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Lohnt ein Bauingenieurwesen Studium? » Seite 4

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Horschti | 20. Oktober 2010 - 15:07

International tätige Unternehmen machen recht spezielle Sachen, die nicht jede Wald- und Wiesenfirma anbietet. Somit ist die Zahl der Mitbewerber überschaubar und dementsprechend die Preisgestaltung. Für solche Projekte braucht man dann auch entsprechend Mitarbeiter mit entsprechendem Know-how. Und das kann/muß dann auch bezahlt werden.

| 16. Oktober 2010 - 20:30

Equilibrium meint in seinem Beitrag vom 6. Oktober 2010, dass man sich am besten um eine Anstellung in einer international tätigen Ingeniergesellschaft bzw. einen Baukonzern bemühen sollte, kann dies jemand bestätigen und/oder begründen.

Ati | 12. Oktober 2010 - 15:01

Hallo,

ich bin 25 Jahre alt und studiere Bauingenieurwesen an der Universität Stuttgart und werde dieses Semester meine Vertiefungsfächer auswählen, habe mich für Baustatik, Werkstoffe, Bauphysik und Baubetriebslehre entschieden. Nachdem ich alle Beträge gelesen habe, bin ich bissle frustriert, wenn ich damals gewusst hätte, dass Bauingenieure unterbezahlt sind, hätte ich mir was anders überlegt (ist aber leider zu spät meine Studienrichtung zu wechseln).

Was würdet Ihr mir für die Zukunft noch empfehlen? Welche Vertiefungsrichtungen haben einen Vorteil? Ich kann fliessend Englisch, Türkisch und Russisch und ich habe vor nächstes Semester noch einen Sprachkurs zu belegen. Ich habe auch kein Problem ins Ausland zu gehen.

Danke
Mit freundlichen Grüßen
Ati

Equilibrium | 06. Oktober 2010 - 07:34

Hallo Tim,

ich würde timmae zustimmen: Nimm eine Uni/TH/TU aus den TU9. Speziell die RWTH Aachen, die TU Braunschweig und die TU Karlsruhe kann ich aus persönlichen Erfahrungen bzw. denen meiner Kollegen empfehlen. Das Niveau ist hoch, aber mit einem Abschluss von einer Wald- und Wiesen-Uni kommt man später nun mal nicht weit.

Mit Mathe- und Physik-LK sowie einem 1er Abi bin ich damals auch gestartet. Zumindest bringst Du mit hoher Wahrscheinlichkeit die richtigen Voraussetzungen fürs Studium mit, aber mach Dich auf ein anstrengendes Studium gefasst. Das Abitur ist verglichen mit einem Bauingenieurstudium ein Kindergeburtstag.

Dass einem Geld mit 18 Jahren nicht so wichtig ist, ist völlig normal. Leider ist es genauso normal, dass Du das dann mit Mitte Dreißig ganz anders sehen wirst. Vielleicht hast Du dann eine Frau und Kinder, wünschst Dir ein Eigenheim und musst leider erkennen, dass so etwas halt Geld kostet - viel Geld. Genauso wichtig wird es Dir sein, Deine Kinder abends noch zu sehen, bevor sie ins Bett gehen. Als Bauingenieur ist es aber um einiges schwieriger als in anderen Ingenieurberufen, zu solchen Uhrzeiten bereits zu Hause zu sein.

Aber wenn Dich das alles (noch) nicht stört, (sondern eben erst später) dann studier es halt. Nur beschwer Dich später nicht! Du kannst dann nicht behauptet, Du wärst von der Entwicklung irgendwie überrascht worden.

P.S.: Versuch Dich immer nach oben zu orientieren: Mindestens den Master (an einer anerkannten Uni) machen und wenn Du Statiker werden möchtest, am besten noch promovieren. Als Arbeitgeber am besten einen großen Baukonzern (mit Praktika den Einstieg vorbereiten) oder eine weltweit tätige Ingenieurgesellschaft suchen. Und wenn schon Bauwesen, dann studier auf jeden Fall das „echte“ Bauingenieurwesen und nicht irgendwelche neuen Erfindungen wie Entsorgungsingenieur (Deponiebau) o.ä.

