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Ausgabe 7367 | Nr. 294 | 21. Jahrgang
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Lohnt ein Bauingenieurwesen Studium? » Seite 2

130 Kommentare | 69379 Aufrufe Kommentar hinzufügen
| 17. September 2010 - 10:35

@Ole,

wenn das Dein Lebensentwurf ist, dann ist das ja auch gut.
zu 1.) Stimmt, es ist ein generelles Ziel zeitig in Rente zu gehen, aber nach meinem Empfinden zählen die Leute die Tage rückwärts, die nicht den größten Spaß auf Arbeit haben. Muss ja bei Dir nicht so sein. Aber stell Dir mal jemand vor, der 65 ist und seit 20 Jahren nicht mehr arbeitet. Ich nehme solche Menschen nur bedingt ernst, wenn sie über altägliche Probleme, Arbeit etc. reden.
zu 4.) Zweifelsohne gibt es die "besten Jahre", das sind die, wo Du gesund und vital bist. Einige haben bis 70 keine gesundheitlichen Probleme, aber weiß man es.
zu 5.) Es ist bestimmt nicht schlimm spät Kinder zu bekommen, jedoch ist es für die Kinder selbst nicht der Idealfall. Sie tragen ein erhöhtes Risiko nicht gesund zur Welt zu kommen, haben alte Eltern etc. Und ich sag Dir eins aus Erfahrung, die Nerven werden nicht besser. Du wärst nicht der erste, der sich die Kinder zeitiger gewünscht hätte, wenn Du sie einmal hast.

Ich möchte auch nicht Deine Lebensplanung zur Debatte stellen, das geht mich auch nichts an. Jedenfalls sind wir tatsächlich sehr unterschiedlich, aber wäre ja sonst auch langweilig. Jedoch auf die Frage bezogen: Lohnt sich ein Bauingenieurstudium? Meine Meinung, wer eine Ingenieurwissenschaft studieren will, sollte nicht nur auf das Fach schauen. Denn man verdient eben nur auf wenigen Stellen in Deutschland ordentlich Geld - und ob man dauerhaft ins Ausland gehen möchte, sollte man sich vorher überlegen. Jedenfalls ist jede andere Ingenieurwissenschaft lukrativer, wenn man ein "normales" Leben führen möchte.

Grüße, Zastro

Ole | 16. September 2010 - 09:46

@Zastro:
1.) Ich will mit 45 in Rente, weil ich es als sehr vorteilhaft empfinde. Viele Menschen spielen Lotto und traeumen. Scheint also ein generelles Ziel zu sein.
2.) Was muss an Rente denn langweilig sein? Vielleicht etwas fehlende Phantasie?
3.) Ich hetze nicht um den Globus, sondern gestalte meine Zeit. Nur mal so angemerkt. Ich arbeite nie mehr als 38 bis 40 Stunden die Wochen. Ich nehme keine Arbeit mit nach Hause und ich mache alle noetigen Dinge waehrend der Arbeitszeit. Ich arbeite auch niemals am Samstag.
4.) Ich denke nicht, das ich meine besten Jahre verschenke, falls es so etwas ueberhaupt noch gibt. Ich schaue mir die Welt an solange ich das kann.
5.) Davon mal ganz abgesehen kann ich mit 40 auch noch Kinder haben, wenn ich will. Was daran nun wieder so schlimm ist, kann ich auch nicht nachvollziehen.

Ich wuerde sagen das unterscheidet uns eben...
Ole

Equilibrium | 15. September 2010 - 07:27

Hallo Nadine,

sei mir nicht böse, aber ich musste lachen am Ende Deines Beitrages. Also Du wunderst Dich über die negativen Erfahrungsberichte der Bauingenieure hier und lieferst dann selbst noch – ohne es zu merken – ein Negativbeispiel hinterher. Es mag ja sein, dass man mit 19 Jahren (?) ein Bruttogehalt von 2600 € für ein angemessenes Ingenieursgehalt hält. Aber spätestens wenn Du mal Deinen Lebensunterhalt selbst bestritten hast (und zwar nicht als Schülerin/Studentin, sondern mit Allem, was dazu gehört: Richtige Wohnung, Auto, Urlaub, Versicherungen, Altersvorsorge, Bausparvertrag, evtl. Kinder, Möbel, …), dann wird Dir auffallen, dass 2600 Euro/Monat brutto nicht viel sind. Für so ein Gehalt muss man auch kein teures und zeitintensives Studium absolvieren. Da bekommen viele Facharbeiter (insbesondere mit Zulagen) deutlich mehr Geld.

Für was hältst Du diesen Beruf denn eigentlich? Lies z. B. mal den Beitrag von Tragwerksplaner hier. Dann wird Dir vielleicht bewusst, dass von Deinen späteren Entscheidungen (ob nun als Statiker oder Bauleiter) Menschenleben abhängen. Dazu kommt, dass Du Deine Entscheidungen oft unter hohem Zeitdruck und Stress treffen musst. Komischerweise finden es immer alle Leute normal, wenn ein Chirurg in einer Villa wohnt und zwei BMWs davor stehen, weil der ja offensichtlich so viel Verantwortung trägt. Dass der Bauingenieur ebenfalls eine hohe Verantwortung trägt, fällt den Menschen immer erst auf, wenn gerade ein großes Unglück passiert ist. Ich kenne Bauingenieure, die inzwischen auf Schlaftabletten angewiesen sind, weil sie abends einfach nicht mehr abschalten können. Man nimmt den Beruf an vielen Tagen mit nach Hause. Und daran gemessen ist der Aufwand schlichtweg unterbezahlt.

P.S.: In einem Punkt kann ich Dich beruhigen: Dass Du als Frau Bauingenieur werden willst, ist in den meisten Industrieländern (u. a. Deutschland) inzwischen völlig normal. Nur bei Deinem Wunsch nach Auslandstätigkeit bist Du z. T. eingeschränkt.

Wie Du Deine Chancen verbessern kannst? Denk auch über Maschinenbau, Elektrotechnik oder Informatik als Studiengang nach. Dort hast Du nicht nur ein vergleichsweise höheres Gehalt, sondern auch bessere Arbeitsrandbedingungen.

Und wenn es unbedingt Bauingenieurwesen sein muss, dann konzentriere Dich z. B. auf Themen wie Projektsteuerung, Vertragswesen, Immobilienwirtschaft. Mit Mathe oder Physik hat das dann aber nichts mehr zu tun.

Zastro | 14. September 2010 - 18:54

@Ole,

deine Kommentare in allen Ehren. Aber warum betonst du immer, dass du mit 45 in Rente gehen kannst, wenn dir der Job so viel Spass macht. Man hetzt doch nicht bis 45 um den Globus, um dann in Rente zu gehen. Du weißt doch nicht was mit 45 ist, vielleicht fällst du auch in die Kiste, was ich dir um Gottes Willen nicht wünsche.

Die Einstellung kann ich jedenfalls nicht teilen, dass man 10-15 Jahre reinhaut, um dann einen Ruhigen zu machen - was auch langweilig wird. Man verschenkt die besten Jahre seines Lebens, hat spät Kinder, spät Enkel usw. Bin selber Bauingenieur und habe mich damals nach Interessenlage entschieden, war ein großer Fehler.

In einem anderen Ingenieurberuf ist der Verdienst wesentlich besser, und ob ich Getriebe oder Betonbalken ausrechne ist auch wurscht. Dürfte ich einem jungen Menschen einen Rat geben, sollte er nach Alternativen zu seinen Interessen suchen, um später nicht für seine Arbeit zu leben. Besser ist doch arbeiten gehen, um gut zu leben.

Viele Grüße, Zastro

Tragwerksplaner | 13. September 2010 - 21:12

@Marcus83: Ihren Enthusiasmus in allen Ehren.

Dennoch denke ich Sie wissen nicht wovon Sie sprechen. Nach ca. 20 Jahren Tätigkeit als Bauingenieur in der Tragwerksplanung kann ich mir zumindest ein Urteil über den Beruf des Bauingenieurs erlauben. Meine Karriere als Bauingenieur hat mit einer Lehre als Stahlbetonbauer begonnen. Nach dem Studium habe ich bei sehr renommierten Ingenieurbüros für Tragwerksplanung gearbeitet. Zuletzt 5 Jahre als Projektleiter bei einem sogenannten Top-Büro, das weltweit Tragwerksplanungen durchführt.

In dieser Zeit habe ich sehr viele Berufskollegen kennengelernt. Und kann heute sagen, die Bauingenieure, die diesen Beruf noch einmal machen würden, kann ich an einer Hand abzählen. Ich muss mich heute sehr oft an einen beliebten Spruch eines Professors erinnern:
"Bauingenieurwesen ist ein sehr schmaler Grat, mit einem Bein stehen Sie immer im Gefängnis".

