Forum & Erfahrungen
Samstag, 21. September 2019
Ausgabe 6606 | Nr. 264 | 19. Jahrgang

Tauschen Sie sich mit anderen Bauingenieuren über ihr Gehalt aus. Berufseinsteiger: Welches Einstiegsgehalt? Jungingenieure: Wie die Gehaltsverhandlung führen? Berufserfahrene / Professionals: Wann die nächste Gehaltserhöhung? Senior: Welche Tarif-Gruppe? Finden Sie in den Kommentaren die Gehaltsangaben von Kollegen über Einkommen, Verdienst und Arbeitszeiten. Oder schreiben Sie selbst zum Thema Gehälter.

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Mein Gehalt als Bauingenieur angemessen?

1448 Kommentare | 648658 Aufrufe Kommentar hinzufügen
Sven | Thema eröffnet vor 9 Jahren

Mich interessiert, ob ein Gehalt von 2.700 EUR monatlich fair ist. Zu mir: Ich bin 29 und habe vor fünf Jahren erfolgreich mein Diplom (Note 2,0) an der FH Bremen im Bereich Siedlungswasserwirtschaft / Verkehrswegebau abgeschlossen. Nun arbeite ich seit 4 Jahren in einem kleinen Ingenieurbüro im Raum Osnabrück. Mein Aufgabenfeld umfasst die Planung, Ausschreibung, Bauleitung und Abrechnung von kleineren Bauprojekten (bis 1 Mio. EUR). Des Weiteren kümmere ich mich um den Kontakt zu unseren Auftraggebern (kleinere Gemeinden / Kommunen / Wasserverbände). Jetzt würde ich gern wissen, ob ein Monatsgehalt von 2.700 EUR brutto für diese Art der Tätigkeit fair bzw. ausreichend ist? Was verdient ihr in ähnlichen Bereichen / Positionen?

baobabau | 07. September 2019 - 11:57

Da ich von diesem Forum sehr profitiert habe bei der Einschätzung meines Gehalts als Berufseinsteiger, möchte ich meine Gehalts-Infos gerne für die Nächsten weitergeben. Seit Ende 2018 fertig mit Master Bauingenieurwesen an einer TU im Bereich Wasserbau. Im Februar eine Arbeit gefunden mit:

  • Einstiegsgehalt 50.000 € als Projektingenieur
  • Planungsbüro mit 200-500 Mitarbeitern in Großstadt
  • 40 h / 30 Urlaubstage

LT | 22. August 2019 - 11:02

Ich möchte mal meinen Werdegang und Gehaltsverlauf zum Besten geben.

  • Abitur
  • Lehre Beton- und Stahlbetonbauer (Unternehmen 250 MA)
  • Duales Studium Bauingenieurwesen (Unternehmen zahlt Gebühren, Gehalt lag gemittelt die 3,5 Jahre bei 800 €)
  • Einstiegsgehalt (bin nun 24) liegt mit Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld bei 43.500 €. (Firmenwagen zur privaten Nutzung)
  • Ab Mitte 2020 laut Vertrag 48.500 €
  • ab nächsten Monat ein berufsbegleitendes Masterstudium im Baurecht für 4 Semester.
  • Ab Mitte 2021 kann ich dann voraussichtlich mit 53.500 € rechnen.

Keeper83 | 21. August 2019 - 09:04

@Ale:
Diese Zahlen sind mir durchaus bekannt und die habe ich auch nie angezweifelt. Was möchtest du mir damit sagen? Ich selber liege über dem Durchschnitt der Bauingenieure bei super Arbeitsbedingungen und kenne die Arbeitsbedingungen außerhalb von Nischenjobs bei entsprechend mehr Gehalt. Für mich ist ein Gesamtpaket entscheidend.

