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Studium Bauingenieurwesen abbrechen?

30 Kommentare | 10992 Aufrufe Kommentar hinzufügen
Thema eröffnet von Michael | letzter Kommentar vom 26. Februar 2020 - 19:54

Ich studiere Bauingenieurwesen im 3. Semester an der Universität und habe den Studiengang aus Interesse und Faszination für Bauwerke gewählt. Mittlerweile habe ich allerdings durch die Uni und Praktika oberflächliche Einblicke in das Baugewerbe erhalten und bin mir unsicher ob mich die Inhalte meines weiteren Studiums, sowie die späteren Berufsaussichten wirklich zufriedenstellen.

Im Internet liest man mehrheitlich schlecht über das Baugewerbe. Ich überlege deshalb einen Studiengangswechsel zum Wirtschaftsingenieur (Maschinenbau) im kommenden Sommersemester - dieser Bereich interessiert mich ebenfalls. Meine Frage: Angesichts der aktuellen Gehalts-, Arbeits- und beruflichen Zufriedenstellungssituation im Baugewerbe, wie würdet ihr euch aus heutiger Sicht entscheiden: Wechsel oder weiterstudieren?

DB_Franz | 26. Februar 2020 - 19:54

@Leon:
Ich bin seit 25 Jahren Bauingenieur - und es hat sich gelohnt! Mittlerweile bin ich bei der DB AG gelandet und verantworte eines der größten Infrastrukturprojekte in Deutschland. Natürlich kann man in anderen Berufen mehr verdienen - z.B. als Arzt, Wertpapierhändler oder so. Aber ich bin Ingenieur - für mich gibt es keinen besseren und schöneren Beruf! Wenn es Dir nur ums Geld geht, dann mach was anderes. Allerdings ist dabei oft das Problem, dass Du in einem Beruf, der zwar Geld verspricht Dir aber nicht liegt, Du auch nicht gut bist. Tja, dann wird es mit dem großen Geld auch nichts. Wenn Du also aus Interesse und Neigung Bauingenieurwesen studierst - dann bleib dabei!

Alter Bauingenieur | 20. Februar 2020 - 16:59

@Leon:
Also die Erfahrungsberichte können stimmen oder nicht. Im Grunde genommen musst Du wissen, ob das Bauingenieurwesen deine Passion ist oder nicht. Ich bin seit über 27 Jahren Absolvent des Bauingenieurwesens und es hat sich definitiv nicht (!) gelohnt. Ich habe mich vor knapp 10 Jahren in den öffentlichen Dienst "gerettet", weil ich eine Sinuskurve von einem Leben hatte (Job, kein Job, Job, kein Job etc.). Das Problem ist, dass alle Medien und Berichte eigentlich lügen. Der sogenannte Ingenieursmangel ist durch die Industrie und Verbände künstlich hervorgerufen.

Warum? Nun, wenn Du mal die Gelegenheit genossen hast, arbeitslos zu sein und Du bist in einer Fortbildungsmaßnahme oder über einem gewissen Alter, fällst Du aus der Statistik heraus. Das merkst Du gar nicht. Es gibt so viele "Überschuss"-Bauingenieure, dass Dir schlecht wird. Was sage ich also einem Erst-Semestler, der so Fragen wie Du stellt?

Meine Meinung: Finger weg vom Bauingenieurwesen und rette Dich in den Maschinenbau. Dort ist die Möglichkeit, anhand der Fertigungstechnik oder im reinen Projektmanagement Jobs zu ergattern, die wesentlich besser bezahlt werden als im Bauingenieurwesen. Das Bauwesen selber mag momentan oder vielleicht noch in ein bis zwei Jahren gut gehen. Aber die Immobilienblase wird sehr bald platzen und dann? Dann bist Du im Unternehmen ein junger unabhängiger Bauingenieur, der vor dem Familienvater entlassen wird.