Damals habe ich diese Aussage belächelt und als Phrase abgetan. Heute weiss ich, dass wir nicht oft sondern fast ständig mit eineinhalb Beinen im Gefängnis stehen! Haben Sie schon einmal über Haftung nachgedacht! Auch als Angestellter haften Sie, zumindest dann wenn es zu einem Personenschaden kommt! Ich habe meinen ehemaligen Chef einmal gefragt: "Warum klären Sie eigentlich die jungen Mitarbeiter nicht über ihre Verantwortung und Haftung auf?" Antwort: "Wenn ich das machen würde, rechnet mir keiner mehr etwas." Und die Haftung ist lange! War die Haftung ursprünglich auf maximal 30 Jahre begrenzt, so haftet man jetzt (nach dem Unglück Bad Reichenhall) unbegrenzt! Bei mir als selbstständigen Tragwerksplaner geht die Nachhaftung sogar auf meine Erben über. Diese Verantwortung steht in keinem Verhältnis zu dem möglichen Verdienst, welchen Sie erzielen können. Viele Berufskollegen machen den Beruf unter dem Motto "selig sind die Nichtwissenden". Vielleicht ist es sogar besser wenn man weniger weiss, dann schläft man vielleicht ruhiger.

In dieser langen Zeit, habe ich Kollegen weinend am Schreibtisch zusammenbrechen sehen. Auf der einen Seite kaum lösbare statische Aufgaben, auf der anderen Seite zeitgleich Behinderungs- und Mehrkosten Anmeldungen. Ich glaube Sie können kaum ermessen unter welchem Druck Sie in diesem Beruf stehen. Aus diesen Gründen kann ich keinem raten diesen Beruf zu ergreifen. Was Sie an der Hochschule erzählt bekommen hat wenig mit dem zu tun, was Ihnen später begegenen wird.

Ole | 13. September 2010 - 11:23

Hallo Nadine

das der Herr den Du kennst fuer 2600 Euro - und ich nehme jetzt einfach mal an, dass es sich hierbei um Brutto handeln soll - niemanden findet, erstaunt mich nicht. Das bekommt jeder Maurer mit 3 Jahren Berufserfahrung auch. Vielleicht solltest Du ihm mal den Rat geben 3600 Euro anzubieten. Das aber mal nur nebenbei.

Im Ausland arbeiten ist immer leichter gesagt als getan, weil man ziemlich pauschal sagen kann, das man nur da sehr gut verdient, wo sonst niemand hin will. Die meisten dieser Laender eignen sich fuer Frauen nicht. Die Arabischen Staaten, Afrika, Asien und Suedamerika sind kulturell einfach nicht so weit. Australien waere gut moeglich, aber dort suchen sich die Australier natuerlich auch die besten Jobs aus und man bekommt Angebote im Outback.

Natuerlich kann man auch Glueck haben. Ein Freund von mir ist seit 6 Monaten in Brisbane nur hatte der auch 10 Jahre Erfahrung im Management von Grossprojekten. Auslandspraktika koennen Deine Chancen schon verbessern, sind aber auch keine Garantie. Insbesondere wenn Du beschliesst doch nicht ins Ausland zu gehen oder dort nichts findest. Ich kenne Arbeitgeber in Deutschland die Absolventen mit Auslandspraktika gar nicht einstellen, weil diesen die heimische Beruferfahrung gaenzlich fehlt.

Ich habe damals ein Praktikum in China und eins in Hamburg gemacht, ob das nun richtig war, weiss ich auch nicht, immerhin verdient man 6 Monate spaeter und die Studienzeit verlaengert sich um ein Semester. Man glaubt gar nicht, wie viele Arbeitgeber die Studiendauer hoeher ansiedeln wie die Abschlussnote. Am Ende musst Du fuer Dich entscheiden, was Du willst und das Beste daraus machen. Klingt vielleicht nicht gerade danach, was Du hoeren willst aber ein 100%tiges Erfolgsrezept gibt es nicht. Gute Noten, Regelstudienzeit und flexibel beim Wohnort waeren noch die besten Grundlagen - klingt nicht nach Strand, Party und Spass ist aber wohl so.

Ole

| 13. September 2010 - 10:26

Liebe Nadine,

ich frage mich immer wieder was "Ihr jungen Menschen" hier nicht verstehen wollt!?

Hier sind alle (oder sagen wir 99,9 %) der Beiträge ernst gemeint. Jeder in seiner Art, mal differenzierter, mal polemischer, mal etwas platter oder etwas einfacher im Aufbau. Aber ich denke, jeder berichtet von seinen ganz persönlichen Erfahrungen.

Aber eines steht fest, das Bauingenieurwesen ist eine der am schlechtesten bezahlten Ingenieurfachrichtungen. Ebenso denke ich, dass die "Kontrollgruppe" hier ausreichend groß ist, um sich ein Bild von diesem Beruf machen zu können.

Klar gibts hier einige, die einen guten Job erwischt haben (und davon berichten), aber auch dort ist der Verdienst mit keiner anderen Ingenieurfachrichtung konkurrenzfähig.

Bauingenieure verdienen im Vergleich schlecht und haben auf keinen Fall einen ruhigen streßfreien Job (schon gar nicht gemessen am Verdienst).

Hier gibt es endlose Eindrücke die man lesen kann...wenn man denn nur möchte...

Nur weil einem die "Realität" nicht passt, hier immer wieder zu fragen, ob nicht einer oder viele mal was Positives schreiben, bringt mich auf die Palme.

Hier gibt es positve Berichte (und differenzierte), lies einmal die Beiträge von Ole und Equilibrium zum Thema, aber auch Equilibrium würde aussteigen, wenn sich die Möglichkeit bietet. Trotz Spaß am Job (und vergleichsweise gutem Verdienst, bei aber auch vglw. hoher Qualifikation, was die Sache dann schon wieder relativiert)!

Einfach mal lesen...und wenn Ihr "Grünschnäbel" es einfach nicht glauben wollt, dann kann Euch wirklich keiner helfen.....studiert Bauwesen, aber jammert dann in 5-10 Jahren nicht in diesem Forum, wie wir "Jammerlappen" heute...

Nadine | 13. September 2010 - 08:58

Hallo Forengemeinde!

Ich lese jetzt längere Zeit hier und auch im restlichen www. Dabei findet man immer positive, wie auch negative Beiträge. Aber manche von Euch sind ja dermaßen negativ eingestellt, dass man sich fragt, wie sowas passieren kann.

Ich möchte im Oktober anfangen zu studieren, ja als Frau. Ich hatte Mathe und Physik Lk, war dort auch gewohnt allein unter Männern zu sein. Auch hätte ich kein Problem ins Ausland zu gehen oder Spezialbereiche abzudecken. Könnt ihr mir Tipps geben, wie ich meine Chancen für später verbessern kann?

Ein Auslandssemester ist ohnehin schon geplant. Bei einem Vorstellungsgespräch für eine Praktikumsstelle sagte mir der Inhaber, dass er seit Jahren Nachwuchsstatiker sucht, aber niemanden finden kann. Obwohl er 2600 als normales Einstiegsgehalt sehen würde. In welche Richtung sollte man seinen Master machen und spielt das überhaupt eine große Rolle?

Ich bin froh über jede ernstgemeinte Antwort.

Lg Nadine

sticky007 | 06. September 2010 - 19:52

@ Marcus 83
Was ich überhaupt nicht verstehe ist, dass Du so auf den Praxisbezug bestehst, d. h. Duales Studium mit Maurerlehre, und dann von Sachen redest die Du nur theoretisch kennen kannst, also den Berufsalltag (Gehalt etc.) des Bauingenieurs. Das passt nicht zusammen. In meinen vorherigen Postings geht es um nackte Tatsachen bzw. harte Fakten (Gehalt) und nicht um Schwarzmalerei.

Des Weiteren ist mir neu, das im Öffentlichen Dienst "die schönen Gehälter locken". Richtig absurd ist Deine Aussage, dass man sich weiterbilden soll und dann alles gut wird. Ohne Weiterbildung läuft schon seit Jahrzehnten in keinem Beruf mehr was, außer vielleicht beim Bäcker.

Zu guter Letzt vergleicht man nie Nettogehälter, da diese sich individuell (Lohnsteuerklasse etc.) ergeben.

Gruß Björn

| 05. September 2010 - 17:57

@ Marcus 83: Klingt für mich wie fahren ohne Führerschein....oder wie Leute die über Bücher sprechen ohne darin gelesen zu haben.....wobei, wie war das noch mit Karl May......

