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Ausgabe 7000 | Nr. 293 | 20. Jahrgang
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Lohnt ein Bauingenieurwesen Studium?

109 Kommentare | 64007 Aufrufe Kommentar hinzufügen
Mario | Thema eröffnet vor 10 Jahren

Hallo, ich bin 23 Jahre alt und habe auch schon eine 3 1/2 jährige Ausbildung als Spengler hinter mir. Nun habe ich mein Abitur dieses Jahr nachgeholt und bin sehr an einem Bauingenieur-Studium interessiert. Ich wohne im Süden von Brandenburg nahe der sächsischen Grenze und möchte das Studium an der HTW in Dresden absolvieren.

Ich habe auch schon ein wenig im Internet recherchiert und bin mir nicht ganz sicher mit der Zukunft des Bauingenieur-Studiums. Vielleicht könnt Ihr mir weiterhelfen und erzählt mir, wo Ihr studiert habt oder Ihr aktuell in dem Berufszweig arbeitet.

Johanna | 04. September 2020 - 14:10

Ich fange kommendes Semester an zu studieren und muss mich zwischen Bauingenieurwesen und Wirtschaftsingenieurwesen entscheiden. Grundsätzlich finde ich die Baubranche sehr spannend und hatte bei meinen Praktika auch viel Spaß.

Allerdings liest man doch einige Beiträge von Bauingenieuren, die recht unzufrieden sind, da sie wenig verdienen und viel arbeiten müssen. Auf der anderen Seite könnten sie in Zukunft gesuchte Ingenieure sein, da es nicht so viele studieren - und somit die Berufsaussichten besser werden.

Daher meine Frage: was meint ihr dazu? Sollte man sich (vor allem als Frau, die ja leider statistisch gesehen NOCH weniger verdient) in die Branche trauen? Oder lieber den Wirtschaftsingenieur machen, wobei der vielleicht etwas lahmer ist durch die viele Büroarbeit, dafür aber ein angenehmeres Arbeitsleben hat?

Michael | 12. August 2020 - 22:55

Ich habe noch den Diplomingenieur. Trotzdem bereue ich es jede Woche, damals nicht Maschinenenbau, Elektrotechnik oder sonst was studiert zu haben. Gehaltsunterschiede von 25 % sind keine Seltenheit. Dazu noch in der Großindustrie bei 35 Stunden. In der Baubranche sieht es da im Vergleich eher düster aus. Wochenstunden von mehr als 50 sind keine Seltenheit. Dazu die psychische Belastung auf Grund täglicher Streitereien zwischen AG und AN. Die Bauwirtschaft ist ein dreckiges Geschäft. Moral und Gewissen sind da fehl am Platz.

Ich war auch eine Zeit im öffentlichen Dienst beschäftigt. Da ist es noch schlechter. Weniger Gehalt und noch mehr Ärger mit der Politik und der Gesellschaft. Dazu die sinnlose Bürokratie und Hirarchiestrukturen. Lediglich die geregelten 39 Stunden sind ein kleiner Lichtblick. Aber die Arbeit ist in der Zeit nicht zu schaffen. Es bleibt eben vieles liegen. Finanziell konnte ich mit einem Nebenjob noch etwas dazuverdienen. Aber traurig genug, wenn man als Ingenieur auf einen Nebenjob angewiesen ist. Beamter ist noch ok. Aber dazu muss man geboren sein. Wirtschaftlichkeitsgedanken und gesunder Menschenverstand sind hier nicht erwünscht.

Die Bologna-Reform tut ihr Übriges. Zu gebrauchen sind eigentlich nur die Masterabsolventen. Die Firmen sind teilweise so verzweifelt, dass sie Bachelor-Absolventen einstellen oder bieten duale Studiengänge an. Die Qualität am Bau leidet natürlich. Wirklich lukrative und attraktive Bauingenieurstellen sind rar. Wer eine hat kann sich glücklich schätzen. Die anderen sollten sich nach was Anderem umschauen, so lange die Möglichkeit besteht.

Ich bin komplett ausgestiegen, habe den Lkw Führerschein (im Ausland) gemacht und jetzt als Fernfahrer unterwegs. Ich bin absolut glücklich bei nicht viel weniger Gehalt.

Bob | 10. Juli 2020 - 11:54

Mein Masterstudium ist bald durch. Ich würde das Studium gehaltstechnisch nicht empfehlen. Damals vor 5 Jahren hatte ich aber noch nicht den Überblick über die verschiedenen Branchen und habe das Studium deshalb angetreten. Durch meine Nebentätigkeiten in der Bauleitung kenne ich die Umstände und spreche das auch immer direkt an. Die Kollegen lieben halt den Job und machen es deswegen.