Kenne ich leider alles. Also keine Sorge, ich weiß wovon ich schreibe. Nun, angesichts der Situation im Automobilbau wäre ich mit dem Mascinenbau vorsichtig, in welchen Bereich ich vertiefe. Hätte ich einen Sohn, würde ich ihn in drei Richtungen schicken wollen:

  1. Fertigungstechnik (da geht immer was, auch in den Pharmakonzernen)
  2. Projektmanagement (gute Möglichkeiten, auch im Ausland unterzukommen, z.B. USA => Nein, auch wenn Trump Präsident ist und vielleicht auch wieder gewählt wird, das Land selbst und die Möglichkeiten sind wirklich unbegrenzt!)
  3. Simulationen (sehr schwer, sehr viel Mathematik, Physik). Da sind Jobs nach 4 - 8 Jahren von locker über 100.000 Euro drin!
So, meine 5 Cents. Mach was draus. Im Bauwesen gehst Du leider einen sehr beschwerlichen und leidensbehafteten Weg. Bauingenieure können sich nicht verkaufen und sind angesichts der Leistungen unterbezahlt. Definitiv.

Leon | 29. Januar 2020 - 12:29

Ich studiere momentan Bauingenieurwesen im 1. Semester, war auch soweit zufrieden und motiviert. Bis ich hier im Forum die Erfahrungsberichte gelesen habe. Eigentlich wollte ich mich später im Baugewerbe selbstständig machen, habe jedoch nun das Gefühl bekommen, dass es sich nicht lohnt.

Da das Baugewerbe anscheinend zu sehr umkämpft ist, man schnell Insolvent gehen kann und dafür eine schlechte Bezahlung bekommt. Meint ihr es lohnt sich heutzutage noch Bauingenieurwesen zu studieren, wenn man auch auf das Gehalt schaut? Oder ist es eher eine Berufung?

Dipl.-Tiefm. | 20. April 2016 - 17:34

Ich bin selbstständiger Büroinhaber, habe fast 30 Mitarbeiter und jeder verdient gut. Mein Bruttoverdienst lag in den letzten 15 Jahren deutlich im 6-stelligen Bereich. Man kann in der Branche sehr gutes Geld verdienen, vorausgesetzt man hat eine klare Zielsetzung und verfolgt dazu die passende Strategie. Ich bin aber davon überzeugt, dass dies in jeder Branche geht - mit viel Kraft und Ausdauer und ein bisschen Glück! Ob Du das Richtige studierst, musst Du selbst entscheiden. Wenn Du wegen der Bezahlung zweifelst, wechsle den Job. Ich habe niemals den größten Wert auf die Bezahlung gelegt, mein Fokus lag auf der Entwicklung und Ideenfindung für neue Bauten und Bauwerke - das ist meine Bezahlung und meine Passion als Bauingenieur. Der Rest kommt von selbst!

Baumann | 12. Februar 2016 - 12:11

Die Spiegel Gehalts-Vergleichsliste ist ein Witz - glauben Sie bitte nur die Statistik, die Sie selber aufgestellt haben. Und zum Thema Geld und Zufriedenheit - ist dies immer gleich zu stellen? Beachten Sie bitte auch: Bauingenieure die zufrieden und glücklich sind, finden selten Zeit und Lust hier zu schreiben. Also finden sich hier überproportional miese Meinungen, die nicht der tatsächlichen Stimmung entsprechen müssen.

Techn. Leiter | 11. Februar 2016 - 09:41

@Michael:
Es muss Dir bewusst sein, dass der Bauingenieur unterbezahlt ist. Aber wenn es das ist was Du machen willst, dann würde ich auch nicht wechseln. Ich habe selber mit dem Gedanken gespielt, aber habe mich dagegen entschieden. Und ich muss sagen, dass es sich gelohnt hat. Ich bin mittlerweile 6 Jahre im Beruf und arbeite als Technischer Leiter in einem mittelständischen Betrieb. Das tolle ist, wir sind nicht im Bautarif, auch nicht in irgendeinem Tarif. Da wir metallverarbeitend sind, orientiert sich der Chef an dem Tarif der IG Metall. Für uns ist das natürlich von Vorteil, und ich verdiene mittlerweile 70.000 € jährlich, habe aber auch Personalverantwortung.