Equilibrium | 03. September 2010 - 07:16

Hallo Marcus83,

zunächst mal meinen Glückwunsch, dass Du nach dem schlechten Hauptschulabschluss noch Abitur gemacht hast. Das finde ich wirklich gut!

Bevor man aber Bauingenieuren eine Jammer-Mentalität unterstellt, wäre es natürlich hilfreich, wenn man sich zuvor selbst(!) als Bauingenieur ein Bild von diesem Beruf machen konnte. Selbstverständlich ist der Beruf des Bauingenieurs besser bezahlt als der des Bäckers. Aber als Vergleichsmaßstab sollte man natürlich die Berufe wählen, die ähnliche Talente und Interessen voraussetzen und auch ein ähnlich niveauvolles Studium. Deswegen vergleichen sich Bauingenieure normalerweise mit anderen Ingenieuren und eben nicht mit Bäckern.

Dein Spruch „Jeder hat es selbst in der Hand“ trifft natürlich nur auf Sachverhalte zu, die im persönlichen Einflussbereich liegen. Ob Du Bäcker oder Bauingenieur wirst, kannst Du (innerhalb Deiner persönlichen Grenzen) noch selbst beeinflussen. Welches Gehalt am Ende für Deinen Studienabschluss marktüblich(!) ist, kannst Du als Individuum nicht mehr beeinflussen. Du kannst allenfalls darum kämpfen, dass Du durch Verhandlungsgeschick zumindest das beste aus Deiner Situation machst. Aber dem sind durch Angebot und Nachfrage eben gewisse Grenzen gesetzt.

| 30. August 2010 - 14:14

Hallo Marcus,

ich habe nicht den Eindruck das hier über den Beruf des Bauingenieurs geschimpft wird, sondern über die oft nicht angemessene Vergütung. Wem der Beruf Freude bereitet (und das sollte ein Beruf) soll ihn ruhig ausüben. Wer allerdings auf viel Geld aus ist oder nicht darauf verzichten kann / will, hat in anderen Berufen bessere Chancen (Ausnahmen bestätigen die Regel).

>> Und was ist nun besser als hungerleidender Bäcker (Verdienst Meister mit 10 Jahren Berufserfahrung: 1500 € Netto) oder als M.Eng. mal zu enden (im öffentlichen Dienst, locken da schöne Gehälter)!? Liegt auf der Hand oder?

Marcus83 | 27. August 2010 - 00:01

Ich beginne gerade das duale Bauingenieurstudium. D.h. ich lerne Maurer und in 3 Jahren werde ich den Facharbeiterbrief bekommen und in 4 Jahren den Ingenieurtitel. Ist das aus Sicht einer Person, die lange in der Baubranche ist, von Vorteil? Ich denke, dass die Baufirma (mittelständisch mit 170 Leuten) das nicht machen würde wenn es der Baubranche so schlecht gehen würde, wie es hier beschrieben wird.

Immerhin bin ich nur die ersten 13 Monate auf dem Bau und das Unternehmen muss weiterzahlen, im 3 Lehrjahr sogar 1000 €, obwohl ich dann schon beim Studium bin. Klar kriegen die ne Spritze, aber warum investiert die Firma in mich? Weil es denen so schlecht geht? Oder weil die sich auf einen Ingenieur freuen, der in der eigenen Firma Maurer gelernt hat. Viele Maurer und so schimpfen auf dem Bau über die Bauleiter, Architekten und Ingenieure, dass diese keine Ahnung haben und keinen Hammer richtig halten können. Wenn ich mir so die Bauleiter der letzten Baustellen anschaue, dann kann ich mir das sehr gut vorstellen.

Und des weiteren hab ich erst heute gelesen, dass die Aufträge wieder gestiegen sind. Also ein bischen Schwarzmalerei ist hier auch im Spiel denk ich. Hier beklagen sich ziemlich viele Leute über den Beruf des Bauingenieurs! Aber eigentlich ist es auch ziemlich "Deutsch" immer nur zu jammern und zu heulen. Der Deutsche ist einfach nie zufrieden mit dem was er hat.

Ich kenne einen Prof. privat und der meint, dass man nach dem Bachelor auf keinem Fall aufhören darf und den Master machen sollte (denn der Bachelor hat mittlerweile das Gehalt vom Techniker und dann ist´s eh wurst ob Uni oder FH, außerdem heißt es nicht mehr FH, sondern HS). Weiterbilden ist das Motto. Ich bin 26 und gelernter Bäcker und habe damals die Hauptschule mit 4 x 5 beendet und nun? Ich habe Abi gemacht und fange nun an eine zweite Lehre und ein Studium zu beginnen. Ich bin selber auf mich sehr stolz, denn mir haben schon sehr viele gesagt, dass ich nicht mal das Abi schaffen werde. Und was ist passiert? Ich habs geschafft! Ich kann es absolut nicht ab wenn man sich nur beschweren kann.

Jeder hat es selbst in der Hand und wenns dann mal nicht so läuft dann muss man halt was ändern! Fragt mich nicht was, aber ich hatte auch den Arsch in der Hose was zu ändern! Und was ist nun besser als hungerleidender Bäcker (Verdienst Meister mit 10 Jahren Berufserfahrung: 1500 € Netto) oder als M.Eng. mal zu enden (im öffentlichen Dienst, locken da schöne Gehälter)!? Liegt auf der Hand oder?

Ich hab noch einen Ratschlag an euch: Mancher verdankt seinen Erfolg den Steinen die man ihm in den Weg gelegt hat! In diesem Sinne...

Ole | 25. August 2010 - 14:02

Ich arbeite in Johannesburg, meine Freundin in Kapstadt. Ich fliege jede zweite Woche und sie fliegt die Woche dazwischen. Kinder haben wir nicht, wollen aber welche. Das geht erst Ende des Jahres, weil wir dann finanziell soweit sind, dass wir uns auch mit Kindern nicht einschraenken muessen. Ich bin 38 und sie ist 27, falls das eine Rolle spielt. Zur Zeit ist sie allerdings in Spanien und ueber Weihnachten 3 Monate auf den Antillen.

Generell kann man waehlen, was man moechte. Meistens waehlen meine Kollegen die Variante 1. Heisst Frau bleibt mit Kindern zu Hause und Mann kommt alle 3 Wochen eine Woche nach Hause, wo immer das auch sein mag. Durch die Ueberstunden wird meistens mehr als eine Woche draus. Im Moment, heute ist Donnerstag, ist die Baustelle nur halb besetzt, weil viele Kollegen bereits auf dem Flughafen sind. Die Fluege werde bezahlt und der Mietwagen zu Hause auch. Wenn Wohnort und Arbeit zu weit auseinander liegen, werden andere Regelungen getroffen. Die Kollegen von mir, die in Australien arbeiten, arbeiten 6 Wochen und haben 2 Wochen frei. Variante 2: Die Familie wandert mit. Wird eigentlich nur von Paaren gewaehlt die keine / kleine Kinder haben oder wenn das Land eine gute Ausbildung / Sicherheit zulaesst.

Also SA oder Australien geht. Kongo, Angola oder so geht nicht. Ich mache nur Laender die halbwegs sicher sind. Das heisst in meinem Fall keine Krisengebiete und keine Kriegsgebiete. Obwohl dort das meiste Geld ist. In Afghanistan hat die US Armee Ingenieure gesucht und netto 18000 USD gezahlt. Mein Freund ist dort. Nichts fuer mich, Splitterschutzweste und Helm stehen mir nicht so gut. Auch Camp leben ist fuer Frauen nicht zu empfehlen. Wird oft in der Petrochemie gemacht, muss ich auch nicht haben.

Es kommt immer darauf an, wie die Lebenseinstellung der Frau ist. Viele Frauen muessen ihre Familie, Mama, Papa, Bruder usw staendig sehen, das geht natuerlich dann nicht. Mal abgesehen davon, das ich das Leben gar nicht so schlimm finde, hat es den entscheidenen Vorteil, das man mit 40 bis 45 in Rente kann, wenn man nicht auf Sportwagen und irre grosse Haeuser steht. Ich waehle immer Variante 3: Ich fahre nur einemal im Jahr nach Hause und die restlich Zeite fliege ich irgenwo hin, wo ich noch nicht war.

Ole

kurzdavor | 24. August 2010 - 19:17

@Ole
wie machen Sie es mit der Familie? Haben sie keine? Oder schleppen sie diese immer mit, oder reisen sie immer wieder nach Deutschland?

Wäre echt nett wenn Sie antworten würden, mich interessiert es schon. Z.B gibt es Leute, die 20 Tage arbeiten und 20 Tage dann frei haben. Wenn es so ähnlich bei ihnen ist, dann geht es ja!

