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Wie kann ich als Bauingenieur Karriere machen?

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Thema eröffnet von Bernd09 | letzter Kommentar vom 10. November 2021 - 12:09

Ich habe dieses Thema erstellt, um mal zu hören, wie ihr Karriere gemacht habt und was man dafür mitbringen muss. Im Gegensatz zu vielen Meinungen hier im Forum denke ich, dass der Beruf eines Bauingenieurs wohl mit das Beste ist, was einem passieren kann. Dass man leider nicht den entsprechenden Lohn bekommt, der auch in Relation mit der Komplexität dieses Berufes steht, ist die Kehrseite der Medaille.

Da nun der Arbeitsmarkt wie leer gefegt ist und gute Ingenieure nicht mehr auf der Straße herumliegen, liegt es nun denke ich mal an uns (den Arbeitnehmern), das Zepter in die Hand zu nehmen und von unserer Seite her Druck auf die Arbeitgeber auszuüben, um ein entsprechendes Entgelt zu fordern.

Frei nach dem Motto, jeder ist seines Glückes Schmied bin ich nun nach fast drei Jahren in der Tragwerksplanung dazu bereit den nächsten Schritt zu wagen. Wie dieser aussieht weiß ich noch nicht genau. Aber ich bin für vieles offen und erhoffe mir von euch - die diesen entscheidenden Schritt auch gewagt haben - eine paar nützliche Tipps zu bekommnen.

Chase | 10. November 2021 - 12:09

@Felix:
Ich bin auch relativ neu in der Branche (vor 2 Jahren nach dem Master eingestiegen) und habe mich sehr viel mit den Gehältern und sonstigen Leistungen auseinandergesetzt. Da du von Familie ernähren sprichst, rate ich dir - neben dem Gehalt - auch die Work Life Balance zu berücksichtigen. Als Bauleiter verdient man für gewöhnlich mehr als ein Planer im Büro, aber man arbeitet in der Regel auch deutlich mehr. Dazu gibt es als Bauleiter oftmals kein Überstundenkonto.

Zum Gehalt:
In meiner Stadt (München) ist es paradoxerweise tatsächlich so, dass die meisten Ingenieurbüros weniger zahlen als die Stadtwerke, die Unis und vergleichbare Arbeitgeber (z.B. Bahn). Dort wird normalerweise Tariflohn gezahlt, der allerdings nicht jedes Jahr erhöht wird. Dafür hat man aber oft andere Benefits (z.B. 38 h Woche, mehr Urlaubstage, sonstige Vergünstigungen). Wenn ich nochmal nach dem Studium stehen würde, würde ich mich vermutlich bei der Stadt, der Bahn oder der Uni bewerben, einfach weil das Gehalt als Einsteiger besser und die Freizeit mehr ist.

Mit mehr Arbeitserfahrung sollte es irgendwann so sein, dass man im Ingenieurbüro mehr verdient, allerdings gehen die Tarifverträge auch oftmals bis 70.000 EUR bis 90.000 EUR jährliches Gehalt (ohne Standortzuschläge und Boni).

Bashir | 20. Oktober 2021 - 22:53

@Felix:
Deine Gedanken sind völlig in Ordnung. Sei ruhig zielstrebig und fordere für deine Qualifikation und deinen Arbeitseinsatz Geld ein! Letztlich ist und bleibt es ein Tauschgeschäft.

Als allgemeiner Tipp, jedoch mit Vorsicht zu genießen: Investiere anfangs (=nimm weniger Gehalt bei gutem Mentoring), leiste überdurchschnittlich und dann fordere immer höheres Gehalt und schau dich bei der Konkurrenz um. Es ist egal worauf du dich spezialisieren möchtest. Es muss dir dauerhaft Spaß machen. Falls dir gar nichts Spaß macht, du aber ein gutes Auftreten hast, werde Projektsteuerer!

kriss | 20. November 2020 - 16:21

@Felix:
In deinem Alter sich schon Gedanken zu machen, wieviel man verdient, ist ja wirklich erschreckend. Sich zu vergleichen, was die anderen im Studium machen ist auch interessant. Hast du Jura, Medizin oder sonst was anderes mal studiert? Jeder nimmt die Lernleistung anders auf. Daher bitte vorsichtig sein mit solchen Aussagen.

