt die Baustelle kennenlernen und finde dass das Bachelorstudium nicht mal ansatzweise das vermittelt hat, was man sich da in der Realität vorstellt. Soll ich jetzt rückwärts gehen und eine Ausbildung zum Polier machen, ob und wie das alles gehen soll, weiß ich nicht. Ich zweifele gerade an allem.

Max | 08. Mai 2015 - 12:33

@ElliHH:
Ich verstehe dich so sehr, ich habe die gleichen Symptome gehabt, wie du. Ich habe auch im Büro für Tragwerksplanung angefangen, direkt nach dem Studium. Das war ein kleines Büro mit viel Stress. Es ging mir genau so wie dir. Ich habe 1 Jahr und 3 Monate ausgehalten, dann habe ich gekündigt. Ein Monat habe ich zu Hause gesessen und nichts anderes gemacht als geschlafen. Danach habe ich eine Stelle gefunden im Öffentlichen Dienst, die mit der Tragwerksplanung nichts zu tun.

Mein Problem lag darin, dass ich alles ziemlich gründlich machen wollte, nur dann hatte ich ein gutes Gewissen und Freude. Aber leider Gottes in der freien Wirtschaft bewegen sich oft die Leute im Bereich "Schulnote 3", um maximal Gewinn zu erreichen und damit kommen solche Leute wie du und ich nicht klar, die alles perfekt machen wollen. Probiere mal den öffentlichen Bereich, dort kennen die Leute kaum das Wort "Schnell und Stress" im Vergleich mit den Büros. Und bevor du eine andere Stelle annimmst, bleib 1-2 Monate daheim, dann brauchst Du keinen Arzt nachher, so war es bei mir!

BauPapa | 02. Mai 2015 - 22:27

@ElliHH:
Ich habe auch 4 Monate als Tragwerksplaner gearbeitet, als Einsteiger (1 Jahr Berufserfahrung als Objektplaner mit Vertiefungsrichtung Hochbau), schlechtes Arbeitsklima, doofer Chef. Mit Arbeitsbeginn ist meine Frau krank geworden und Baby und ich konnte nach 4 Monaten der Arbeits- und Heimbelastung nicht mehr standhalten und habe meinen Chef gebeten mich zu kündigen. Dann hatte ich Burnout und erst bei der Caritas ein Gespräch und anschließend bei der Lebensberatung einen Gesprächstermin wahrgenommen - ging sehr schnell und war sehr hilfreich. Bin da seit 2 Jahren in Beratung. Hoffe dir geht´s bald besser!

ElliHH | 22. April 2015 - 09:21

Ich habe mich in der Zwischenzeit bei einem anderen Arbeitgeber beworben. Kurz und knapp: Ich habe die Stelle. Stelle grundsätzlich perfekt. Wesentlich größerer Arbeitgeber, gute Sozialleistungen, flexible Arbeitszeiten, festgezurrtes Aufgabengebiet. Doch leider leider ist die Stelle von meinem Wohnort weit entfernt (Umzug kommt nicht in Frage). Die Fahrzeit beträgt hin ca. 1,6 Stunden zurück ca. 1,4 Stunden. Also ~3,0 h täglich. Je Strecke einmal Umsteigen. Habe wirklich etwas Sorge, dass mir das auf Dauer zu viel ist. Eine Zweitniederlassung gibt es aber auch bei uns in der Stadt. Ein interner Wechsel wäre zu einem späteren Zeitpunkt nicht völlig ausgeschlossen.

Zu meinem Gesundheitszustand. Habe mich damals 3 Tage krankschreiben lassen und habe eine Überweisung zum Psychiater bekommen. Stehe inzwischen auf 10 Wartelisten für eine Behandlung. Wartezeit bis ca. Ende des Jahres. Aussicht auf eine baldige Therapie damit eher trübe. Man muss schon am Abgrund stehen, damit man Beachtung findet. Schlaf find ich nach wie vor so gut wie gar nicht (am Wochenende versuche ich die Defizite auszugleichen). Mehrere Körperteile blutig gekratzt. Knochen schmerzen. Sehr unzufrieden und depressiv. Mein Lebenspartner sehnt sich nach Besserung ... akzeptiert aber die momentane Situation. Habe kürzlich geträumt, dass ich schwer schwer krank bin. Als ich dann aufgewacht bin, war ich erst enttäuscht (im ersten Augenblick), dass ich körperlich gesund bin und ich zur Arbeit muss. Von daher ist ein Arbeitswechsel sicherlich der beste Weg und der erste Schritt für einen Neuanfang.

Ing_S | 24. Februar 2015 - 13:01

@ElliHH:
Viele der hier gebrachten Empfehlungen teile ich. Persönlich empfehle ich Dir, Deinen Tätigkeits-Range stark einzugrenzen (wo liegen verstärkt Deine Interessen) und Dir daraufhin eine passende Stelle in einem "großen Laden" zu suchen. Tendenziell musst Du in einem größeren Büro nicht alles machen, zumindest nicht alles mehr oder weniger gleichzeitig, weil dort die Arbeitsorganisation komplett anders ist. Auch lernst Du aus meiner Erfahrung dort mehr als in einem kleineren Büro, weil allein die Projekte eine ganz andere Größenordnung besitzen.