Patrick | 02. Oktober 2010 - 17:38

@ Tim,

Deine Schwerpunkte liegen in Mathe und Physik. Das klingt für mich so, als ob Du eher an einer Anstellung als Statiker interessiert bist? Wenn das so ist, dann kann ich Dir schonmal Deine Illussionen bezgl. Punkt 4 nehmen.

Du wirst bei einer Anstellung als Statiker zu 99%-iger Sicherheit niemals eine Baustelle sehen. Ingenieurbüros haben i.d.R weder die Zeit noch das Budget, Ihre Mitarbeiter auf die Baustelle zu schicken. Im Gegenteil: Du bist dann ein Rechenknecht, der nichts produziert, außer Papier!

timmae | 01. Oktober 2010 - 22:23

Da solltest du fündig werden: http://www.tu9.de

Tim | 01. Oktober 2010 - 14:42

Grüßt euch,

vorab will ich sagen, dass ich mir das gut überlegt habe und ich viel gelesen hab etc pp. Was vielleicht erwähnenswert ist: Ich bin 18, bald mach ich Abitur, hab einige Praktika in dem Bereich gemacht, habe einen Schnitt von 1,6 - LKs sind Mathe und Physik. Meine Beweggründe sind aber ziemlich einfach:

1. Mir kommt es nicht aufs Geld an
2. Ich will einen Beruf, der mathematisch anspruchsvoll ist
3. Ich suche Herausforderungen und mag es, Lösungen für Probleme zu finden
4. (und das ist eigentlich mein wichtigster Grund) Ich will einen Beruf, wo ich später das Ergebnis sehen kann, wo das Ergebnis greifbar ist.

Nebenbei: Am Maschinenbau und Informatik z.B. bin ich gar nicht interessiert.

Fazit: Bauingenieurwesen ist der einzige Beruf der mein Interesse für Mathe und Physik vereint und wo ich gleichzeitig ein greifbares Ergebnis produzieren kann. Meine Frage ist eben, wo ich am besten studieren kann. Praxissemester im Ausland wäre nicht schlecht. Ich will an einer Uni studieren und da man im restlichen Internet nicht unbedingt gute Quellen findet, hab ich mir gedacht, ich frage mal den harten Kern, welche Unis aus Deutschland gut angesehen sind.

Die Kritiker die mich davon abhalten wollen, diesen Weg zu gehen (ich weiß, davon gibts genug), möchte ich bitten statt Nachteilen lieber gute Alternativen aufzuzählen (bin für alles offen).

Im Voraus schonmal vielen Dank für Antworten!

| 27. September 2010 - 15:31

@ Gleichgewicht: Freue mich immer wieder über Deine Beiträge! Da kann noch so bodenloses Zeug kommen (ich denke dann, da ist Hopfen und Malz verloren, die wollen es einfach nicht wissen/ hören), Du gibst die Leute nicht auf und leistest echte Basisarbeit. Finde ich super!!!

Wenn ich dann immer den "Käse" vom Ausland höre, ja da gibt es jede Menge Geld zu verdienen, wie ich schon schrieb, Ole hat recht, aber Ole scheint auch ein "recht harter Knochen" zu sein", es gibt hier auch einen Haufen (noch Studi) Romantiker (wahrscheinlich nicht mal beim Militär gewesen, nicht falsch verstehen, finde Zivildienst klasse, aber da läuft man eben nicht Gefahr, dass einem die Kugeln um die Ohren fliegen, oder einem Leute mit einer Machete den Seikowecker abnehmen wollen) die beim zweiten Überfall auf der Straße nach der Mama rufen oder die an der nächsten Ecke plötzlich Deine Freundin auf Besuch ganz toll finden und man keine Ahnung hat wie man aus "der Scheiße" mit blauem Auge und heiler Freundin wieder raus kommt.