Zu deiner Frage: Keiner wird dir hier sagen "Ja, werde BL = Bereichsleiter, geh nach München und dort dann in das Unternehmen XY." Geld kommt mit der Zeit. Mehr Geld kommt, wenn du Verantwortung übernimmst. Ohne Verantwortung, kein höheres Gehalt.

Ebenfalls verdienst du mehr, wenn du was anderes machst als die meisten. Gemütlich im Statikbüro bummeln und jeden Tag um 17 Feierabend haben. Bitte, dann aber nicht über das Gehalt meckern.

Einsatz zeigen, Verantwortung übernehmen und freundlich sein. Rest kommt mit der Zeit. 5 Jahre nach der Uni verdiene ich mehr als 70.000 EUR brutto im Jahr und nächstes Jahr geht es weiter hoch.

Felix | 20. November 2020 - 12:33

Ich befinde mich derzeit im Master (Vertiefung Konstruktiver Ingenieurbau / Hochbau) und werde so in einem Jahr abschließen. Ich bin damals relativ blauäugig in das Studium gegangen, was den Verdienst angeht. Mir macht der Job in meinem Werkstudentenjob durchaus Spaß, allerdings erschrecken mich die Gehälter etwas.

Ja auch ein Bauingenieur wird seinen Lebensunterhalt und den seiner Kinder stemmen können. Ich muss allerdings sagen, dass ich den großen Aufwand des Studiums (im Gegensatz zu quasi allen anderen Studiumsberufen - ausgenommen Jura und vielleicht Medizin) auch vergütet haben möchte.

Die Frage ist nun, wie gehe ich den Karriereweg am besten an, um (möglichst schnell) über 70.000 Euro Jahresgehalt zu kommen? Endziel wären ca. 90.000 Euro. Klar gibt es kein Rezept und es schaffen auch nur die wenigsten, ABER wenn ich im richtigen Konzern, Bundesland und und und riesen Einsatz zeige, wo sollte der Weg hinführen? BL-OL-AL-Bereichsleiter?

Lohnt es sich für mich (25 Jahre) noch den Beruf zu wechseln (ungerne) oder wenn nicht, welche Nischen im Bauwesen gibt es eventuell in denen ich diese Ziele umsetzen kann? Ich weiß auch, dass Geld nicht alles ist, trotzdem würde ich gerne mehr Infos über eventuelle Möglichkeiten erbitten. Es muss ja auch irgendwo zufriedene Bauingenieure (Jobtechnisch UND Gehaltstechnisch) geben.

Bitte helft mir und gebt gerne Hoffnung. Ich möchte nur nicht, dass ich die Entscheidung mein Leben lang bereue und chronisch unzufrieden bin, dass ich das falsche gemacht habe.

Magnus | 30. April 2009 - 13:17

@Holzwurm:
Bei meinem letzen Arbeitgeber in NRW habe ich als Tragwerksplaner etwas mehr als die von dir anvisierte Grösse bekommen. Das nannte sich Projektleiter Tragwerksplanung, aber das Projektteam bestand meistens nur aus mir und eventuell Konstrukteuren. Insofern bist du vielleicht nur beim falschen Büro angestellt?

Meiner Erfahrung nach wird im Industriebau besser bezahlt als im Wohungsbau, bei grossen Büros besser als bei kleinen und bei Baufirmen besser als bei Büros. Vielleicht kannst du dich hier ja umorientieren ? Oder wie wäre es mit Marktwert Steigerung durch Erwerb eines "Sachverständigentitels"?

Holzwurm | 28. April 2009 - 12:57

@Ole:
Vielen Dank für deine ausführliche Darstellung. Wie ich in meinem ersten Beitrag geschrieben habe, bin ich mit meiner Entlohnung nicht zufrieden. Bekomme in der Tragwerksplanung 39000 Euro im Jahr (4 J. Berufserfahrung) und finde das zu wenig. Job macht eigentlich schon ein wenig Spaß.

Ich lebe in Baden-Württemberg und hier verdienen Handwerker (nicht Indurstriemechaniker) bereits ca. 36000 Euro im Jahr. Dies bedeutet, dass ich als Handwerker entlohnt werde. Selbst auf dem Amt (TvÖd) bekommen die Bauingenieure mehr. Das stimmt mich unzufrieden. Deshalb meine Wechselgedanken.