Das Lernen gerade am Anfang ist sehr wichtig, weil es die Zukunft für einen möglichen Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber ist. Nach ca. 4-7 Jahren ist rein statistisch gesehen die Wechselquote am höchsten. Das hat nicht immer mit Unzufriedenheit, sondern eher mit dem Drang nach etwas Neuem zu tun. Und mit viel gelerntem, sprich mit viel Wissen bist Du ein interessanter Bewerber. Ich wünsche Dir viel Glück!

bau-insch-fh | 24. Februar 2015 - 02:05

Zu meinem weiter unten gegebenen Tipp, dich im Falle eines Verbleibens im Bereich Tragwerksplanung möglichst bei (sehr) großen Ingenieurbüros zu bewerben, möchte ich noch ergänzen, dass große Ingenieurbüros oftmals einen Betriebsrat haben, welcher z. B. dafür sorgt, dass es einen auskömmlichen Haustarif gibt. Mit der Folge, dass der leider auch heutzutage noch immer viel zu oft anzutreffenden Willkür des Arbeitgebers dadurch automatisch ein Riegel vorgeschoben wird. Diese gewählte Vertretung der Arbeitnehmer kümmert sich selbstverständlich auch um solche arbeitsrechtlichen Verstöße, welche du in deinem letzten Beitrag aufgezeigt hast.

Hast du alternativ schon mal daran gedacht, evtl. zu promovieren? Möglicherweise bekommst du während der Promotion als Angestellte bei der Uni sogar mehr Gehalt als das mutmasslich sehr mickrige derzeitige Gehalt. Zumindest das, was einige Tragwerksplaner im Thread "Mein Gehalt als Bauingenieur angemessen?" gepostet haben: Mit Verlaub, da brauche ich nicht bis zu 5 Jahre ohne Einkommen zu studieren, um dann gerade mal das gleiche Gehalt wie ein Facharbeiter zu bekommen.

bau-insch-fh | 24. Februar 2015 - 01:28

@ElliHH:
Aufgrund deines letzten Beitrags steht für mich fest, dass du dringend professionelle Hilfe benötigst. Allerdings primär NICHT bei einem Psychologen, sondern bei einem Berufsberater. Bevor du dich auf die Suche machst, möchte ich dich bitten, insbesondere die Tipps im Skript von Frau Rittmeyer bzgl. dem beruflichen Umfeld von HSP gründlich zu lesen.

ElliHH | 23. Februar 2015 - 12:14

»... gleich mehrere Wochen am Stück krankgeschrieben«
Eine Krankschreibung bzgl. physischer Probleme will ich unbedingt vermeiden. Und dann gleich mehrere Wochen!? Was soll ich denn der Firma sagen. Mir ist zwar klar, dass ich keine Auskunft geben brauch, aber eine Rechtfertigung wird in der Regel verlangt ...

»Klaren Strich zwischen Arbeit und Feierabend«
Habe letztens erst ein Formelbuch auf den Tisch geknallt bekommen, mit der Aussage: »Lektüre für die Zugfahrt«. Habe mir das Buch dann natürlich so aufbereitet, dass ich es für die Arbeit schnell nutzen kann. Die Zeit während der Zugfahrt hat natürlich nicht ausgereicht, so dass ich am Wochenende noch 2 x 3 Stunden zu Hause saß (für Markierungen und Randnotizen). Benutzt habe ich es noch nie, da es bisher kein passendes Projekt gab ...

Z: »jede halbe Stunde einem Projekt zuordnen«
Natürlich. Das macht die Sache nicht leichter. Der Zeitdruck, sich im Kreisdrehen, keine Einarbeitungszeit ... Stress pur. Bzgl. Berufsschullehramt habe ich mich falsch ausgedrückt. Das ist nicht meins. Hab eher an einen Wechsel der Berufssparte generell gedacht, aber ohne konkrete Ideen.

Z: »Du schreibst ja selbst, in der vergangenen Nacht viel besser geschlafen zu haben, was vermutlich auf dein „outen“ hier im Forum zurückzuführen sein wird.«
Kann ich absolut bestätigen. Habe durch eure Kommentare wieder neuen Mut gefasst. Auch die Schuld an meiner Misere hab ich vorher nur bei mir selbst gesucht. Aber durch die Reflexion meiner Arbeitssituation und euren Hinweisen sehe ich den Sachverhalt nun etwas differenzierter. Wirkliche Panikattacken und depressionsartige Zustände konnte ich zumindest fürs Erste reduzieren. Sogar die Nacht von Sonntag auf Montag war mit 5 Stunden Schlaf außergewöhnlich positiv. Vielen Dank dafür. Auch danke für die Bewerbungstipps.