Ole | 24. August 2010 - 15:19

Irgendwie wird hier immer versucht den Bauingenieur pauschal zu bewerten. Das wird niemals ein anstaendiges Bild geben. Dafuer sind die Einsatzbereiche einfach viel zu unterschiedlich. Wer bei "Ernst Duempelmann" im Brahmstedter Moor Statiken fuer die notleidende Deutsche Landwirtschaft rechnet, wird mit Sicherheit ueber 3000 EUR Brutto nicht kommen. Wie jemand schon bemerkt hat, sind die meisten Bauingenieure einfach nur zu feige, zu bequem oder aengstlich ihr Gehalt einzufordern und das aus ganz unterschiedlichen, manchmal sogar nachvollziehbaren Gruenden.

Ich kenne eine ganze Reihe Bauingenieure, die irgendwann vor 10 -12 Jahren einen Job angefangen haben und tatsaechlich immer noch da arbeiten, ohne das das Gehalt gestiegen ist. Die haben dann auch meistens ein Haus gebaut oder gekauft, 2 Kinder und kommen hinten und vorne nicht hin. Dann gibt es natuerlich auch die Anderen, die irgendwo Projektmanagement machen oder Designmanagement in grossen Bueros. Die unterhalten sich dann eher darueber, ob es lieber ein Porsche oder ein Haus am Meer sein soll.

Ich verdiene wirklich ziemlich gut und habe dennoch den Zenit noch nicht mal gesehen. Es ist wie immer im Leben, Einige sind einfach besser als Andere. Machmal frage ich mich in der Tat wie jemand der 5 Jahre juenger ist als ich 30.000 EUR im Jahr mehr verdient. Mein MD ist in meinem Alter und verdient 130.000 EUR und der ist auch Bauingenieur. Auffaellig ist, das in meinem Bekanntenkreis nicht die, mit den besten Anschluessen die Super-Jobs haben, sondern eher die 2er-Kandidaten. Haette ich so nicht erwartet. Irgendwie kommt es immer drauf an, was man daraus macht.

Falls jetzt wieder jemand schreibt, das kann alles nicht sein und wilde Spekulation ueber meine Beschaeftigung anstellt: Ich bin bei einem global taetigem Bauunternehmen beschaeftigt und bis Ende 2010 in Suedafrika. Danach geht es entweder nach Botswana, Syrien, Mosmabique oder Australien. Das kann ich mir nicht aussuchen und ich finde, das es meinem Leben die entsprechende Wuerze verleiht und mein Privatleben bleibt auch nicht auf der Strecke.

Eigentlich muss ich sogar feststellen, das ich wesentlich mehr Privatleben habe wie die Kollegen zu Hause. Davon mal ganz abgesehen, kann ich mit 45 in Rente. Aber das muss dann jeder selber wissen. Ganz sicher ist, das man nichts geschenkt bekommt. Nirgens, in keinem Beruf.

BauIgelSelbständig | 24. August 2010 - 09:16

Ich bin direkt nach dem Studium als Freiberufler selbständig tätig geworden. Die ersten Jahre waren sehr hart. Ich habe aber immer versucht Sparten zu finden, welche von meinen Kollegen nicht bearbeitet werden wollten, oder konnten. Habe mich in diesen Sparten spezialisiert, und siehe da, ich hatte als einziger unter fast 7 Kollegen in den letzten Jahren keine Leerzeiten.

Ich hatte wenig Konkurrenz, und dadurch konnte ich mich gegen die Dumping-Honorare wehren. Ich wundere mich immer wieder wie viel in unserer Branche gejammert wird. Allerdings sind wenige bereit (aus Angst, Gemütlichkeit...) was gegen ihre Situation zu unternehmen. Wenn jemand aus Ideologie ein 40 h Job für 2000 EUR Brutto annimmt, dann tut er mir nicht nur leid, dann bin ich stinke sauer auf ihn. Viele von uns haben keinen Arsch in der Hose zu agieren.

Es ist mittlerweile nämlich so, dass offene Stellen nicht besetzt werden können, weil nicht genügend Bauingenieure frei sind. Vielleicht sollte sich jeder überlegen, wie viel seine Arbeit wert ist, und dies auch einfordern, und Mut zum Jobwechsel haben. Wer aber resigniert, und aus Angst oder Gemütlichkeit seine Situation hinnimmt, der schadet nicht nur sich selber, sondern uns allen.

bauinghel | 21. August 2010 - 16:09

Lieber Gerd,

teile uns doch bitte detailliert das Marktsegmentchen mit, für das Deine Aussage gilt. Ich bin sicher das es das gibt, die Mehrheit der Bauingenieure betrifft das aber bestimmt nicht.

a2005 | 20. August 2010 - 21:43

@Gerd

Wenn gemäß des neuesten Bürokostenvergleiches durchschnittliche Personalkosten von 30.000 bis 40.000 € pro Jahr benannt werden, kann die Angabe von Gerd natürlich nicht stimmen. Es ist mir auch nicht bekannt, dass in Ingenieurbüros je Ingenieur ein Firmenwagen gehalten wird.

Das tarifliche Anfangsgehalt liegt in der Bauwirtschaft bei 3.000 € / Monat und gemäß Arbeitgeberverband Selbständiger Ingenieure und Architekten (ASIA) -Tarifvertrag bei 2.600 € / Monat in Ingenieurbüros. Falls die Arbeitgeber nicht nach Tarif zahlen, dann weniger.

Wer sich http://bit.ly/c2GhUI anschaut, wird auch die Diskrepanz zwischen Studienanfängern und Absolventen feststellen und dass Mitte bis Ende der 90ger Jahre ganze Jahrgänge in die Krise studiert haben, die teils als un- oder unterbeschäftigte Fachkräfte noch zur Verfügung stehen.

Und gemäß der Absolventenstudie der TU Dresden aus dem Jahre 2003 verdienten gerade mal 2 bis 3 Prozent der Absolventen mehr als 3.079 € / Monat als Einstiegsgehalt. Siehe http://bit.ly/95NOfF

Gerade in den nächsten Jahren ist mit einem weiteren Rückgang in der Bautätigkeit zu rechnen: Demografie, Wirtschaft und die Sparzwänge der öffentlichen Haushalte sprechen eine klare Sprache. Außerdem sind Preise und Sitten am Bau verdorben. Wo sollen im Planungsbereich die großen Gehaltssprünge herkommen, wenn seit 1996 die Honorarwerte gerade mal um 10 Prozent gestiegen sind und immer noch munter die HOAI unterboten wird.

Hier noch der Artikel "Gehaltsreport: Die wahren Gehälter der Ingenieure" aus dem Spiegel von 2004, er ist nach wie vor aktuell: http://bit.ly/dbj1Ol

Equilibrium | 20. August 2010 - 15:36

Hallo Gerd,

Du solltest nicht vergessen, dass Deine Zahlen auf persönlichen Erfahrungen beruhen. Ich arbeite (wie Du vielleicht auch?) in einem großen Baukonzern. Wenn man dann seine eigenen Erfahrungen und die der eigenen Kollegen zum Maßstab nimmt, kann man tatsächlich zu Deiner Einschätzung kommen, denn die großen Firmen locken in der Regel die besten Absolventen zu sich und zahlen dafür auch (ganz) gut.

Aber für den Durchschnittsabsolventen sind die Chancen auf eine Anstellung bei den Branchenriesen eher schlecht. Der Normalfall ist ein kleines oder mittelständisches Unternehmen als Arbeitgeber und die zahlen in den überwiegenden Fällen nicht den Tarif. Das von Dir genannte Gehalt dürfte meines Wissens nach A VII entsprechen. Diese Stufe bekommen aber nur Absolventen der Uni. Du verschweigst, dass die Baufirmen FH-Absolventen nur mit A VI einstellen. Und Mario, der diesen Thread eröffnet hat, würde meines Wissens nach einen FH-Abschluss machen. Weiterhin lässt Du die regionalen Unterschiede außer Acht. Mario wohnt in Brandenburg und will in Dresden studieren. Falls er nach dem Studium nicht unbedingt die neuen Bundesländer verlassen möchte, wird er mit ganz anderen Gehältern rechnen müssen, als in den alten Bundesländern.

Und ich weiß beim besten Willen nicht, warum Du die 45-Stunden-Woche als Standard für Neueinsteiger festlegst. Das ist völlig aus der Luft gegriffen und undifferenziert. Es gibt nicht DEN Bauingenieur. Stattdessen gibt es Bauleiter, Projektsteuerer, Kalkulatoren, Statiker, Wissenschaftliche Angestellte, Beamte, Angestellte im ÖD, und vieles mehr.