Flexibel bin ich leider nicht (Gründe bereits erwähnt). Es müsste schon Raum Stuttgart sein. Da ich aber meine, dass ich irgendwie mehr verdienen müsste (mit Family und Haus wirds eng) suche ich eine Alternative. Deshalb mein Gedanke zu wechseln in die Projekt-/Bauleitung (Anlagen-/Industriebau).

Jammere ich auf hohem Niveau? Kann ich denn mehr verlangen als Tragwerksplaner? Was sind die Alternativen, die ich anstreben könnte. Vielen Dank noch für die Antworten.

Ole | 23. April 2009 - 10:12

@Holzwurm:
Grundsaetzlich hast Du Dich doch bereits entschieden. Du arbeitest seit 4 Jahren in einem Bemessungsbuero und scheinbar auch nicht schlecht, denn sonst waerest Du dort schon seit Jahren nicht mehr.

Bauleitung oder Projektmanagement ist mit Tragwerksplanung nicht zu vergleichen und hat ausserhalb Europas auch nichts miteinander zu tun, da Projektmanagment ein gesonderter Studienzweig ist. Was sind denn deine Harttargets? Mehr Geld? Anderes Aufgabenfeld, weil Langeweile? Keine Aufstiegsmoeglichkeiten im jetzigen Job?

Es ist wirklich schwierig fuer aussenstehende Dir einen Rat zu geben. Solltes Du ins Projektmanagement gehen, wirst Du ziemlich sicher erst einmal in kleineren Projekten eingesetzt, was bedeutet, das es zunaechst einmal nicht mehr Geld gibt und Aufstieg ist auch nicht wirklich in Sicht. Ausserdem teilst Du Dir den Arbeitsmarkt in Deutschland mit Architekten.

Viele Unternehmen beschaeftigen im PM lieber Architekten, weil diese guenstiger sind, insbesondere, wenn es sich um Wohnungs- und Buerobau handelt. Deine Chance ist Projektmanagement im Industriebau, Anlagenbau usw., hier ist die Auswahl an guten Projektmanagern deutlich geringer und wird auch besser bezahlt. Am Anfang sollte Dein Gehalt nicht unter 34.000 Euro liegen (Dienstwagen exclusive).

Ausserdem hat Industrie und Anlagenbau den charm, das man sich nicht pausenlos um Fliesen, Farben, Kuechen usw kuemmern muss, sondern bauen darf. Leider ist es recht schwierig Unternehmen zu finden, die sich hierauf spezialisiert haben. Ich bin damals zufaellig durch einen Freund, der Partner in dem Buero ist, auf diese Schiene gekommen und bin heute im Internationalen Projektmanagement bei einem Globalplayer taetig.

Bezahlung ist bestens, hat aber auch 8 Jahre gedauert bis ich hier angekommen bin. Ich steige im Schnitt jedes zweite Jahr auf und wir haben unter anderem Stadien fuer die Fussball WM in Sued Afrika oder das Al Arab Hotel in Dubai gebaut. Wir betreiben die tiefsten Bergwerke der Welt und sind Teilhaber an diversen Oelbohrfirmen.

Wie auch immer, als erstes musst Du Dich fragen, was Deine Staerken sind und wie flexibel Du bist. Gestalte Deinen Job um Dein Privatleben und nicht anders herum. Fuer mich war sofort nach dem Studium mit der letzten Pruefung klar, dass ich auf keinen Fall in ein Bemessungsbuero will. Ueber die Studienzeit hat es mir eigentlich ganz gut gefallen, aber bereits bei den Hausuebungen habe ich mich gelangweilt.

Solltest Du Deinen jetzigen Job eigentlich moegen, kann ich von einem Wechsel nur abraten, versuche doch lieber Partner zu werden, bemuehe Dich eigenstaendig um Kunden, die genau Dich nachfragen, mach Dich unentbehrlich, bilde dich fort und verlange schliesslich mehr Geld. Das wichtigste ist jedoch das Du Dich ins Spiel bringst. Wenn es eine neue Aufgabe zu besetzen gibt, gehe zu Deinem Boss und sprich mit ihm, wenn es anspruchsvolle Aufgaben gibt.

holzwurm | 22. April 2009 - 13:07

@Magnus, @Tim:
Ich schreibe nicht, weil ich rummosern möchte oder sonst was, sondern weil ich mich verändern will - und das so sinnvoll wie möglich, ist ja klar.

