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Vertiefungsrichtung im Bauingenieurwesen

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Thema eröffnet von Melanie | letzter Kommentar vom 05. April 2021 - 11:05

Ich bin Studentin der Technischen Hochschule Mittelhessen und studiere Bauingenieurwesen im 4. Semester. Nun muss ich schon bald meine Vertiefung auswählen, ich schwanke jedoch zwischen den Vertiefungen KT (Statiker) und IP (Infrastrukturplanung).

Ich hoffe, dass mir einige Erfahrene unter euch behilflich bei der Auswahl sein können und mir ggf. die Vor- und Nachteile schildern.

Martin, Jg. 76 | 05. April 2021 - 11:05

@Melanie:
Nach 2,5-jähriger Ausbildung zum Zimmerer mit anschließender 4,5-jähriger Berufsausübung bekommt man relativ viel Eindrücke aus anderen Hochbaugewerken mit, worauf ich mein Praxissemester bewusst im Bereich Straßen- und Tiefbau gewählt habe, obwohl ich mir am Anfang meines Studiums absolut sicher war, es geht in Richtung Holzbau/Hochbau.

Während meines Praktikums durfte ich eine Straßenbaumaßnahme begleiten, bei der umfangreiche Erdarbeiten/Umlagerungen erforderlich waren. Dieses sprichwörtliche "Berge versetzten" war der Anlass, meine Studienschwerpunkte weg vom konstruktiven Bereich hin zu Verkehrswesen, Geotechnik und Baubetrieb/Projektmanagement zu ändern.

Nach einigen Jahren in der Bauleitung/Oberbauleitung im Straßen- und Tiefbau sowie in der Umwelttechnik, habe ich mittlerweile die Niederlassungsleitung übernommen, trage die Verantwortung für rd. 75 Mitarbeiter mit einem Umsatzvolumen von ca. 30 Mio. €/a.

Ich denke, sowohl KT Konstruktiver Ingenieurbau als auch IP Infrastrukturplanung haben ihre Pros und Kontras. Meine Entscheidung fiel damals aus dem Bauch heraus, ich hab sie aber nie bereut. Meine Erfahrung rückblickend ist, dass ein Studium "nur" die theoretische Grundlage bildet. Das Lernen geht erst danach richtig los, man wächst mit den Aufgaben und letztendlich zählt die Erfahrung.

Fragerfrager | 27. März 2021 - 17:13

Ich studiere momentan Bauingenieurwesen im 4. Semester und arbeite mittlerweile seit einem Jahr in einem Ingenieurbüro - Richtung Infrastruktur, Abwasser und Wasser. Im Bachelor ist es möglich, Infrastrukturplanung (IP), Baumanagement und Projektsteuerung (BP) und Konstruktion und Tragwerksplanung (KT) zu vertiefen. Die Arbeit bringt mir eigentlich ziemlich Spaß und ich denke daher, dass ich im Bachelor dann IP vertiefen werde.

Seit neuestem gehen wir öfter auf Baustellen raus und so langsam fasziniert mich der Beruf des Bauleiters auf der Auftragnehmer-Seite. Ich frage mich nun explizit welche Richtung ich am besten vertiefen muss, um Bauleiter einer Baufirma im Bereich Tiefbau zu werden?

Wäre es möglich im Bachelor Infrastrukturplanung zu vertiefen und im Master dann etwas Richtung Management? Oder müsste ich am besten direkt im Bachelor Baumanagement und Projektsteuerung vertiefen (BP)? Ich würde mich freuen über erfahrene Ingenieure, welche damals vor der selben Frage standen und mir nun helfen können!? Eventuelle Kombinationsvertiefungen, die dann gut in dem Bereich ankommen. Vielen Dank!

Ingenieur | 11. September 2020 - 22:26

@Flosen:
Soweit ich weiß sind Projektsteuerer bzw. Projektmanager auch fast nur im Büro. Wenn du tatsächlich auf der Baustelle sein möchtest und dort deine Akzente setzen möchtest, musst du in die Bauleitung.

Flosen | 09. September 2020 - 17:25

Ich muss nun vertiefen. Eigentlich möchte ich in die konstruktive Richtung gehen, aber ich habe keine Lust andauernd im Büro zu sitzen und 1-2 mal wöchentlich auf die Baustelle zu fahren. Ich habe das Studium mit den Vorstellungen angetreten, dass ich sehr oft auf der Baustelle bin bzw. hin und her fahre und alles koordiniere und in Kontakt mit den Bauherren oder den Architekten bin.