Zum Thema HSP.
Kannte den Begriff bisher nicht. Trifft auf mich zu (in vielen Teilen). Interessanter Link.

bau-insch-fh | 20. Februar 2015 - 08:10

@ElliHH:
Was ich noch ergänzen möchte: Aufgrund deinen geschilderten Symptomen hast du das Recht, dich umgehend bei einem Arzt auf deine Arbeitsfähigkeit untersuchen zu lassen mit dem Ergebnis, dann möglicherweise gleich mehrere Wochen am Stück krankgeschrieben zu werden. Schlußendlich geht es ja um die Wiedererlangung deiner Gesundheit bzw. vollen Arbeitskraft. Aber hast du schon mal daran gedacht, anstelle zum nächstbesten Arzt zu gehen, schnellstmöglich eine Woche Urlaub zu bekommen? Also im Prinzip sozusagen eine kurze Auszeit auf deine eigenen Kosten zu nehmen und dann in dieser Zeit dich bzgl. möglicher professioneller Hilfe zu erkundigen und dergleichen, aber auch ganz bewusst das Büro Büro sein lassen und konsequenterweise nicht für die anderen Arbeitskollegen ggf. erreichbar zu sein?

Was dagegen deine Überlegung "nach der Arbeit noch Fachwissen anzueignen" betrifft, so kann ich dir da nur den Tipp "unter keinen Umständen Zuhause auf eigene Kosten arbeiten bzw. im www recherchieren oder gar noch Arbeit mit nach Hause nehmen" geben, wie es vielleicht deine Arbeitskollegen machen. Sondern gerade da ist es m. E. immens wichtig, einen klaren Strich zwischen Arbeit und Feierabend zu ziehen.

Hinsichtlich meinem Tipp in meinem letzten Kommentar, dich nach Möglichkeit in Richtung öff. Dienst zu orientieren, möchte ich noch ergänzen, dass ich dir - falls das ein Thema für dich sein sollte - ggf. gerne die TVöD-Entgeltgruppen bzw. Stufen, aber auch den bei einigen Ingenieurbüros zum Einsatz kommenden Tarifvertrag sowie last but not least den bei den meisten Baufirmen verwendeten Bautarif erläutern könnte. Melde dich dann einfach in einem deiner nächsten Kommentare.

Bzgl. deiner Überlegung, evtl. auch Richtung Lehramt zu gehen, möchte ich dich motivieren, am besten mal mit anderen (Berufsschul)Lehrern darüber zu reden, also z. B. einfach mal direkt zu einer Berufsschule hingehen. Dort dann am besten nach Quereinsteigern erkundigen und diese dann ausquetschen. Habe mal gehört, dass Ing. einige Semester erlassen werden sollen (ohne Gewähr).

Zurück zu deinem derzeitigen Job: Vermutlich musst du wie bei fast allen Ingenieurbüros jede halbe Stunde einem Projekt zuordnen und beim Überschreiten der intern festgelegten bzw. schlußendlich sich am Honorar orientierenden Stundenanzahl bei deinem Chef vortanzen und eine Standpauke abholen bzw. evtl. sogar irgendwelche absurden besondernen Leistungen erfinden, wie ich es früher selbst des öfteren mitmachen musste. Dann noch die oftmals sehr willkürliche Behandlung der Mitarbeiter seitens des Chefs, nicht nur was das Gehalt betrifft: Vermutlich hast du jetzt das Dilemma, wenn du unbedingt im Bereich der Tragwerksplanung bleiben möchtest, dass dann wohl fast nur Ing.büros in Frage kommen, oder? Dann stellt sich für mich die Frage, wie groß dein derzeitiges Büro ist. Möchte jedoch keine Antwort haben. Sondern einfach darauf hinweisen, dass es neben dem derzeitigen, vermutlich recht kleinen Büro, mit Sicherheit auch größere bzw. sehr große Büros gibt, welche dann sicher auch mitunter große Aufträge an Land gezogen haben. Fakt ist nun mal, dass kleine Aufträge, wie du sie offensichtlich überwiegend bearbeiten musst, zwar prozentual gesehen etwas mehr Honorar abwerfen, jedoch bei weitem nicht so viel, wie du zum Einarbeiten benötigst.

bau-insch-fh | 20. Februar 2015 - 04:59

@ElliHH:
Du schreibst, dass du eher ruhig und abwartend seist. Ich möchte dich ermutigen, genau so zu bleiben und dich nicht auf Teufel komm raus verbiegen zu wollen. Das wäre sonst mit absoluter Sicherheit fatal.

Auch die Frage, ob du wirklich professionelle Hilfe benötigst, möchte ich aus meiner eigenen Erfahrung nicht zwingend mit „ja“ beantworten. Du schreibst ja selbst, in der vergangenen Nacht viel besser geschlafen zu haben, was vermutlich auf dein „outen“ hier im Forum zurückzuführen sein wird. Wenn du Freunde hast, welche vielleicht von deinem Fachgebiet null Ahnung haben, mit denen du jedoch über alles reden kannst, dann können Gespräche mit diesen Freunden oftmals durchaus genauso viel wert sein wie professionelle Hilfe, welche ich hier nicht verteufeln möchte.

Was deine vielen verschiedenen Tätigkeiten während gerade einmal einem Jahr und zwei Monaten betrifft, so solltest du diese sicher noch sehr oberflächlichen Kenntnisse positiv sehen in dem Sinne, dass du diese in deinen Bewerbungen positiv herausstellst. Dass du also trotz der noch sehr geringen Berufserfahrung bereits ein sehr breites Spektrum der mit der Tragwerksplanung verbundenen üblichen Tätigkeiten kennengelernt hast.

