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Ausgabe 6576 | Nr. 234 | 19. Jahrgang
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Lohnt ein Bauingenieurwesen Studium? » Seite 6

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Ole | 24. August 2010 - 15:19

Irgendwie wird hier immer versucht den Bauingenieur pauschal zu bewerten. Das wird niemals ein anstaendiges Bild geben. Dafuer sind die Einsatzbereiche einfach viel zu unterschiedlich. Wer bei "Ernst Duempelmann" im Brahmstedter Moor Statiken fuer die notleidende Deutsche Landwirtschaft rechnet, wird mit Sicherheit ueber 3000 EUR Brutto nicht kommen. Wie jemand schon bemerkt hat, sind die meisten Bauingenieure einfach nur zu feige, zu bequem oder aengstlich ihr Gehalt einzufordern und das aus ganz unterschiedlichen, manchmal sogar nachvollziehbaren Gruenden.

Ich kenne eine ganze Reihe Bauingenieure, die irgendwann vor 10 -12 Jahren einen Job angefangen haben und tatsaechlich immer noch da arbeiten, ohne das das Gehalt gestiegen ist. Die haben dann auch meistens ein Haus gebaut oder gekauft, 2 Kinder und kommen hinten und vorne nicht hin. Dann gibt es natuerlich auch die Anderen, die irgendwo Projektmanagement machen oder Designmanagement in grossen Bueros. Die unterhalten sich dann eher darueber, ob es lieber ein Porsche oder ein Haus am Meer sein soll.

Ich verdiene wirklich ziemlich gut und habe dennoch den Zenit noch nicht mal gesehen. Es ist wie immer im Leben, Einige sind einfach besser als Andere. Machmal frage ich mich in der Tat wie jemand der 5 Jahre juenger ist als ich 30.000 EUR im Jahr mehr verdient. Mein MD ist in meinem Alter und verdient 130.000 EUR und der ist auch Bauingenieur. Auffaellig ist, das in meinem Bekanntenkreis nicht die, mit den besten Anschluessen die Super-Jobs haben, sondern eher die 2er-Kandidaten. Haette ich so nicht erwartet. Irgendwie kommt es immer drauf an, was man daraus macht.

Falls jetzt wieder jemand schreibt, das kann alles nicht sein und wilde Spekulation ueber meine Beschaeftigung anstellt: Ich bin bei einem global taetigem Bauunternehmen beschaeftigt und bis Ende 2010 in Suedafrika. Danach geht es entweder nach Botswana, Syrien, Mosmabique oder Australien. Das kann ich mir nicht aussuchen und ich finde, das es meinem Leben die entsprechende Wuerze verleiht und mein Privatleben bleibt auch nicht auf der Strecke.

Eigentlich muss ich sogar feststellen, das ich wesentlich mehr Privatleben habe wie die Kollegen zu Hause. Davon mal ganz abgesehen, kann ich mit 45 in Rente. Aber das muss dann jeder selber wissen. Ganz sicher ist, das man nichts geschenkt bekommt. Nirgens, in keinem Beruf.

BauIgelSelbständig | 24. August 2010 - 09:16

Ich bin direkt nach dem Studium als Freiberufler selbständig tätig geworden. Die ersten Jahre waren sehr hart. Ich habe aber immer versucht Sparten zu finden, welche von meinen Kollegen nicht bearbeitet werden wollten, oder konnten. Habe mich in diesen Sparten spezialisiert, und siehe da, ich hatte als einziger unter fast 7 Kollegen in den letzten Jahren keine Leerzeiten.

Ich hatte wenig Konkurrenz, und dadurch konnte ich mich gegen die Dumping-Honorare wehren. Ich wundere mich immer wieder wie viel in unserer Branche gejammert wird. Allerdings sind wenige bereit (aus Angst, Gemütlichkeit...) was gegen ihre Situation zu unternehmen. Wenn jemand aus Ideologie ein 40 h Job für 2000 EUR Brutto annimmt, dann tut er mir nicht nur leid, dann bin ich stinke sauer auf ihn. Viele von uns haben keinen Arsch in der Hose zu agieren.

