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Sonntag, 16. Juni 2019
Ausgabe 6509 | Nr. 167 | 18. Jahrgang

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Mein Gehalt als Bauingenieur angemessen?

1415 Kommentare | 628224 Aufrufe Kommentar hinzufügen
| Thema eröffnet vor 9 Jahren

Mich interessiert, ob ein Gehalt von 2.700 EUR monatlich fair ist. Zu mir: Ich bin 29 und habe vor fünf Jahren erfolgreich mein Diplom (Note 2,0) an der FH Bremen im Bereich Siedlungswasserwirtschaft / Verkehrswegebau abgeschlossen. Nun arbeite ich seit 4 Jahren in einem kleinen Ingenieurbüro im Raum Osnabrück. Mein Aufgabenfeld umfasst die Planung, Ausschreibung, Bauleitung und Abrechnung von kleineren Bauprojekten (bis 1 Mio. EUR). Des Weiteren kümmere ich mich um den Kontakt zu unseren Auftraggebern (kleinere Gemeinden / Kommunen / Wasserverbände). Jetzt würde ich gern wissen, ob ein Monatsgehalt von 2.700 EUR brutto für diese Art der Tätigkeit fair bzw. ausreichend ist? Was verdient ihr in ähnlichen Bereichen / Positionen?

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MasterBau | 28. Mai 2019 - 08:10 2019-05-28

@Keeper83:
Da hast du Recht! Jeder hängt sich an meiner Situation auf. Diese ist real, spiegelt aber nicht das Bauwesen wieder mit seiner Bezahlung. Das habe ich ja gesagt.

Fakt ist: Der Bau ist und bleibt im Vergleich unterbezahlt (auf den Stundenlohn gesehen), aber auch hier wäre momentan sehr gute Bezahlung möglich. Habe auch aus dem Bausektor das ein oder andere Angebot bekommen über Headhunter, was aber nicht an meine jetzigen Bedingungen rankommt. Hatte interessehalber auch ein paar Vorstellungsgespräche, um den Marktwert zu checken. Sehr wohl aber sind ähnliche Gehälter möglich, aber das halt dann bei einer 50-60 h / Woche und Großprojekte in ganz Deutschland oder dem Ausland. Das muss man halt mögen.

Der Durchschnittsingenieur mit festem Wohnsitz und wenig Flexibilität bekommt aber eben vielleicht eher die "niedrigen" Gehälter. Wobei ich auch hier von Kommilitonen und alten Kollegen weiß, dass ein Einstieg nach dem Studium in der Bauleitung im Gesamtpaket unter 50.000 € + Auto (in Bayern) fast nicht mehr zu finden ist. Mir wurde im Studium auch von Ingenieurkammern usw. (die Vorträge gehalten haben), propagiert, dass ein Gehalt von 40.000 € bei Ingenieuren die Regel ist. Als ich aber mit dem Bachelor fertig war, war ich schon bei 45000 € in 2010! Tendenz steigend.

Keeper83 | 27. Mai 2019 - 15:02 2019-05-27

Das Problem ist die überproportionale Wahrnehmung dieser Nischenjobs und deren Entlohnung in dieser Runde. Das verzerrt das Bild einfach. Und Konzerne, die für das unfallfreie Bedienen eines Schlagschraubers über 20 Euro die Stunde zahlen, wobei diese Arbeit im Nachgang auch noch dreimal kontrolliert wird (Qualitätssicherung), zahlt eben auch bei den Ingenieuren entsprechend überproportional. Ob ich mir da jetzt viel drauf einbilden würde sei mal dahingestellt. Und ein für solche Jobs fast zwingend erforderlicher Wohnortwechsel muss auch nicht jeder gleich gut finden. Wohnt halt nicht jeder in Wolfsburg, Stuttgart, Ingolstadt oder Leverkusen.

MasterBau | 24. Mai 2019 - 10:08 2019-05-24

@arbeitssuchend:
48.000 € für Statik ist in meinen Augen etwas zu wenig, große Sprünge wirst du da aber in der Statik nicht machen können mit deinem Alter und Erfahrung. Wenn du mehr willst, dann wirst du Richtung Bauleitung/Projektleitung gehen müssen, was aber auch mehr Arbeit und Stress bedeutet. Das muss glaub ich jeder für sich selber wissen.