Aufgrund des offensichtlichen Verschleißes der Mitarbeiter würde ich von einer Bewerbung auf eine andere Stelle in deiner Firma dringend abraten. Wenn es im Öffentlichen Dienst Stellen im Bereich der Tragwerksplanung geben würde, wäre mein Tipp, dich möglichst dorthin zu orientieren. Schon allein wegen des mit den Berufsjahren steigenden Gehalts, im Gegensatz zu vielen Ingenieurbüros (was wiederum mit dem oft nicht auskömmlichen Honorar zu tun hat).

Nun möchte ich doch noch etwas anderes erwähnen:
Auch wenn du auf mich aufgrund der geschilderten Situation nicht gerade den Eindruck machst, evtl. eine HSP sein zu können, so möchte ich dieses eigenartigerweise heutzutage noch immer weithin unbekannte „Wesen“ in diesem Thread in den Raum werfen. HSP? Ohne zum jetzigen Zeitpunkt allzuviel dazu mitteilen zu wollen, hier vorab nur mal soviel:

- jeder 6. Mensch bzw. derzeit etwa 1,2 Mrd. Personen sollen davon betroffen sein
- HSP ist selbstverständlich KEINE Krankheit
- nicht heilbar, das gesamte Leben vorhanden
- HSP betrifft überwiegend Introvertierte
- die wenigen Extravertierten sind „arme Schweine“, weil extravertiert und HSP in etwa so gut zusammenpasst wie Sturm und Windstille
- HSP sind verantwortlich für das Überleben einer Gruppe, warnen vor Gefahren

Und hier noch einige weiterführende Links zum Thema:
http://www.evelynrittmeyer.de/ERC_Vortrag...

ElliHH | 19. Februar 2015 - 13:14

Z: »Falls das Bauwesen nicht wirklich deine Passion ist (so hört es sich zumindest für mich an, da mir bei deiner Schilderung der rote Faden in deinem Lebenslauf/Ausbildung fehlt)«

Kann ich so eigentlich nicht bestätigen. Bauwerke faszinieren mich nach wie vor, insbesondere statische Berechnungen. Nur bekomme ich kaum Gelegenheiten zum Aufstellen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass meine ersten beiden Berechnungen nicht besonders schlüssig und dazu noch unsauber waren.
Ich musste mich auch in das völlig Fremde FEM Programm alleine (Einführung war 20 Minuten) einarbeiten und habe Flüchtigkeitsfehler gemacht. Mein Kollege sagte damals alle zwei Stunde »Hast bald fertig? Die kleine Hütte kann ja nicht so lange dauern«...


Z: »Aber du machst mir einen wenig kommunikativen Eindruck. Wie ist dein Kontakt zu den anderen Mitarbeitern? Machst du auch in der Freizeit was mit ihnen oder gehst auf ein Feierabendbier? Kannst du auch über private Themen reden oder ein bisschen rumblödeln?«

Gut erkannt. Bin eher ruhig und abwartend. Meine Kollegen wohnen nicht in der Nähe. Entfernung > 50 -100 km. In kleinen Gruppen (bis 3 Leute) kann ich ein sehr kommunikativer Mensch sein, aber sobald die Gruppe größer wird, beschränke ich mich eigentlich aufs zu hören. Meistens wird über Fußball geredet. Während der WM im Sommer konnte ich ja teilweise noch mitreden ...

Z: »Ich hab nach 4 Jahren den Quereinstieg ins Lehramt geschafft und bin jetzt mehr als glücklich.«

Hab ich auch schon dran gedacht, aber ich wollte immer in der Tragwerksplanung arbeiten. Wobei man sagen muss, dass ich darunter nicht auch noch Instandsetzung, Bauleitung, Konzepterstellung, Ausschreibung ... gesehen habe.
Letztens sollte ich einen Dalben berechnen. Thema für mich völlig neu und mein Schreibtisch dazu ziemlich voll. Habe dann höflich zu meinem Chef gesagt, dass ich in meiner bisherigen Laufbahn mit diesem speziellen Fachgebiet nicht beschäftigt habe und ich gerade andere (für mich neue) Themengebiete auf dem Tisch habe. Ob es nicht möglich wäre, diesmal von mir abzusehen. Die Antwort: »Wenn sie sich in ihren jungen Jahren schon versperren, kann das nie mit ihnen was werden«. Darauf ist er gegangen und hat mich bisher gemieden. Mit den Vorgesetzten über Probleme reden ist daher sicherlich auch leichter gesagt als getan.

Aus Erzählungen habe ich gehört, dass ich nicht die Erste wäre, die mit der Arbeit hier nicht zurechtkommt. Junge Leute kommen und gehen... Länger als zwei Jahre ist in den letzten 10 Jahren nur einer geblieben. Die Hintergründe kenne ich natürlich nicht.

Z: »100 % plus Müll sind nicht zu schaffen«
Als ich hier anfing, sind in kurzer Zeit 4 Leute gegangen. Der Pool an Aufgaben, die keiner machen wollte/konnte, war natürlich groß. Mein Kollege meint immer, dass ich ja nur die besten Bonschen abbekomme.

