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Dienstag, 26. März 2019
Ausgabe 6427 | Nr. 85 | 18. Jahrgang
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Wechsel von Planung (Ingenieurbüro) in Bauleitung (Konzern) - Entscheidungshilfe gesucht!

3 Kommentare | 428 Aufrufe Kommentar hinzufügen
| 15. Dezember 2018 - 15:19

Ich stehe derzeit vor einer für mich sehr schwierigen Entscheidung bzgl. Jobwechsel und beruflichen Zukunft, weshalb ich mir hier Ratschläge / Erfahrungsberichte von Berufskollegen erhoffe, die ähnliche Situationen erlebt haben. Zu meiner derzeitigen Situation:

  • männlich, Ende 20, B.Sc. Bauingenieurwesen
  • 2 Jahre Berufserfahrung als Projektingenieur (Planung + Projektleitung) in einem kleinen Ingenieurbüro (< 10 Mitarbeiter)
  • Straßenbau und Verkehrsplanung, "kleine" Projekte für Städte, Kommunen und Gemeinden, Raum Bayern
  • Jahresgehalt gesamt aktuell 48.000 EUR brutto, 30 Urlaubstage, Zeiterfassung bei 40h/Woche, Alle Überstunden werden ausbezahlt oder Freizeitausgleich
  • üblicherweise bleibt es bei 40h/Woche, teiltw. 42-45 h/Woche, absolute Ausnahme 50-60 h/Woche (bisher 2 Wochen)
  • flache Hierarchien, viel eigener Handlungsspielraum, 90-95 % reine Bürotätigkeit am PC
  • Arbeitsweg ca. 20-30 min (Auto/Fahrrad)
  • kaum Entwicklungsmöglichkeiten, Gehaltssteigerungen begrenzt, man lernt viel
Aktuelles Jobangebot:
  • einer der größten Baukonzerne Deutschlands
  • Bauleitung für Großprojekte im Straßenbau (Einarbeitung als Jungbauleiter)
  • Jahresgehalt 55.000 bis 60.000 EUR brutto + Firmenfahrzeug + Urlaubsgeld + tägl. Verpflegungspauschale, Jahresbonus u. Projektbonus
  • 30 Urlaubstage, zusätzliche Brückentage frei
  • keine Zeiterfassung, Überstunden inkl., definitiv keine 40h/Woche - eher 50-60 h/Woche?
  • aktuelle Baustelle wäre ca. 3 h von meinem Wohnort entfernt - mir würde vor Ort eine Wohnung gestellt
  • Mo - Fr auf der Baustelle, Wochenende und evtl. 1 Tag unter der Woche zu Hause (meine Freundin hätte vorerst nichts dagegen)
  • sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten (Fachlich + Gehalt)
Ich bin grundsätzlich schon eher der Typ, der abends gerne nach Hause kommt und dann dort noch private Projekte verwirklicht und dort gerne Zeit mit Familie und Freunden verbringt. Ich würde auch sagen, dass ich nicht der typische "Karrieretyp" bin, der darauf wirklich Wert legt. Jedoch habe ich auch etwas die Befürchtung, dass ich in einem kleinen Büro auf Dauer keine Möglichkeiten habe "weiterzukommen".

In einem Baukonzern würden mir theoretisch "alle" offen Wege stehen. Jedoch weiss ich auch, dass man sich von den "Lockangeboten" großer Unternehmen nicht immer blenden lassen sollte. Wer von euch hat denn Erfahrungen in der Bauleitung eines Baukonzernes? Würdet Ihr diesen Weg erneut wählen?

Auf wie viele Wochenarbeitsstunden muss man sich denn einstellen? Für Tipps und Eure eigenen Erfahrungen (ähnliche eigene Situationen) wäre ich sehr dankbar.

forum-thread-2699
Widmax | 22. Dezember 2018 - 17:28 2018-12-22

@Planer:
Meine Vorgänger haben ja schon sehr deutlich gemacht, was Dich in der Bauleitung erwartet. Jetzt rechne mal: 40 h Woche / 55 h Woche wäre 48.000 €/a / 66.000 €/a. Du verdienst also in der Bauleitung, im angebotenen Job, weniger in der Stunde als bei deinem jetzigen Job. Und das bei allem, was meine beiden Vorgänger über die Bauleitung erzählt haben. Naja. Ich war selbst eine Zeit lang als Bauleiter und später als Kalkulator bei einer Baufirma. Ich bin es nicht mehr. Als Erfahrung ist das vielleicht ok, aber als Lebensstellung? Ich würde es nicht mehr machen!