Es hat in meinen Augen auch Vorzüge, aber die Work Life Balance ist wirklich miserabel, wie das Gehalt (ich war bei den größten Bauunternehmen). Deswegen bin ich froh meine Nische gefunden zu haben, wo die Konditionen etwas besser sind. Man muss sich ja mal einfach die Top Threads durchlesen, dann erkennt man wie die Situstion ist, obwohl der Bau aktuell ja noch gut läuft.

Maur | 06. Februar 2020 - 10:14

Mich würde Mal interessieren, ob ihr immer noch zufrieden seid, Bauingenieurwesen studiert zu haben. Wenn nicht, an was liegt es?

Dan | 22. Oktober 2019 - 12:27

Könnte sein, dass es sich bald noch weniger lohnen wird. Aktuell rennen viele junge Leute in die Hochschulen, um Bauingenieurwesen zu studieren. Motivation dafür ist die aktuell gute Lage in der Baubranche. Jetzt wird aber schon deutlich, dass der Boom wahrscheinlich bald endet und die Konjunktur auch in der Baubranche kriseln wird:

https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/ende-des-baubooms...

Für die vielen Absolventen könnte das zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt kommen. Dann treffen womöglich deutlich mehr Absolventen auf eine kriselnde Baubranche.

leonoel | 09. Oktober 2019 - 09:54

Naja, was heißt schon lohnen? Man arbeitet und verdient dafür Geld, wie in jedem anderen Job eben auch. Das Verhältnis von Arbeitszeiten/-aufwand/Verantwortung zum Gehalt ist aber ziemlich schlecht. Aktuell würde ich auch kein Bauingenieurwesen mehr studieren.

Der Boom in der Baubranche fängt bereits an, wieder deutlich abzuflachen. Wenn man jetzt beginnt, dann kommt man erst in 3-5 auf den Arbeitsmarkt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Baubranche dann mal wieder in einer ihrer Krisen steckt. Vom Zyklus her, wäre es dann nämlich wieder soweit.

Gibt also sicher bessere Alternativen! Lohnen wird es sich nur für die, die sich extrem für den Bau begeistern und es eher als Berufung sehen, den Beruf. Diejenigen, die einfach nur ordentlich verdienen wollen und das in einem bequemen Büro, sollten die Finger davon lassen!

ralloballo | 27. September 2019 - 21:27

@Snowflake:
Jung, du erzählst hier wieder Müll. Wenn du die Branche so sehr hasst, dann such dir doch etwas Anderes? Vielleicht bist du einer der Peter, die in die erst beste 5-Mann-Klitsche reinströmen oder aber komplett uninformiert in das Bewerbungsgespräch reingehen und dann jede mögliche Zahl, die einem der Chef entgegenwirft schlucken, nur um dann nach sechs Monaten zu merken, das man komplett unterbezahlt seine 60 Stunden die Woche kloppt.

Ich habe genau solche Leute auch bei mir im Baucontainer hängen (eingekaufte Bauleiter - arme Schweine, die keinen Plan von Nichts haben - zumindest finanziell). So, jetzt zur wirklichen Realität für die Berufsanfänger: Sucht euch einen größeren Arbeitgeber ab 1000 MA (die suchen alle wie Sau) und gebt euch erst ab Tariflohn A6/A7 + Firmenwagen zufrieden (das bekommt ihr in der Regel auf jeden Fall). Sollte für den Anfang nicht schlecht sein, auch branchenübergreifend.

Snowflake | 26. September 2019 - 12:40

@Ernst:
So ein Gehalt wie Du angibst ist zwar in der Realität die Regel, aber hier hat das doch (also hier im Forum) schon jeder Bachelor Absolvent. Lies mal den Thread zu den Gehältern. Was da so alles an Phantasie und heisser Luft drin steckt und mit wieviel Mühe man sich seitens der Baulobby mit Bezahlschreibern gibt. Aber unterm Strich lohnt sich dieser kleine Aufwand. Schau mal wie viele Unterschichtler dieses Jahr wieder Bauwesen studieren. Ich habe aufgegeben hier die Realität zu beschreiben.

Ignaz | 24. September 2019 - 13:14

Der Ernst bringt das sehr gut auf den Punkt!

Ernst | 19. September 2019 - 14:19

@G22:
Also ich kann dir sagen, Spaß alleine ist es nicht und Geld alleine auch nicht. Aber um auf deine Frage einzugehen, hier mal etwas Input aus der Schweiz. Da ist ja allgemein hin bekannt, dass es recht gut laufen soll auf dem Bau.