Letzte Nacht habe ich übrigens 5 Stunden am Stück geschlafen. Fühle mich absolut erholt, wenn das doch immer so wäre ...

Hans im Glück | 18. Februar 2015 - 19:57

@Elli:
Ich habe liebe Menschen mit Depressionen in meiner Familie. Nimm das ernst, aber es kann einem auch geholfen werden. Mir ist hier aber auch aufgefallen, was eine Mitursache sein könnte: Eine typische "Frauenfalle" ist ein hoher Anspruch an sich selbst, fehlende Faulheit und die Unfähigkeit, nein zu sagen. Im schlimmsten Fall noch gepaart mit dem Wunsch es allen (!) recht zu machen. Das äussert sich dann in sehr guten Noten an der Uni (eigene hohe Erwartung plus Fleiss plus ordentliche Erfüllung aller herangetragenen Aufgaben sorgen dafür) und sofortiger Überforderung im Beruf. Da reichen nämlich meistens 80 % Leistung aus - und wer nicht jeden Müll annimmt, der ihm auf den Tisch geknallt wird, sondern statt dessen ein Feierabendbier trinkt, kommt weiter - vor allem, wenn man den Müll solange einfach einer fleissigen gutwilligen Kollegin (s.o.) auf den Tisch werfen kann.

100 % plus Müll sind nicht zu schaffen. Gerade der Müll zehrt Kraft. Ansonsten: Ich selbst mache mir ernsthaft Gedanken, wenn ich mal zwei Abende nacheinander schlecht einschlafe (derzeit plagt mich ein schwieriger Mitarbeiter, für den ich die Verantwortung habe und der gerade "spinnt") - denn meine Leistungsfähigkeit hängt ausschliesslich daran, dass ich fit bin und im großen und ganzen auch glücklich mit dem was ich tue. Das (nicht das Gehalt) ist das Erfolgsrezept. Längere Beschwerden (Magenprobleme, Angst, Schlafstörungen) sind ein elementarer Hinweis darauf, unbedingt etwas zu ändern.

Daher: Suche Dir rechtzeitig (am besten sofort) einen neuen Job - ggf. auch in der gleichen Firma - mit dem Vorgesetzten reden! - aber gönne Dir, wenn Du ihn gefunden hast, eine kleine persönliche Auszeit (Verhandlungssache zum Beginn der neuen Stelle - einfach 2 Wochen Lücke lassen). In die Arbeitslosigkeit kündigen würde ich NICHT ohne Not. Das zieht Dich runter.

Auf der nächsten Stelle machst Du nur das wirklich gut, was Du gern machst - und letzteres reisst Du an Dich, springst in die Bresche, scheust keinen Einsatz. Man wird Dich schnell da einsetzen, wo Du hinwillst.

BauIng | 18. Februar 2015 - 09:27

Das die Ärzte die gleichen Öffnungszeiten haben, spielt keine Rolle, mit deinen Symthomen schreibt dich jeder Arzt sofort krank, wenn du das willst. Ansonsten bekommst du einen Krankenschein für die Zeit des Arzttermins, und keine Sorge, da steht nicht drauf worum es ging und du hast auch keine Verpflichtung das deinem Arbeitgeber mitzuteilen.

Bezüglich Abbruch einer Therapie musst du dir auch keine großen Sorgen machen, denn die ersten Therapiestunden dienen dem "Kennenlernen" und der Beurteilung des Therapeuten über deinen Behandlungsverlauf. Erst dann wird die eigentliche Therapie bei der KK beantragt. Vorher kannst du jederzeit abbrechen, wenn du merkst dass du mit dem Therapeuten nicht zurecht kommst (das kriegt man relativ schnell raus). Bezüglich Therapieplatz kann ein Hausarzt dir dennoch helfen, da er meistens die besseren Verbindungen hat und dir auch für den Notfall einen Therapieplatz besorgen kann. Aber Eigeninitiative schadet hier auch nichts. Diese sind nämlich leider oft sehr rar gesät.

bau-insch-fh | 18. Februar 2015 - 06:31

Zu meinem vorher geposteten Kommentar möchte ich noch ergänzen, dass Du nicht unbedingt zu Deinem derzeitigen Hausarzt gehen musst, wenn Du ihm Deine derzeitigen gesundheitlichen Probleme nicht auf die Nase binden möchtest. Sondern einfach bei der nächstliegenden Allgemeinpraxis anrufen und die Erkrankung mitteilen. Bei guten Praxen bekommt man allerdings oftmals erst am nächsten Tag einen Termin. Das ist jedoch überhaupt kein Problem, schließlich kann der Arzt die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ggf. auch rückwirkend ausstellen.