Man muss immer schauen, was man aus seinem Leben macht. Aber es gilt hier genauso wie woanders: Klotzen, nicht Kleckern. Wer hart arbeitet, wird meistens auch dafür belohnt. Und man sollte immer auch seinen eigenen Wert im Unternehmen kennen und dementsprechend ein Gehalt fordern. Ich war damals einer der ersten Masterabsolventen nach Einführung und konnte mit knapp 50.000 € einsteigen.

Mein Gehalt bekommst du als Maschinenbauer genauso, mit Glück bist du auch im Tarif gebunden, dann hast du 35 h und alles ist gut. Wie du siehst, auch im Bau kann was erreicht werden, aber woanders geht das definitv besser! Wenn du Pech hast, dann dümpelst du so wie viele andere am Bau bei 40-50.000 € Jahresgehalt rum mit 10-20 Jahren Erfahrung.

abc | 23. Januar 2016 - 02:05

@Bauhorst:
Wenn Sie gut sind und z.B. als Ingenieurgesellschafts-Inhaber selbstständig und clever sind, können Sie auch deutlich mehr als ein Zahnarzt verdienen.

BauIng | 21. Januar 2016 - 15:34

@bauhorst:
Es ist schön, wenn sich die Leute hier mit echten Zahlen auseinandersetzen. Dabei sollte man jedoch bedenken, dass die Zahlen in dem Artikel (der zum einen 2014 erschien) aus einer Untersuchung von 2012 mit einer Erhebung zwischen 2005 und 2008 beruhen. Des Weiteren werden hier Nettolöhne angegeben, die sich je nach Lebenssituation nicht uneingeschränkt vergleichen lassen. Jeder kann und sollte sich nun seinen eigenen Teil dazu denken.

Ole | 20. Januar 2016 - 13:09

Das tut meinem Ego schon etwas weh, wenn ich sehe, das Berufe wie Lehramt, Buerokaufmann und Musikwissenschaften besser bezahlt werden. Jedenfalls sind wir auf Platz 52 von 133 nicht die Laterne der Tabelle.

JoKo | 19. Januar 2016 - 16:00

@Bauhorst:
Na immerhin, Platz 35. Viel Stress für wenig Geld - das nenn' ich doch ein Angebot. Man kann es über den Daumen peilen: 1/3 bricht das Studium ab, 1/5 findet sich - nach ca. fünfzehn Jahren - in lukrativen Positionen wieder, ein weiteres Drittel landet auf geruhsamen Pöstchen im Öffentlichen Dienst, inklusive den Beamten, der Rest versauert auf irgendwelchen Sachbearbeiter-/Bauleiterpöstchen oder schlägt sich prekär als Freiberufler durch. Bei den überschaubaren Honoraren für Planer sind übrigens die immensen Haftungsrisiken inklusive. Die spektakulären Pleiten von Walter-Bau und Holzmann sind ein bisschen in Vergessenheit geraten, von den vielen regionalen Firmen ganz zu schweigen. Da hieß es dann von einem Tag zum anderen statt außertariflicher Zulage Schlüssel vom Dienstwagen abgeben und auf's Amt gehen.

bauhorst | 10. Januar 2016 - 16:06

Für alle, die an tatsächlichen Daten interessiert sind. Kleiner Suchtipp: Der Bauingenieur findet sich ziemlich weit unten.

http://bit.ly/1PCU6LO

Sandro | 05. Dezember 2015 - 15:33

@Michael:
Ich hätte damals gewechselt, wenn ich gewusst hätte, was auf mich zukommt. Die Gehälter der Bauingenieure sind ein Witz, verglichen zu den anderen Ingeneiurdisziplinen. Dabei muss man auch betonen, dass momentan die Baukonjunktur mal wieder ein hoch hat! Bis du fertig studiert hast, wird es sicherlich anders aussehen - und die Gehäter dann auch.

Ich würde dir auch noch eine andere Überlegung nahe legen: Deutschalnd hat bereits eine gut ausgebaute Infrastruktur. Nachdem die paar Brücken und Straßen in den nächsten Jahren saniert werden und der Immobilienboom vorbei ist, was glaubst du - wie viele Bauingenieure werden da noch benötigt!? Die meisten Ingenieurbüros und Bauunternehmen sind dabei nur in Deutschalnd tätig - das darf man auf keinen Fall vergessen! Ich rate dir deine Entscheidung gut zu überlegen!