Ich glaube die meisten können sich die Zustände in großen Teilen der Welt nicht vorstellen, im TV kann man weiter zappen, in der Realität ist das nicht wie "Bruce Allmächtig"...

Jobs in Dubai: Versucht euer Glück, Jobs in Australien: wie bereits geschrieben. Und im Rest der Welt gibt es nur ordentlich Geld, weil und wenn da keiner hin will. Das nennt man dann "relativ" gute Bezahlung. Macht mal ein Projekt mitten in der Türkei, in Westafrika, Liberia, Nigeria, Indien oder mitten in China.

Selbst wenn man in Shanghai landet (teuer) verdient man dann vielleicht mit Glück 150 k im Jahr, die Jungs die die Hightech verkaufen das doppelte und der Typ aus München, der im Büro der HSBC (muckelig ruhig) sitzt das dreifache!

Wo wir die Kurve zum Thema haben: Lohnt ein Bauingenieurstudium, und da schreibt dann wieder ein "Eddie Bauer" - anscheinend noch nicht mal angefangen zu studieren - seine Weißheiten. Woher nehmt Ihr nur die chuzpe von Sachen zu schreiben, die Ihr noch nicht erlebt habt?

ole | 27. September 2010 - 08:11

Hallo Gast, ich habe gerade fuer mein gesamtes Team, ausser mir, die Arbeitserlaubnis fuer Australien eingeholt. Das wird bei meinem Arbeitgeber nicht standardmaessig gemacht, weil es sich nicht um ein Corporate Work Visa handelt, sondern um ein personel work visa. Meint unsere Mitarbeiter koennten sich von uns ein Visa besorgen und sich dann in Australien sofort woanders bewerben. Weil das so viele gemacht haben, wird man schwerlich einen Arbeitgeber finden, der freiwillig ein Work Visa besorgt.

Man braucht 120 Punkte um ein Visa in 3 Monaten zu haben. 60 Punkte bekommt man fuer Civil engineering. 25 bekommt man fuer nachgewiesene Sprachkenntnisse durch "IELTS" Test. 5 bekommt man, weil man Deutscher ist, 10 bekommt man wenn man die letzten 3 Jahre in diesem Beruf gearbeitet hat und weitere 20 bekommt man, wenn man unter 40 ist. Mit 120 Punkten ist die Arbeitserlaubnis ziemlich einfach zu bekommen. Einen Job hat man damit nicht und der Spass kostet - je nach Wechselkurs - um 1800 Euro.

Hier in Suedafrika rekrutieren die Australier permanent. Es gibt kein Wochenende, an dem nicht eine Anzeige in der Zeitung ist. Wenn man die 120 Punkte allerdings nicht schafft, braucht man das auch gar nicht erst versuchen, das ist natuerlich nur meine Meinung. Das wird dann extrem schwierig und der IELTS ist auch nicht gerade einfach. Den muessen alle machen, die nicht aus England, Irland, Canada, USA oder Neuseeland kommen. Ich habe das Ding zwar geschafft aber nur mit echter Vorbereitung. Einige meiner Kollegen sind durchgefallen, obwohl die Suedafrikaner mit Englischer Abstammung sind!

Bei den Arabern kommt es viel mehr auf den Lebenslauf an. Die wollen nur Personal mit nachgewiesener Erfahrung in genau dem Gebiet, auf das man sich bewirbt. Da wir in Deutschland so wenig Wolkenkratzer bauen und auch nicht wirklich Erdoelindustrie haben, geht das meistens nur ueber Umwege.

England ist in der Tat etwas aufwendig aber auch nicht unmoeglich. Ich hatte meine Akkreditierung nach gut 8 Monaten. Beste Informationen darueber gibt es beim CIOB, bei dem man dann auch besser Mitglied ist. Ist auch fuer Arabien und alle CW Staaten sehr hilfreich. USA kann man eigentlich vergessen. Canada soll allerdings so richtig boomen in den naechsten Jahren, habe aber keine Ahnung wie schwer das wird und was dort bezahlt wird.