Was den Arbeitgeber betrifft, so darf er die Diagnose prinzipiell nicht in Erfahrung bringen. Gerade im vorliegenden Fall könnte das bei einem beabsichtigten Arbeitgeberwechsel dazu führen, dass sich der potentielle neue Arbeitgeber nach dem Erhalt der Bewerbungsunterlagen zunächst mal beim derzeitigen Arbeitgeber erkundigt und dann möglicherweise von einer Einladung zu einem Vorstellungsgespräch absieht.

bau-insch-fh | 18. Februar 2015 - 05:46

Als ich gerade Deinen Beitrag vom 17. Feb. um 11:02 Uhr gelesen habe, bin ich sehr erschrocken, weil ich selbst an ein Ereignis vor nunmehr beinahe 3 Jahren erinnert wurde, als ich aufgrund eines gravierenden Ereignisses zwei Nächte hintereinander überhaupt nicht einschlafen konnte. Dies hat dazu geführt, dass ich am zweiten Tag auf der Fahrt zum damaligen Arbeitsplatz auf einer Distanz von etwa 25 km sage und schreibe um die 10 mal einen Sekundenschlaf hatte. Da ich sehr früh (vor 6 Uhr) unterwegs war, waren Gott sei Dank noch fast keine anderen Verkehrsteilnehmer unterwegs. Ansonsten hätte ich mit Sicherheit einen Unfall produziert, bei welchem ich durch mein grob fahrlässiges Verhalten ganz sicher der allein Schuldige gewesen wäre.

Wie Du selbst im Eingangskommentar schreibst, bist Du derzeit alles andere als gesund. Möglicherweise bekommst Du von Deinem Chef zu Recht Ärger, weil Deine Mitarbeit wegen dem eklatanten Schlafmangel zu wünschen übrig lässt bzw. Du vermutlich viel länger als sonst dafür benötigst. Und das bei einem in der Regel selbst nach der Novellierung der HOAI vor 2 Jahren oft nicht auskömmlichen Honorar. Glaube mir, ich weiß, wovon ich rede, da ich mich bereits vor Jahren aufgrund den selbst aufgestellten Ingenieurverträgen sehr intensiv mit der HOAI auseinandersetzen musste. Allerdings bin ich im Bereich der Siedlungswasserwirtschaft beschäftigt, wo die Honorarproblematik m. E. jedoch in der Regel noch etwas besser wie in der Tragwerksplanung sein soll.

Ich möchte Dir dringendst raten, so bald als möglich zu Deinem Hausarzt zu gehen, um Deine Arbeitsfähigkeit überprüfen bzw. ggf. einen gelben Zettel ausstellen zu lassen. Am besten dort anrufen und sagen, dass Du erkrankt seist. Da MUSST Du sofort einen Termin bekommen, weil Du ja die Krankmeldung spätestens am dritten Tag beim Arbeitgeber abgegeben haben musst. Im Prinzip könntest Du sogar bis zu zwei Tagen ohne Krankmeldung Zuhause bleiben, wovon ich Dir jedoch dringend abraten möchte.

Tom | 17. Februar 2015 - 16:59

Falls das Bauwesen nicht wirklich deine Passion ist (so hört es sich zumindest für mich an, da mir bei deiner Schilderung der rote Faden in deinem Lebenslauf/Ausbildung fehlt), dann kannst du auch über einen Branchenwechsel nachdenken. Ich war in der gleichen Situation wie du, hab aber alle Stufen mitgemacht: KMU, Konzern, Planungsbüro...überall das gleiche Problem. Gut, hab auch Pech gehabt, aber letztendlich scheiterte es daran, dass mir für den Bau die Passion fehlte, und da wird es meiner Erfahrung nach eben wirklich hart. Ist zwar in anderen Bereichen auch so, aber der Bau ist halt nochmals extra hartes Brot. Ich hab nach 4 Jahren den Quereinstieg ins Lehramt geschafft und bin jetzt mehr als glücklich.

Falls dir das zuviel Risiko ist, dann musst du JETZT die Notbremse ziehen und dir den roten Faden, sprich Spezialisierung zulegen. Hak mal beim Chef nach, ob da was ginge. Hast du noch Kontakt zu Kommilitonen? Läuft es für einen gut, am besten in einem Bereich welcher dir auch zusagt? Dann könntest du versuchen, in "sein" Unternehmen zu wechseln und dich dort unter seine Fittiche nehmen zu lassen.

Aja, entschuldige bitte, falls ich falsch liege, aber du machst mir einen wenig kommunikativen Eindruck. Wie ist dein Kontakt zu den anderen Mitarbeitern? Machst du auch in der Freizeit was mit ihnen oder gehst auf ein Feierabendbier? Kannst du auch über private Themen reden oder ein bisschen rumblödeln? Weil erfahrungsgemäß hilft man Leuten, die man mag, eher weiter anstatt sie mit Floskeln abzuspeisen. Wenn du hingegen nur auf dem Bürostuhl sitzt und wartest, was der Tag so bringt, dann bekommst du halt nur die Reste, die sonst keiner haben möchte. Vllt. müsstest du proaktiver werden und dich um jene Projekte bemühen, die dich wirklich interessieren? Sorry, falls es nicht so sein sollte, aber dein Text vermittelt so einen Eindruck. Viel Glück!