Geotechniker | 05. Dezember 2015 - 10:54

@Michael:
Ganz klar: Wechseln! Leider hat man uns im Studium belogen: Fachkräftemangel, 5000 € Einstiegsgehalt, blabla. In Wahrheit ist die Uni nur an sich selber interessiert: Fördermittel werden nach der Anzahl von Studierenden vergeben. Also möglichst viele junge Menschen ködern und lange im Studiengang halten, dann gibt es mehr Fördergeld. Und wenn man dann fertig ist fällt man auf die Nase, Gehälter liegen 50 % tiefer oder schlimmer, 60 Stundenwoche als unbezahlte Mehrarbeit.

Wenn ich nochmal die Wahl hätte: 1. Gehaltstabellen im Internet checken: Realgehalte liegen im Schnitt 30% tiefer als was einem an der Uni erzählt wird. 2. Rohstatistiken der Agentur für Arbeit analysieren: Nicht "Arbeitslose" sondern "Arbeitssuchende" betrachten. Dann fällt einem auf, dass viele Diplomer nicht arbeitslos sind, weil Sie Pizza ausfahren. Daran sieht man wie hoch die Chancen wirklich sind in dem Abschluss eine Stelle zu bekommen.

Ole | 26. November 2015 - 12:19

@Michael:
Ich wollte immer Bauingenieur werden. Das hat dann auch geklappt und ich muss sagen, dass ich die ersten Jahre oefter das Gefuehl hatte, voellig falsch zu sein. Ueberstunden, schlechte Bezahlung, Idioten die pausenlos bruellen, Volltrottel auf Baustellen und gerade im Sommer, wo andere Urlaub machen, Urlaubssperre. Ich mache seit zirka 10 Jahren nur sehr grosse Projekte, ueberwiegend im Ausland und ich bin sehr froh, dass ich Bauingenieur geworden bin. Ich verdiene auch aussergewoehnlich gut. Bauingenieurwesen war eigentlich rueckblickend die richtige Wahl. Mann darf allerdings nicht daruber hinweg sehen, das wir mit Abstand den schlechtesten Ingenieurlohn haben, jeder Industriemechanikermeister hat ohne Studium genauso viel und dank der IG Metal ne unter 40 Stunden Woche. FAZIT: Wenn Dir Geld und schneller Erfolg wichtig ist, mach was anderes.

WiMi | 23. November 2015 - 15:19

Ich arbeite als WiMi an einer TU. Seit Jahren nimmt die Anzahl von Bauingenieur-Studenten stetig zu. Es sind natürlich zahlreiche Prüfungen zu korrigieren und sehr viele Abschlussarbeiten zu betreuen. Die Hörsäle platzen inzwischen aus allen Nähten. Die Kapazitäten an den TU's reichen nicht mehr, um eine qualitativ hochwertige Betreuung anzubieten. Dazu kommt die bequeme Haltung der Studenten, dass wir ihnen alles vorgeben müssen, als wären sie inmmer noch in der Schule. Fast niemand übernimmt Selbstverantwortung und lernt selber.

Es geht so weit, dass wir teilweise Maßnahmen überlegen und umsetzen müssen, mit denen wir mit den großen "Massen" an Studenten fertig werden! Es geht um "Massenabfertigung". Durchfallen dürfen fast keine (Vorgabe von der TU-Verwaltung!). Da kann sich jeder vorstellen, wie heutzutage die Qualität des Studiums ist. Es kommt demnächst eine Absolventenlawine auf den Arbeitsmarkt, die die Löhne weiter drücken wird.

@Michael und @alle Träumer
Ich rate den Studenten, sich zu überlegen, ob sie wirklich diesen Beruf unter den kommenden Bedingungen ausüben wollen. Noch haben sie Zeit, um zu wechseln! Sonst geht es den Bauingenieuren bald schlechter als den Architekten. Und meine Rat an Schüler: Finger weg von diesem Studium! Die Arbeitskonkurrenz später ist extrem hart. Was einige Träumer hier posten sind nur Träume. Nicht die Realität.