Da kann man nicht ernsthaft behaupten wollen, es gäbe einen Standardwert (=45 h-Stunde-Woche). Die Spanne reicht vermutlich von ca. 40 bis 60 Stunden/Woche. Bei Bauleitern im Auslandseinsatz werden teilweise noch deutlich mehr als 60 Stunden/Woche erreicht.

| 20. August 2010 - 10:09

>>Das Gehalt für eine 45 Stundenwoche liegt bei Neueinsteigern bei min. 3500 € brutto, 13 Monatsgehältern.

chefkoch435 | 20. August 2010 - 09:52

Ich kann meinem Vorredner nur zustimmen!

Ich bin vor zwei Jahren al Bauleiter mit 3.000 € + Auto eingestiegen. Das hört sich vom Gehalt her nicht sonderlich gut an, Wenn man aber für das Auto nur 500,- netto (1000,- brutto) rechnet, und da kommt man mit allen Kosten ganz leicht hin, sieht die Sache schon anders aus.

Mittlerweile bin ich auch bei 3.700 € (A7 Tarifvertrag) + Auto. Und die Zahlen, die ich hier nenne, entsprechen - nicht wie von vielen anderen behauptet - tatsächlich der Realität. Die meißten die ich aus meinem FH Jahrgang kenne sind mit vergleichbaren oder besseren Konditionen (teilweise 3.700,- €) eingestiegen!!! Was die Arbeitsbedingungen angeht, lässt sich das schlecht verallgemeinern.

Wer jeden Tag pünktlich um 16:00 Uhr Feierabend haben will, sollte Lehrer werden, aber keine Führungsposition übernehmen. In anderen Branchen mag es teilweise wirklich besser sein, was die Arbeitszeit angeht, allerdings wird man auch da in der Regel bei einem solchen Gehalt nicht mit 40 Std. hinkommen.

Eine Sache möchte ich noch erwähnen, zwar ist man als Bauleiter häufig von Montag bis Freitag auf Montage, was man natürlich als Nachteil auslegen kann, allerdings kann dies u.U. auch ein Vorteil sein. Ich kann mich bei meinem Wohnsitz zu 100 % nach meinem Privatleben richten und muss mir keine Sorgen über einen berufsbedingten Umzug machen. Ich komme aus einer ländlichen Gegend und alle Leute die ich kenne und als Ingenieur oder in einer sonstigen vergleichbaren Position arbeiten, haben das gleiche Problem: Nur das die ihre Zweitwohnung selbst bezahlen müssen. (Der letzte Absatz betrieft eher Leute ohne Familie, aber wer weiß schon was in 10 Jahren ist)

Bei dem was ich geschrieben habe, beziehe ich mich lediglich auf die Bauausführende Industrie, wie es in Ingenieurbüros aussieht, weiß ich nicht.

| 20. August 2010 - 07:59

Hallo Gerd,

finde das wurde auch wirklich Zeit, dass mal wieder jemand von der Baulobby reinschaut!

Freut mich, dass Du uns nur Eigennutz vorwirfst, wir haben auch alle nichts anderes zu tun (der Tag hat ja 24 h, da bleiben nach 10-13 h Arbeit für wenig Geld ja noch 12 Stunden hier unsere Lage zu verbessern). Denke da werden wir bestimmt auch kurzfristig etwas bewirken...

So ein bodenloser Unsinn...

Gerd | 19. August 2010 - 21:21

Hier wird zu meiner Überraschung sehr negativ über die Berufsmöglichkeiten eines Bauingenieurs geschrieben, wohl deshalb, weil die meisten "Redakteure" noch als Frischlinge durch die Arbeitswelt taumeln. Ich bin nun seit ca. 20 Jahren in der Baubranche tätig, davon 15 Jahre als Bauingenieur. Mein Alter beträgt 37 Jahre. Tatsächlich gab es vor ca. 5 Jahren einen deutlichen Knick bei den Gehältern, jetzt scheint sich aber die Lage wieder normalisiert zu haben.

Das Gehalt für eine 45 Stundenwoche liegt bei Neueinsteigern bei min. 3500 € brutto, 13 Monatsgehältern. Ausgenommen natürlich der öffentliche Dienst. Ab ca. 15 Jahre Berufserfahrung kann man mit ca. 5000 € brutto rechnen, zzgl. Firmenfahrzeug.

Natürlich verdienen Ingenieure im Maschinenbau und im E-Technikbereich noch deutlich mehr (>+ 1000 € /mon). Aber Kopf hoch und lasst euch nicht anlügen von all den lähmenden Pessimisten, die hier nur versuchen, ihren status quo zu verbessern!

Patrick | 18. August 2010 - 22:53

Gratulation Mario,

wir haben Dich wohl langsam überzeugt was? Nein im ernst, ich komme gerade wieder nach nem 13 h Stunden Tag von der Baustelle, und kann Dir sagen, dass das kein Zuckerschlecken ist als Bauingeniuer.

Viel Arbeit, Ärger, Stress und Überstunden die einem niemand bezahlt! Wenn ich die Wahl gehabt hätte (die hatte ich eigentlich / nur gab es damals noch kein Forum bei Bauingenieur24) hätte ich diesen Beruf niemals ergriffen!

Also tue gutes daran und orientiere Dich in eine andere Richtung.

gast | 17. August 2010 - 17:09

Maschinenbau ist in jedem Fall die bessere Wahl, wenn man sich schon mit dem Gedanken der Wahl trägt!

Auch im Maschinenbau gibt es schlechtere Phasen (und die unterschiedlichsten Branchen), aber im Bauwesen ist es wie im Gesundheitswesen, Aussicht auf Besserung aussichtslos!

Mario | 16. August 2010 - 20:34

Hallo Equilibrium,

vielen Dank für deinen Beitrag, ich bin mittlerweile wirklich ernsthaft am überlegen das Bauingenieur-Studium sein zulassen und doch eher vielleicht Maschienbau zu studieren? Auf dieser Seite, in diesem Forum wird eigentlich nur negativ über schlecht bezahlte und Überstunden geplagte Jobs berichtet.

Ich bin selber zurzeit wieder Arbeitnehmer in meinen alten Beruf und verdiene jetzt auch ca. 2000 € Brutto bei einer 40 h / Woche ohne Überstunden ohne alles. Ich wollte mich mit einem Studium verbessern und nicht auch noch nach 4 Jahren Studium und einer menge Schulden das gleiche verdienen und dann auch noch nicht nach 4 Jahren Studium dastehen und garkein Job mehr zubekommen. (weil einfach keine Nachfrage ist).

Desweitern habe ich auch vor eine Familie zugründen und auch vielleicht sesshaft zu werden und nicht mein ganzen Leben rum zureisen. (heute München und morgen Berlin).

Was sagt ihr als Bauingenieure, lieber Maschienbau als Bauingenieur zu studieren? Ich bin mittlerweile wirklich ernsthaft am überlegen, in welche Richtung ich nun gehen soll.

Gruß Mario

wannabe | 15. August 2010 - 19:55

Bin selbst noch in den ersten Semestern und habe in der kurzen Zeit eine große Leidenschaft für die Bauphysik entwickelt. Jetzt habe ich probeweise mal "Bauphysik" durch die Stellenanangebote durchgejagt, es sind jedoch nur wenige passende Stellenangebote übrig geblieben.

Ist Bauphysik ein totes Fachgebiet in der freien Wirtschaft oder besteht dort tatsächlich ein gewisser Bedarf. Innerhalb der Universität wird Bauphysik regelmäßig als das große Ding beworben. Eine wissenschaftliche Karriere wäre natürlich auch eine spannende Angelegenheit, aber mein Studium ist noch nicht weit genug fortgeschritten um darüber konkret nachzudenken.

Hat hier jemand Praxiserfahrung als / mit Bauingenieur(en) mit dem Schwerpunkt Bauphysik?

bauinghel | 14. August 2010 - 21:18

Schaut mal lieber diesen Link an:
http://www.hays.cn/salary/pdfs10/Construction.pdf
insbesondere die Gehaltstabelle.
Hinweis: 1 € = ca. 9 CNY , 2 SGD , 10 HKD

Equilibrium | 14. August 2010 - 14:58

Hallo Mario,

die Berufsinfos unter www.stern.de kannst Du getrost vergessen. Solche Statistiken gibt es schon seit Jahrzehnten und genauso lange wird behauptet, dass Bauingenieure bald Mangelware sind. Und warum wird auch in den miesesten Zeiten immer vom künftigen Bauingenieurmangel geredet? Ganz einfach: Der jährliche Bedarf an Bauingenieuren wird in der Regel auf Basis von Zahlen ermittelt, die von der Bauindustrie bzw. den Verbänden definiert werden. Mit dieser gezielten Desinformation will man die Zahl der Studienanfänger hochhalten. Die guten Absolventen bekommen dann die einzig vernünftigen Jobs, die durchschnittlichen Absolventen werden häufig ausgebeutet und die schlechten fahren Taxi. Ich sage das ganz offen, obwohl ich zur ersten Gruppe gehöre und eigentlich einen guten Job bekommen habe. Aber gemessen an den Erfahrungen aller Bauingenieure insgesamt, die ich kenne, ist dieser Beruf für viele im Normalfall alles andere als ein Traumberuf.

