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Sonntag, 29. März 2020
Ausgabe 6796 | Nr. 89 | 19. Jahrgang
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Studium Bauingenieurwesen abbrechen?

30 Kommentare | 10379 Aufrufe Kommentar hinzufügen
Michael | Thema eröffnet vor 4 Jahren

Ich studiere Bauingenieurwesen im 3. Semester an der Universität und habe den Studiengang aus Interesse und Faszination für Bauwerke gewählt. Mittlerweile habe ich allerdings durch die Uni und Praktika oberflächliche Einblicke in das Baugewerbe erhalten und bin mir unsicher ob mich die Inhalte meines weiteren Studiums, sowie die späteren Berufsaussichten wirklich zufriedenstellen.

Im Internet liest man mehrheitlich schlecht über das Baugewerbe. Ich überlege deshalb einen Studiengangswechsel zum Wirtschaftsingenieur (Maschinenbau) im kommenden Sommersemester - dieser Bereich interessiert mich ebenfalls. Meine Frage: Angesichts der aktuellen Gehalts-, Arbeits- und beruflichen Zufriedenstellungssituation im Baugewerbe, wie würdet ihr euch aus heutiger Sicht entscheiden: Wechsel oder weiterstudieren?

DB_Franz | 26. Februar 2020 - 19:54

@Leon:
Ich bin seit 25 Jahren Bauingenieur - und es hat sich gelohnt! Mittlerweile bin ich bei der DB AG gelandet und verantworte eines der größten Infrastrukturprojekte in Deutschland. Natürlich kann man in anderen Berufen mehr verdienen - z.B. als Arzt, Wertpapierhändler oder so. Aber ich bin Ingenieur - für mich gibt es keinen besseren und schöneren Beruf! Wenn es Dir nur ums Geld geht, dann mach was anderes. Allerdings ist dabei oft das Problem, dass Du in einem Beruf, der zwar Geld verspricht Dir aber nicht liegt, Du auch nicht gut bist. Tja, dann wird es mit dem großen Geld auch nichts. Wenn Du also aus Interesse und Neigung Bauingenieurwesen studierst - dann bleib dabei!

Alter Bauingenieur | 20. Februar 2020 - 16:59

@Leon:
Also die Erfahrungsberichte können stimmen oder nicht. Im Grunde genommen musst Du wissen, ob das Bauingenieurwesen deine Passion ist oder nicht. Ich bin seit über 27 Jahren Absolvent des Bauingenieurwesens und es hat sich definitiv nicht (!) gelohnt. Ich habe mich vor knapp 10 Jahren in den öffentlichen Dienst "gerettet", weil ich eine Sinuskurve von einem Leben hatte (Job, kein Job, Job, kein Job etc.). Das Problem ist, dass alle Medien und Berichte eigentlich lügen. Der sogenannte Ingenieursmangel ist durch die Industrie und Verbände künstlich hervorgerufen.

Warum? Nun, wenn Du mal die Gelegenheit genossen hast, arbeitslos zu sein und Du bist in einer Fortbildungsmaßnahme oder über einem gewissen Alter, fällst Du aus der Statistik heraus. Das merkst Du gar nicht. Es gibt so viele "Überschuss"-Bauingenieure, dass Dir schlecht wird. Was sage ich also einem Erst-Semestler, der so Fragen wie Du stellt?

Meine Meinung: Finger weg vom Bauingenieurwesen und rette Dich in den Maschinenbau. Dort ist die Möglichkeit, anhand der Fertigungstechnik oder im reinen Projektmanagement Jobs zu ergattern, die wesentlich besser bezahlt werden als im Bauingenieurwesen. Das Bauwesen selber mag momentan oder vielleicht noch in ein bis zwei Jahren gut gehen. Aber die Immobilienblase wird sehr bald platzen und dann? Dann bist Du im Unternehmen ein junger unabhängiger Bauingenieur, der vor dem Familienvater entlassen wird.

Kenne ich leider alles. Also keine Sorge, ich weiß wovon ich schreibe. Nun, angesichts der Situation im Automobilbau wäre ich mit dem Mascinenbau vorsichtig, in welchen Bereich ich vertiefe. Hätte ich einen Sohn, würde ich ihn in drei Richtungen schicken wollen:

  1. Fertigungstechnik (da geht immer was, auch in den Pharmakonzernen)
  2. Projektmanagement (gute Möglichkeiten, auch im Ausland unterzukommen, z.B. USA => Nein, auch wenn Trump Präsident ist und vielleicht auch wieder gewählt wird, das Land selbst und die Möglichkeiten sind wirklich unbegrenzt!)
  3. Simulationen (sehr schwer, sehr viel Mathematik, Physik). Da sind Jobs nach 4 - 8 Jahren von locker über 100.000 Euro drin!
So, meine 5 Cents. Mach was draus. Im Bauwesen gehst Du leider einen sehr beschwerlichen und leidensbehafteten Weg. Bauingenieure können sich nicht verkaufen und sind angesichts der Leistungen unterbezahlt. Definitiv.