Hornisse | 23. November 2015 - 13:54

@Tdior:
Du glaubst wohl auch alles was so im www veröffentlicht wird? Nur mal so am Rande zum Villenbau beim Diplommauer:
Kreditsumme: 400.000 €
erforderliches Eigenkapital: 80.000 €
Jährliche Zins- und Tilgungsbelastung bei einem 25-jährigen Kredit: ca. 25.000 € (runde 2.000 € pro Monat wohlwollend geschätzt!)

Und der Rohbau beim Hausbau macht nicht 50 % der Gesamtsumme aus, so wie Dein Lobbyspezi Diplommaurer es hier suggeriert. Ich habe schon seit sehr langer Zeit nicht mehr so eine hirnverbrannte Lobbygeschichte wie von Diplommaurer lesen müssen. Neben dem Studium 3 Tage die Woche als Mauerer gearbeitet und obendrein auch noch viel im Ausland gewesen und dann das Haus im Wert von 900.000 für 450.000 bekommen. Geht es nicht auch eine Nummer kleiner?

Hat er das Stück Land auch billiger bekommen, die ganze Innenausstattung auch und alle mit dem Erwerb von Wohneigentum verbundenen Kosten kamen wahrscheinlich auch mit Rabatt - bestimmt kannte er den Bankberater und Notar auch vom Studium. Alle haben mit angepackt. Zum Nulltarif natürlich.

Bei einem Haus im Wert von 900.000 € macht der Rohbau ca. 20 % aus (maximal). Der Rest ist das Stück Land, der Innenausbau, alle möglichen Gebühren und Abgaben etc. Hier gibt es scheinbar nur noch Beiträge von Schülerpraktikanten. Kann sich die Bau-Lobby keine ordentlichen Schreiber mehr leisten?

Malcolm | 20. November 2015 - 22:21

@Markus:
Wir meckern nicht, wir wollen die Jungs wie Michael vorwarnen.

Tdior | 20. November 2015 - 17:51

@Diplommaurer:
Das mit dem Wissen und Hausbau in Eigenregie finde ich ist wirklich ein relevanter Punkt. Wenn man sich das dann doch mal auf sein lebenslanges Gehalt bezogen ausrechnet, was für eine Summe man beim Hausbau spart, kommt da einiges zusammen. Die meisten Wirtschaftsingenieure / Elektroingenieure / Maschinenbauingenieure hüpfen fröhlich zum GÜ und zahlen sich dumm und dusselig.

Kevlar | 20. November 2015 - 17:31

Das was "Diplommaurer" hier erzählt hört sich wie die klassische Vorstellung von klein Fritzchen über das Berufsleben eines Bauingenieurs an. Alles dabei. Angefangen von der schönen Geschichte des Maurers, der Bauingenieurwesen studiert und trotzdem 2-3 Tage in der Woche weitermalocht (bestimmt trotzdem in Regelstudienzeit und als Jahrgangsbester abgeschlossen). Dann der Brüller schlechthin: der Architekt, den man von Studienzeiten her kennt. Muhaha. Wann bitte soll man sich denn getroffen haben? Auf der Baustelle? Als man während des Studiums pro Woche 3 Tage Steine geschleppt hat? Aber den Vogel schiesst die Phrase des "es gibt viele, die im Studium nichts gelernt haben und deshalb den Beruf mies machen" ab. Fehlt eigentlich nur noch das idiotische "wer gut ist, verdient auch gut".

Ich habe dieses scheiss verlogene Land so dermassen satt. Ich wage mal die kühne These, dass nicht nur der Islam, sondern auch die Lüge zu Deutschland gehört.

Ach ja. Und die Krönung der ganzen Lügerei hier im Forum: die Gehaltsangaben. Als Statiker bekommt man mit 3 Jahren Berufserfahrung nie und nimmer 50.000 €. Schon gar nicht wenn man EFH's rechnet. Wer Brücken macht ist halt auf Brücken spezialisiert und wird keine EFH's rechnen. Bei den EFH sind die Honorare um die 10.000 € inklusive Pläne zeichnen und Bauabnehmen. Wieviele von den EFH muss man denn da so am Tag rechnen um ein Gehalt von 50.000 € zu bekommen? Nur Lügen, nur Heuchelei.