@Snowflake:
Ehrlich gesagt bin ich es leid, dir hier gegenzureden. Ich kann hier sagen was ich will, du wirst es sowieso nicht glauben, da du in deiner Blase festsitzt. Vielleicht solltest du dich mal etwas informieren. IG Metall hat 40 h Verträge, natürlich hat die Basis 35 h, aber 40 h gibt es und sind natürlich an eine bestimme Position/Aufgabe und Auslastung geknüpft. 35 h ist mit dem Bau einfach nicht machbar, soweit haben das die Leute bei uns auch kapiert. Von daher bekommt man dann eine Aufstockung auf 40 h (mit anteiligem höheren Gehalt). VIelleicht solltest du da mal jemand finden der bei einem IG Metall Betrieb arbeitet und dem du vertraust. Der wird dir nix anderes sagen.

Und zu meinem Alter: Es spielt keine Rolle! Ich bin tatsächlich U 40, aber wer sich mit der IG Metall etwas auseinander setzt, der weiß, dass man mit einem Master bei der IG Metall eig. nicht unter EG 11 (Bayern) einsteigen kann. Und wenn man jetzt wissen will, wie viel das ist, dann kann man einfach Google bemühen. Zu dem Grundgehalt dort kommt dann eine Leistungszulage (beginnt bei 7% und geht auf 28% vom Monatsgehalt). So hat man sein Gehalt (bei mir eben ca. 6500 €/Monat bei 40 h). Dreisatz von 35 h auf 40 h traue ich dir noch zu als super weiser Experte.

Und dann hat die IG Metall halt noch weitere Vorzüge wie z.B. Weihnachtsgeld/Urlaubsgeld (Höhe steht im Internet) und Bonus/Einmalzahlung. Ich denke ihr erinnert euch an die Zeitungsartikel wo es heißt (BMW/Porsche/Audi usw. Mitarbeiter bekommen Bonus von 9000 €). Dieser Bonus ist für die Facharbeiter, das ist idR EG 5/6 (ich hoffe ich sag nix falsches), Leute in meiner Position haben aber einen viel höheren Basiswert, so dass unser Bonus dann bei den o.g. 9.000 € eben ca. 15.000 € sind.

Und ja nochmal, es ist eine Nische. Damit meine ich es sind seltene Jobs. In meinem Konzern sind wir ca. 600 Leute weltweit! Das ist quasi nicht mal in der Nachkommastelle der Bauingenieure der Welt zu finden. Aber diese Nischen gibt es, und zwar bei vielen großen Firmen und Konzernen.

Und wer es mir nicht glaub, es ist mir egal! Mir stellt sich die Frage: Warum sollte ich das hier zum Spaß oder Lobby schreiben? Ich propagiere ja nicht, dass Bauingenieure toll bezahlt werden und alles super läuft?! Eben weil die Bedigungen im Bau hart sind habe ich mich umgeschaut und riesen Glück gehabt. Ich will nur ermutigen, den Job mal zu wechseln und sich umzuschauen. Momentan ist die richtige Zeit, um einen Gehaltssprung zu machen, auch im Bauwesen. Und mit etwas Glück kommt man auch an seltene Jobs ran.

Alonso | 23. Mai 2019 - 21:43 2019-05-23

@snowflake:
Ich glaube nicht, dass es irgendjemand in diesem Forum nötig hat Lügen zu verbreiten. Ich hoffe, dass die Beiträge hier wieder sachlicher werden. Fakt ist, wer mutig genug ist sich zu bewerben, die Augen nach guten Stellen offen hält und natürlich auch gute Leistungen bringt sowie bereit ist Verantwortung zu übernehmen, kann bei der momentanen Marktlage ohne Weiteres 20 - 30 % mehr Gehalt herausholen. Und ja, bei einer 40 h Woche mit Arbeitszeitkonto und flexiblen Arbeitszeiten. Ich bin im Infrastrukturbau, sprich Straßen- und Brückenbau als Projektleiter tätig.

Horst | 23. Mai 2019 - 19:25 2019-05-23

Das eigentlich Tragische ist ja, dass Bauingenieure es nicht einmal in Zeiten des Baubooms schaffen, ihre Gehälter zu steigern, sondern nach wie vor die mit deutlichem Abstand am schlechtesten bezahlten Ingenieure bleiben und heute im Durchschnitt sogar noch weniger verdienen als einige Jahre zuvor! Es kann sich ja jeder ausmalen, wo die Gehaltsentwicklung hin geht, wenn die derzeit sehr gute Baukonjunktur wieder ins Stottern gerät.