In den neuen Bundesländern und mit einem eher geringeren Abschluss (die HTW Dresden ist eine Art FH?) stehst Du dann später ziemlich mies da. Mach Dich auf Gehälter zwischen 2000 € und max. 2800 € brutto gefasst, wenn Du für ein kleines oder mittelständisches Unternehmen mit kleineren regionalen Projekten tätig bist. Der Mehrverdienst gegenüber einem gewerblichen Mitarbeiter im Baugewerbe (der dann am Wochenende noch schön schwarz dazu verdient) ist evtl. kaum oder gar nicht gegeben. Aber während die gewerblichen Mitarbeiter um 16 oder 17 Uhr Feierabend haben, schlägst Du Dir dann noch den ganzen Abend um die Ohren.

Falls Du eine Familie planst, dann lass das Bauingenieurstudium lieber bleiben.

P.S.: Den Spruch von Heinz „Bauingenieure wird man immer brauchen“ finde ich als Hilfestellung zur Berufswahl ziemlich albern. Darin steckt null Information über das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Und genau dies bestimmt die Arbeitsrandbedingungen (Vergütung, Arbeitszeiten, Aufstiegschancen, etc.). Über den tatsächlichen Bedarf in 5 Jahren lässt sich vermutlich auch mit bestem Wissen kaum eine zuverlässige Aussage treffen, aber eine kann man bereits treffen: In einer Branche, die seit ca. 15 Jahren von einer nahezu permanenten Rezession betroffen ist, hat der Umgang mit den Angestellten erheblichen Schaden erlitten. Und dieser Schaden wird selbst bei plötzlich eintretendem Aufschwung nicht kurzfristig behoben werden.

| 13. August 2010 - 12:21

>> Wer will kann sich ja auch mal diesen Link hier anschauen:
http://bit.ly/aICKNk

sticky007 | 13. August 2010 - 12:04

Hallo Steife t = 15,

die Stadt Hamburg ist im TV-L.
Als FH-Ing. bin ich in der Gehaltsgruppe 12. Ich bin in der Erfahrungsstufe 3, da ich erst seit 2,5 Jahren m Öffentlichen Dienst arbeite. Somit bekomme ich ca. 3.500 Euro pro Monat brutto (12,5 Jahresgehälter). Nicht die Macht aber in den Büro in denen ich gearbeitet habe gabs sogar noch weniger :-(

Alle Löhne sind Brutto-Löhne

Beispiel 1:
1. Job: Planungsbüro Wasserwirtschaft (ca. 10 Mitarbeiter)
Berufseinstieg im Jahr 2000 mit 4.000 DM nach Probezeit 4.200 DM. Nach über 6 Jahren Berufserfahrung ca. 2.500 Euro, also auch nicht so die große Steigerung. 12 Monatsgehälter, kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
2. Job: Planungsbüro Tiefbau und Wasserwirtschaft (ca. 15 Mitarbeiter)
Anfangsgehalt 2.800 Euro, nach der Probezeit 3.000 Euro. Es waren aber 15 Überstunden im Monat mit abgegolten. 12 Monatsgehälter, kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
3. Job: Planungsbüro Tiefbau und Wasserwirtschaft (ca. 30 Mitarbeiter)
Gehalt 2.900 Euro. 13 Monatsgehälter als Urlaubs- und Weihnachtgeld. D.h, ca im Jahresmittel ca. 3.150 Euro im Monat.
4. Job: Siehe oben Stadt Hamburg.

Also vom Gehalt her siehts aus meinen Erfahrungen eher mau aus.

Gruß
Björn

Steife t = 15 | 12. August 2010 - 15:11

Hallo Sticky007,

darf man erfahren was Du verdienst? (weil Du geschrieben hast dass das Gehalt ok sei für einen Bauingenieur).

Hallo Mario,

ich hatte kürzlich bei "Stern" oder "Spiegel" gelesen, dass uns Bauingenieuren demnächst (in ca. 5 Jahren) die Zukunft gehören wird (wenig Absolventen, viele gehen in den Ruhestand usw.). Als ich vor ca. 5 Jahren fertig war, musste ich für 1500 € brutto arbeiten. Damals war man froh, dass man Arbeit hatte (Hauptsache Erfahrung sammeln). Heute fangen die Kollegen nicht unter 2800 € brutto an, daher finde ich schon dass wir Zukunkft haben.

Nun zum Thema Überstunden: Ich finde es kommt auf die Firma an, wo man arbeitet. Bei der letzten Firma wo ich war, war Wochenarbeitsstunden von 50-60, 70 h keine Seltenheit, die ÜS konnte ich, wenn überhaupt nur abfeiern, oft auch nur für nix (schlechte wirtsch. Lage, bla, bla..) und das für lächerliche 3000 € brutto (durchschnittlich < 15 € / h brutto).

Jetzt habe ich gewechselt: 40 h / Woche, 3100 € brutto + 13. Monat, die ÜS werden mit 1,25 vergütet. Gehaltserhöhung jedes Jahr. Zwar nicht die Welt, aber immerhin. Eigentlich können wir uns noch glücklich schätzen. Bei den Architekten sieht es immer noch dunkel aus.

Gruß

P.S.: Kumpel von mir ist ein Jahr nach mir fertig geworden, verdient 3500 € brutto, 13. Gehalt, also kommt drauf an wo man ist.

gast | 12. August 2010 - 12:59

...denke, lieber Mario, da waren wir wohl doch zu träge zum lesen, denn die Meinungen gehen hier keineswegs auseinander, ein paar lieben ihren Beruf (zum Glück, an sich ein wirklich toller Beruf und wir brauchen Häuser und Straßen), würde sagen, 95 % sehen es aber wesentlich realistischer.

...wer gerne rudert heuert deswegen noch lange nicht auf einer Galeere an. Lustig finde ich auch, wenn Zweitsemester Tipps zum Beruf geben, die in einem anderem Thread eben die Ahnungslosigkeit eines Zweitsemesters an den Tag legen, dort gute Tipps von Hochqualifizierten kriegen und es trotzdem nicht "peilen"...

Finde wenn man es so leicht gemacht bekommt von Erfahrungen anderer zu profitieren und dann eine "Zusammenfassung" äußert, die zeigt, dass man nicht in den anderen Therads gelesen hat, dann "gehört es einem wirklich nicht besser".

;-))

sticky007 | 12. August 2010 - 10:40

Ich bin jetzt seit 10 Jahren als Bauingenieur tätig. Der Beruf an sich macht im Großen und Ganzen Spaß. Vor ca. 5 Jahren habe ich aber ernsthaft überlegt in eine andere Branche zu wechseln. Das Problem war viel Arbeit und ein schlechtes Gehalt (ca. 2.500 Euro brutto).
Anschließend habe ich noch in 2 weiteren Ing.-Büros gearbeitet. Die Bezahlung war geringfügig besser aber die Arbeitsbelastung wurde noch höher. D. h., Samstag und Sonntag gänztätig arbeiten war da auch mal angesagt.

Jetzt bin ich bei der Stadt Hamburg angestellt. Das Gehalt ist ok (für einen Bauingenieur) und ich habe endlich mal wieder geregelte Arbeitszeiten.

Bauingenieurwesen würde ich nicht mehr studieren. Eher Maschinenbau oder Wirtschaftsingenieurwesen.

Gruß Björn

Mario | 11. August 2010 - 17:36

Hallo,

danke für Eure zahlreichen Antworten. Wie ich mir auch schon dachte, gehen die Meinungen zum Studium als Bauingenieur sehr stark auseinander (warum auch immer, oder man bekommt es aus anderen Bereichen nicht so stark mit).

Die Frage mit dem Meisterbrief von "gast1234" hab ich auch schon ernsthaft überlegt, doch wer stellt ein 23-jährigen Meister mit wenig bis gar keiner Berufserfahrung ein?! Wenn ein Geselle, dann mehr Erfahrung hat als ein Meister. Darum habe ich mich doch noch mal für ein Studium entschlossen und nichts liegt da näher als ein Bauingenieur-Studium.

Also ich bin auch voll der Meinung von "Heinz": "Egal wie die Zukunft aussehen wird, ob man was abreisst oder etwas neu baut, Bauingenieure wird man immer brauchen." Ich will auch nicht gerad 5000 € für eine 10 h Woche haben. Denn Arbeiten muss man überall, ist meine Meinung und in so gerade eher schlechten wirtschaftlichen Zeiten, haben nicht nur Bauingenieure zu kämpfen.