Leon | 29. Januar 2020 - 12:29

Ich studiere momentan Bauingenieurwesen im 1. Semester, war auch soweit zufrieden und motiviert. Bis ich hier im Forum die Erfahrungsberichte gelesen habe. Eigentlich wollte ich mich später im Baugewerbe selbstständig machen, habe jedoch nun das Gefühl bekommen, dass es sich nicht lohnt.

Da das Baugewerbe anscheinend zu sehr umkämpft ist, man schnell Insolvent gehen kann und dafür eine schlechte Bezahlung bekommt. Meint ihr es lohnt sich heutzutage noch Bauingenieurwesen zu studieren, wenn man auch auf das Gehalt schaut? Oder ist es eher eine Berufung?

Dipl.-Tiefm. | 20. April 2016 - 17:34

Ich bin selbstständiger Büroinhaber, habe fast 30 Mitarbeiter und jeder verdient gut. Mein Bruttoverdienst lag in den letzten 15 Jahren deutlich im 6-stelligen Bereich. Man kann in der Branche sehr gutes Geld verdienen, vorausgesetzt man hat eine klare Zielsetzung und verfolgt dazu die passende Strategie. Ich bin aber davon überzeugt, dass dies in jeder Branche geht - mit viel Kraft und Ausdauer und ein bisschen Glück! Ob Du das Richtige studierst, musst Du selbst entscheiden. Wenn Du wegen der Bezahlung zweifelst, wechsle den Job. Ich habe niemals den größten Wert auf die Bezahlung gelegt, mein Fokus lag auf der Entwicklung und Ideenfindung für neue Bauten und Bauwerke - das ist meine Bezahlung und meine Passion als Bauingenieur. Der Rest kommt von selbst!

Baumann | 12. Februar 2016 - 12:11

Die Spiegel Gehalts-Vergleichsliste ist ein Witz - glauben Sie bitte nur die Statistik, die Sie selber aufgestellt haben. Und zum Thema Geld und Zufriedenheit - ist dies immer gleich zu stellen? Beachten Sie bitte auch: Bauingenieure die zufrieden und glücklich sind, finden selten Zeit und Lust hier zu schreiben. Also finden sich hier überproportional miese Meinungen, die nicht der tatsächlichen Stimmung entsprechen müssen.

Techn. Leiter | 11. Februar 2016 - 09:41

@Michael:
Es muss Dir bewusst sein, dass der Bauingenieur unterbezahlt ist. Aber wenn es das ist was Du machen willst, dann würde ich auch nicht wechseln. Ich habe selber mit dem Gedanken gespielt, aber habe mich dagegen entschieden. Und ich muss sagen, dass es sich gelohnt hat. Ich bin mittlerweile 6 Jahre im Beruf und arbeite als Technischer Leiter in einem mittelständischen Betrieb. Das tolle ist, wir sind nicht im Bautarif, auch nicht in irgendeinem Tarif. Da wir metallverarbeitend sind, orientiert sich der Chef an dem Tarif der IG Metall. Für uns ist das natürlich von Vorteil, und ich verdiene mittlerweile 70.000 € jährlich, habe aber auch Personalverantwortung.

Man muss immer schauen, was man aus seinem Leben macht. Aber es gilt hier genauso wie woanders: Klotzen, nicht Kleckern. Wer hart arbeitet, wird meistens auch dafür belohnt. Und man sollte immer auch seinen eigenen Wert im Unternehmen kennen und dementsprechend ein Gehalt fordern. Ich war damals einer der ersten Masterabsolventen nach Einführung und konnte mit knapp 50.000 € einsteigen.

Mein Gehalt bekommst du als Maschinenbauer genauso, mit Glück bist du auch im Tarif gebunden, dann hast du 35 h und alles ist gut. Wie du siehst, auch im Bau kann was erreicht werden, aber woanders geht das definitv besser! Wenn du Pech hast, dann dümpelst du so wie viele andere am Bau bei 40-50.000 € Jahresgehalt rum mit 10-20 Jahren Erfahrung.

abc | 23. Januar 2016 - 02:05

@Bauhorst:
Wenn Sie gut sind und z.B. als Ingenieurgesellschafts-Inhaber selbstständig und clever sind, können Sie auch deutlich mehr als ein Zahnarzt verdienen.