Es ist mittlerweile nämlich so, dass offene Stellen nicht besetzt werden können, weil nicht genügend Bauingenieure frei sind. Vielleicht sollte sich jeder überlegen, wie viel seine Arbeit wert ist, und dies auch einfordern, und Mut zum Jobwechsel haben. Wer aber resigniert, und aus Angst oder Gemütlichkeit seine Situation hinnimmt, der schadet nicht nur sich selber, sondern uns allen.

bauinghel | 21. August 2010 - 16:09

Lieber Gerd,

teile uns doch bitte detailliert das Marktsegmentchen mit, für das Deine Aussage gilt. Ich bin sicher das es das gibt, die Mehrheit der Bauingenieure betrifft das aber bestimmt nicht.

a2005 | 20. August 2010 - 21:43

@Gerd

Wenn gemäß des neuesten Bürokostenvergleiches durchschnittliche Personalkosten von 30.000 bis 40.000 € pro Jahr benannt werden, kann die Angabe von Gerd natürlich nicht stimmen. Es ist mir auch nicht bekannt, dass in Ingenieurbüros je Ingenieur ein Firmenwagen gehalten wird.

Das tarifliche Anfangsgehalt liegt in der Bauwirtschaft bei 3.000 € / Monat und gemäß Arbeitgeberverband Selbständiger Ingenieure und Architekten (ASIA) -Tarifvertrag bei 2.600 € / Monat in Ingenieurbüros. Falls die Arbeitgeber nicht nach Tarif zahlen, dann weniger.

Wer sich http://bit.ly/c2GhUI anschaut, wird auch die Diskrepanz zwischen Studienanfängern und Absolventen feststellen und dass Mitte bis Ende der 90ger Jahre ganze Jahrgänge in die Krise studiert haben, die teils als un- oder unterbeschäftigte Fachkräfte noch zur Verfügung stehen.

Und gemäß der Absolventenstudie der TU Dresden aus dem Jahre 2003 verdienten gerade mal 2 bis 3 Prozent der Absolventen mehr als 3.079 € / Monat als Einstiegsgehalt. Siehe http://bit.ly/95NOfF

Gerade in den nächsten Jahren ist mit einem weiteren Rückgang in der Bautätigkeit zu rechnen: Demografie, Wirtschaft und die Sparzwänge der öffentlichen Haushalte sprechen eine klare Sprache. Außerdem sind Preise und Sitten am Bau verdorben. Wo sollen im Planungsbereich die großen Gehaltssprünge herkommen, wenn seit 1996 die Honorarwerte gerade mal um 10 Prozent gestiegen sind und immer noch munter die HOAI unterboten wird.

Hier noch der Artikel "Gehaltsreport: Die wahren Gehälter der Ingenieure" aus dem Spiegel von 2004, er ist nach wie vor aktuell: http://bit.ly/dbj1Ol

Equilibrium | 20. August 2010 - 15:36

Hallo Gerd,

Du solltest nicht vergessen, dass Deine Zahlen auf persönlichen Erfahrungen beruhen. Ich arbeite (wie Du vielleicht auch?) in einem großen Baukonzern. Wenn man dann seine eigenen Erfahrungen und die der eigenen Kollegen zum Maßstab nimmt, kann man tatsächlich zu Deiner Einschätzung kommen, denn die großen Firmen locken in der Regel die besten Absolventen zu sich und zahlen dafür auch (ganz) gut.

Aber für den Durchschnittsabsolventen sind die Chancen auf eine Anstellung bei den Branchenriesen eher schlecht. Der Normalfall ist ein kleines oder mittelständisches Unternehmen als Arbeitgeber und die zahlen in den überwiegenden Fällen nicht den Tarif. Das von Dir genannte Gehalt dürfte meines Wissens nach A VII entsprechen. Diese Stufe bekommen aber nur Absolventen der Uni. Du verschweigst, dass die Baufirmen FH-Absolventen nur mit A VI einstellen. Und Mario, der diesen Thread eröffnet hat, würde meines Wissens nach einen FH-Abschluss machen. Weiterhin lässt Du die regionalen Unterschiede außer Acht. Mario wohnt in Brandenburg und will in Dresden studieren. Falls er nach dem Studium nicht unbedingt die neuen Bundesländer verlassen möchte, wird er mit ganz anderen Gehältern rechnen müssen, als in den alten Bundesländern.