ElliHH | 17. Februar 2015 - 11:02

Danke für die Antworten! Ich bin mir inzwischen sicher, dass ich anderweitige Unterstützung dringend benötige. Habe nun zwei Tage in Folge nur jeweils 1,5 Stunden Schlaf finden können. Habe Kopfschmerzen und meine Gelenke brennen. Meine Konzentration ist auf einem Nullpunkt angekommen. Leider haben Ärzte die gleichen Öffnungszeiten wie wir... Gleitzeit? Fehlanzeige!

bau-insch-fh | 17. Februar 2015 - 06:51

Denn Tipp "Man kann zum Hausarzt gehen und sich an einen Psychotherapeuten überweisen lassen" finde ich prinzipiell gut, möchte jedoch einschränken, dass man heutzutage bei den meisten Fachärzten keine Überweisung vom Hausarzt mehr benötigt. Nur dann, wenn man sich am sogenannten "Hausarztmodell" beteiligt, geht ohne so eine Überweisung selbstredend auch heutzutage nichts. Oder bei gewissen weitergehenden fachärztlichen Untersuchungen wie z. B. im Bereich der Kardiologie wird man ganz sicher ebenfalls nicht ohne eine Überweisung weiter behandelt werden.

Dagegen würde ich Dir empfehlen, direkt bei den professionellen Helfern anzurufen. Falls die Bezahlung der Therapiestunden ein Thema für Dich sein sollte, dann zunächst mal fragen, ob die Therapie von der Krankenkasse übernommen wird. Kann ja sein, dass es Dir lieber ist, wenn die Krankenkasse (und der Hausarzt) das gar nicht mitbekommen bzw. Du dann die Therapiestunden in jedem Fall aus der eigenen Tasche bezahlen würdest.

Falls Du dann mit der "Behandlung" unzufrieden sein solltest, wäre es in diesem Fall auch einfacher, ggf. abzubrechen bzw. einfach wieder zu gehen und lediglich die bereits angefallenen Stunden zu bezahlen. Schlussendlich wärst Du somit sozusagen am längeren Hebel, was ja gerade bei psychischen Ursachen (wo man von anderen Personen ja leider oftmals so lange in eine gewisse Schublade gesteckt wird, bis diese selbst in eine vergleichbare Lage gekommen sind...) immens wichtig ist.

Falls jedoch die Bezahlung (bzw. Inkenntnissetzung Deiner Probleme) über (bzw. an) die Krankenkasse für Dich kein Problem sein sollte, dann könnte diese Dich ggf. unterstützen, falls Du wie zu erwarten sehr lange warten musst, bis die erste Sitzung stattfindet. Zumindest meine Krankenkasse bietet dies ihren Mitgliedern an, dass sie ggf. nicht nur einen passenden Facharzt findet, sondern auch mit diesem ggf. einen relativ kurzfristigen Termin vereinbart.

Gpst | 16. Februar 2015 - 12:03

Also ich bin auch Jungingenieur und ich kann dich sehr gut verstehen. Für mich hört es sich an als bräuchtest du eine Auszeit, aber wenn man gerade angefangen hat ist das schwer. Mein Tipp ist, rede mal mit deinem Chef, vielleicht lässt sich da was machen und frag mal alte Kommilitonen wie die das sehen oder einen Prof deines Vertrauens. Versuch dahin zu kommen was Dir Spaß macht.

Das ist das A und O. Zur allerletzten Not kündigen. Ich konnte mich bisher immer auf eine Tätigkeit beschränken und musste nicht tausend andere Sachen machen. Ich weiß auch nicht ob du BA oder MA bist. Solltest du BA sein, dann könntest du zurück an die Uni und wieder lernen und dich weiter entwickeln und Gedanken machen was du machen möchtest. Ich persönlich nehme mir jetzt eine etwas längere Auszeit und gehe auf Reisen. Einen Job findet man schon wieder wenn du nicht auf den Kopf gefallen bist, was ich jetzt nicht glaube. Es ist zwar einfacher gesagt als getan, aber versuch es etwas lockerer anzugehen und versuch mal mit deinem Chef/Vorgesetzten darüber zu sprechen. Viel Erfolg noch und ich drücke die die Daumen, dass alles wieder ins Lot kommt!

Ingin | 15. Februar 2015 - 21:18

Das ist ein typisches Anfänger (und speziell Ingenieurinnen) Problem: Wir meinen ALLES können zu müssen und dazu auch noch perfekt! Reduziere die Erwartungen an dich selbst! Mein Tipp: Unser Berufsbild ist so wunderbar vielfältig! Such dir einen Bereich raus der dich am meisten Interessiert und such dir in diesem Bereich eine neue Stelle. Wenn du dein Unternehmen nicht wechseln möchtest rede mit deinem Vorgesetzten offen über das Problem! In einem guten Unternehmen würde das nicht als Schwäche angesehen! Das Leben ist zu kurz um mit Ängsten und Schlafmangel durch die Gegend zu "dümpeln"!

Berliner | 14. Februar 2015 - 10:45

Das ist doch das beste Zeichen, dass es nicht der richtige Job ist bzw. Unternehmen. Du darfst dir selbst keinen Druck machen, denn es ist normal das man in den ersten 1-2 Jahren Probleme hat und in der Zeit sollte man auch von den Kollegen unterstützt werden, was leider nicht immer der Fall ist, denn die haben meistens selbst viel zu tun. Aber die sollten nicht vergessen dass Sie auch mal als Anfänger angefangen haben.