BauIng | 21. Januar 2016 - 15:34

@bauhorst:
Es ist schön, wenn sich die Leute hier mit echten Zahlen auseinandersetzen. Dabei sollte man jedoch bedenken, dass die Zahlen in dem Artikel (der zum einen 2014 erschien) aus einer Untersuchung von 2012 mit einer Erhebung zwischen 2005 und 2008 beruhen. Des Weiteren werden hier Nettolöhne angegeben, die sich je nach Lebenssituation nicht uneingeschränkt vergleichen lassen. Jeder kann und sollte sich nun seinen eigenen Teil dazu denken.

Ole | 20. Januar 2016 - 13:09

Das tut meinem Ego schon etwas weh, wenn ich sehe, das Berufe wie Lehramt, Buerokaufmann und Musikwissenschaften besser bezahlt werden. Jedenfalls sind wir auf Platz 52 von 133 nicht die Laterne der Tabelle.

JoKo | 19. Januar 2016 - 16:00

@Bauhorst:
Na immerhin, Platz 35. Viel Stress für wenig Geld - das nenn' ich doch ein Angebot. Man kann es über den Daumen peilen: 1/3 bricht das Studium ab, 1/5 findet sich - nach ca. fünfzehn Jahren - in lukrativen Positionen wieder, ein weiteres Drittel landet auf geruhsamen Pöstchen im Öffentlichen Dienst, inklusive den Beamten, der Rest versauert auf irgendwelchen Sachbearbeiter-/Bauleiterpöstchen oder schlägt sich prekär als Freiberufler durch. Bei den überschaubaren Honoraren für Planer sind übrigens die immensen Haftungsrisiken inklusive. Die spektakulären Pleiten von Walter-Bau und Holzmann sind ein bisschen in Vergessenheit geraten, von den vielen regionalen Firmen ganz zu schweigen. Da hieß es dann von einem Tag zum anderen statt außertariflicher Zulage Schlüssel vom Dienstwagen abgeben und auf's Amt gehen.

bauhorst | 10. Januar 2016 - 16:06

Für alle, die an tatsächlichen Daten interessiert sind. Kleiner Suchtipp: Der Bauingenieur findet sich ziemlich weit unten.

http://bit.ly/1PCU6LO

Sandro | 05. Dezember 2015 - 15:33

@Michael:
Ich hätte damals gewechselt, wenn ich gewusst hätte, was auf mich zukommt. Die Gehälter der Bauingenieure sind ein Witz, verglichen zu den anderen Ingeneiurdisziplinen. Dabei muss man auch betonen, dass momentan die Baukonjunktur mal wieder ein hoch hat! Bis du fertig studiert hast, wird es sicherlich anders aussehen - und die Gehäter dann auch.

Ich würde dir auch noch eine andere Überlegung nahe legen: Deutschalnd hat bereits eine gut ausgebaute Infrastruktur. Nachdem die paar Brücken und Straßen in den nächsten Jahren saniert werden und der Immobilienboom vorbei ist, was glaubst du - wie viele Bauingenieure werden da noch benötigt!? Die meisten Ingenieurbüros und Bauunternehmen sind dabei nur in Deutschalnd tätig - das darf man auf keinen Fall vergessen! Ich rate dir deine Entscheidung gut zu überlegen!

Geotechniker | 05. Dezember 2015 - 10:54

@Michael:
Ganz klar: Wechseln! Leider hat man uns im Studium belogen: Fachkräftemangel, 5000 € Einstiegsgehalt, blabla. In Wahrheit ist die Uni nur an sich selber interessiert: Fördermittel werden nach der Anzahl von Studierenden vergeben. Also möglichst viele junge Menschen ködern und lange im Studiengang halten, dann gibt es mehr Fördergeld. Und wenn man dann fertig ist fällt man auf die Nase, Gehälter liegen 50 % tiefer oder schlimmer, 60 Stundenwoche als unbezahlte Mehrarbeit.

Wenn ich nochmal die Wahl hätte: 1. Gehaltstabellen im Internet checken: Realgehalte liegen im Schnitt 30% tiefer als was einem an der Uni erzählt wird. 2. Rohstatistiken der Agentur für Arbeit analysieren: Nicht "Arbeitslose" sondern "Arbeitssuchende" betrachten. Dann fällt einem auf, dass viele Diplomer nicht arbeitslos sind, weil Sie Pizza ausfahren. Daran sieht man wie hoch die Chancen wirklich sind in dem Abschluss eine Stelle zu bekommen.

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