Jungbauleiter | 20. Dezember 2018 - 23:45 2018-12-20

Ich bin als Bauleiter direkt nach dem Studium eingestiegen, dass war vor 2 Jahren. Es waren lehrhafte, gutbezahlte zwei Jahre als Mittzwanziger ohne viel Freizeit - obwohl ich nach Hause gekommen bin. Bauleiter ist abwechslungsreich und interessant. Sei dir einfach bewusst auf was du dich einlässt. Wenn du weisst, dass du im alten Büro nicht bleiben willst - egal ob du als Bauleiter erfolgreich sein wirst oder nicht - wird das der richtige Schritt sein. Sei dir einfach über die folgenden Dinge bewusst:

  • deine Baustelle ist dein Baby
  • ein Unfall kann dich strafrechtlich verfolgen
  • das Wetter kann all deinen Erfolg - ohne das du etwas dagegen machen kannst - zunichte machen
  • Du wirst auch am Wochenende an deine Baustelle denken, denn Montag ist der wichtigste Tag der Woche
  • wenn dein Polier krank wird, kannst du den Monat vergessen
  • Urlaub nimmst du dann, wenn es für das Projekt ok ist (z.B. in der Schlechtwetterzeit)
  • es gibt immer wen der deinen 12 h Tag als Halbtagsjob einstuft
Das klingt jetzt alles Schwarz. Aber wenn das Gehalt lockt, malt man es sich alles rosig. Schau einfach ob es in dein privates Ziel passt - wenn deine Freundin hinter dir steht, kann ja nichts schiefgehen. Du findest ohne Probleme auch wieder einen anderen Job und bist eine Erfahrung reicher. Auto und Tankkarte sind übrigens ziemlich cool! Eine ruhige Bedenkzeit!

Hier | 19. Dezember 2018 - 19:11 2018-12-19

Ich habe eine sehr ähnliche Erfahrung machen dürfen. Drei Jahre im Ingenieurbüro, Planung und Bauüberwachung. Ich sah keine Perspektive mehr. Angebot bei einer Baufirma als Bauleiter/Projektleiter mit ähnlichen Konditionen wie von dir genannt. Es war kein Konzern, aber als Tochter einer recht großen Mutter gab es schon konzernähnliche Strukturen. Schwerpunkt war nicht Straßenbau, sondern Erdbau.

Das erste Jahr war anstrengend, aber noch in Ordnung, im Zweiten kam ich an meine persönlichen Grenzen. Nach etwa 8-9 Monaten im zweiten Jahr habe ich gekündigt: mehr Verantwortung, 50-55 h/Woche, jeweils 2-3 Nächte/Woche im Hotel an der Baustelle, aber vor allem der konstant hohe Stresslevel (zwischen Arbeitsauslastung, Termin- und Kostendruck, sowie tlw. eine Arbeitsweise am Rande der Legalität, aber anderst ging es nicht) hat mir zu schaffen gemacht. Ohne Aussicht auf Besserung, nach dem Projekt ist vor dem Projekt.

Es ging einigen dort wie mir. Widerum einige kamen mit den Umständen gut klar, haben Karriere gemacht und waren happy. Nun gut, meins war es halt nicht und diese Erfahrung habe ich gemacht. Arbeite jetzt in der gleichen Branche, aber nicht mehr unmittelbar im ausführenden Gewerbe. Und darin bin ich eben besser - auch dank der Bauleitererfahrung. Zu wissen, was "dort draußen" geht oder nicht geht und wo man vera**** werden kann, ist viel Wert!

FAZIT: Ich denke mit Ende 20 kann man das auf jeden Fall mal mitmachen und es kennenlernen. Entweder man kommt klar, Volltreffer. Ansonsten, für die weitere Karriere macht sich eine Bauleiter-Station von 1-2 Jahre ziemlich gut. Aus der Position sich wegbewerben, da hat man es nicht schwer, was Neues zu finden. Und wie beschrieben, man gewinnt widerum viel Wissen.

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