Mein Rat wäre an dich, kündige dort und sieh dich nach was anderem um, denn als Bauingenier kannst du beinahe überall arbeiten. Und du darfst niemals vergessen, kein Job der Welt ist wichtiger als deine Gesundheit. Ich habe als Berufsanfänger vorher in mehreren Firmen als Werkstudent gearbeitet. In einigen war das Klima so toll, so dass ich mich immer auf die Arbeit gefreut habe. Und in einigen war es auch grausam. An deiner Stelle würde ich dort kündigen um mich nach was neuem umsehen. Wie sagt man so schön "lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende". Viel Erfolg und glaub an Dich!

TDior | 14. Februar 2015 - 00:37

Ich vermute mal, dass du mit dem "Schwimmen lassen" etwas überfordert bist. Nach 14 Monaten sehen die meisten Ingenieurbüros die Einarbeitung schon als abgeschlossen an und erwarten, dass der Mitarbeiter eigenständig tätig wird. Dies scheint dir schwer zu fallen. Dass du fachlich immer weiter lernen wirst, ist vollkommen klar. Von daher sollte dir nicht davor grauen, dass du nicht weißt, was das nächste Thema sein wird. Wenn es aktuell wird, wirst du dich damit befassen und erneut einarbeiten müssen.

Bei mir hat es auch einige Zeit gedauert, bis ich die Prozesse und Vorgänge verstanden habe (vielleicht 4-5 Monate). Alles Fachliche was danach kam, musste ich mir eigenständig aneignen, konnte bei Fragen aber immer fragen. Möglicherweise wäre der öffentliche Dienst für dich eine Option? Das hört sich schon nach schwer psychologischen Beeinträchtigungen an!

Toz | 13. Februar 2015 - 18:26

Um es knallhart zu sagen, was deine Geschäftsführung mit dir macht, überschreitet die Grenze zum vollendeten Tatbestand der Körperverletzung. Ich (zwanzig Jahre dabei) kenne niemanden, der erfolgreich und noch dazu als Anfänger/Anfängerin alle die von dir genannten Gebiete gleichzeitig bearbeiten konnte und beherrscht. Du lässt dich total ausnutzen und musst wahrscheinlich alles machen, was die erfahreneren Kolleginnen und Kollegen nicht auf die Reihe kriegen. Deine Schlafstörungen und deine Angstzustände sind ein klarer Indiz für eine Überlastungsdepression. Gehe unbedingt zu deinem Arzt, er wird dir ziemlich sicher anbieten, dich krank zu schreiben. Falls du das nicht möchtest kannst du dich auch von ihm parallel zu einer weiteren Arbeit im Büro zur Psychotherapie überweisen lassen. Längerdauernde Schlafstörungen sind auf jeden Fall ernst zu nehmen. Normalerweise wird man am Anfang in ein Fachgebiet eingearbeitet, aber nicht in alles auf einmal.

Das ist völlig unmöglich. Du solltest außerdem erwägen, dir ein anderes Büro zu suchen. Außerdem solltest du in der Firma die Karten auf den Tisch legen. Vermutlich wissen sie gar nicht, was sie mit dir machen. Gut zu sein bedeutet, seine Grenzen zu kennen und sie gegenüber anderen auch zu ziehen. Konzentriere dich auf eine Tätigkeit, entweder in der Tragwerksplanung oder der Bauphysik oder Ausschreibung. Oder nimm dir Urlaub, wenn dir alles andere nicht zusagt. Man hat dich mit Aufgaben überhäuft, die schlicht auch vor dem Hintergrund einer zunehmenden Spezialisierung niemand gleichzeitig bewältigen kann. Schon aus Haftungsgründen ist das für dein Büro Irrsinn. Anbei noch folgender Tipp:

kriss | 13. Februar 2015 - 12:12

So wie es sich anhört bist du in dem Feld nicht glücklich! Such dir eine neue Stelle. Statik ist nicht für jeden was. Ich bin in der Bauleitung und weis das ich viel arbeiten muss und die Bezahlung nicht die beste ist aber mir macht es Spass und ich finde es immer noch interessant. Ich habe mich damals für das Studium entschieden aus dem Grund weil es mich interessiert hat und nicht weil ich Unmengen an Geld verdienen wollte. Daher mein Tipp: Bewerbe dich wo anders (Vielleicht sogar anderes Gebiet) und mach das was dir Spass macht!

Bauing | 13. Februar 2015 - 11:11

Das klingt nach einem üblen Teufelskreis. Zunächst rate ich dir eindringlich therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wer selber einmal in der Situation war, oder einen geliebten Menschen im Umfeld hatte, der ähnliche Symptome aufzeigte wird mir da beipflichten. Das darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Die Probleme im Büro solltest du offen ansprechen, damit eine gemeinsame Linie gefunden wird. Das man zwischendurch auch Arbeiten außerhalb des Kernbereichs macht, versteht sich von selbst. Außerdem wirst du mit jedem Projekt neues Wissen dazugewinnen. Trotzdem sollte eine klare Richtung vorhanden sein, mit einem Spezialisierungsbereich. Und diese Richtung muss von beiden Seiten gemeinsam abgestimmt werden. Sollte es nicht möglich sein mit der Geschäftsführung eine gemeinsame Linie zu finden, oder diese nicht dafür offen sein, rate ich dir dich nach einem anderen Arbeitgeber umzusehen.

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