Die Pharmaindustrie lasse ich mal außen vor. Bei den Fahrzeugbauern habe ich darauf hingewiesen, dass die hohen Gehälter bald zum Problem werden. Wir steuern auf eine Rezension zu und Fahrzeug- und Maschinenbauer merken das nun mal erfahrungsgemäß als erstes.

Robert | 17. August 2019 - 07:30

Ich verfolge das Thema schon einige Zeit und muss sagen, dass die Gehälter sehr stark variieren und sehr davon abhängen, wo man landet. Kurz zu meiner Person:
- gelernter Maurer
- Dipl.-Ing. (FH)
- 6 Jahre Ingenieurbüro (75 Angestellte) als Planer für Industrieanlagen (MVA, Biogas, HGÜ)
- 54.000 €/a + Auto (GTD Variant)
- ca. 45h/Wo

Seit Mai bin ich nun bei einem öffentlichen Versorger:

- Tarifvertrag TVV E12 / Stufe 3
- 70.000 €/a
- 39 h/Wo

Wer in den öffentlichen Dienst wechseln will, sollte in naher Zukunft wechseln. Die Entgeltgruppen sind zurzeit deutlich höher angesetzt als vor 6 Jahren. Z. T. bieten hier die Kollegen des TVöD sogar die E14 an. Z.Z. sucht die Privatwirtschaft und der öffentliche Dienst. Daher herrscht eine gewisse Konkurrenz. Wenn es in der Privatwirtschaft nicht mehr läuft, kann sich der ÖD wieder zurück lehnen.

Es wird auch kaum noch zwischen FH und Uni unterschieden. M. E. auch zu Recht, da das Ergebnis zählt! Daher bitte alle FH-ler mit Berufserfahrung, auch auf "Uni-Stellen" bewerben. Meine Frau ist im Personal und dort sind in diesem Fall beide Bewerber gleichwertig.

@Lucs:
Finger weg von Massivhäusern aus der Schublade. In 5-6 Jahren ist der Hype vorbei und es haben sich viele überschuldet. Schau bei den Versorgern und Netzbetreibern nach. Das hat m. E. Zukunft. Strom, Wasser und Abwasser wird es weltweit immer geben bzw. benötigt.

@Alonso:
Ich kann dir nur zustimmen. Mich belächelte mal ein Maschinenbauer. Dann war sein Sockel am Haus feucht und ich lächelte.

Hobbymaurer | 16. August 2019 - 19:57

Hier mal meine Zahlen:
- Praktikant mit 14 Jahren auf der Baustelle
- Ausbildung Stahlbetonbauer, Familienbetrieb 80 Mitarbeiter
- Studium im klassischen Bauingenieurwesen (FH), Abschluss M.Eng
- 3 Jahre Ausland beim Konzern (während und nach dem Studium)

Gehalt im Ausland beim Konzern war natürlich sehr lukrativ, 75.000 € als Einstiegsgehalt.

Inzwischen bin ich wieder in meinem Ausbildungsbetrieb als Bauleiter für Hochbau, Sanierung und Denkmalschutz. Gehalt wird hier nach Stunden bezahlt. Einstieg vor 4 Jahren mit 24 €/h, jetzt bin ich bei 30 €/h. Arbeitsumfang ist von Kalkulation, AV, Bauleitung und Abrechnung alles dabei. Das Unternehmen liegt 5 km zum Wohnort, Baustellen im Umkreis bis 25 km. Regelarbeitszeit 8-9 h/Tag, Überstunden werden abgefeiert. Baustellen bis 1,5 Mio. €. Ich bin sehr zufrieden, kann mir momentan keinen Wechsel vorstellen.

Alonso | 16. August 2019 - 07:04

Mal ehrlich, wollen wir als Bauingenieure nicht auch in der Baubranche arbeiten? Wir wollen Häuser, Brücken, Tunnel usw. planen und bauen und nicht in der Chemie- oder der Automobilindustrie stranden. So sehe ich es zumindest. Und in der Baubranche lässt sich bei klasse Bedingungen auch gut verdienen, siehe meine alten Beiträge.