JünglingMcDüngling | 23. Mai 2019 - 18:10 2019-05-23

Also ich finde MasterBaus Beitrag durchaus plausibel. Ich habe bspw. auch bereits ein Jobangebot bekommen als klassischer Bauleiter im Schlüsselfertigbau mit 4200 Euro je Monat, 13,5 Gehältern und Firmenwagen + Notebook, Smartphone etc., und das nur als Bachelor-Absolvent (der gerade halt seinen Master macht).

Snowflake | 22. Mai 2019 - 22:26 2019-05-22

@arbeitssuchend:
Jetzt bist du aber gemein. Der gute MasterBau muss doch jetzt erstmal bei seinem Führungsoffizier in der Baulobby nachfragen, was er auf deine Frage antworten soll. Ich denke mal er wird sowas in der Art von “Mitte 30, Master Abschluss und nun Bauherrenvertreter bei Bayer” zum Besten geben. Vorher war er natürlich Bauleiter oder als Projektmanager unterwegs, ebenfalls ohne Überstunden - und Stress kennt er nur vom Hörensagen.

Natürlich hatte er, als er zu Bayer gewechselt ist, noch bessere Angebote bei internationalen Grosskonzernen, die sich alle um ihn geprügelt haben. Aber das waren Führungspositionen deutlich jenseits der 180.000er Marke mit 45-50 h und internationalen Einsätzen. Er schiebt aber lieber eine ruhige Kugel. Deshalb ist er mit den 100.000 EUR zufrieden. Irgendsowas kommt hier immer. Er hat in seiner Story allerdings noch nicht mal geschnallt, dass bei der IG Metall keine 40h Woche herrscht.

@arbeitssuchend | 21. Mai 2019 - 17:43 2019-05-21

@Masterbau:
Ich bin zurzeit auf der Suche nach einem neuen Job und würde sehr gerne wissen was ihr bzw. du über Nischen verstehst? Zudem dein Alter und deine Berufserfahrung, wenn es dir nichts ausmacht.

Kurz zu mir: Ich bin 28 Jahre alt und in Österreich Wien zurzeit als Statiker tätig. Habe 2 Jahre Berufserfahrung und den Master in Deutschland absolviert (KIB). Ich bin mit 48.000 EUR Jahresgehalt eingestiegen, was für die derzeitige Situation der Baubranche meiner Meinung nach wenig ist. Ich kann mir leider nicht vorstellen als Tragwerksplaner (Hochbau) alt zu werden und bin daher offen für alles.

MasterBau | 21. Mai 2019 - 07:29 2019-05-21

@Snowflake:
Und deine Beiträge erinnern an die Pessimisten, die bei Niedriglohn festhängen und nicht glauben wollen/können, dass es auch anders geht. Man spricht hier sicherlich von Nischenplätzen außerhalb vom Bau, z.B. Chemie, Auto usw., aber diese Jobs gibt es und sind real. Ich selber sitze in einem Konzern mit einem 40h Vertrag (Gleitzeit, jede Minute wird bezahlt bzw. geht aufs Überstundenkonto zum Abfeiern), habe mit 40h ein Grundgehalt von 6400 € monatlich + Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und Boni. So komme ich auf ein Jahresgehalt knapp unter 100.000 €. Wohlgemerkt in einer Nische! Nicht die Realität für den klassischen Bau, aber dennoch machbar. War vorher auch im Bausektor, hatte auch hier 5000 € + Auto+ Weihnachtsgeld usw., was auch gut war. Die Baubranche boomt, oft lohnt es sich ein wenig umzuschauen und den Marktwert zu testen.

Und sicherer Arbeitsplatz? Ich würde mal behaupten, bei z.B. IG Metall ist man sicherer, als in der Baubranche. Hier ist man in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis quasi im Beamtenstatus, da kannst du nicht betriebsbedingt gekündigt werden, egal ob Krise ist oder sonst was. In Zeiten der Krise werden schon Leute "entlassen", dies aber zu mehr als guten Konditionen und idR macht man das mit älteren Kollegen in Form der Altersteilzeit. Anders geht das gar nicht, dafür ist der Betriebsrat hier viel zu mächtig. Also bitte keine Lügen verbreiten!