@Magnus:
Was ich angemessen halte für eine Tragwerksplanerposition: min. 3700 EUR/Monat mit 40 h/Woche (und ich meine mindestens). So viel dazu. Ok, der oben genannte Betrag wird wohl ein Wunschdenken bleiben. So, nun zu "was bin ich bereit zu investieren". Das wird schwierig, da ich eine Wohnung abzahlen muss und ein Kind demnächst ins Haus steht, kann ich da keine so großen Sprünge machen.

Ich könnte mir vorstellen ins Projektmanagment einzusteigen, vielleicht in die Bauleitung. Ob das besser ist weiß ich nicht?! Also Kollegen, her mit den Tipps.

Tim | 21. April 2009 - 09:13

@Klaus:
Mein FH-Aufbaustudium 'Wirtschaftsingenieurwesen' hatte als Eingangsvorraussetzung, dass man bereits einen techn. akademischen Abschluß haben musste. Dadurch konzentrierte sich das 'Nebenbeistudium' auf die BWL-Themen (Mathe etc. fiel weg, Dauer incl. DA min. 2,5 Jahre). Ich habe also einen 2.Titel ('Dipl.Wirtsch.-Ing.(FH)') erworben.

Das Ganze hat die Hamburger Fernhochschule ausgerichtet. Gekostet hat es rd. 7.000 EUR in monatlichen Raten, voll absetzbar als 'Weiterbildung im erlernten Beruf'. Leider hat die HFH das Programm eingestellt (es gibt dort nur noch 'Voll-BWL' = 4 Jahre !).

Hat es mir was gebracht ?

  1. Es war ein sehr großer Aufwand neben dem Job - sind (kleine) Kinder da oder eine einnehmende Freundin ;)) oder bist Du viel auf Baustelle - vergiss es! Ich habe hauptsächlich am Fr./Sa./So. die 'Studienhefte' erarbeitet und gelernt und HA geschrieben etc. - 2,5 Jahre lang = wenig/keine Freizeit = Du brauchst große Selbstdiziplin & -motivation !
  2. JEIN - die ersten zwei Jahre danach wohl nicht sehr viel. Jetzt in meiner ersten Führungsposition bringt es vom Wissen was (Personal, Arbeitsrecht, Controlling, Rechnungswesen, etc.), auch wenn ich in einer Technikabteilung bin.
  3. Es erweitert Deinen (techniklastigen) Wissenshintergrund ungemein - zumal Du auch mit ganz anderen Fachrichtungen Deiner Kommilitonen zum Austausch kommst.
  4. Ich bin auch überzeugt, dass es bei der Personalauswahl ein gutes Argument für meine Person ist, natürlich insbesondere für Managementaufgaben an der Schnittstelle Techniker/Kaufmann.
  5. Ich bin froh, dass es vorbei ist!
@Magnus:
Ich kann Dir nur voll zustimmen, mein Motto dazu: ,Stimmt was in Deinem Leben nicht - egal in welchem Bereich, dann mußt Du es auch selber anpacken & verändern, auch wenn es ggf. längere Zeit dauert & Energie kostet.'

Magnus | 20. April 2009 - 11:03

@Holzwurm:
Was wäre denn Deiner Meinung nach angemessen? Und zwar bei welchen Randbedingungen? (Arbeitzeit, Reisebereitschaft, Umzugsbereitschaft, Lust sich nach Feierabend noch weiterzubilden ?).

Ich denke es ist wichtig, sich ein Ziel zu setzen und davon dann ausgehend seine Strategie festzulegen. Einfach zu sagen, alles ist unbefriedigend, bringt einen nicht wirklich weiter. Im Vergleich zu vielen anderen Studiengängen hat man es als Bauingenieur zwar noch einfach, da hierzu ein klares Berufsbild gehört, trotzdem kann man nicht erwarten, ohne ein bischen Suchen, Veränderungsbereitschaft und Mut zum Risiko eine befriedigende Arbeitsituation zu haben.

Klaus | 19. April 2009 - 20:57

@Tim:
Ich überlege gerade ein Verbundstudium (parallel zur Arbeit) in BWL (technische BWL), bin mir aber noch nicht sicher, ob es sich finanziell bezahlt macht. Habe konstruktiv studiert und mittlerweile 4 Jahre Bauleitung auf dem Buckel. Möchte mich aber noch etwas weiterentwickeln. Hat dir der "BWL-Bereich" in der Karriere weitergeholfen?