Markus | 20. November 2015 - 14:12

Seit Jahren lese ich hier die Kommentare etc. Alle beklagen sich. Ganz einfach. Sollen doch alle die sich beklagen das Fach bzw. den Job wechseln.

widmax | 20. November 2015 - 12:26

@Michael:
Ich bin selbständiger Tragwerksplaner (Einzelkämpfer). Für mich wars das Richtige. Natürlich kannst du in der Industrie (Maschinenbau) arbeiten. Dort verdienst du als Angestellter eher besser als am Bau. Aber, du hast Vorgaben und musst dich recht eng spezialisieren. Und in dieser Spezialisierung bleibst du "gefangen". Als Bauingenieur hast du eine viel größere Bandbreite. Aus eigener Erfahrung halte ich den Beruf des Tragwerkplaners für einen unglaublich kreativen Job, der von dir verlangt Lösungen zu suchen. In der Industrie hast du dafür Vorgaben, die nicht verlassen werden dürfen. Jeder Arbeitsschritt ist durch die Vorgabe eines QM-Systems geregelt. Das muss man auch mögen.

Also: für mich war es das Richtige - aber eine Entscheidung kann ich dir nicht abnehmen. Noch was zum "Märchen" Fachkräftemangel: Ich würde liebend gerne einen Bauingenieur einstellen! Aber Im Bereich Tragwerksplanung scheint das aussichtslos. Es gibt schlichtweg Niemanden. Ich wünsche dir, dass du die für dich richtige Entscheidung triffst. Widmax

BauIng | 20. November 2015 - 09:35

@Malcolm:
Wie Tiefbauer schon sagt, der Nettoverdienst hat keinen Vergleichswert. Aber das sagt ja schon einiges über Ihre Kompetenz aus...

Ich verdiene zur Zeit BRUTTO 3500 EUR/Monat auf 14 Monatsgehälter + bezahlte Überstunden + Bonuszahlung bei 3 Jahren Berufserfahrung. Ich arbeite im Ruhrgebiet. Meine Aufgaben sind hauptsächlich Tragwerksplanung und Prüfung. Vom MFH über Industrie und Wasserbau bis zum Brückenbau ist alles dabei.

Malcolm | 19. November 2015 - 20:04

@Tiefbauer:
Birnen oder Äpfel oder was der Teufel weiss. Bauingenieure sind die billigsten Ingenieure Punkt Ende.

Diplommaurer | 19. November 2015 - 17:08

Ich war vor 6 Jahren in der gleichen Situation. Hab mein Bauingenieurstudium durchgezogen und den Master auch noch gemacht. Während dem Studium hab ich 2-3 Tage die Woche nebenher noch als Maurer gearbeitet und war viel im Ausland. Nun bin ich Oberbauleiter in einem Familienunternehmen.

Meiner Meinung nach wird oft unterschätzt, welches Wissen und Können Bauhandwerker haben. Bei uns im Unternehmen baut jeder sein Haus selber, die Materialien bekommst mit gut 30 % Rabatt. Wer schon viel Berufserfahrung hat kennt auch viele Handwerker in anderen Gewerken. Ich hab mein Haus komplett in Eigenregie gebaut. Meinen Architekten kenne ich vom Studium, der hat alles gezeichnet. So konnte ich mir innerhalb von 2 Jahren ein sehr großes schönes Haus bauen zum halben Preis (450.000 € statt 900.000 €).

Das mit dem Fachkräftemangel stimmt zum Teil. Gute Maurer sind schwer zu finden und Ingenieure auch. Es gibt viele, die einfach im Studium nix gelernt haben. Die tun sich später schwer und bekommen keine guten Jobs.

Tiefbauer | 19. November 2015 - 14:20

Welches Aussagekraft hat denn bitteschön der Nettoverdienst? Du vergleichst doch auch keine Äpfel mit Birnen.

Malcolm | 18. November 2015 - 22:19

@Bauing:
Veratt uns bitte was du monatlich netto verdienst? Dann weiss er wenigstens was ihn erwartet.