Wenn ich jetzt Baumanagement (Hochbau) vertiefe, kann ich dann nachdem Bachelor theoretisch direkt in die Projektsteuerung / Projektmanagement gehen? Und gibt es hier vielleicht Bauingenieure, die diese Erfahrung gemacht haben oder irgendwie mitbekommen haben? Ich danke euch vorab!

CM | 03. November 2014 - 20:56

Ich bin jetzt im 3. Semester Bauingenieurwesen an der RWTH Aachen und muss mich auch bald für eine Vertiefungsrichtung (Konstruktiv/Baubetrieb/Wasserbau/Verkehr) entscheiden. 2 der 4 Fachrichtungen müssen kombiniert werden, ein drittes wird ergänzend hinzugenommen. Man hört immer mal wieder so manche Gerüchte "Konstruktiv schaffst du eh nicht, mach lieber was anderes, wenn du kein Statiker werden willst.."

Wasserbau soll hingegen angeblich vergleichsweise leicht sein. Gibt es hier Absolventen von der RWTH? Hat schon jemand Erfahrung? Ich überlege momentan in Richtung Verkehr zu gehen. Mit welchen Fachrichtung kombiniere ich das am besten? Lande ich mit der Wahl zwangsweise bei der Behörde? Vielen Dank für eure Tipps!

Rolli | 01. November 2014 - 13:41

Zu viele Baubetriebler: Lohnt sich diese Vertieferrichtung noch? Ich studiere an der Hochschule Darmstadt und bin im dritten Semester. Im nächsten Sem. will ich meine Vertieferrichtung wählen, am liebsten würde ich Bauwirtschaft vertiefen. Aber es machen die meisten an dieser Hochschule und in Frankfurt sieht es nicht besser aus. Weiß hier jemand ob es sich da lohnt überhaupt das zu machen oder ist der Bedarf groß genug?

GT1230 | 05. August 2014 - 13:30

@GT1512:
Die Frage kannst Du dir selbst beantworten, indem Du einfach mal die beiden gängigen Zeitschriften "KA" und "KW" in die Hand nimmst und schaust wer unter anderem Autor bei den Fachbeiträgen ist. Viel Spaß bei der Recherche.

GT1512 | 31. Juli 2014 - 16:21

@Pro21:
Zitat: "Finger weg von Umwelt. Auftraggeber ist fast immer die öffentliche Hand und es darf nichts kosten. Zudem mischen viele andere Berufsgruppen (Gewässerökologen, Landschaftsplaner, Geografen, Hydrologen, Biologen...usw.) mit und bieten ihre Dienstleistung für ein Appel und Ei an."

Kannst du mir das mal näher erläutern? Wo mischen die bei Wasserkraftanlagen, Kläranlagen, Wasseraufbereitungsanlagen etc. mit? Ich vertiefe Wasserwirtschaft/Energie & Umwelt (aber auf der technischen Schiene). Das macht mit Sicherheit kein Biologe oder Geograf. Ich finde deine Aussage einfach nicht korrekt so.

n1w8ls | 30. Juli 2014 - 13:09

Ein Professor vom MIT - den ich mal vor ein paar Jahren in Hamburg getroffen habe - hat mir folgendes gesagt:

.. you just need to speak three languages. English because its the language of the world. Spanish because its the language of the workers and Mandarin because its the language of the money. :)

Nein im Ernst. Wenn du international taetig sein moechtest dann solltest du Englisch sehr gut beherrschen. Sonst sind natuerlich weitere Sprachen immer vom Vorteil. Ich selbst spreche drei Sprachen fliessend wobei mir nicht alle bei meiner Taetigkeit als Bauingenieur weiterhelfen. Wenn du dazu noch ein paar Worte in einer anderen Sprache kannst ist das natuerlich von Vorteil, aber wirklich interessant ist es nicht.

Hansem | 27. Juli 2014 - 11:48

@Ernst:
Es gehört zwar nicht ganz zum Thema hier, aber da Sie es bereits angesprochen haben, würde ich als Student gerne mehr dazu wissen: Um welche Fremdsprachen handelt es sich denn, bzw. welche haben Sie in Ihrem Berufsleben als wichtig bei internationalen Projekten befunden? Ich selbst erinnere mich einmal in einem Flugzeug mit einem erfahrenem Bauingenieur geredet zu haben, welcher mir gesagt hat, dass auf internationaler Ebene nur Englisch wichtig ist, da bei internationalen Projekten alles auf Englisch kommuniziert wird. Haben Sie da anderweitige Erfahrungen gemacht? Wenn ja, welche Sprachen spielen denn noch eine Rolle?