Tim | 17. April 2009 - 18:00

@Suchender, @Holzwurm:
Was kann ich ggf. beisteuern zu dieser Diskussion mit meinen nun fast 12 Jahren Berufserfahrung als Bauing (FH)? Ggf. 2 Dinge:

Wir haben eben mittlerweile nicht zuviele sondern, zuwenige Bauingenieure (seit ca. 2007/08), der Bedarf fängt an das Angebot zu übersteigen - es geht (endlich) wieder was. Das sieht man auch hier bei bauingenieur24 im Stellenmarkt.

Allein die deutschen Baubehörden haben ab ca. 2010 einen Bedarf an Bauingenieuren als Neueinsteiger, der den derzeitigen Absolventenzahlen entspricht (!; noch nicht berücksichtigt der Neu-Bedarf der Baufirmen, Ing-Büros, anderen Branchen, etc.pp.)
  • 2. Mein eigener Werdegang:
  • FH-Studium konstruktiv
  • 3 Jahre Statiker in Baukonzern (auch international tätig)
  • 1 Jahr auf Baustellen in Asien und nahem Osten
  • 2 Jahre Kalkulator in derselben Firma
  • 2,5 Jahre Angebotskoordinator bei 2. anderem gr. Konzern (Ingenieurbau, nur international)
  • 2 Jahre in Skandinavien auf Großbaustellen als technischer Koordinator bei besagter Firma
  • 10 Monate technischer Projektleiter Kraftwerksbau bei gr. Ing-Büro
  • Branchenwechsel (!): jetzt seit 10 Monaten Leiter Infrastrukturtechnik bei Wind-Energie-Anlagen-Hersteller
Fazit: Sicher kein rasanter Aufstieg wie bei Startups o.ä., aber doch seit 12 Jahren spannende (& stressige) Bau-Jobs, viel Technik & (Arbeits-)Kulturen gesehen, das Gehalt ist kontinuierlich gestiegen.

Vorraussetzungen: Flexibilität, gute Ausbildung, fortwährende Weiterbildung (incl. Aufbaustudium 'BWL'), Neugierde und auch Mut Veränderungswünsche zu äußern und durchzusetzen (!) sowie (natürlich auch) Glück.

Also: laßt doch bitte den "Bau-Kopf" nicht (mehr) so hängen, es geht wieder was! In was für "Frust-Jobs" sitzt Ihr denn? Verändert Euch & Euer berufliches Umfeld! OK, viel Glück!

Holzwurm | 15. April 2009 - 10:31

Hallo liebe Bauingenieur-Kollegen, ich bin nun seit 4 Jahren in der Tragwerksplanung tätig. Wie im Forum öfters beschrieben, ist die Bezahlung nicht eines Ingenieurs würdig. Das wurde und wird ja aber zur genüge diskutiert. Mich interessiert, was ich dagegen machen kann. Welche Möglichkeiten habe ich als Bauingenieur (FH), mich umzuorientieren? Bin für alle Tipps dankbar! Gruß Holzwurm

Glücklicher Bauing | 15. März 2009 - 12:41

Hallo zusammen, hallo Suchender,

ich habe diesen und andere Beiträge über die Gehälter, Arbeitsbedingungen etc. aufmerksam verfolgt. Über einige kann ich mich nur wundern bzw. amüsieren, wieder anderen muss ich meine Bewunderung aussprechen.

Ich selber arbeite jetzt seit gut vier Jahren als Bauingenieur. Angefangen bin ich wie viele mit einem eher mies bezahlten Praktikum in einer Baufirma. Aber es hat mir persönlich sehr viel gebracht und von den Erfahrungen profitiere ich noch heute.

Nach diesem Praktikum bin ich als Bauüberwacher in ein Ingenieurbüro gegangen. Angefangen habe ich mit ca. 15.000 EUR pro Jahr bei 50 h/Woche. Aber ich habe auch hier viel gelernt und durch gute Arbeit bei meinem Chef Pluspunkte gesammelt und bin in der Hierarchie sehr schnell aufgestiegen. Zuletzt habe ich dann ca. 40.000 EUR pro Jahr mit Firmenwagen und 50 h/Woche verdient. (4 Jahre Berufserfahrung).

Jetzt habe ich, sicherlich durch Glück aber auch durch Einsatz und SPASS an der Arbeit, einen Job in einem großen Unternehmen bekommen. Mein Jahreseinkommen liegt jetzt bei über 50.000 EUR mit einer 37,5 h Woche, von Weiterbildungsmöglichkeiten und betrieblichen Versorgungsleistungen mal ganz abgesehen.