Wer will kann sich ja auch mal diesen Link hier anschauen:
http://bit.ly/aICKNk

Gruß Mario

| 10. August 2010 - 22:58

Ich habe auch vor Bauingenieurwesen zu studieren. Tendiere aber auch zu Wirtschaftsingenieur Maschinenbau. Ich könnte mir gut vorstellen im Bereich der Erneuerbaren Energien (z.B. Windkraft) zu arbeiten und dort gibt es sowohl Wirtschaftsingenieure, als auch Bauingenieure.
Verdienen die dann wirklich so unterschiedlich, obwohl sie quasi nebeneinander sitzen?
Wenn man manche hier liest bekommt man das Gefühl kein Bauingenieur würde nochmal das gleiche studieren, weil er nicht ausreichend verdient.

Heinz | 10. August 2010 - 13:13

Hallo Zusammen,
also ich habe Ende der 80er Jahre Bauingenieur studiert. Damals hiess es von verschiedenen Seiten, dass man in die garantierte Arbeitslosigkeit hineinstudiert, was sich aber als Quatsch herausstellte. Ein Professor hat es seinerzeit gut beschrieben:

Egal wie die Zukunft aussehen wird, ob man was abreisst oder etwas neu baut, Bauingenieure wird man immer brauchen.

Genau so ist es.

BauingX | 10. August 2010 - 00:03

Wem es (nur in dieser Branche / diesem Beruf) Spaß macht, soll Bauingenieur werden. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Aber sobald diese Voraussetzung nicht erfüllt ist, sollte meiner Meinung nach NICHT Bauingenieur werden, zumindest nicht im Bereich Tragwerksplanung.

Die Bezahlung, die Karrieremöglichkeiten(!), die Arbeitsbedingungen sind im Allgemeinen die minderwertigsten aller Ingenieursdisziplinen. Wer etwas anderes behauptet (z. B. Kammerpräsidenten, Profs) hat andere Interessen (Büroeingentümer, Lehrstuhl etc.) und handelt m.M.n. grob fahrlässig.

Da man mit Zahlen/Daten am meisten anfangen kann:
Hab mit 30k/a angefangen und bin nach 4-5a jetzt bei 45k/a, bei 45-50h/Wo. Damit liege ich im unteren Drittel aller vergleichbaren Mit-Akademikern, die ich kenne. Aufstiegs- und "Weiterkomm"möglichkeit habe ich in meiner derzeitigen Position im Grunde keine, über mir ist nur noch der Chef...



PS. Etwas muß ich noch loswerden:

"Ich muss mal fragen, was mancher sich denn unter Arbeit vorstellt? Morgens um 9:00 anfangen um 15:00 gehen und dafür 4.000 EUR / Monat plus Urlaubs- und Weihnachtsgeld kassieren? Wer viel will muss auch was geben. So habe ich es gelernt und so habe ich mich immer verbessert."

Das ist kein ernst gemeinter Beitrag zur Diskussion, oder?

timmae | 09. August 2010 - 18:08

also wenn du mehr von der baubranche weg willst, dann vertief eher KI, da du dort mit großer wahrscheinlichkeit auch viel mit FEM machen wirst. und dann zum master hin, vlt. in richtung computational mechanics vertiefen (einfach mal googlen ;)) aber wichtig ist, dass du soetwas nur machst, wenn du auch gefallen daran hast, ansonsten wirst du dabei so oder so nicht glücklich
habe schon von diversen bauings gehört, die eben auch als berechnungsingenieure für luft- und raumfahrtunternehmen arbeiten.

Michi | 09. August 2010 - 14:08

Hallo,

ich studiere im Moment Bauingenieurwesen im 3. Semester an einer FH und will mich nebenher noch etwas mehr über den Beruf und die Möglichkeiten informieren.

Im Forum gibts ja schon X Diskussionen über den Sinn und Unsinn eines Bauingenieur-Studiums, was mich doch ehrlich gesagt ein wenig verunsichert in meiner Berufswahl.

Aus diesem Grund hatte ich ursprünglich vor, Baubetrieb (im Bachelor erstmal ggf. auch beim Master) zu vertiefen, da ich hier das Gefühl habe nicht so stark von der Baubranche abhängig zu sein.

Wie seht ihr das, zählen übergreifende Berufe - grad in der Vertiefung Baubetrieb / Baurecht / Managment etc. - eher zur Seltenheit oder sind (Wirtschafts-) Bauingenieure auch allgemein auf dem modernen Arbeitsmarkt gefragt? Ich würde mir sehr gern viele Optionen offenhalten.

Ein Bauingenieur-Studium reizt mich zwar dennoch stark, jedoch kann ich mich kaum mit dem Gedanken von reiner Projektarbeit, unbezahlten Überstunden, viel reisen etc. anfreunden.

Danke für eure Meinungen

BauIng | 09. August 2010 - 14:00

Hallo zusammen,

ich muss hier mal eine Lanze für den Bauingenieur brechen.

Irgendwie hab ich das Gefühl hier schreiben nur abgestrafte Bauingenieure Ihren Frust von der Seele. Ich bin selber seit fünf Jahren mit meinem FH Studium fertig und muss sagen, ich übe meinen Beruf sehr gerne aus. Ich habe auch sehr viel Kontakt zu anderen Bauingenieuren (bin auf der Auftraggeberseite) von Ingenieurbüros und Baufirmen. Also die Klagen nicht wie die, die hier im Forum antworten.

Ich muss mal fragen, was mancher sich denn unter Arbeit vorstellt? Morgens um 9:00 anfangen um 15:00 gehen und dafür 4.000 EUR / Monat plus Urlaubs- und Weihnachtsgeld kassieren? Wer viel will muss auch was geben. So habe ich es gelernt und so habe ich mich immer verbessert.

Ich habe auch gleichzeitig mehrere Projekte und mache auch diverse Überstunden, aber wer macht die nicht? Unsere Kaufleute, Controller und Co. sind genauso lange im Büro wie ich. Und die haben BWL oder ähnliches Studiert und nicht Bauingenieurwesen. Ich habe auch Kollegen, die mehrere Jahre ins Ausland müssen, oder ständig auf Achse sind. Aber das sind auch keine Bauingenieure.

Ich will nur deutlich machen, dass der Bauingenieur hier aus meiner Sicht zu schlecht weg kommt. Übrigens, ich bin kein Überflieger im Studium gewesen. Habe eher einen miesen Abschluss!

gast1234 | 08. August 2010 - 14:49

Vielleicht schon mal an einen Meistertitel gedacht? Das ist nicht so langwierig wie ein Studium und auch viel Praxisbezogener.

a2005 | 08. August 2010 - 12:58

Im öffentlichen Dienst verdient man beim Einstieg mit HS-Abschluss in E13 3.075 € / Monat brutto. Gem. Tarifvertrag für Architektur- und Ingnieurbüros in Gruppe T4 2.800 € / Monat. Im Bauhauptgewerbe liegt der tarifliche Einstieg etwa wie im öffentlichen Dienst.

Der Haken: Viele Baubetriebe und viele Büros unterliegen nicht dem Tarifvertrag und zahlen weniger. Während man derzeit im ÖD nach 15 Jahren mit um die 4.000 € / Monat rechnen kann (nur von den Arbeitsjahren her) bleibt es in Ingenieurbüros häufig beim Einstiegsgehalt. Mittelständische Baubetriebe hungern sich an der Pleite vorbei. Als Bauleiter kann man sich dann mit mehreren Baustellen abgeben, als Ingenieur oder Architekt mit mehreren Projekten.

Auch dem Fachkräftemangel sollte man nicht trauen - zwar gehen zunehmend Bauingenieure in den Ruhestand, allerdings wird auch das Bauvolumen geringer und damit weniger Arbeit da sein.

Es gibt ein paar Leute, die ganz gut verdienen - da muss man aber schon ein Überflieger sein, damit man eine Stelle bei den ganz großen Konzernen ergattert oder ein Büro mit mehreren Angestellten aufbauen oder dort einsteigen - da kann man auch Lotto spielen.

Gast87 | 03. August 2010 - 22:38

Also wie du sicher schon weißt, ist der Beruf des Bauingenieurs im Verhältnis Stress/Bezahlung meist unausgeglichen.. also viel Verantwortung, lange Arbeitszeiten für (aber auch nicht unbedingt) wenig Geld.

Viele von ihnen üben diesen Beruf aber mit Leidenschaft aus und man hat, sofern man sich engagiert, viele Möglichkeiten, als Bauingenieur nach dem Studium tätig zu werden.
Sogar Banken und Sparkassen als Arbeitgeber (Immobilien) sind denkbar!