Pro 21 | 23. Juli 2014 - 10:54

@Thomas:
Finger weg von Umwelt. Auftraggeber ist fast immer die öffentliche Hand und es darf nichts kosten. Zudem mischen viele andere Berufsgruppen (Gewässerökologen, Landschaftsplaner, Geografen, Hydrologen, Biologen...usw.) mit und bieten ihre Dienstleistung für ein Appel und Ei an.

Thomas | 23. Juli 2014 - 09:50

Guten Tag, ich studiere an der Hochschule RheinMain Bauingenieurwesen und muss mich zum neuen Semester in eine Vertiefungssparte einschreiben, da ich mit dem Grund- und Hauptstudium nun abgeschlossen habe. An unserer Hochschule werden drei Vertiefungsrichtungen angeboten: Konstruktion, Bautechnik und Baubetrieb sowie Bauplanung und Umwelt.

Nun zu meinem Anliegen, ich interessiere mich für Bautechnik und Baubetrieb oder Bauplanung und Umwelt. Doch leider werden an unserer Hochschule diese Vertiefungsrichtungen nicht genauer vorgestellt, sodass ich mehr oder weniger "planlos" meine Vertiefungsrichtung wählen muss. Ich tendiere eher zu Bauplanung und Umwelt, doch viele Kommilitonen raten mir davon ab. Nun wollte ich gerne von euch wissen, wie sind die Berufschancen bzw. interessiert den Arbeitsgeber überhaupt die Vertiefungsrichtung oder kommt es ihm eher auf das komplette Bauingenieurwesen-Studium an? Wäre nett, wenn ihr ein paar Tipps habt - sowie Pro und Contra-Argumente. Viele Grüße, Thomas

Ole | 22. Februar 2014 - 09:32

Ich kann mich Ernst nur anschließen. Ich habe konstruktiven Ingenieurbau vertieft und nur für 2 Jahre in der Planung gearbeitet. Ich habe damals Baubetrieb, Baurecht usw immer mitbelegt und so viele Scheine wie angeboten gemacht. Im Nachhinein war das mehr wert, als meine Ausbildung zum Zimmermann. Es gibt Dir einfach viel mehr Optionen.

Ernst | 18. Februar 2014 - 11:47

@Melanie:
Also aus meiner nun 20-jährigen Berufspraxis kann ich dir folgendes Vorgehen empfehlen. Rein auf das Gehalt bezogen darfst du nicht in einem Ingenieurbüro arbeiten! Aber das ist halt auch nur die halbe Wahrheit. Ich würde den Bereich Statik vertiefen und nebenbei die Bereiche Baubetrieb über das erforderliche Maß was du machen musst mitlaufen lassen. Das ist zwar etwas mehr an Aufwand, aber das eine Semester wo du dadurch vielleicht länger brauchst hast du nachher an Wissen mehr. Studium ist halt nicht nur schnell fertig werden, das muss dir klar sein.

Dann hast du einen richtig guten Einblick in das Bauingenieurwesen nach dem Studium. Leider musst du erst einmal in den sauren Apfel beißen und im Ingenieurbüro arbeiten. Dort lernst du die Denkweise und Verantwortung des Statikers kennen und verstehtst dann auch wie ein Bauwerk zu konzipieren ist. Es reicht dies zwei bis drei Jahre lang zu machen. Dann solltest du es abhaken, weil Geld ist dabei nicht zu verdienen und es sitmmt, die Verantwortung ist groß und trotz der vielen Kontrollmechanismen Fehler nie ganz ausgeschlossen. Dann geh raus in die Projektleitung. Das ist viel besser bezahlt, viel interessanter und du hast viel mehr mit Menschen zu tun. Du kannst auch in einen Betrieb gehen der als Zulieferer im Bau tätig ist, dann hast du wieder einen Bürojob und der ist auch nicht so schlecht bezahlt.