Ich will hier niemanden neidisch machen oder auf den Schlips treten. Ich will nur aufzeigen, dass man mit etwas Einsatz natürlich dem erforderlichem Quäntchen Glück, aber vor allem der Freude an dem was man gelernt hat, einiges erreichen kann.

Jemandem zu empfehlen studiere Bauingenieurwesen oder lass es bleiben, finde ich persönlich sehr sehr schwierig. Denn was soll der ganze Zauber mit wir verdienen schlecht und werden ausgebeutet... Sorry, aber da muss ich dann auch mal deutlich sagen, wir haben alle samt durch unser Studium bewiesen, dass wir denken können und das sollte man auch nutzen.

Und wer sich von seinem Chef ausbeuten lässt ohne sich zu wehren dem, ist nicht zu helfen. Aber die sollten sich dann bitte nicht so laut beschweren. Ich habe es auch geschafft mich zu verbessern, aber es lag in erster Linie daran, dass ich Spaß an dem hatte was ich gemacht habe.

Eine Grundvoraussetzung ist "leider" immer eine gewisse Flexibilität. Ich selber bin jetzt vom Dorf in die große Stadt gegangen, was sicher nicht einfach war, aber es ist halt so. Auch der Aufenthalt im Ausland sollte einen nicht abschrecken. Man ist doch jung und kann so seinen Horizont enorm erweitern. Und wenn man nicht mehr will, sucht man sich was neues.

Also kurz gesagt, es ist nicht immer leicht als Bauingenieur. Man muss sich halt durchbeißen. Wenn du aber Spaß an einem vielseitigen Beruf hast und keine Angst hast mal die eine oder andere Stunde länger im Büro zu bleiben, dann ist der Bauingenieur ein aus meiner Sicht toller und zukunftssicherer Job.

Natürlich nicht wenn man am Anfang nicht bereit ist, was zu investieren. Dann empfehle ich jedem zu Opel, VW oder anderen Firmen mit Fließband zu gehen und da einer monotonen Arbeit nachzugehen.

Horschti | 15. Februar 2009 - 17:41

Wo ist bitte bei der Finanzierung und Vermietung die Bruttowertschöpfung? Geld bekommt keine Kinder, sollte man wenigstens seit der Finanzkriese wissen.

Genauso fraglich ist der Rückgang bei Land- und Forstwirtschaft. Bei steigender Weltbevölkerung werden auch mehr Nahrungsmittel nötig sein und irgendwann kommt auch die letzte Bananenrepublik auf die Idee, die Bananen selber zu essen und nicht für'n Appel und 'nen Ei an uns zu verkaufen. Naja so ist das mit der Statistik.

PocketAces | 13. Februar 2009 - 10:51

@Baumensch:
Ich denke gegen die Baulobby kommst Du nicht an! Das ewige Rumgejammere, dass angeblich Bauingenieure fehlen, wird von anderen, weniger Lobbyistenbeeinflussten, Statistiken widerlegt.

Baumensch | 11. Februar 2009 - 11:19

Die Studienanfängerzahlen sind zum Beispiel hier:

https://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/studienanfaenger...

einzusehen. Traurig, traurig, wie der Berufstand durch sicherlich sehr idealistische Anfänger letztlich finanziell verwässert wird. Meine Bitte an BI-Studenten: überlegt ernsthaft einen Wechsel in eine anderes Ingenieurfach. Es ist einfach kein Spass, nach der Hochschule vor einem Personaler zu sitzen und sich trotz gutem Abschluss wie einen mittelmäßigen Realschulabgänger behandeln zu lassen.

Finanziell klingen 3000 Brutto nicht schlecht, wenn sich das allerdings über Jahre nicht ändert ist der eigene Hausbau, Neuwagen, Kinder und das bischen Mehr an Luxus wie man es sich eben irgendwann erträumt NICHT MÖGLICH - außer Papi schießt zu. Wenn ihr das dann realisisert, ist es zu spät um zu reagieren. Ich weiss, mir hat das Studium auch Spass gemacht und wieso sollte gerade ich später Jobprobleme kriegen - zu viele denken leider so.

Bayern | 10. Februar 2009 - 11:57

@Stefan Langer:
Darf ich fragen, woher Sie das hernehmen, dass es so viele Einschreibungen in den letzten Jahren gegeben haben soll? Und waren das Einschreibungen an Unis oder FHs? Danke!