Snowflake | 15. Mai 2019 - 20:54 2019-05-15

Die ganzen (Lobby)beiträge hier mit ihren unrealen Gehältern und niedrigen Arbeitszeiten erinnern an das schöne Lied “Haus der Lüge” von den Einstürzenden Neubauten.

Alonso | 14. Mai 2019 - 20:19 2019-05-14

Den Beitrag von Bauigel123 kann ich nicht teilen. Bauingenieur ist ein absolut toller Beruf. Vielfältig, spannend, abwechslungsreich, anspruchsvoll, wichtige Projekte für die Öffentlichkeit etc. Arbeiten im Büro, auf der Baustelle, in der Industrie, in der Forschung. Man sieht am Ende, was man geleistet hat. Brücken, Straßen, Häuser und nicht nur Zahlen vor dem Monitor betrachten oder so. Klar läuft nicht immer alles rund. Aber ich möchte bezweifeln, dass bei IG Metall oder woanders alles besser ist. Ich sage nur Dieselskandal, Auto-Kartell, Deutsche Bank. Sind das sichere Arbeitsplätze?! Und vorallem Spaß muss der Job machen!

Zu meiner Person: Dipl.-Ing. (FH). Schon einiges gemacht. Ingenieurbüro, Baufirma, Ausland Großbaustelle, Öffentlicher Dienst, nun woanders auf Bauherrenseite. Großprojekte. Berufserfahrung > 15 a. Jahresbrutto über 80.000 EUR. Flexible Arbeitszeit, 40 h Woche. Jede Überstunde kann man abfeiern. Da gibt es gar nichts zu meckern. Leute, wenn ein Jobwechsel, dann jetzt! Solange die Baubranche noch boomt!

Bauigel123 | 02. Mai 2019 - 22:29 2019-05-02

Ich verfolge das Forum schon ewig und gerade die Gehaltsdiskussion + Randbedingungen haben mich mein ganzes Studium begleitet und des Öfteren Zweifel aufkommen lassen. Bin nun seit ein paar Monaten fertig (B.Eng. Bauingenieurwesen) und bin beim größten öffentlichen Auftraggeber untergekommen (2 Jahre Werkstudent + Praxissemester zuvor). Mein Einstiegsgehalt liegt bei 50.000 EUR mit einer 39 h Woche. Außerdem hab ich zuvor eine Ausbildung als Vermessungstechniker absolviert. Klingt alles ganz passabel, könnte man meinen.

Allerdings bin ich trotzdem nicht zufrieden, da mich die Branche ein Stück weit nervt. Es ist einfach ein sehr volatiles Umfeld bei dem man seinen Tag nie richtig planen kann und ständig „unvorhergesehene“ Änderungen eintreten. Weiterhin muss man ständig Schnellschüsse abliefern, die meistens eh wieder für die Katz sind, weil es vielfach „quick and Dirty“ abgearbeitet werden muss. Wenn ich sehe wie es in anderen Branchen abläuft (Paradebeispiel IG Metall, Chemie etc.), dann bereue ich mein Studium extrem (einfache Ausbildung zum Kaufmann o.ä. 48.000 EUR Gehalt + Prämie+ 35h Woche).

Von dem anderen Image der Branche bzw. der Firmen und den Arbeitsbedingungen mal ganz zu schweigen. Ich kann also nur jedem, der überlegt Bauingenieurwesen zu studieren oder gerade noch dabei ist, nur davon abraten und würde einen Wechsel dringend empfehlen. Und das von jemanden, der es eigentlich noch ganz "gut" - hat (Stichwort Bauhauptgewerbe / Ausführung / Planungsbüros aka Klitschen).

Holger4711 | 02. Mai 2019 - 21:00 2019-05-02

M 28, Master TU; NRW; Berufseinstieg als Bauleiter SF in 2018 (parallel zum Studium im Ingenieurbüro tätig, keine Erfahrung in der Bauleitung); Einstiegsgehalt 4.000 Brutto, Firmenwagen Golfklasse, nach einem Jahr 4.500 Brutto; Arbeitszeit > 50 h, Vertrag 40 h, Überstunden unbezahlt; Projektgröße in der Regel 5-20 Mio.

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