Tdior | 18. November 2015 - 09:40

Ich sehe es genau anders. Vor wenigen Jahren war ich in einer ähnlichen Situation, nur dass ich mich in einem Studiengang befand, in welchem die Zukunftsaussichten besser aussehen. Trotzdem war ich nicht glücklich und habe deshalb entschieden das zu studieren, was mich mehr interessiert hat - Bauingenieurwesen. Mittlerweile bin ich mit dem Studium fertig, seit fast zwei Jahren im Beruf und bereue es keinen einzigen Tag. Wenn dich, wie du sagst, Bauwerke interessieren und faszinieren, kann ich nur empfehlen dabei zu bleiben. Es gibt nichts schlimmeres 40 Jahre oder länger täglich auf die Arbeit zu fahren, die man nur "so lala" gerne macht.

BauIng | 18. November 2015 - 08:58

@Michael:
Auf jeden Fall nicht Blind auf irgendwelche Meinungen hören! Sowohl in die eine als auch in die andere Richtung gibt es sehr extreme Aussagen. Es ist schwierig eine so pauschale Frage auf ein so komplexes Themengebiet zu beantworten. Es hängt von so vielen Faktoren ab. Wo willst du arbeiten (Region), wo studierst du (Uni oder FH), was ist dein angestrebter Abschluss, welcher Bereich interessiert dich, was willst du später machen, wer soll dein Arbeitgeber sein (großes, mittleres, kleines Unternehmen, Auftraggeberseite, Auftragnehmerseite), welche Erwartungen hast du selber an deine Arbeitsstunden und dein Gehalt? Das Baugewerbe ist nichts was man aus rein ökonomischen Gesichtspunkten anstrebt. Das war es nie und wird es nie sein. Für das Baugewerbe muss man in gewisser Weise geboren sein. Du wirst nur dann eine Chance auf Erfolgt haben, wenn du hinter der Sache stehst, die du machst und das gilt sowohl für das Bauwesen, als auch für den Maschinenbau, als auch für diverse andere Branchen.

Zu deinen Recherchen solltest du immer im Hinterkopf haben, wer im Internet hauptsächlich schreibt. Oft sind es die Leute, die tatsächlich Probleme haben, oder wie hier so oft vermutet, die Lobbyisten. Eine Aussage über die gesamte Branche wirst du hier nur sehr schwer objektiv ableiten können, denn wer keine Probleme hat, hat wenig Grund sich hier auszukotzen.

Bei deiner Entscheidung musst du selber überlegen, was dir am meisten Spaß macht. Sowohl in der einen als in der anderen Richtung wartet Glück und Pech. Wichtig ist, dass du zu dem stehst was du machst, dass du mit deiner Leistung zufrieden bist und wenn es nicht so läuft wie du es dir wünschst, dass du den Arsch in der Hose hast aufzustehen und daran zu arbeiten. Auch wenn es vielleicht heißt dir einen anderen Arbeitgeber zu suchen. Geschenkt wird dir in beiden Branchen nichts.

Ich habe Bauwesen aus Faszination studiert, ich habe nie erwartet das ganz große Geld zu verdienen. Ich verdiene durchaus in einem vernünftigen Rahmen, so dass ich meine Familie ernähren kann und ausreichend Geld für Luxus über bleibt. Meine Arbeitswochenstunden sind human, nur bei Projektspitzen muss ich mal flexibel sein (völlig normal auch in anderen Branchen). Ich bin mit meinem Arbeitgeber und meinen Kollegen sehr zufrieden und sehe keinen Grund irgendetwas zu ändern. Ich würde es also absolut genau so wieder machen.

Malcolm | 17. November 2015 - 19:54

Auf jeden Fall wechseln! Alles was Opus erzählt hat ist wahr. Bauingenieure sind die billigsten Ingenieure.

Opus | 17. November 2015 - 12:29

Auf jeden Fall wechseln! Glaub nicht der Lobby-Propaganda der Bauindustrie. Die Gehälter sind unterirdisch, die Arbeitsbelastung extrem hoch und die Verantwortung vergleichbar mit der eines Präsidenten. Die Industrie will nur billige Knechte! Und wenn nicht bei uns, dann werden sie aus dem Ausland importiert ("Fachkräftemangel"). Ich wünsche mir, ich hätte was anderes studiert.

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