Stefan Langer | 09. Februar 2009 - 22:47

Ich bin jetzt seit 10 Jahren in der Tragwerksplanung / Staik tätig und kann leider nur meinen Kollegen zustimmen, dass die Bezahlung wirklich nicht angemessen ist (2500 - 3000 € brutto lassen nur ein sehr bescheidenes Leben zu). Letztendlich wird sich auch nichts daran ändern, solange immer noch soviele junge Absolventen in diesem Bereich arbeiten möchten.

Gerade letztes Jahr sind die Einschreibungen im Bauingenieurwesen wieder stark angestiegen, so dass die kleine Entlastung am Arbeitsmarkt, bald wieder zu einem großen Überangebot führen kann, mit all den negativen Auswirkungen, die wir an unserem Marktpreis spüren werden.

Wanderbursche | 06. Februar 2009 - 16:12

Na, da will ich auch mal was schreiben, beim Thema Geld kann ich von der Selbstständigkeit nur abraten, ich bin mit meinen etwa 25 Jahren Berufserfahrung als Einzelkämpfer im Brückenbau / Ingenieurbau als Statiker tätig und habe am Jahresende weniger als die angestellten Kollegen. Natürlich werde ich auch "ausgepresst".

Den jungen Kollegen kann ich also nur empfehlen die gute Lage zu nutzen und ggf. auch zu wechseln: Kopf hoch, Brust raus und mit dem Alten reden!

Zum Thema UNI - Fachhochschule gebe ich folgendes Statment ab: Wir leben in einer Marktwirtschaft und müssen uns in deren Regelwerk bewegen.

Es kann hier keiner "WUNSCHREGELN" aufstellen und davon träumen, dass die anderen nun zukünftig diese Regeln einhalten mögen, wir alle kennen das Spagat zwischen Qualität - Preis und natürlich Termindruck und so mancher, der schlechte Qualität abliefert, macht das schließlich auch nur, weil ihm jemand im Genick sitzt und irgendwelche Drohungen aufbaut.

Was wollen wir machen, wenn wir uns mit Kollegen auf chinesischen Preisniveau vergleichen müssen (ich habe voriges Jahr für ein paar Tausend € für China gerechnet), die sind auch nicht doof!

T.L. | 06. Februar 2009 - 12:15

@Bayern:
Ich kann deinen Beitrag nicht in ganzer Tiefe kommentieren, da ich selbst in der Bauleitung (im Ausland) tätig bin. Allerdings habe ich meine Karriere als Statiker begonnen und bin daher einer der BL, die auch mal die Statik durchblättern.

Da hat man dann oft 300 Seiten Softwareoutput + 5 Seiten "Selbstgeschriebenes" in der Hand, deren Ergebnisse nicht selten eine 5 minütige Plausibilitätskontrolle standhalten. Bei meinem derzeitigen Projekt sind Planer und Ingenieure für die unterschiedlichsten Gewerke und Bauabschnitte aus praktisch ganz Europa beteiligt.

Die einzige Statik die mir hier in die Hände gefallen ist und meiner Meinung nach voll prüffähig (auch noch in 20 Jahren wenn sich alle Beteiligten in alle Winde verstreut haben) ist, kommt, Zufall oder nicht, von einem sehr renommierten Büro aus Deutschland.

Das Ding ist so "schön" (genau wie man es an der Uni gerlent hat!), dass es schon seit Wochen auf meinem Schreibtisch liegt, obwohl es in keinster Weise mein Baulos betrifft ;-)

Bayern | 06. Februar 2009 - 10:33

Ich habe die Erfahrung gemacht (6 Jahre freiberuflich) dass im Bauingenieurswesen die Wertschätzung der eigenen Arbeit komplett verloren gegangen ist. Das liegt meiner Meinung daran, dass viele Kollegen überzeugt sind, dass eine Software ohne Grundwissen zur Lösung aller bauingenieurstechnischen Probleme führt.

Ich möchte niemanden persönlich beleidigen, aber das Hauptproblem liegt an der Ausbildung an unseren Fachhochschulen. Ich kenne Kollegen die z. B. ohne jegliches Grundwissen in Grundbau und Bodenmechnanik sich eine Software kaufen und damit eine Trägerbohlwand bemessen, dafür 2h benötigen und die Leistung pauschal für 300 € anbieten und der Meinung sind, das wäre gut bezahlt.