Es ist ganz davon abhängig, worauf du später abzählst.. Ist es die Bezahlung? Ist die Arbeit & Vielseitigkeit? Oder beides? Ob es sich lohnt, ist ganz davon bzw. ganz von dir selbst abhängig..

Soweit meine Meinung (obwohl ich noch studiere)...
Grüße

Patrick | 03. August 2010 - 22:24

Hi Mario,

das geht ganz schnell.
Wenn Du nicht als unterbezahlter und überstundengeplagter Arbeitssklave enden möchtest, dann studiere bitte kein Bauingenieurwesen!

bauinghel | 03. August 2010 - 21:51

... genau: einfach jeden Tag 1-2 Stunden hier im Forum lesen. Hier wird eigentlich kaum etwas anderes besprochen. Wem das zuviel lesen am Bildschirm ist, der sollte nicht Ingenieur werden.

gast | 03. August 2010 - 11:47

...dieses Forum "strotzt" nur so von Antworten zu der Frage! Kaffee kochen und lesen...

P.D. | 12. November 2004 - 10:10

Ich möchte mich doch auch mal äußern. Bei einem Studium sollte es - wie hier schon erwähnt - immer nach den eigenen Interessen und nicht nach irgendwelchen späteren wirtschaftlichen Gesichtspunkten gehen. Für den eigenen geistigen Horizont bringt auf jedenfall jedes Studium etwas und wenn man Lust dazu hat, sollte man auf jedenfall studieren und sich auch nciht davon abbringen lassen.

Ich bin momentan Selbstständig, suche aber auch ständig eine Festanstellung. Mir wird immer bzw. meistens mitgeteilt, dass ich bei meinem durchaus normalen Gehaltsniveau (von dem ich auch Abstriche machen würde) zu teuer bin, ein Absolvent bekommt man für deutlich weniger. Und je mehr es gibt, desto detailierter ist das Anforderungsprofil, paßt das nicht hundertprozent, wartet man bis derjenige auftaucht.

Billigabsolvent | 08. November 2004 - 13:09

Ich möchte nach meinen bisherigen Erfahrungen allen Interessierten, die mal Bauingenieur werden wollen oder bereits absolvierten Bauingenieuren - trotz der desaströsen Lage auf dem Arbeitsmarkt mit Dumpinglöhnen - zum Studium raten. Allerdings wäre nach meinen strategischen Überlegungen ein Studium zum Dipl.-Wirtschaftsingenieur (Bau) wesentlich aussichtsreicher, als ein reines Bauingenieurstudium.

Ein derartiger Abschluß befähigt einen Ingenieur zudem, auch in angrenzenden kaufmännischen Bereichen des Bauwesens Aufgaben zu übernehmen und sich somit als Generalist im Wettbewerb um Arbeitsplätze zu behaupten. Falls jemand die aktuelle Arbeitsmarktlage in meinem Forumsbeitrag gelesen hat, weiss wie die aktuelle Lage aussieht. Ich selbst nutze die Zeit nach meinem Bauingenieurstudium dafür, noch einen Wirtschaftsingenieur nachzuschieben.

Dies ist meiner Meinung nach der einzige Weg, um zukünftig noch mit guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können. Außerdem besteht als Wirtschaftsingenieur die Möglichkeit bei zukünftig weiterhin schlechter Lage in der Bauwirtschaft in einen fachfremden Bereich einzusteigen und sich somit ein breiteres Spektrum an Einsatzmöglichkeiten zu sichern. Also nicht den Mut verlieren!

PS: Wirtschaftsingenieurwesen (Bau) kann man sowohl an der Uni, als auch an der FH studieren.

Bernd | 05. November 2004 - 19:25

@Peter:
Mit Grausen sehe ich, welche Gehälter für Absolventen gezahlt werden. Ich bin vor rund 10 Jahren mit dem Studium fertig geworden. Seinerzeit ist keiner unter Tarif angefangen, d.h. wir sind mit rund 5.500 DM ins Berufsleben gestartet. Anzahl der Bewerbungen: 1.

Bei mir im Betrieb verdient ein angelernter Facharbeiter soviel, wie in einem anderen Beitrag für Bauingenieure genannt wird. Irgendwie kann ich das nicht glauben. Ich empfehle, sich bei der Studienwahl nicht nach der Konjunktur zu richten. Die wirtschaftliche Lage pendelt ständig, nach einem Tief kommt wieder ein Hoch. Einen Beruf habe ich aber mehr oder weniger fürs Leben. Also den Beruf nach dem Interesse aussuchen.

Zur Frage FH oder TH: Das hängt denke ich vom weiteren Berufsweg ab, wer kann das schon vorhersagen. Ich habe an der Uni studiert, hatte aus dem elterlichen Betrieb schon gewisse Praxiserfahrungen auf dem Bau. In den ersten Berufsjahren habe ich trotzdem häufig gedacht, eine Lehre + Studium wäre sinnvoll gewesen. Im Laufe des Berufsleben sammelt man dann aber auch Erfahrung. Nicht den Mut verlieren!

Maik | 02. November 2004 - 19:09

@Peter:
Wenn ich nochmal wählen sollte, würde es ein anderes Studium werden. Ich habe auch an der RWTH studiert (würde ich nie mehr machen!) und habe trotz Vitamin B keine Anstellung am freien Markt bekommen. Arbeite jetzt im Familienunternehmen. Es gibt einfach zuviele Arbeitslose Bauingenieure, so dass man nicht zum Zuge kommt. Immer hat einer mehr Berufserfahrung und wird deswegen den Job bekommen. Zu dem wird in der Branche sehr schlecht gezahlt. Eine wirklich gute Putzfrau verdient mehr! Schau doch mal auf arbeitsagentur.de nach, wie viele Arbeitslose Bauingenieure es in deiner Umgebung gibt. Es werden von Jahr zu Jahr mehr werden. Ich wünsche dir eine glückliche Hand bei deiner Wahl!

Peter | 30. Oktober 2004 - 13:58

Ich möchte mich für Ihre Antwort auf meine Frage zunächst bedanken. Ich weiß sie sehr zu schätzen. Noch etwas zu meiner Person: Ich spreche fließend Polnisch (da ich dort geboren wurde), habe Englisch in der Schule gelernt und lerne jetzt auch noch Spanisch. Ich hoffe, dass es mir in Zunkunft etwas bringt. Desweiteren wohne ich in der Nähe von Aachen und habe somit gute Chancen an einer der besten Hochschulen zu sturdieren. Danke nochmal!

Michael Feller | 29. Oktober 2004 - 14:12

@Peter:
Diese Frage wird jedes Jahr unzählige Male in allen Bereichen gestellt. Rund 5,5 Jahre nach Studienabschluss kann ich diese Frage für mich eindeutig mit JA beantworten. Auch wenn Anfang der 90er (Bau-Boom) viele die heutige Situation im Bauwesen vorhersagten, habe ich Bauingenieurwesen studiert.

Uni oder FH? (Im weiteren Hochschulen):
Ob nun Uni oder Fachhochschule "besser" ist, mag ich nicht entscheiden. Und welche Richtung du als Bauingenieur vielleicht gehen wirst, entscheidet sich wohl erst während deinem Studium. Wichtig ist, wo du studieren willst und was dort angeboten wird. Dazu bieten alle Hochschulen Schnuppertage etc. an, dort kannst du direkt Kontakt zu Studenten und Lehrkräften aufnehmen. Und wenn alles zu weit weg ist, oder du dich noch nicht entscheiden kannst, schau mal auf die Seite http://www.baufak.de

Dies ist ein Zusammenschluss von Studenten aller Hochschulen, mit Links zu den einzelnen Hochschulen und Informationen rund ums Studium.

Perspektive Bauwirtschaft? Wie sich die wirtschaftliche Situation in den kommenden 5 Jahren in Deutschland entwickelt, kann keiner vorhersagen. Jeder kann aber für sich planen, was er in 5 Jahren erreichen will und was dafür zu erbringen ist; unabhängig ob Bauingenieur, Arzt oder Jurist. (Ich kann nicht jedem "Trend" nachlaufen, siehe IT-Branche)

Peter | 29. Oktober 2004 - 11:04

Ich bin noch Schüler eines Gymnasium. Ich habe überlegt nächstes Jahr Bauingenieurwesen zu studieren. Ich habe mich etwas mit diesem Thema auseinandergesetzt und wurde etwas unsicher. Aufgrund der schlechten Lage der Bauwirtschaft (und keinen Aussichten auf Besserung) weiß ich nicht ob es sich lohnt ein Studium anzufangen. Außerdem kann ich mich zwischen TH und FH nicht entscheiden. Hoffe Sie können mir etwas weiterhelfen! Danke!

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