Und ich weiß beim besten Willen nicht, warum Du die 45-Stunden-Woche als Standard für Neueinsteiger festlegst. Das ist völlig aus der Luft gegriffen und undifferenziert. Es gibt nicht DEN Bauingenieur. Stattdessen gibt es Bauleiter, Projektsteuerer, Kalkulatoren, Statiker, Wissenschaftliche Angestellte, Beamte, Angestellte im ÖD, und vieles mehr.

Da kann man nicht ernsthaft behaupten wollen, es gäbe einen Standardwert (=45 h-Stunde-Woche). Die Spanne reicht vermutlich von ca. 40 bis 60 Stunden/Woche. Bei Bauleitern im Auslandseinsatz werden teilweise noch deutlich mehr als 60 Stunden/Woche erreicht.

| 20. August 2010 - 10:09

>>Das Gehalt für eine 45 Stundenwoche liegt bei Neueinsteigern bei min. 3500 € brutto, 13 Monatsgehältern.

chefkoch435 | 20. August 2010 - 09:52

Ich kann meinem Vorredner nur zustimmen!

Ich bin vor zwei Jahren al Bauleiter mit 3.000 € + Auto eingestiegen. Das hört sich vom Gehalt her nicht sonderlich gut an, Wenn man aber für das Auto nur 500,- netto (1000,- brutto) rechnet, und da kommt man mit allen Kosten ganz leicht hin, sieht die Sache schon anders aus.

Mittlerweile bin ich auch bei 3.700 € (A7 Tarifvertrag) + Auto. Und die Zahlen, die ich hier nenne, entsprechen - nicht wie von vielen anderen behauptet - tatsächlich der Realität. Die meißten die ich aus meinem FH Jahrgang kenne sind mit vergleichbaren oder besseren Konditionen (teilweise 3.700,- €) eingestiegen!!! Was die Arbeitsbedingungen angeht, lässt sich das schlecht verallgemeinern.

Wer jeden Tag pünktlich um 16:00 Uhr Feierabend haben will, sollte Lehrer werden, aber keine Führungsposition übernehmen. In anderen Branchen mag es teilweise wirklich besser sein, was die Arbeitszeit angeht, allerdings wird man auch da in der Regel bei einem solchen Gehalt nicht mit 40 Std. hinkommen.

Eine Sache möchte ich noch erwähnen, zwar ist man als Bauleiter häufig von Montag bis Freitag auf Montage, was man natürlich als Nachteil auslegen kann, allerdings kann dies u.U. auch ein Vorteil sein. Ich kann mich bei meinem Wohnsitz zu 100 % nach meinem Privatleben richten und muss mir keine Sorgen über einen berufsbedingten Umzug machen. Ich komme aus einer ländlichen Gegend und alle Leute die ich kenne und als Ingenieur oder in einer sonstigen vergleichbaren Position arbeiten, haben das gleiche Problem: Nur das die ihre Zweitwohnung selbst bezahlen müssen. (Der letzte Absatz betrieft eher Leute ohne Familie, aber wer weiß schon was in 10 Jahren ist)

Bei dem was ich geschrieben habe, beziehe ich mich lediglich auf die Bauausführende Industrie, wie es in Ingenieurbüros aussieht, weiß ich nicht.

| 20. August 2010 - 07:59

Hallo Gerd,

finde das wurde auch wirklich Zeit, dass mal wieder jemand von der Baulobby reinschaut!

Freut mich, dass Du uns nur Eigennutz vorwirfst, wir haben auch alle nichts anderes zu tun (der Tag hat ja 24 h, da bleiben nach 10-13 h Arbeit für wenig Geld ja noch 12 Stunden hier unsere Lage zu verbessern). Denke da werden wir bestimmt auch kurzfristig etwas bewirken...

So ein bodenloser Unsinn...

Gerd | 19. August 2010 - 21:21

Hier wird zu meiner Überraschung sehr negativ über die Berufsmöglichkeiten eines Bauingenieurs geschrieben, wohl deshalb, weil die meisten "Redakteure" noch als Frischlinge durch die Arbeitswelt taumeln. Ich bin nun seit ca. 20 Jahren in der Baubranche tätig, davon 15 Jahre als Bauingenieur. Mein Alter beträgt 37 Jahre. Tatsächlich gab es vor ca. 5 Jahren einen deutlichen Knick bei den Gehältern, jetzt scheint sich aber die Lage wieder normalisiert zu haben.