Wissen aber gar nicht, ob sie überhaupt alle Erdstatischen Parameter richtig gedeutet haben, Hauptsache ist ein plausibles Ergebnis. Merken jedoch erst nach der Prüfung durch einen Prüfingenieur, dass sie fachlich überfordert sind. Dass diese Leistung ein wenig Fachwissen in Grundbau erfordert, wissen die wenigsten, Hauptsache Geld verdient.

Wie will so ein Kollege bei der nächsten Anfrage durch den Kunden deutlich machen dass die ähnliche Leistung jetzt das fünffache kosten soll, weil deutlich mehr Zeit benötigt wird als angenommen.

Das war jetzt nur ein Beispiel. Was ich damit sagen will ist dass sehr viele Kollegen mit FH-Abschluss zu oft Leistungen mit anbieten, welche für sie Neuland sind (Grundbau, Baudynamik, Bauphysik), weil Sie ihre fachliche Beschränktheit nicht erkennen. Die Kalkulation erfolgt dann unter dem Motto "das wird ja nicht so aufwendig sein" und machen damit die Preise für nicht 0815 Arbeit kaputt.

Diese Kollegen merken dann gar nicht wie viele Fehler sie produzieren, boxen die Arbeit durch den Prüfstatiker oft ohne wesentliche Nachweise, lediglich durch nicht nachgewiesene Maßnahmen.

Ich habe an einer Uni studiert. Konstruktiv im üblichen Wohnungsbau bin ich heute den FH Absolventen unterlegen. Aber an der Uni wurde uns ein deutlich breiteres Fachwissen vermittelt. Dieses breite Wissen fehlt den meisten Kollegen von der FH. Das versuchen viele aus Zeitmangel nicht durch Fortbildung, sondern durch nicht beweisbare Annahmen und den Zukauf von Software zu kompensieren.

Diese Kollegen ziehen durch ihre Preise oft komplexe Ingenieursleistungen in die Lächerlichkeit. Bitte, ich möchte niemanden beleidigen, aber das sind meine Erfahrungen die ich mit Kollegen gemacht habe. Diese Kollegen, die sich angeblich alles mühelos aneignen, verlieren durch ihr Handeln und ihre Kalkulationen komplett die Wertschätzung komplexer Ingenieursarbeit.

Bin gespannt auf Reaktionen.

bernd rettich | 05. Februar 2009 - 08:58

Ja das mit den Gehaltswünschen wie bei der IG Metall ist immer populär. Egal mit welchem Jungingenieur (bis 3 Jahre Berufserfahrung) man spricht, es sind immer die gleichen Wünsche vorhanden. Leider nicht umsetzbar, da immer wieder Ingenieure auftauchen, die den gleichen Job für weniger machen. Jeder ist seines Glückes Schmied und muss seine Erfahrungen machen. Viel Glück.

PS: Ich habe mittlerweile 11 Jahre Berufserfahrung und mein Gehalt hat sich seit 2002 nicht mehr verändert!

Veteran... | 04. Februar 2009 - 23:19

Grundsätzlich bin ich der Meinung von Suchender, aber die Wirklichkeit sieht anders aus. Zur Zeit nutzen einige (geldgierige) Chefs die wirtschaftlichen Prognosen, um nicht nur die Gehälter niedrig zu halten, sondern sogar im Spiel mit der Angst um deutliche Prozentpunkte (bis zu 10 %) zu drücken....

Die Angaben von Walter Peter kann ich nur bestätigen. Wenn man selbst etwas abhaben will vom möglichen guten Geld, muss man sich selbstständig machen und Teil eines Netzwerks mit sehr guten Kontakten werden...

Als Angestellter wird man nur bei wirklich professionellen Vorgesetzten mit sozialen Fähigkeiten ein Stück vom Kuchen abbekommen, aber selbst da nur mit herausragenden Leistungen...

Viel Glück dabei

Walter Peter | 30. Januar 2009 - 15:48

Die Antwort lautet:

  • Wir müssen erst noch dieses Projekt beenden,
  • dann: Zur Zeit sieht es nicht so gut aus,
  • und endlich wenn Bauingenieure gerade gesucht sind: Sie können sich ja gerne eine andere Stelle suchen.
(Seit 1995 in der Tragwerksplanung, seit 1996 mit dem gleichen brutto).

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