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Dienstag, 01. Dezember 2020
Ausgabe 7043 | Nr. 336 | 20. Jahrgang
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Umgang auf Baustelle / harte Bandagen - Stressmanagement?

2 Kommentare | 6160 Aufrufe Kommentar hinzufügen
Thema eröffnet von Bauleiter Horst | letzter Kommentar vom 11. November 2020 - 12:52

Ich würde gerne wissen was ihr gegen den täglichen "Wahnsinn" auf der Baustelle macht. D.h. wie schafft ihr euch Freiräume und wie haltet ihr euch nervtötende Subs vom Hals? Geht ihr immer ans Handy wenn es klingelt oder lasst ihr es auch mal lautlos in der Tasche vibrieren? Wann macht ihr im Regelfall Feierabend und wann fangt ihr mit der Arbeit an? Habt ihr feste Bürozeiten um euch vor Gewerblichen zu schützen, die wegen jeder Kleinigkeit den Baucontainer stürmen?

Was macht ihr bei technischen Problemen, die im Idealfall sofort gelöst werden müssen, eine zufriedenstellende Lösung jedoch nicht in Sicht ist? Wie geht ihr mit "Druck von oben" um?

Ich muss sagen, dass ich im Laufe der Zeit immer gelassener geworden bin. D.h. ich rege mich eigentlich gar nicht mehr auf, selbst wenn die Baustelle ins Minus rutscht ist es mir völlig egal. Den Ärger der Vorgesetzten höre ich mir an aber ich mache mir nichts daraus. Bin da irgendwie völlig abgestumpft und denke während dieser Gespräche an meine Frau oder andere schöne Dinge im Leben. Heute arbeite ich nur noch Dienst nach Vorschrift, d.h. wer mich während meiner Bürozeiten nicht erreicht, der bekommt nur eines zu hören The person you are calling is not available. Überstunden sammle ich so gut wie keine und Wochenendarbeit vermeide ich durch regelmäßige Fahrten in die Berge in Gebiete ohne Handyempfang.

Danke für die hoffentlich zahlreichen Antworten und lasst euch nicht stressen.

Klappspaten | 11. November 2020 - 12:52

Ich arbeite seit 15 Jahren in der Branche, im Öffentlichen Dienst. Ich habe einen längeren Lehrgang zum Thema Bauvertragsrecht absolviert, bin darin also recht fit. Allerdings habe ich auch öfter mit Versorgern oder privaten Bauherrn und deren Auftragnehmern zu tun, mit denen ich kein direktes Vertragsverhältnis habe - was meine Position nicht gerade stärkt.

In den letzten 1-2 Jahren gab es meiner Einschätzung nach eine deutliche Verschärfung, was den Umgang auf der Baustelle angeht. Ich habe mal "gelernt", am Bau herrscht ein rauer, aber kein unverschämter Ton. Ich finde, dies hat sich sehr geändert. Es geht aber nicht nur um diesen Ton, sondern um die "Zusammenarbeit" überhaupt. Ich möchte aber klarstellen, ich träume nicht vom Ponnyhof und habe diesen auch früher nicht kennengelernt. Meine Erfahrungen beziehen sich auf die Bauleiter- und Führungsebene, nicht auf den Arbeiter vor Ort.

Beispiele:

  • erste Telefonate, Gegenüber wird nach 2 min pampig/unverschämt
  • Fotos auf der Baustelle gemacht, wurde schon x-fach in Frage gestellt, ob das rechtens wäre (was es ist, jur. Rat eingeholt)
  • zum Termin kommen 3 Personen der Gegenseite, jeder - aber wirklich jeder - Einwand meinerseits bezügl. der erheblich mangelhaften Ausführung nach DIN wird aggressiv gekontert, ich werde gefragt, ob ich diese Arbeiten selbst mal ausgeführt hätte etc. Zudem wurde ich beleidigt, weshalb der Termin dann abgebrochen werden musste (Entschuldigung kam am nächsten Tag, aber trotzdem...)
  • Kleinauftrag für 20.000 EUR vergeben, kein Baubeginn zum vereinbarten Zeitpunkt, mehrere Ausreden, dann wird ein techn. Merkblatt vorgelegt, dass die äußeren Bedingungen nicht gepasst hätten. Bei genauem Hinsehen stellt sich heraus, dass das Merkblatt für das ausgeschriebene Material nicht gilt. Daraufhin haben wir Druck gemacht. Firma droht mit Anwalt, sagt 1/2 Arbeitstag zu ohne Übernahme der Gewährleistung (Erpressung) wg. angebl. schlechter Witterungsbedingungen (die nach dem richtigen Merkblatt aber nicht gegeben waren) zu, kommt für diesen 1/2 Tag und meldet sich dann wieder 3 Wochen nicht. Vertrag läuft seit 4 Wochen, x-mal schon telefoniert und geschrieben.
Gerade die Umsetzung des Kleinauftrags hat mir vor Augen geführt, dass ich selbst mit dem Vertragslehrgang nicht unbedingt weiterkomme. Die Firma, ein kleiner Laden, ist gewieft und clever. Beim Termin mit den 3 Personen der Gegenpartei konnte ich mich auf Grund des aggressiven Auftretens und der Beleidigung durch eine Person nicht durchsetzen.

Als Konsequenz wird es hier nur noch Termine 1:1 oder 2:2 geben, außerdem habe ich Prüfunterlagen angefordert, die die Firma nicht vorlegen kann, um zu nerven und Konsequenzen ihres Handelns aufzuzeigen. Aber eigentl. kann das nicht die Lösung sein. Wichtig wäre, dass es gar nicht erst zu solchen Grenzüberschreitungen kommt. Bei den Telefonaten handelte es sich um mir nur vom Namen aber nicht persönl. bekannte Personen, die teilweise auch mein Bürokollege nicht persönl. kennt, d.h., es hängt eher nicht an meiner Person/meinem Auftreten. Ich kann mich über die letzte Zeit nur wundern und fühle mich in keiner ausgewogenen Position (mehr).

Wie sind eure Erfahrungen, welche Lösungen habt ihr? Findet ihr auch, dass sich die Situation in letzter Zeit verschärft hat? Danke!

PS: Ich erinnere mich an einen früheren Kollegen, der Tricks hatte wie, wenn mich der Auftragnehmer nervt, halte ich z.B. beim gemeinsamen Aufmaß kein Maßband mehr fest oder helfe sonst wie, dann kann der Bauleiter mit 2 Mann zusätzlich zu diesem Termin kommen. Solche "Tricks" fehlen mir.

Klingklang | 18. Februar 2012 - 18:21

Hallo,
ich bin in einem kleinen Bauunternehmen als Bauleiter angestellt. Im Sommer sind Wochenstunden von > 50 h normal, alleine das geht extrem an die Substanz. Ich finde du hast es schon schön beschrieben, den meisten Stress macht man sich selbst, also lieber mal einfach "cool" bleiben! Ich kann mir nicht vorstellen diesen Job sehr lange zu machen. Ich würde mich mit weniger Gehalt und dafür geregelten "normalen" Arbeitszeiten besser arrangieren!

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