Im Übrigen, in meinem Freundeskreis arbeiten einige in der Automobilbranche. Manche Banken haben wohl den Status bei Kreditvergaben einiger Angestellter von Automobilzulieferern und eines Automobilherstellers derzeit auf rot gesetzt. Bleibt dem Bau erhalten und schaut euch nach gut bezahlten Jobs um! Die gibt es, bei tollen Konditionen!

Bauwechsler | 14. August 2019 - 20:57

@ALE
Guter Beitrag! Anzumerken wäre noch dass in den Branchen, die bei den Gehälter führend sind (Chemie und Pharma, Automobil) in der Regel 35 h/Woche gearbeitet wird, während der Bauingenieur für im Schnitt 60 % weniger Gehalt 45 - 60 Stunden (30 - 70 % mehr!) arbeiten muss. Der Bauingenieur verdient - auf die Stunde herunter gebrochen - mit Glück die Hälfte eines in der Pharma-, Chemie- oder Automobilbranche beschäftigten Ingenieurs.

@Keeper93:
Schön dass du mir mein Gehalt gönnst! Vergleichbare Gehälter sind bei uns branchenüblich (mit einem 40 Stundenvertrag), Teamleiter und die Führungsebenen darüber verdienen selbstverständlich noch einmal (deutlich) mehr, arbeiten dann aber auch mehr als 40 Stunden.

ALE | 12. August 2019 - 23:39

@ keeper83:
Bitte lesen. Jahresgehalt (Durchschnitt) Ingenieure:

  • Chemie- und Pharmaindustrie 83.060 Euro
  • Fahrzeugbau 67.500 Euro
  • Energieversorgung 64.850 Euro
  • Informationstechnologie 63.680 Euro
  • Maschinen- und Anlagenbau 62.700 Euro
  • Elektronik / Elektrotechnik 61.100 Euro
  • Baugewerbe 50.400 Euro
(Quelle: merkur.de)

@an alle Kollegen:
Bitte verkauft euch nicht zu billig. Viel Erfolg und Mut!

Lucs | 12. August 2019 - 15:28

Ich bin derzeit noch 18 und mache nächstes Jahr mein allgemeinbildendes Abitur. Ich habe mich in den letzten Monaten für den dualen Studiengang Bauingenieurwesen bei verschiedenen Betrieben beworben. Ein Betrieb zeigt besonderes Interesse. Dort habe ich schon 3 Tage lang eine sogenanntes "Probearbeit" absolviert, um zu schauen ob die Aufgaben des Betriebs meinen Vorstellungen entsprechen. Der Betrieb kümmert sich um das Planen von Massivhäusern.

Nun habe ich also in naher Zukunft vor mein duales Studium bei diesem Betrieb mit ca. 50 Mitarbeitern zu beginnen. Mein Ziel für die ferne Zukunft ist es diesen Studiengang mit einem Master abzuschließen und danach als Bauleiter tätig zu werden, um möglichst viel praktische Erfahrung sammeln zu können.

Die Frage ist nun was kann man sich bei so einem "kleineren" Betrieb als Einstiegsgehalt vorstellen? Mir wurde berichtet das der Betrieb letztes Jahr einen Umsatz von 40 Millionen Euro erreicht hat. Leider weiß ich nicht ob das gut oder schlecht ist. Als Bauleiter mit einem abgeschlossenen Master Studium hätte ich dem Betrieb 47.000 € - 50.000 € als Einstiegsgehalt vorgeschlagen. Was haltet ihr davon? Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Einstiegsgehalt? Ich würde mich über ein paar Berichte freuen!