Ole

Equilibrium | 27. September 2010 - 07:34

Der Titel hier heißt ja eigentlich "Lohnt ein Bauingenieurwesen Studium?" Also dann mal ein paar Zahlen zur Vergütung (selbstverständlich Brutto):

Bauingenieur 3531 € / Monat

und als Vergleich dazu andere Ingenieurberufe:

Bergbauingenieur 4223 € / Monat
Chemieingenieur 4456 € / Monat
Elektroingenieur 4553 € / Monat
Fernmeldeingenieur 4891 € / Monat
Maschinenbauingenieur 4495 € / Monat
Softwareingenieur 4089 € / Monat
Wirtschaftsingenieur 4288 € / Monat

Fazit: Ein Bauingenieur liegt etwa auf dem Niveau eines Metallfachwerkers (3529 € / Monat). Letzterer wird allerdings keine schlaflosen Nächte haben, sondern ab ca. 17 Uhr seinen wohlverdienten Feierabend genießen. Die Antwort auf die eigentliche Frage dieses Themas lautet also ganz einfach: Nein! (Quelle für obige Zahlen ist stern.de)

P.S.: Für die jüngeren Teilnehmer im Forum noch ein Hinweis: Es sind immer die letzten paar hundert Euro des Lohns, die beim Lebensstandard den Unterschied machen. Nach Abzug aller monatlichen Fixkosten (Miete, Auto, Versicherungen etc.) bleiben pro Monat nur wenige hundert Euro zur freien Verfügung. Ein Gehaltsplus von 20 bis 30 Prozent bedeutet daher zum Teil eine Vervielfachung dieses freien Betrages. Dementsprechend ist der gefühlte Unterschied zwischen 3500 € und 4500 € (Maschinenbau) noch größer als es auf den ersten Blick ohnehin schon aussieht.

FlipB | 26. September 2010 - 22:34

Ich habe allerdings nur nach Staaten gesucht, wo der Lebensstandard vergleichbar ist. Probiere es mal mit Österreich, genauso trostlos.

Jack Bauer | 24. September 2010 - 23:29

@ Tragswerkplaner:

Das macht einem echt Angst. Weiss ehrlich nicht, ob ich solchen Druck aushalten würde.

Jack Bauer | 24. September 2010 - 23:03

Bei studies-online liest man noch schlimmere Horrorgeschichten als hier. Ich will's unbedingt studieren. Mit fester Absicht nach dem Studium ins Ausland zu gehen. Kann neben Deutsch perfekt Russisch, Englisch geht so (wird natürlich aufpoliert, bis es fliesst) und habe vor noch Spanisch zu lernen.

Es sei denn ich finde hier in Deutschland eine Stelle mit Einstiegsgehalt von min. 36.000, mit sicheren späteren Lohnsteigerungen. Dann würde ich vllt. ein Paar Jahre hier bleiben.

Denn bei all den negativen Meinungen über diesen Beruf in Deutschland scheinen sich Leute doch einhelliger Meinung zu sein, dass die Dienste eines deutschen BI's im Ausland geschätzt werden, was sich dann auch in angemessener Entlohung niederschlägt. Hier gibt es ja nichts mehr grossartiges zu bauen, während z.B. in Asien ganze neue Städte hochgezogen werden. Sogar im deutschsprachigen Ausland (CH, AT) soll die Lage weitaus besser sein als hierzulande.

Ich will dieses Fach unbedingt studieren. Ich war schon immer fasziniert vom Bauen. Will mich aber auch nicht gleichzeitig ausbeuten lassen - wie wohl viele in Deutschland werden, schon aus Prinzip.

Was ich aber nicht ganz verstehe, dass einige Leute es den anderen unbedingt ausreden wollen, das zu studieren. Man geht ja auch nicht Medizin studieren, um da viel Kohle zu machen. Das liegt diesen Menschen einfach. Genauso liegt jemandem vllt. das Bauen.
Wie kann man sich sonst erklären, dass immer noch so viele Architektur studieren, obwohl von vornherein klar ist, dass die meisten davon eh ihr Leben lang arme Schlucker bleiben werden?

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