Du arbeitest sicher mehr in der Projektleitung, das ist schon klar. Aber dadurch, dass es interessant ist gleicht sich das aus. Wenn du dann noch Freude an Fremdsprachen hast, dann ist es perfekt. Ich arbeite auch in einem international tätigen Unternehmen. Und nein, du musst nicht alles perfekt können, das sind Märchen. Ich kämpfe mich auch durch drei Fremdsprachen und es geht sehr gut, obwohl ich nur eine fließend spreche. Und dann noch ein Rat, man muss nicht unbedingt in Deutschland arbeiten, als Bauingenieur ist dem sogar gänzlich abzuraten. Aber das nur nebenbei.

Thomas | 12. Februar 2014 - 14:38

Leute! Vertieft das was euch interessiert und was Euch Spass macht! Das Studium ist ein Lernprozess und die BESTE Zeit im Leben. Falls Ihr noch keine Ahnung habt, ob Ihr spaeter im Statikbuero sitzen wollt oder bis zu den Knien im Sand, macht Praktika in den verschiedenen Bereichen!

Hornisse | 12. Februar 2014 - 12:10

Zitat Studentimdritten:
"Ich habe nämlich gelesen, dass es z.B. Statiker (Tragwerksplaner) in Massen gibt und man nicht gute Chancen auf einen gut bezahlten Arbeitsplatz hat, stimmt das? Oder sind das nur Gerüchte? Ich würde mich echt über Antworten freuen, weil es geht wirklich um meine zukünftige Karriere. Danke vielmals!."

Auch wenn einige der "berufserfahrenen" Erstsemester hier es nicht wahr haben wollen und gerne ihre vierteljährlichen "Gehaltserhöhungen" unter dem Beifall ihrer Zweitsemesterkollegen posten. Ja es stimmt. Lass die Finger weg von allem, was mit technischer Verantwortung im konstruktiven Ingenieurbau zu tun hat.

Studentimdritten | 11. Februar 2014 - 17:37

Ich bin gerade im 3. Semester einer guten Hochschule Hessens (Raum Frankfurt am Main) und muss bald vertiefen. Von den 4 Vertiefungsrichtungen (Konstruktiv, Wasser, Bauwirtschaft und Verkehr) liegen mir am besten die Vertiefungsrichtungen Konstruktiver Ingenieurbau und Bauwirtschaft. Ich weiss das man seine Vertiefungsrichtung nicht vom Gehalt abhängig machen sollte, jedoch möchte ich auch nicht nachher etwas vertiefen wo mit ich kein Geld verdienen kann. Ich würde gerne von echten Ingenieuren, die wirklich tätig sind - und nicht nur Internetbeschwörer sind - wissen, wie viel ich als Einstiegsgehalt bekommen würde/könnte bei Konstruktivem Ingenieurbau sowie Bauwirtschaft. Wie gesagt mir liegt beides sehr. Deshalb würde ich die Entscheidung nach dem Verdienst machen.

Ich habe nämlich gelesen, dass es z.B. Statiker (Tragwerksplaner) in Massen gibt und man nicht gute Chancen auf einen gut bezahlten Arbeitsplatz hat, stimmt das? Oder sind das nur Gerüchte? Ich würde mich echt über Antworten freuen, weil es geht wirklich um meine zukünftige Karriere. Danke vielmals!

belo | 04. Mai 2012 - 12:12

@Hans:
Mit PM meinst du wohl Projektmanagement oder? Was genau kann ich mir darunter vorstellen? Wie sehen deine Arbeitszeiten aus? Und wie viel genau verdienst du jetzt wirklich wenn man fragen darf?!

Hans | 30. April 2012 - 14:51

Hallo Melanie,
na ja, kommt darauf an was du später vorhast. Wie du sicher schon aus dem Forum entnommen hast werden die "Planer" ziemlich unterirdisch bezahlt - natürlich auch bedingt
durch wachsenden Konkurrenzdruck aus dem Osten und lächerlichen HOAI Sätzen. Das wird in Zukunft nicht besser!

Im Baumanagement bzw. in der Projektsteuerung hast du sicher etwas mehr Möglichkeiten in einem Bauunternehmen oder als Bauherrenvertreter in anderen Industriezweigen unterzukommen. Ich selbst habe auch einmal Konstruktiven Ingenieurbau vertieft (mangels Alternativen) und fand das Berechnen von Stirnplattenstößen und Durchstanzbewehrungen extrem langweilig. Nach dem Studium bin ich sofort ins PM gewechselt und verdiene heute ca. 50 % mehr als meine Studienkollegen, die als Statiker arbeiten.

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