Kurt | 12. August 2019 - 08:05

Da ich hier dieses Forum seit einiger Zeit ebenso verfolge und einige nützliche Beiträge daraus ziehen konnte, werfe ich nun auch mal meine Fakten in die Runde:

  • Abschluss M.Eng (Konstruktiver Ingenieurbau)
  • Handwerkliche Lehre im Bauhauptgewerbe, darin knapp 5 Jahre Berufserfahrung
  • Während dem Studium immer wieder Werkstudententätigkeit in der Tragwerksplanung
  • Einstieg in der Bauleitung bei einem großen Konzern mit A7 (Auto etc. ist inklusive)
  • Baustellen sind Deutschlandweit, dafür gibts aber eine Zulage pro Tag
  • Nachverhandeln des Gehalts nach spätestens einem Jahr
  • Überstunden sind im Gehalt mit drin, wie so üblich bei der Bauleitung
Insgesamt bin ich für den Anfang zufrieden. Da ich jedoch schon fast alles selbst draußen ausgeführt habe, was ich später anleiten/organisieren soll, sehe ich die Erhöhung nach einem Jahr mehr als gerechtfertigt an. Insbesondere wenn man tendenziell von eher 50 Std/Woche ausgeht. Wie seht ihr das? Was sind die Erfahrungen von Kollegen, die ebenso schon praktisch am Bau gearbeitet haben?

Martin | 08. August 2019 - 10:05

Ich habe das Thema nun verfolgt und bitte um eine Einschätzung. Kurz zu mir: 25 J, B.Eng. Abschluss Dezember 2018, ab Januar 2019 bei einem Bauträger angestellt (davor dort 1 Jahr als Werkstudent) und dort mache ich seit April die Bauleitung eines 14 Mio. Projektes. Übernahme der Baustelle bei Hälfte Rohbau, da eigentliche Bauleitung aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden ist. Mache momentan im Schnitt 45 - 50 Std.
Gehalt: 42.000 € + Firmenwagen (BMW X1). Passt das? Ende des Jahres wollte ich eine Gehaltssteigerung ansprechen, was kann man da fordern?

keeper83 | 07. August 2019 - 11:26

Ich bin vor 2 Jahren in den Öffentlichen Dienst gewechselt. Die Vorzüge und Freiheiten bei gleichzeitig interessanter Tätigkeit (Planung und Bauleitung im Tiefbau meist ohne Ingenieurbüros dazwischen), die ich hier genieße, würde ich niemals gegen 15.000 EUR im Jahr mehr wieder eintauschen. Die Rechnung geht in jeglicher Hinsicht nach hinten los. Meine feste Überzeugung, nachdem ich auf beiden Seiten meine Erfahrung gemacht habe.

@Bauwechsler:
Ich weiß ja nicht was du wo für deine 98.000 Euro genau machen musst, aber nach 5 Jahren im Beruf solch eine Summe hier als Standard festzulegen, bei gleichzeitig vollem Ausleben eines Privatlebens (ohne zwangsweisen Umzug, berufliche Verwirklichung des Partners möglich bei gleichzeitiger Gründung einer Familie, etc.))., halte ich für etwas gewagt. Es sei dir aber gegönnt.

@ALE:
Frag mal bei den Automobilzulieferern nach aktuell. Die Ingenieure freuen sich gerade mega über ihre üppigen Gehälter.

Alonso | 02. August 2019 - 07:10

Wer sich bei diesem Bauboom schlecht bezahlen lässt, ist selbst Schuld. Ich hatte letztes Jahr drei Interviews. 20 bis 30 % Gehaltserhöhung sind locker drin.

@Constantin:
Und die weichen Faktoren kommen auch nicht zu kurz. Und dürfen heutzutage auch nicht zu kurz kommen. Ich bin nun in einem Büro in der Innenstadt einer Großstadt. Perfekte Lage, Bahnhofsnähe, 40 h Woche, Zeitkonto, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice Möglichkeit, flache Hierarchien und top eingerichtetes Büro. Klar, Leistung ist zu bringen und Verantwortung ist zu übernehmen!

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