Das Gehalt für eine 45 Stundenwoche liegt bei Neueinsteigern bei min. 3500 € brutto, 13 Monatsgehältern. Ausgenommen natürlich der öffentliche Dienst. Ab ca. 15 Jahre Berufserfahrung kann man mit ca. 5000 € brutto rechnen, zzgl. Firmenfahrzeug.

Natürlich verdienen Ingenieure im Maschinenbau und im E-Technikbereich noch deutlich mehr (>+ 1000 € /mon). Aber Kopf hoch und lasst euch nicht anlügen von all den lähmenden Pessimisten, die hier nur versuchen, ihren status quo zu verbessern!

Patrick | 18. August 2010 - 22:53

Gratulation Mario,

wir haben Dich wohl langsam überzeugt was? Nein im ernst, ich komme gerade wieder nach nem 13 h Stunden Tag von der Baustelle, und kann Dir sagen, dass das kein Zuckerschlecken ist als Bauingeniuer.

Viel Arbeit, Ärger, Stress und Überstunden die einem niemand bezahlt! Wenn ich die Wahl gehabt hätte (die hatte ich eigentlich / nur gab es damals noch kein Forum bei Bauingenieur24) hätte ich diesen Beruf niemals ergriffen!

Also tue gutes daran und orientiere Dich in eine andere Richtung.

gast | 17. August 2010 - 17:09

Maschinenbau ist in jedem Fall die bessere Wahl, wenn man sich schon mit dem Gedanken der Wahl trägt!

Auch im Maschinenbau gibt es schlechtere Phasen (und die unterschiedlichsten Branchen), aber im Bauwesen ist es wie im Gesundheitswesen, Aussicht auf Besserung aussichtslos!

Mario | 16. August 2010 - 20:34

Hallo Equilibrium,

vielen Dank für deinen Beitrag, ich bin mittlerweile wirklich ernsthaft am überlegen das Bauingenieur-Studium sein zulassen und doch eher vielleicht Maschienbau zu studieren? Auf dieser Seite, in diesem Forum wird eigentlich nur negativ über schlecht bezahlte und Überstunden geplagte Jobs berichtet.

Ich bin selber zurzeit wieder Arbeitnehmer in meinen alten Beruf und verdiene jetzt auch ca. 2000 € Brutto bei einer 40 h / Woche ohne Überstunden ohne alles. Ich wollte mich mit einem Studium verbessern und nicht auch noch nach 4 Jahren Studium und einer menge Schulden das gleiche verdienen und dann auch noch nicht nach 4 Jahren Studium dastehen und garkein Job mehr zubekommen. (weil einfach keine Nachfrage ist).

Desweitern habe ich auch vor eine Familie zugründen und auch vielleicht sesshaft zu werden und nicht mein ganzen Leben rum zureisen. (heute München und morgen Berlin).

Was sagt ihr als Bauingenieure, lieber Maschienbau als Bauingenieur zu studieren? Ich bin mittlerweile wirklich ernsthaft am überlegen, in welche Richtung ich nun gehen soll.

Gruß Mario

wannabe | 15. August 2010 - 19:55

Bin selbst noch in den ersten Semestern und habe in der kurzen Zeit eine große Leidenschaft für die Bauphysik entwickelt. Jetzt habe ich probeweise mal "Bauphysik" durch die Stellenanangebote durchgejagt, es sind jedoch nur wenige passende Stellenangebote übrig geblieben.

Ist Bauphysik ein totes Fachgebiet in der freien Wirtschaft oder besteht dort tatsächlich ein gewisser Bedarf. Innerhalb der Universität wird Bauphysik regelmäßig als das große Ding beworben. Eine wissenschaftliche Karriere wäre natürlich auch eine spannende Angelegenheit, aber mein Studium ist noch nicht weit genug fortgeschritten um darüber konkret nachzudenken.

Hat hier jemand Praxiserfahrung als / mit Bauingenieur(en) mit dem Schwerpunkt Bauphysik?

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