ABER, und jetzt kommt es, auch hier ist es so, dass du dich als Bauingenieur immer im unteren Bereich der Gehaltsklassen bei den Akademikern bewegen wirst. Ich selbst habe mein Studium vor 25 Jahren abgeschlossen, immer weitergebildet, spreche verhandlungssicher drei Sprachen und bewege mich trotz Einsatz so bei einem Jahresgehalt von 120.000 Franken. Das müssten etwa 105.000 € sein. Wenn du dem aber, und das musst du so rechnen, die allgemeinen Lebenskosten der Schweiz entgegen rechnest, welche sich um den Faktor 2 bewegen, dann entspricht das etwa einem deutschen Jahresgehalt von 53.000 €. Wie gesagt, ich habe 25 Jahre Berufserfahrung und war immer am Ball. Daraus kannst du sehen, dass die Bezahlung sehr schlecht ist. Man kann einem aufstrebenden, dynamischen jungen Menschen mit Erlaub diesen Berufszweig mit gutem Gewissen nicht empfehlen.

Tja, dann kommt noch ein weiterer negativer Punkt mit hinzu. Bei jedem Stellenantritt wird man dich fragen, ob du gewillt bist in den Sommermonaten und im Frühling - wo viele Planungen laufen - auch bereit bist 50 Stunden pro Woche oder mehr zu "bügeln" weil dort einfach zu viel Arbeit ist. Welche natürlich dadurch nicht besser bezahlt wird versteht sich. Dieser Beruf wurde vor Jahrzehnten und immer noch durch alle Institutionen mit den besten Zukunftsaussichten gelobt, was ist daraus geworden? Nur heiße Luft.

Es gibt sicher Branchen, wenn du nach einem anderen Tarif bezahlt wirst dann auch mehr verdienen kannst. Aber es kann nicht jeder Projektleiter für Immobilien in der Pharmaindustrie (nur als Beispiel) werden. Die meisten werden in Ingenieurbüros oder Baufirmen arbeiten müssen, dort ist nicht besonders viel zu holen.

Also, überleg es dir gut. Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts. Wünsche dir alles Gute!

G22 | 11. September 2019 - 13:43

Ich muss jetzt in den nächsten Tagen zwischen Wirtschaftsingenieurwesen (Richtung Maschinenbau) und dem klassischen Bauingenieurwesen-Studium wählen. Und kann mich einfach nicht entscheiden. Meine persönliche Präferenz ginge zwar ganz leicht in Richtung Bauingenieurwesen, aber ich werde aus den ganzen Erfahrungsberichten aus dem Web einfach nicht schlauer. Ich habe mir die komplette Kommentarsektion aus diesem Beitrag durchgelesen und auch sonst vieles aus anderen Foren herausgezogen.

Also wenn man kurz und knapp gesagt in der Baubranche (in der Regel wohlgemerkt und in vergleichbarer Position) entweder ca. 20 % weniger verdient oder eben ca. 20 % mehr arbeiten muss um mit anderen Ingenieuren Gehaltstechnisch gleichzuziehen (und das auch nur wenn man überhaupt einen Job findet), dann raubt das einem ehrlich gesagt die Motivation. Oder bilde ich mir das einfach nur ein und die Branche hat sich mittlerweile erholt? Was sagt ihr dazu?

Marc | 16. August 2019 - 22:06

@SVL:
Wähle die Berufsrichtung, die Dir liegt. Ich sage nicht, dass Geld keine Rolle spielt, aber für mich ist das erwartete Geld nicht das Ausschlaggebende. Ich treffe so viele Leute, die in ihren Berufen wenig können. Das mag daran liegen, dass sie nicht den richtigen gefunden haben. Sie arbeiten ja nur für Geld. Feude am Beruf und Können korrelieren. Die Freude bringt einen zum Können. Und wenn man kann, kann man auch mehr verdienen. Dann ist das auch ein Verdienen.

Bauingenieurwesen ist eine breit angelegte Ausbildung. Man kann und wird sich später spezialisieren.

SVL | 16. August 2019 - 11:10

Ich muss jetzt in den nächsten Tagen zwischen Wirtschaftsingenieurwesen (Richtung Maschinenbau) und dem klassischen Bauingenieurwesen Studium wählen. Und kann mich einfach nicht entscheiden. Meine persönliche Präferenz ginge zwar ganz leicht in Richtung Bauingenieur, aber ich werde aus den ganzen Erfahrungsberichten aus dem Web einfach nicht schlauer.

Ich hab mir die komplette Kommentarsektion aus diesem Beitrag durchgelesen und auch sonst vieles aus anderen Foren und was da für unterschiedliche Meinungen sind, ist nicht normal. Also wenn man kurz und knapp gesagt in der Baubranche (in der Regel wohlgemerkt und in vergleichbarer Position) entweder ca. 20 % weniger verdient oder eben ca. 20 % mehr arbeiten muss, um mit anderen Ingenieuren gehaltstechnisch gleichzuziehen (und das auch nur wenn man überhaupt einen Job findet), dann raubt das einem ehrlich gesagt die Motivation. Oder bilde ich mir das einfach nur ein und die Branche hat sich mittlerweile erholt? Was sagt ihr dazu?

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